Zu Besuch beim besten Spiele-Entwickler Deutschlands: Wie man auch in der Krise Erfolg haben kann

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Special Marc Schmidt - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Zu Besuch beim besten Spiele-Entwickler Deutschlands: Wie man auch in der Krise Erfolg haben kann
Quelle: Benjamin Lochmann / Pixel Maniacs

Während große Gaming-Giganten Tausende Menschen entlassen, bleibt ein kleines Indie-Studio aus Nürnberg standhaft. Wie kann das sein und wieso können es die anderen nicht genauso machen?

Neben Wettbewerbsfähigkeit für den Standort Deutschland, bringt die Förderung vor allem Planungssicherheit mit sich. Ein entscheidender Faktor für Indie-Entwickler, die oft nur von Spiel zu Spiel planen können.

Auch Benjamin Lochmann, der einen Teil seiner Kindheit in Liverpool verbracht hat, kritisiert die Zuverlässigkeit der Investitionen: "Du weißt nicht, wie das mit der Förderung weitergeht, die ist zwar in Bayern supergut aufgestellt und da ist viel Drive dahinter. Aber ich denke halt in Jahrzehnten, ich will das noch lange machen." Genau wegen dieser Wechselhaftigkeit setzen die Pixel Maniacs auf Spiele, die auch ohne Förderung profitabel werden können.

Schluss mit dem Popstar-Denken

Benjamin Lochmann hat seit vielen Jahren das Privileg, seinem Traum nachzugehen und konnte ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen. Ein Grund dafür ist sicher seine realistischen Vorstellungen, die in seinen Augen im Indie-Sektor manchmal auf der Strecke bleiben:

"Da gibt es natürlich 1000 Beispiele von jemandem, der die letzten Euro ins Spiel investiert, es geschafft hat und jetzt halt Multimillionär ist. Aber daran sollte man sich nicht orientieren. Das ist dieses Popstar-Denken."

Stattdessen solle man laut dem erfahrenen Geschäftsführer lieber versuchen, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen, anstatt alles auf eine Karte zu setzen. "Es gibt viele Studios, die einen Hit geschafft haben, aber daneben halt 90 Prozent, die es nicht schaffen, profitabel Games zu entwickeln. Es ist ein hartes Business."

Für Lochmann ist jedes Indie-Spiel, das schwarze Zahlen schreibt, bereits ein großer Erfolg. Er sucht nicht nach den großen Millionengewinnen. Diesen Luxus können sich die Pixel Maniacs vor allem aufgrund ihrer Unabhängigkeit erlauben.

Macht sich ein kleiner Indie-Entwickler wiederum von einem großen Publisher abhängig oder lässt sich sogar komplett aufkaufen, gerät er schnell ins Kreuzfeuer der Weltwirtschaft. Das hat die jüngste Vergangenheit immer wieder gezeigt.

Interview mit den Pixel Maniacs Quelle: Benjamin Lochmann / Pixel Maniacs Das neu gegründete Indie-Studio Abduct Media (hier im Gespräch mit PCG) ist ebenfalls in Lochmanns Coworking Space beheimatet. Derzeit arbeiten sie am VR-Spiel "Interdimensional Mailmen". Lochmann ist sich bewusst, dass sein Studio genauso von der Krise betroffen sein könnte. Dennoch sagt er bescheiden: "Es war einfach reines Glück. Hätte ich einen Deal von Embracer oder Thunderful auf dem Tisch liegen gehabt, hätte ich ihn wohl angenommen - da bin ich ganz ehrlich." Als kleines Studio mit acht Leuten ist es einfach schwierig, die zusätzliche Sicherheit eines Publishers oder Investors ohne Weiteres auszuschlagen.

Ein weiteres Mittel, mit dem die Nürnberger den Druck durch externe Geldgeber reduzieren, sind zusätzliche Einnahmequellen. So existieren bis heute Mobile-Apps von früher, die zum Umsatz beitragen.

Aber auch Lochmanns eigens entwickeltes Influencer-Marketing-Tool, das von der EU gefördert wird, spült zusätzliches Geld in die Kassen. Indies, die diese Möglichkeit nicht haben, müssten sich oft mit Auftragsarbeiten herumschlagen, was zusätzlich Aufmerksamkeit vom Kerngeschäft abzieht.

