Schlechte Performance am PC: Technik-Report - Tests, Konsolen und Patches

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Schlechte Performance am PC: Technik-Report - Tests, Konsolen und Patches
Quelle: PC Games Hardware

Auf Seite 2 unseres großen PC-Performance-Reports sprechen wir mit den Spiele-Entwicklern und AMD detailliert über den Testprozess vor Release und warum Release-Verschiebungen zugunsten von Technik-Fixes üblicherweise keine Option sind.

Tests vor Release: Eine Fleißaufgabe

Der polnische Dienstleister QLOC, eine Consulting-Firma für Videospiel-Entwickler, die bei Lokalisierung, Design und Qualitätskontrolle aushilft, erklärt: "Gute Optimierung bedeutet, dass das Spiel dieselbe Framerate auf einer großen Bandbreite an Hardware-Spezifikationen erzielt, Low-End-Konfigurationen eingeschlossen." Grafikoptionen, die Detailumfang oder Anti-Aliasing regeln, dienen demnach als Werkzeug, um etwaige Unterschiede auszugleichen und Grafikpracht gegen Performance einzutauschen.

Um möglichst vielen PC-Spielern ein gleichwertiges Erlebnis zu bieten, sind umfangreiche Tests nötig. Entwickler berichten davon, wie sie ihre Spiele vor Release wochenlang auf Dutzenden, oftmals Hunderten Konfigurationen testen, meist in Zusammenarbeit mit externen Firmen wie QLOC, die dafür die nötige Infrastruktur besitzen. Die PC-fokussierte Spieleschmiede Flying Wild Hog steht bei PC-Spielern aktuell hoch im Kurs, denn ihr Ego-Shooter Shadow Warrior 2 machte bei Release kaum Probleme. Ein Sprecher erklärt sich das folgendermaßen: "Während der Entwicklung versuchen wir, ein Ziel-Setup in Sachen Gaming-Hardware festzulegen und uns so auf spezielle oder 'mainstreamige' Spezifikationen zu konzentrieren. Wenn Probleme auf unterschiedlichen Hardware-Konfigurationen auftauchen, können wir den Code schnell an unterschiedliche Komponentenzusammenstellungen anpassen."

The Coalition konnte bei diesen Tests auf Unterstützung seitens Gears of War 4-Publisher Microsoft zählen - etwas, das in der Branche nicht unüblich ist. "Primär ist es natürlich der Job des Entwicklers, das Spiel zu optimieren", erklären uns Mike Rayner und Cam McRae von The Coalition im Interview. "Allerdings unterstützen Publisher dabei üblicherweise mit Tests zur Qualitätssicherung und eventuell auch mit technischen Ressourcen. [...] Microsoft verfügt über Experten in allen Sparten der PC-Entwicklung, von Grafik über Netzwerk bis hin zur Performance. Diese unterstützen Entwickler-Teams mit sehr tiefgehenden Performance-Analysen auf der Basis von frühen Versionen ihrer Spiele und geben Empfehlungen für die Optimierung."

Dishonored 2 ließ anfangs auf höchsten Einstellungen selbst absolute Monsterrechner in die Knie gehen. Seit Patch 1.03 sind die Probleme weitgehend behoben. Quelle: PC Games Dishonored 2 ließ anfangs auf höchsten Einstellungen selbst absolute Monsterrechner in die Knie gehen. Seit Patch 1.03 sind die Probleme weitgehend behoben. Techlands Artur Janick gibt zu: "Wir können auch nicht mehr tun, als das Spiel auf verschiedenen Konfigurationen laufen zu lassen. Es gibt die ein oder andere Abkürzung, aber hauptsächlich muss man einfach nur den Spiel-Code wieder und wieder auf unterschiedlichen Systemen ausprobieren, um Performance-Probleme aufzuspüren. Wir testen unsere Spiele auf den am weitesten verbreitesten High-End-Setups, inklusive SLI und Crossfire. Außerdem arbeiten wir sehr eng mit Hardware-Herstellern wie Nvidia, Dell oder Alienware zusammen, die dabei helfen, die Spiele in ihren eigenen Laboren auf unterschiedlicher Hardware zu testen. Es ist zudem üblich, die Tests an Drittunternehmen auszulagern. Darüber hinaus organisieren wir interne Playtesting-Events und geschlossene Betatests."

