Warum zocken wir eigentlich? Die Psychologie hinter Videospielen

20
Special Rebecca Herrmann - Autorin Michael Grünwald - Redakteur Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 17,55 €
Warum zocken wir eigentlich? Die Psychologie hinter Videospielen
Quelle: Square Enix

Spieleentwickler setzen viel daran, ihre Spiele interessant und fesselnd zu gestalten. Zu welchen Tricks gegriffen wird und was Psychologen dazu sagen, erfahrt ihr in unserem Special.

Man kauft sich ein neues Spiel, startet es und ZACK hat man in wenigen Tagen schon unzählige Spielstunden angesammelt und möchte immer weiterspielen. Natürlich kommt das nicht von ungefähr und auch die Entwickler tragen einen großen Teil dazu bei. Schließlich setzen diese verschiedene Taktiken ein, damit man länger im Spiel bleibt und ein positives Erlebnis hat.

Diese Methoden haben sich seit den Anfängen des Gamings im Laufe der Jahre weiterentwickelt. Bereits Entwicklerteams älterer Spiele wie Pong und Co. haben sich Gedanken gemacht, wie sie ihre Titel reizvoller gestalten können und so Spielerinnen und Spieler am Ball halten. Aber das ist nicht das Einzige, worum es in diesem Artikel gehen soll: Gespielt wurde schon seitdem es Menschen gibt, lange, bevor dieser Vorgang elektronisch umgewandelt wurde. Und seit etlichen Jahren beschäftigen sich Psychologen damit, welche Bedeutung und Auswirkung dieser scheinbar "sinnlose" Vorgang hat. Ob Siegmund Freud, Lew Wygotski oder Jean Piaget, viele Analytiker haben Theorien aufgestellt, welches Erlebnis wir beim Spielen erfahren wollen.

Brechen von Tabus

Der allseits bekannte und wohl ebenso umstrittene Neuropsychologe Sigmund Freud hat die These aufgestellt, dass man in Spielen Tabubrüche begehen kann, die im echten Leben Konsequenzen nach sich ziehen würden. Diese Tabus markieren die Grenzen des Handelns, Redens und teilweise sogar Denkens in der Gesellschaft, sie dienen als Regelwerk für ein funktionierendes Miteinander, sind aber eben auch immer künstliche Beschränkungen.

Die Banane in der Hand, die zur Waffe wird, der Seitensprung, der beim Liebesspiel mit dem Partner simuliert wird - beim (durchaus weit gefassten) Begriff des Spielens können gesellschaftliche No-Gos gebrochen werden. Angestaute Aggressionen können abgebaut und geheime und eigentlich unterdrückte Wünsche erfüllt werden.

Ebenso kann Spielen bei der Konfliktverarbeitung helfen. Aggressionen und Konflikte werden im simulierten Kosmos gelöst und nicht in die "Außenwelt" getragen.

Flucht aus der Realität

Auch bei Life is Strange werden Träume erfüllt. Chloe sieht in ihrem Traum, ihren Vater William, der schon lange nicht mehr lebt.  Quelle: PC Games Auch bei Life is Strange werden Träume erfüllt. Chloe sieht in ihrem Traum, ihren Vater William, der schon lange nicht mehr lebt.  Ob in diesem Kontext der Problembewältigung mit Blick auf unterdrücktes Verlangen und Aggressionen, oder auch mit harmloserer Bedeutung für einen selbst: Schlussendlich ist das Spielen immer ein kurzer Versuch der Flucht aus der Realität; ob es jetzt, ganz aktuell, die tobende Pandemie ist, oder ob man sich früher gesellschaftlicher Zwänge entfliehen wollte.

Jean Piaget, ein schweizer Pionier der kognitiven Entwicklungspsychologie, nannte dies eine "Verteidigung gegen die Wirklichkeit". Wir passen uns nicht an unser Umfeld an, sondern unser Umfeld an uns. In gewissem Sinne "wehren" wir uns also gegen die Wirklichkeit und den sozialen Druck. Wir bauen uns eine eigene, schöne Welt, die uns niemand kaputtmachen kann. Nicht nur unser Umfeld, sondern auch wir selbst sind so, wie wir es wollen.