Derzeit arbeiten die Pixel Maniacs an Chroma Gun 2: Dye Hard, das in der Unreal Engine statt in Unity entsteht. Dafür erhalten sie zusätzlich Unterstützung vom Film-Fernseh-Fonds Bayern, der Games-Förderung des Bundes und dem Epic Games Mega Grant. Zudem kooperieren die Pixel Maniacs erstmals mit einem Publisher.

Die Kalifornier von PM-Studios seien laut Lochmann nicht in die derzeitigen Turbulenzen verwickelt, weshalb man sich für die Partnerschaft entschieden habe. Das Sequel soll 2025 erscheinen und hat bereits einen ersten Trailer spendiert bekommen.

Doch was bedeutet das alles für die Zukunft der Branche und was können andere Entwickler von diesem Beispiel lernen?

Das Erfolgskonzept der Pixel Maniacs

Die Krise in der Videospielbranche ist real, allerdings betrifft sie im Moment insbesondere Triple-A-Entwickler, die kleinere Studios oft in Mitleidenschaft ziehen. Ein risikoaverses Vorgehen, der Fokus auf nachhaltiges Wachstum und zusätzliche Standbeine können helfen, um auch als kleines Indie-Studio ohne große Investoren oder Förderung zu überleben. Das haben die Pixel Maniacs in den vergangenen Jahren immer wieder unter Beweis gestellt.

Konkret bezogen auf den Standort Deutschland, kann die Förderung ebenfalls Krisen abfangen. Aber damit dieses Konzept auch für viele weitere Studios funktionieren kann, muss die Politik nachlegen und endlich verlässliche Strukturen schaffen.

Nach dem etwa einstündigen Ausflug in die Gartenidylle mitten im Nürnberger Großstadtdschungel wird klar, dass auch das Blitzlicht und der Glamour des Deutschen Computerspielpreises die Probleme der Branche nicht lösen werden und noch viel zu tun ist. Für Benjamin Lochmann hingegen ist in dieser turbulenten Zeit vor allem eine Sache klar: Er möchte diesen Job noch viele weitere Jahre machen und seiner Leidenschaft nachgehen, dem Entwickeln von aufregenden Videospielen.

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    • Kommentare (19)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Bonkic Mitglied
        chromagun 2 ist jetzt erschienen. und es spielt (zumindest auf steam) - wieder mal quasi niemand.
        für mich unverändert schwer erklärbar wie das funktioniert. aber sei es drum. 🤷‍♂️

        wird hier nen test geben, @pcgames?
      • Von Bonkic Mitglied
        chromagun 2 ist jetzt erschienen. und es spielt (zumindest auf steam) - wieder mal quasi niemand.
        für mich unverändert schwer erklärbar wie das funktioniert. aber sei es drum. 🤷‍♂️

        wird hier nen test geben, @pcgames?
      • Von Bonkic Mitglied
        Zitat von Marc Schmidt
        Wie schon geschrieben, bin ich das erste Mal auf dem DCP 2024 auf die Pixel Maniacs gestoßen. Wir kamen ins Gespräch und dadurch, dass ich selber aus der Region Nürnberg komme, wurde ich dazu eingeladen das Team doch mal vor Ort zu besuchen. Besonders die Idee mit dem Coworking-Space fand ich damals sehr spannend. Auch wenn das im finalen Artikel leider viel zu kurz kam.

        Allerdings wollte ich kein reines Studioporträt schreiben, weil das leicht zum Werbe-Text wird und bei einem kleinen Indie-Entwickler vermutlich auch keiner lesen würde. Daher habe ich die aktuelle Krise als Aufhänger genommen und versucht die Pixel Maniacs bzw. Indie-Studios generell in den größeren Gesamtkontext einzuordnen. Ursprünglich wollte ich auch noch das Thema Innovation im Indie-Sektor behandeln, aber damit hätte ich den Text dann endgültig überladen.
        alles klar, danke.
        gerne mehr davon. als nächstes vielleicht einen artikel über shin'en.
      • Von Marc Schmidt Autor
        Zitat von Bonkic
        aber wenn du es schon ansprichst: von wem ging denn die initiative für den artikel aus?
        Wie schon geschrieben, bin ich das erste Mal auf dem DCP 2024 auf die Pixel Maniacs gestoßen. Wir kamen ins Gespräch und dadurch, dass ich selber aus der Region Nürnberg komme, wurde ich dazu eingeladen das Team doch mal vor Ort zu besuchen. Besonders die Idee mit dem Coworking-Space fand ich damals sehr spannend. Auch wenn das im finalen Artikel leider viel zu kurz kam.