Probleme wie Ruckler, Grafikfehler oder Abstürze werden so protokolliert, anschließend feilt das Team an Grafikeffekten, Gegneraufkommen oder Sichtweite in den betroffenen Gebieten, bis der neue Programm-Build das gesteckte Fps-Ziel in diesem Areal erreicht. Für viele Entwickler sind das jedoch primär 30 Fps statt der von vielen PC-Spielern erwarteten 60 Fps. Schuld sind die Konsolen. Mit Shadow Warrior 2 landete Flying Wild Hog einen Volltreffer. Der Indie-Shooter ist von Grund auf für den PC entwickelt: eine PS4-Version soll erst 2017 folgen. Quelle: PC Games Mit Shadow Warrior 2 landete Flying Wild Hog einen Volltreffer. Der Indie-Shooter ist von Grund auf für den PC entwickelt: eine PS4-Version soll erst 2017 folgen.

Der kleinste gemeinsame Nenner

30 Bilder pro Sekunde werden in der Branche übereinstimmend als die minimale Bildrate eingeschätzt, bei der ein Spiel gut spielbar ist. Dank der größeren Distanz zwischen Bildschirm und menschlichem Auge ist dieser Wert auf Playstation 4 und Xbox One absolut ausreichend, um ein angenehmes Spielerlebnis zu garantieren - am PC fällt der Unterschied zu 60 Fps mit doppelt so vielen Frames pro Sekunde stärker auf. In beiden Fällen empfinden Spieler plötzliche Framerate-Einbrüche oder Slowdowns als extrem störend.

Die minimalen 30 Fps zu erreichen, ist für viele Hersteller das oberste Ziel in Sachen technischer Optimierung - alles, was darüber geht, ist ein Bonus. Nur wenige Studios wie Treyarch (Call of Duty: Black Ops 3) oder Respawn Entertainment (Titanfall 2) nehmen auch auf den Konsolen von Anfang an die 60 Fps ins Visier - bei ihren Produktionen handelt es sich fast ausschließlich um Ego-Shooter, die aufgrund schneller Bewegungen und der intensiven Perspektive aus den Augen des Protagonisten besonders von einer sehr hohen, stabilen Bildrate profitieren.


Wir sind ein PC-Entwickler.
Unser CEO ist ein Programmierer.

Sprecher von Flying Wild Hog
Bei der Optimierung eines auch für Konsolen entwickelten Spiels haben die Macher einen handfesten Vorteil gegenüber der PC-Fassung: Sie können sich sicher sein, dass in allen Endgeräten dieselbe, im Voraus bekannte Hardware steckt. Dabei gilt: Der kleinste gemeinsame Nenner zählt. Deswegen reizen PC-Umsetzungen von Konsolenspielen auch so selten die großen Leistungsreserven starker Hardware wie Mehrkernprozessoren und im SLI-Modus zusammengeschaltete Grafikkarten aus: Die Konsolenversion ist in Sachen Performance Leitplattform und hier gibt es keine solchen High-End-Alternativen.

Techlands Associate Technical Producer Artur Janick: "Konsolen haben eine vorbestimmte Architektur. Das bedeutet, dass wir alle Limitierungen im Voraus kennen und nötige Änderungen (zum Beispiel bei der Art der Texturen) einfacher vornehmen können. Konsolen sind maßgeschneidet auf Spiele, die in einer [dem Entwickler] bekannten Umgebung laufen, in der kein unvorhergesehenes Programm plötzlich startet und Prozessor-Power oder Speicherplatz belegt." In den unterschiedlichen Anforderungen an PC- und Konsolenspieler sieht Janick ein großes Problem. "Für PC-Spieler sind 60 Bilder pro Sekunde die Norm, während Konsolenspieler stabile 30 Fps gewohnt sind. Das ist eine weitere, inoffizielle Voraussetzung, wenn du dein Spiel für den PC anpasst. Es ist oftmals eine große Herausforderung, denn gleichzeitig versuchst du aufwändigere Grafikeffekte oder hoch aufgelöste Texturen einzubauen. Wenn du aber gleichzeitig sicherstellen willst, dass dein Spiel flüssig und zuverlässig mit 60 Fps läuft, hast du hier einen direkten Konflikt."