Träume erfüllen

Auch Kinder nutzen diesen spielerischen Fluchtmechanismus, sei es jetzt wegen prekärer familiärer Verhältnisse oder anderer Lebensumstände, die ihnen zu schaffen machen. Gleichzeitig kommt bei ihnen aber ein weiterer Aspekt zum Tragen.

Laut dem sowjetischen Psychologen Lew Wygotski flüchten sich Erwachsenen vermehrt in unrealistische Träume oder Wunschvorstellungen. Kinder hingegen nutzen das Spielen sehr häufig auch zur Imitation, orientiert an der ihnen fremden Erwachsenenwelt.

Sie schlüpfen dann in die Rollen der Erwachsenen. Vater, Mutter, Kind, Kochen am Holzherd, Herumfahren mit dem Bobbycar - durch Beobachten der Erwachsenen lernen Kinder die Rollen kennen, in die sie später auch mal hineinwachsen werden, wodurch sich eine spannende Überschneidung aus Spiel und De-facto-Lernprozess ergibt. Dieses Prinzip zieht sich wie ein roter Faden auch durch das weitere Leben hindurch.

Entwicklungsfortschritte durch Spielen

Nicht nur Alkohol ist eine Sucht. Auch Computerspiele können diese Abhängigkeit auslösen. Auch aus diesem Grund kämpft die Bundesregierung seit 2021 gegen das System hinter Lootboxen, die dem Glückspiel ähneln.  Quelle: Rockstar Games Nicht nur Alkohol ist eine Sucht. Auch Computerspiele können diese Abhängigkeit auslösen. Auch aus diesem Grund kämpft die Bundesregierung seit 2021 gegen das System hinter Lootboxen, die dem Glückspiel ähneln.  Viele Hirnforscher sind sich außerdem einig, dass Brettspiele, das Spielen mit Puppen oder eben Gaming förderlich für die Entwicklung eines Heranwachsenden sind. Auch im gehobeneren Alter halten solche Aktivitäten das Gehirn regelmäßig auf Trab.

Diese und viele weitere Aspekte sind tief in uns verankert. Das bedeutet nicht, dass aus jedem Menschen ein Zocker wird, aber es zeigt, welche Gedanken sich Psychologen und Hirnforscher gemacht haben, um das Verhalten und die eigentlichen Beweggründe eines Gamers zu erklären.

Suchtverhalten

Doch es gibt auch weniger schöne Gründe, viel zu spielen. Vor allem die Sucht ist ein ständiger Gefahrenherd für anfällige Personen. Exzessives Zocken sorgt dafür, soziale Kontakte oder den Beruf zu vernachlässigen. Negative Konsequenzen werden schlicht und ergreifend verdrängt. In den meisten Fällen bezieht sich Spielsucht auf Glücksspiele, wie die klassischen Automaten in Casinos. Doch auch Computerspiele können genau diese Sucht auslösen.

Weiter geht's auf Seite 2!