        Allerdings wollte ich kein reines Studioporträt schreiben, weil das leicht zum Werbe-Text wird und bei einem kleinen Indie-Entwickler vermutlich auch keiner lesen würde. Daher habe ich die aktuelle Krise als Aufhänger genommen und versucht die Pixel Maniacs bzw. Indie-Studios generell in den größeren Gesamtkontext einzuordnen. Ursprünglich wollte ich auch noch das Thema Innovation im Indie-Sektor behandeln, aber damit hätte ich den Text dann endgültig überladen.

        Zitat von fud1974
        .. etwas diskutieren wollen, da wurde ja schon auch bei euch in der Redaktion gesagt dass "Independent" nicht unbedingt auf die Größe des Entwicklers abzielt, oder die Machart des Spiels, sondern primär die Unabhängigkeit von einem Publisher, ein Indie Entwickler kann ein größeres mittelständisches Unternehmen sein, solange es "unabhängig" ist, genau so kann ein kleiner Entwickler voll am Tropf eines Publishers hängen, er ist damit nicht mehr "independent", auch wenn viele gerne immer über die Größe des Entwicklers das entscheiden, die kleine 3 - Mann Bude die mit Herzblut ihr Pixel-Spiel rausbringt fällt einem ja immer fast zwangsläufig als Indie-Musterfall ein.. ist aber im Grunde nicht die Definition.
        Ich kann nur noch einmal betonen, dass ich als freier Autor tätig bin und mit der Redaktion im engeren Sinne, also den Leuten, die bei Computec Media festangestellt sind, nichts zu tun habe. Daher will und kann ich für diese Personen hier nicht sprechen. Für mich gesprochen und auf diesen Artikel bezogen:

        Es stimmt, dass der Begriff "Indie" mittlerweile sehr verwässert ist und teilweise auf alles draufgeklebt wird, was nicht Microsoft oder EA heißt. Ich habe mich für diesen Text für diese bestimmt Definition entschieden und mich dabei aus dem englischen Wikipedia inspirieren lassen. Ich wollte zum einen klar definieren, worüber ich rede und zum anderen auch die Menschen mitnehmen, die mit dem Begriff nichts anfangen können. Ich freue mich immer, wenn Leser meine Arbeit genau betrachten und bin prinzipiell auch offen für solche Diskussionen :)
        Zitat von David Benke
        Man muss da der Vollständigkeit halber aber auch sagen, dass der Preis offiziell "Studio des Jahres" heißt 😉
        Hallo David, schön von dir zu lesen :). Wie bereits erwähnt, sehe ich hier kein Problem. Bereits im zweiten Absatz löse ich auf, woher dieser Titel stammt. Ich versuche hier weder zu übertreiben noch Rezipienten bewusst an der Nase herumzuführen. Im Kontext einer Preisverleihung, die sich "Deutscher Computerspielpreis" nennt und sich selbst auch als den "wichtigsten" Preis im deutschsprachigen Raum versteht, was sie aus finanzieller und politischer Hinsicht auch sind, kann man in meinen Augen den Zusatz "Bestes" guten Gewissens hinzufügen. Nochmal: Diese Wertung habe nicht ich, sondern die DCP-Jury getroffen. Dennoch habe ich die kleine Ungenauigkeit im Fließtext angepasst.
      • Von jensmachwitz_88 Spiele-Novize/Novizin
        Wow, endlich mal wieder ein lesenswerter Artikel, der auch was mit PC-Games also Spiele für den PC zu tun haben. Es geschehen noch Zeichen und Wunder...
      • Von Lukas Schmid Autor
        Zitat von Bonkic
        bedauerlich.

        allerdings scheint das programm zumindest bis 2021 durchaus noch existiert zu haben. siehe hier: https://www.gamesmarkt.de...
        Zitat von Lukas Schmid
        Die Förderung war offenbar ein von unserer ehemaligen Geschäftsleitung initiiertes und nach dem Wechsel noch zu Ende geführtes Projekt, das von 2015 bis 2021 lief und zahlreiche Studios unterstützt hat.
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