Mafia 3 lief anfangs nicht nur mit maximal 30 Fps am PC, im Spiel wimmelt es bis heute vor Grafikfehlern. Entwickler Hangar 13 hat hier offensichtlich Schindluder getrieben. Quelle: PC Games Mafia 3 lief anfangs nicht nur mit maximal 30 Fps am PC, im Spiel wimmelt es bis heute vor Grafikfehlern. Entwickler Hangar 13 hat hier offensichtlich Schindluder getrieben. Gears of War 4-Entwickler The Coalition gibt zu bedenken, dass die Hardware-Unterschiede zwischen Konsolen und PCs Spielehersteller vor große Probleme stellen - besonders wenn sie die Performance auch für PCs ohne teure High-End-Komponenten optimieren müssen. So gebe es immer noch Grafikkarten mit 2 Gigabyte Video-RAM. "Das ist eine Herausforderung, da Spiele auf der Konsole auf eine größere, vereinigte Speicher-Architektur zurückgreifen können. Bei uns floss viel Arbeit in die optimale Nutzung des Grafikkartenspeichers am PC, um das verfügbare RAM korrekt zu nutzen, ohne den Arbeitsspeicher belegen zu müssen. Denn das wäre ein großes Performance-Handicap und resultiert üblicherweise in Rucklern." Ein weiterer Vorteil bei Gears of War 4 laut The Coalition: "PC- und Xbox-One-Version wurden von Anfang an simultan entwickelt."

Wir würden PC-Spieler niemals wie Kunden zweiter Klasse behandeln.
Artur Janick, Associate Technical Producer bei Techland
Ein Repräsentant von Flying Wild Hog vermutet jedoch, dass "einige Publisher den PC als weniger interessanten Absatzmarkt als die Konsolen einschätzen. Daher neigen sie dazu, weniger Zeit und Aufwand in eine ordentliche Portierung zu stecken." Techland-Mitarbeiter Artur Janick ergänzt: "Performance-Probleme rühren üblicherweise daher, dass Entwickler die Kosten unterschätzen, die mit der Optimierung eines Konsolenspiels für den PC verbunden sind." Klar: PC-exklusive Anpassungen kosten Zeit und Geld. Beides wird am Ende einer Spiele-Entwicklung knapp. Laut unseren Interview-Partnern fällt die Optimierung der Grafik-Leistung aber oftmals genau in diesen Zeitraum.

Day-One-Patches sind die Regel

Spiele-Entwickler, vor allem solche, die einem großen Publisher angehören oder von ihm abhängig sind, stehen unter einem unvorstellbaren Druck. Anberaumte Releasetermine kurzfristig umzustoßen, weil in der Endphase der Entwicklung Ruckler und Performance-Probleme auffallen, ist schwierig. Besonders in einer Zeit, da große Hersteller börsennotiert und ihren Anlegern verpflichtet sind. Wenn positive Quartalszahlen geliefert werden müssen und aufwendige Werbekampagnen mit Millionenbudget bereits seit Wochen den unumstößlichen Veröffentlichungstermin eines Spiels verkünden, können sich Entwickler nicht einfach mal drei Monate mehr Zeit ausbitten, um die letzten Fehlerchen noch auszubessern.

"Release-Termine sind oftmals in Stein gemeißelt", verrät uns Associate Technical Producer Artur Janick von Dying Light-Entwickler Techland. "Da hängen Monate an Arbeit und Logistik mit vielen anderen involvierten Parteien dran. Eine Verschiebung hat somit einen Kaskadeneffekt zur Folge." Diese Sichtweise unterstützt eine Aussage von Rok Erjavec, dem Technical Director von Crytek. "Veröffentlichungstermine werden oftmals von außen diktiert - insbesondere, wenn du nicht selbst der Publisher bist - und Monate im Voraus durch Marketing-Abteilungen, Retail-Absprachen und anderen Partnerschaften festgelegt. Das macht aus jeder Verschiebung eine teure und risikoreiche Angelegenheit."