20
  1. Seite 1 Warum zocken wir eigentlich? Die Psychologie hinter Videospielen - Seite 1
  2. Seite 2 Warum zocken wir eigentlich? Die Psychologie hinter Videospielen - Seite 2
  3. Seite 3 Warum zocken wir eigentlich? Die Psychologie hinter Videospielen - Seite 3
    • Kommentare (20)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von AlBundyFan Hobby-Spieler/in
        Zitat von LOX-TT
        Weils Spaß macht, wie bei anderen Hobbys auch
        genau der meinung bin ich auch - hobbys macht man, weil es spaß macht. es ist komplett egal was das ist....und solange man keinem anderen schadet ist es auch komplett harmlos und jedes hobby ist dann okay.
        videospiele spielen ist nur eine von tausenden möglichkeiten.
      • Von AlBundyFan Hobby-Spieler/in
        Zitat von LOX-TT
        Weils Spaß macht, wie bei anderen Hobbys auch
        genau der meinung bin ich auch - hobbys macht man, weil es spaß macht. es ist komplett egal was das ist....und solange man keinem anderen schadet ist es auch komplett harmlos und jedes hobby ist dann okay.
        videospiele spielen ist nur eine von tausenden möglichkeiten.
      • Von hunterseyes Mitglied
        Zitat von McDrake
        2.Was macht da Dein(e) Partnter(in) in der der Zeit?
        Meine Frau würd da nicht mitmachen, ich selber möchte unsere gemeinsame Zeit dann auch gemeinsam Freizeit verbringen (seltene Ausnahme: Monza).
        Beide Frauen machen da mit, das mit der Sauna war deren Idee, ebenso der Video und Kuschelabend unter den ganz engen FReundschaften.
      • Von McDrake Mitglied
        Zitat von hunterseyes
        Brechen von Tabus - sorry aber viele Tabus setzen wir uns selber mit eine recht kleinen eigenen Weltanschauung.
        Viele Dinge kann man auch im realen Leben machen, dort ist es sogar noch spaßiger:

        Wir gehen 2x im Monat zb auf eine Paintballanlage für das ganze Wochenende, das macht unglaublich viel Laune, hält ebenso fit und stärkt die Gemeinschaft. Prima Aggresionsbewältigung.
        Ebenso gehen wir jeden donnerstag als Gruppe in die Sauna, am Abend dann nen gemütlicher Filmabend mit knapperzeugs, je nach Stimmung gibts dann sogar noch mehr....
        Dinge, die man sich als Schichtarbeiter nicht so toll planen kann.
        :P

        2x Pro Monat Wochenende Paintball:
        1. Hab ich das selten
        2.Was macht da Dein(e) Partnter(in) in der der Zeit?
        Meine Frau würd da nicht mitmachen, ich selber möchte unsere gemeinsame Zeit dann auch gemeinsam Freizeit verbringen (seltene Ausnahme: Monza).
        Zitat von hunterseyes
        ka, warum man sich in eine virtuelle Welt flüchten muss, wenn man es in der realen welt auch - und besser haben kann.
        Mir fehlt da aber auch ein wenig das Geld um in Hockenheim zu fahren.
        Ganz zu schweigen von Weltraumflügen :P

        Und wie oben schön geschrieben:
        Es ist doch keine Flucht.
        Es ermöglicht halt was anderes zu erleben, als die Realität.
        Wenn auch lesen dann eine Flucht aus der Realität darstellt... dann nennt es halt so.
      • Von Strauchritter Hobby-Spieler/in
        Zitat von hunterseyes
        ka, warum man sich in eine virtuelle Welt flüchten muss, wenn man es in der realen welt auch - und besser haben kann.
        Basically weil in der realen Welt, zumindest soweit uns bekannt, ich keinen Respawn habe :B
        Und nicht Krösus bin...

        Deine Aussage erinnert mich in ihrer grundlegenden Facette an eine große Koryphäe der Philosophie unserer Zeit, welche sinngemäß, sogar nonverbal, der Welt mitteilte, sie solle gefälligst aufhören arm zu sein! (engl. org. Stop being poor! by Paris Hilton 2013)


      • Von Gast1661893802 Mitglied
        Zitat von ZgamerZ
        "Sich in virtuelle Welten flüchten", ist vom Wortlaut erst mal etwas sehr unschön. Wobei man da natürlich den Kontext klar benennen muss:
        ...
        Auch wenn ich bei meinen Vorlieben etwas anders liege und gerne auch mal "Ewigkeiten" in einem Spiel verbringen kann, denke ich Du hast die Basis die uns Antreibt sehr gut zusammengefasst. ?
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk