Mit jeder weiteren Hardware-Generation steigen die Möglichkeiten, Spiele noch realitätsnäher zu gestalten. Doch vor ein paar Jahren etablierte sich ein Trend, der das glatte Gegenteil erreichen möchte: Spiele, die bewusst alt aussehen. Oder besser gesagt: pixelig.
3D durch Pixelkunst
Wir drehen die Zeit noch mal zurück in die 1980er-Jahre und thematisieren die wenigen 3D-Spiele, die sich nicht mit einfarbigen Polygonen begnügten und mit diversen Techniktricks den Eindruck einer dritten Dimension vorgaukelten. Die Rede ist von Werken wie Space Harrier, Out Run oder Lotus 2, deren Objekte und Gegner aus gezeichneten Bitmaps in verschiedenen Entfernungsstadien bestanden.
Während des Spielens seht ihr quasi lauter Animationen, in denen die Objekte von klein auf groß herangezoomt werden und somit einen dreidimensionalen Effekt vorgaukeln. Diese Technik wirkt aus heutiger Sicht grob, sorgte aber zu ihrer Zeit für Staunen. Insbesondere Sega zauberte mit grafischen Meisterwerken wie Thunder Blade oder Galaxy Fore ein paar sehr rasante 3D-Titel für die Spielhalle.
Quelle: PC Games
BroForce vom Entwickler Free Live Games möchte sichtlich Super Time Force den Rang in Sachen Technik und Detailreichtum abspenstig machen.
Eine völlig andere Art der dreidimensionalen Spiele orientiert sich an der "isometrischen Perspektive". Die Grafiken von Zaxxon über The Last Ninja bis View Point wurden allesamt schräg angefertigt, um einen räumlichen Effekt vorzugaukeln. Der Aufwand ist bedeutend genügsamer als in den anderen aufgezählten 3D-Beispielen, zudem sieht die Grafik viel statischer aus und kann von einem echten Pixelgrafikfetischisten besser genossen werden.
Der originellste 3D-Pixel-Hybrid heißt jedoch Nebulus: Dort klettert ihr mit einem skurrilen Wesen einen Turm empor, der sich absolut flüssig "dreht", sobald ihr euch seitwärts bewegt. Dabei hat Programmierer John M. Phillips einfach die Wände des Turms aus Kacheln geformt und diese wiederum in verschiedenen Größenordnungen Pixel für Pixel gezeichnet. Im Spiel selbst werden sie derart geschickt platziert, dass die Illusion der Drehung zustande kommt.
Pixel-3D der Moderne
Quelle: PC Games
Hydorah ist eine besonders detaillierte Hommage an Konamis Gradius-Serie und zudem kostenlos für PC erhältlich.
Ein Indie-Hit von heute, der entfernt an den Clou von Nebulus erinnert, heißt Fez. Auch dieses Spiel sieht auf den ersten Blick wie ein klassisches Retro-Spiel in der Seitenperspektive aus. Jedoch könnt ihr die Welt per Knopfdruck um 90 Grad rotieren, um die Anordnung der Plattformen zu verändern. Nebenbei bietet das Action-Adventure eine verboten schöne Hintergrundkulisse, die euch mit ihrem märchenhaften Ambiente in ihren Bann zieht.
"Richtige" 3D-Spiele, die eine Ego-Perspektive mit Pixelkunst mixen, gibt es natürlich auch. So arrangiert etwa Proteus klobig aussehende Objekte wie Bäume oder Blumen zu einer träumerischen Landschaft. Rein technisch erinnert das Ergebnis an alte Ego-Shooter der Marke Doom, in denen Monster sowie kleinere Objekte ebenfalls aus gezoomten Bitmaps bestanden und somit einen Hauch von Pixelcharme bewahrten.
Quelle: PC Games
Auch das alte NES war für einige beeindruckende Bilder gut, wie die Umsetzung des Automaten Gradius 2 zeigt.
Eine weitere Technik besteht darin, die alten Pixel in Klötze zu verwandeln. Nehmt beispielsweise 3D Dot Game Heroes: Sowohl Charaktere als auch Monster bestehen aus klobigen Bausteinen, die zwar dreidimensional sind, aber trotzdem von ihrer Art an das allererste Legend of Zelda für das NES erinnern.
Um den Bogen noch weiter zu spannen, kramen wir eines der beliebtesten Spiele der jüngeren Vergangenheit hervor: Minecraft. Natürlich marschiert ihr hier durch eine voll texturierte Landschaft, weshalb der Titel im Grunde gar nichts mit Pixelgrafik zu tun hat. Doch bekanntlich könnt ihr eigene Bauwerke basteln, die aus simplen, klobigen Klötzen bestehen. Aufgrund deren Schlichtheit sind manche Spieler auf die Idee gekommen, diverse Pixelwerke wie riesige Steinmonumente zu erschaffen. Diese ragen majestätisch bis zur Wolkendecke und erinnern ebenfalls an die gute, alte Pixelzeit.
Hauptsache simpel und anders
Das Beispiel Proteus zeigt noch etwas anderes: Die abstrakt anmutende Form der Pixelgrafik ist prima geeignet für ausgefallene Experimente. Wer etwa das Flashgame Small Worlds startet, der sieht zunächst nur ein paar große, farbige Klötze. Der lange, rote ist eure Spielfigur, die ihr mit der Tastatur bewegt. Sobald ihr den Bildschirmrand streift, zoomt die Kamera nach hinten und gibt weitere Klötze preis. Je weiter ihr marschiert, desto mehr und mehr sehen sie aus wie klassische Pixel. Auf diese simple Weise deckt ihr nach und nach ein wunderschönes Bild auf, bis ihr den Ausgang erreicht und zum nächsten Level springt.