Im digitalen Zeitalter werden so von vornherein Patches einkalkuliert, um Probleme nachträglich zu beheben, von denen die Entwickler oft schon vor Release wissen, um die sie sich aber einfach nicht rechtzeitig kümmern konnten. So litt die PC-Adaption von Forza Horizon 3 zu Beginn etwa unter störenden Mikrorucklern, wenn man die Bildrate auf 60 Fps festsetzte - beim Xbox-One-Maximum von 30 Bildern pro Sekunde lief dagegen alles flüssig. Updates, die solche Mängel beheben, entstehen aber nicht über Nacht. Laut Techland ist das Bugfixing "viel harte Arbeit". Und weiter: "Die von mehreren Quellen gemeldeten Probleme müssen zusammengetragen und priorisiert werden. Anschließend müssen wir sie bei uns im Studio replizieren, den Bug isolieren und beheben. Als Nächstes gilt es, den Fix zu testen, um zu sehen, ob die Änderungen Auswirkungen auf andere Teile des Spiels haben, die zuvor bestens funktioniert haben. Und schließlich muss man all diese ausprobierten und getesteten Fixes in einem Patch sammeln."

Jede Verschiebung ist teuer und riskant. Rok Erjavec, Technical Director bei CrytekWenn früh genug eingeplant, können jedoch schon ein paar Wochen Extra-Entwicklungszeit einen großen Unterschied machen, wie kürzlich bei der Terminverschiebung von Watch Dogs 2 zu beobachten war. Ubisoft veröffentlichte die PC-Fassung des Open-World-Abenteuers 14 Tage später als die Konsolenfassungen. Das Ergebnis ist eine exzellente Adaption für den Heimrechner mit zahllosen Einstellungsoptionen, um Grafikqualität und Performance perfekt auszubalancieren. Das erste Watch Dogs erschien noch gleichzeitig auf allen Plattformen - die PC-Umsetzung wirkte entsprechend lieblos, besonders im Hinblick auf die Maus-Tastatur-Steuerung. Wer es sich leisten kann, fährt mit einer Terminverschiebung für den PC immer besser, zumal entsprechende Entscheidungen auch kaum auf Kritik aus der Spielergemeinde stoßen. Beispiel: Das nach vier Monaten Wartezeit sehr gut an den PC angepasste Need for Speed.

Quantum Break für PC und Xbox One im Test auf PCGames.de Quelle: PC Games Quantum Break hatte anfangs jede Menge Technik-Probleme am PC; erst ein halbes Jahr später brachte Remedy mit einer Steam-Veröffentlichung und mehreren Patches alles wieder ins Lot. Allerdings sind das Einzelfälle. Rok Erjavec meint im Interview sogar: "Das Konzept eines perfekten Spiels bei Release ist größtenteils veraltet. Selbst wenn Veröffentlichungstermine flexibel wären, würden die meisten Firmen in der Branche trotzdem fortlaufenden Support für ihre Produkte nach Release anbieten. [...] Wir leben in einer Zeit, in der die meisten großen Spiele (und sogar kleinere) einen Service anbieten statt einem Einmal-Produkt. Fortlaufende Verbesserungen und Patches sind ein Vorteil für die Spieler und entwickeln das Spiel oftmals über die ursprüngliche Vision [der Macher] hinaus." Allerdings fügt der Crytek-Cheftechniker hinzu: "Post-Launch-Support entschuldigt nicht, suboptimale Spiele am Erstveröffentlichungstag anzubieten und dafür Geld zu verlangen. Unsere Industrie kämpft hier noch mit der Definition der Produktqualität."

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  1. Seite 1 Schlechte Performance am PC: Technik-Report - Ursachen und Engines
  2. Seite 2 Schlechte Performance am PC: Technik-Report - Tests, Konsolen und Patches
  3. Seite 3 Schlechte Performance am PC: Technik-Report - Hilfestellung durch AMD, Nvidia und externe Studios
    • Kommentare (57)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Schreiberling Anwärter/in
        Sehr schöner Artikel; vielen Dank dafür.
      • Von Schreiberling Anwärter/in
        Sehr schöner Artikel; vielen Dank dafür.
      • Von 1xok Mitglied
        Zitat von Spiritogre
        Ich probiere Linux alle paar Jahre wieder, inzwischen nicht mehr so häufig wie früher da immer irrelevanter und uninteressanter. Meist Open Suse oder Ubuntu mit Unity. Es gab IMMER irgendwelchen Trouble. Meist tatsächlich die Grafik aber auch spezielle Hardware wie DVB-T Sticks, WLAN Sticks oder gar Soundausgabe machen Ärger, z.B. insbesondere Surround. FN Tasten bei Notebooks gehen nicht, Energiesparmodus geht nicht, mehrere Monitore mit verschiedenen Auflösungen zicken rum usw. usf.
        Klar, kann passieren. Wenn ich mir aber Deine Hardware ansehe, hättest Du mit der die letzten Jahre sowieso nur sehr begrenzten Spaß beim Gaming unter Linux gehabt. Man braucht für Linux eben auch einfach die passende Hardware. Das ist sicherlich kein Vorteil. Allerdings, wenn man das im Vorhinein weiß, dann kann man sich ja Hardware kaufen, die gut von Linux unterstützt wird. Ist halt eine Frage der Prioritäten. Wenn man natürlich die Hardware schon besitzt oder eine ganz bestimmte Komponente haben möchte, die nun mal nur von Windows unterstützt wird, dann hat man mit dem Hardwarekauf auch gleich die Entscheidung für Windows getroffen.

        Zitat von Spiritogre
        Oder anders ausgedrückt, ich bin genug "Poweruser", dass ich viel am System selbst einstelle. Bei Linux muss ich dazu immer noch in die Shell. Und da habe ich keinen Bock drauf.
        Auch unter Windows hast Du die Power-Shell. Du kannst nicht immer alles klicken. Im Zweifelsfall kopiere ich lieber einen Shell-Befehl in die Zwischenablage als minutenlang durch irgendwelche Menüs zu irren. Ich will vor allem mein Problem lösen.

        Zitat von Spiritogre
        Plötzliche Einsicht? ^^
        Dass die Linux-Ports den Originalen nicht das Wasser reichen können, stand nie außer Frage. Das ist mir bewusst. Aber meine Lösungsstrategie dafür ist sicherlich nicht, jetzt mein System auf Windows umzurüsten. Schließlich nutze ich mein System nicht nur zum Spielen. Eher würde ich auf den Kauf teurer Grafikkarten verzichten, wenn ich mit diesen unter Linux eben nichts anfangen kann.

        Zitat von Spiritogre
        Außer eben, dass unter Linux die Anwendungen fehlen. Von daher, doch, der Unterschied ist gewaltig.
        Das sehe ich ein wenig anders. Heute nutzen wir alle doch sehr viele freie Programme. Manchmal weil sie besser, manchmal weil sie kostenlos sind ohne gravierende Einschränkungen zu haben. Viele Leute nutzen daher Gimp oder DarkTable anstatt die teuren Alternativen Photoshop und Lightroom. Oder LibreOffice anstatt MS Office. Firefox und Thunderbird sind bei den meisten sowieso installiert. Alles Programme, die ich natürlich auch unter Windows und Mac bekomme, aber halt nicht so einfach. Alles muss man immer Downloaden und dann manuell installieren. Und dann schreien die Programme nach Updates. Manche Programme, wie DarkTable, werden zudem explizit für Linux entwickelt. Windows wird offiziell von den Entwicklern nicht unterstützt.

        Natürlich kann man sich auch unter Windows durch Helferlein das Leben einfacher machen. Aber besonders benutzerfreundlich finde ich das alles nicht. Gerade freie Software integriert sich unter Windows einfach nicht so gut ins System. Da hab ich es unter Linux wesentlich einfacher. Wenn man bevorzugt mit freier Software arbeitet, ist ein Linux-Desktop deutlich anwenderfreundlicher als Windows. Linux ist von Kopf bis Fuß auf die Benutzung freier Software ausgelegt.
      • Von Spiritogre Mitglied
        Zitat von 1xok
        Das ist aber nicht unbedingt überall so gewünscht.
        Genau, aber solange bleibt Linux in seiner Nerd Nische, solange auf solche Mini-Minderheiten gehört wird und die den Ton bei der Linux Entwicklung angeben,

        Zitat
        ... den Du als professioneller Computerarbeiter brauchst.
        Genau das ist der Knackpunkt. Anwender sind KEINE ITler und interessieren sich nicht dafür.

        Zitat
        Aber auch privat kannst Du damit sehr viel machen.
        Kannst du, haben nur 99 Prozent der Nutzer gar keinen Bock drauf. Die Zeit von MS DOS ist eben seit über 20 Jahren vorbei.