Quelle: PC Games
Luftrausers fällt allein durch seine ungewöhnliche Farbgebung auf.
Während ein Luftrausers allein durch seine beige-dunkelbraune Farbgebung auffällt, ließ sich Gajin Games zu einer ganzen Serie von Spielen inspirieren, die auf schlichten Konzepten beruhen und aufgrund ihrer minimalistischen Pixelgrafik auffallen. Die Rede ist von BIT.TRIP, einer Reanimation alter Klassiker von Pong bis Pitfall. Interessanterweise setzt der jüngste Titel erstmals auf einen modernen Grafikstil, dem in der Tat der ursprüngliche Charme der Serie fehlt.
Einen originellen Pixelfall haben wir noch: Das blutige Hotline Miami wirft euch in ein virtuelles Gemetzel, doch dank Retrografik und greller Farbwahl bleibt die Zensurkeule im Schrank. Das Bizarre daran: Obwohl es weniger realistisch aussieht, ist die Wirkung viel intensiver, weil ihr euch das Grauen im Kopf besser ausmalen könnt.
Mehr Fantasie statt Realität
Quelle: PC Games
Selbst für Dreamcast entstehen immer noch neue, exklusive Indietitel à la Gunlord, die mit ihrer prächtigen Pixelgrafik begeistern.
Damit hätten wir die perfekte Überleitung zum letzten Pro-Pixel-Argument: Als in den 1980er-Jahren die Ultima-Serie die Welt der Rollenspiele beherrschte, fragten sich Außenstehende, wo der Reiz hinter der minimalistischen Klötzchengrafik läge. Schließlich dominierten die Farben Schwarz und Weiß, die Figuren ähnelten Strichmännchen und die Landschaft bestand aus groben, immer gleich aussehenden Blöcken. Erst mit dem sechsten Teil änderte sich der grundlegende Stil, die Grafik wirkte professioneller und kleine Porträtbildchen verpassten den wichtigsten Charakteren handfeste Gesichter. Trotzdem war der eine oder andere Fan unzufrieden mit dem Umbruch. Warum? Weil die detailliertere Optik zulasten des eigenen Vorstellungsvermögen ging.
Im Prinzip ist es ganz einfach: Spiele haben sich im Gegensatz zu Büchern oder Filmen innerhalb einer vergleichsweise kurzen Zeit auf rasante Art und Weise entwickelt. 40 Jahre sind jedenfalls nicht viel, um von Pong zu Destiny zu gelangen. Dadurch entstand eine enorme Vielfalt, weshalb jeder von uns etwas anderes unter einem "echten" Spiel versteht.
Und manche wollen eben die groben Pixel oder die limitierte Farbpalette, weil sie ein Spiel im klassischen Sinne bevorzugen. Sie wollen ein kleines Männchen von links nach rechts dirigieren oder das Raumschiff aus der Vogelperspektive lenken. Sie bevorzugen abstrakte Aliens und klobige Kulissen, die sich in ihrem Kopf zu der Welt zusammensetzen, die sie sich vorstellen möchten.
In diesem Artikel
Anders ausgedrückt: Heutzutage möchte der Pixelfan lieber ein Retro City Rampage als ein Call of Duty, weil ihm Letzteres zu "real" vorkommt. Ego-Shooter mögen immer akkurater aussehen, jedoch für manchen auch liebloser und weniger wie ein "Spiel". Und vielleicht ist es das, was die Pixelgrafik so attraktiv macht: Dass Spiele wieder aussehen wie Spiele.

Denn zumindest in meinen Augen nimmt es bei den ganzen Indie-Entwicklern einfach Überhand. Jeder Möchtegernprogrammierer bastelt sich seinen Klon, seines 80er Jahre Lieblingsspiel. Du mochtest Final Fantasy? Guck auf Steam, dank RPG-Maker gibt es hunderte, genau gleich aussehende Spiele, die sich inhaltlich kaum unterscheiden (die winzige Anzahl echter Perlen mal aussen vor gelassen... aber die in der schier unendlichen Masse zu finden ist nahezu unmöglich -.-). Du mochtest Super Mario Bros.? Unzählige "Retro"-Jump´n´Runs stehen einem zur Verfügung. Monkey Island? Auch hierfür gibt es einen Pixel-Point and Click-Maker, der für mehr als nur ausreichend Auswahl sorgt. Dass jetzt Größen der Branche auch auf den Zug aufspringen, wirkt um so schräger...
Du bist zu unfähig um moderne Grafik zu erschaffen? Pixelgrafik ist deine Lösung.
Wenn es nicht so übertrieben würde, wäre es toll, so ist das Thema allerdings wirklich schon ausgelutscht...
So entstanden eine Menge Spiele mit Polygongrafik, die schon damals schlechter aussah, als 2D-Grafik. Diese Grafik ist nicht schlecht gealtert, sie sah schon immer schlecht aus! Anderseits löst ein gut gemachtes Unreal Tournament (99) auch heute keinen Augenkrebs aus. Die Modelle sind zwar sehr polygon-arm aber beim Spielen fällt das kaum auf, weil die Grafik für diese Art Spiel genau richtig ist.
Selbst auf HD hochgezüchteter Pixel-Brei finde ich chic. Hab zuletzt Gunpoint gespielt, und ich fands da unglaublich stimmig. :-)