        Zitat
        Das war mal so. Inzwischen nutzen fast alle gängigen Programme das Theme des jeweiligen Fenstermanagers.
        Betonung liegt auf fast.

        Zitat
        Unter Windows habe ich da immer den Eindruck gegen eine Wand zu arbeiten, wenn ich irgendwas am Look&Feel des Systems ändern will.
        Dafür gibt es Themes Manager, also externe Software. Damit holt man sich aber genau die gleichen Probleme an Bord, wenn eine Anwendung mit sowas mal nicht kompatibel ist.

        Zitat
        Aber ist es nicht so, dass da viele Funktionen nur über Änderung der Registry verfügbar sind?
        Nein, denn im Zweifel gibt es für alles kleine externe Tools die das regeln. KEIN Anwender muss an der Registry rumfummeln.

        Zitat
        Einfach ist in Windows eigentlich nur das, was von Microsoft vorgegeben ist.
        Was immer mehr ist und deswegen zum Leidwesen vieler Softwarefirmen deren Software inzwischen obsolet gemacht hat. Früher waren zum Beispiel bei Powerandwender Partitions-Manager sehr populär, sind heute obsolet, weil Windows seit einigen Jahren das selbst ganz bequem mit allen notwendigen Funktionen in der grafischen Nutzerfläche im System anbietet.
        Und wie gesagt, für alles andere gibt es im Zweifel externe Software.

        Zitat
        Will man etwas anderes, muss man da schon ziemlich herumtüfteln. So zumindest meine bisherigen Erfahrungen.
        Tüfteln vielleicht, aber man kann eben alles ganz bequem in einer GUI erledigen mit ein paar Klicks, sobald man eben rausgefunden hat wie. Bei Linux muss man sich teils tagelang durch Foren udn englischsprachige Manpages wühlen und dann in eine Textshell, wie halt bei PCs wie vor 20 Jahren. Computer wie Mac oder Amiga hatten schon vor über 30 Jahren grafische Oberflächen, wo niemand in eine Shell musste.

        Zitat
        Ich weiß nicht, aus welchem Jahrhundert Deine Linux-Erfahrungen stammen oder wie kaputt das System war, das Du Dir zuletzt angesehen hast, aber da kackt im Normalfall überhaupt nichts ab. Natürlich kann es mal ein Problem mit dem Grafikkartentreiber geben. Das ist aber die absolute Ausnahme.
        Ich probiere Linux alle paar Jahre wieder, inzwischen nicht mehr so häufig wie früher da immer irrelevanter und uninteressanter. Meist Open Suse oder Ubuntu mit Unity. Es gab IMMER irgendwelchen Trouble. Meist tatsächlich die Grafik aber auch spezielle Hardware wie DVB-T Sticks, WLAN Sticks oder gar Soundausgabe machen Ärger, z.B. insbesondere Surround. FN Tasten bei Notebooks gehen nicht, Energiesparmodus geht nicht, mehrere Monitore mit verschiedenen Auflösungen zicken rum usw. usf.

        Oder anders ausgedrückt, ich bin genug "Poweruser", dass ich viel am System selbst einstelle. Bei Linux muss ich dazu immer noch in die Shell. Und da habe ich keinen Bock drauf.

        Zitat
        Da ist man durch die Linux-Ports schon reichlich limitiert und fragt sich irgendwo natürlich schon: Wozu habe ich den ganzen Krempel, wenn die Spiele unter meinem System nur eingeschränkt davon profitieren?
        Plötzliche Einsicht? ^^

        Zitat
        Aber was das normale Arbeiten anbelangt: Da gibt es zwischen Linux und Windows schon lange keinen Unterschied mehr.
        Außer eben, dass unter Linux die Anwendungen fehlen. Von daher, doch, der Unterschied ist gewaltig.

        Zitat
        Was man da besser findet ist eine reine Frage des persönlichen Geschmacks ...
        Eben nicht nur. Vor allem ist er eine Frage des Anspruchs!

        Zitat
        Ich persönlich arbeite lieber mit einem System, das ich in allen Bereichen anpassen kann und dessen Aussehen ich soweit wie möglich selbst bestimme. Aber wie gesagt: Das ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Lohnt nicht, darüber zu streiten. Zum Glück haben wir die Wahl.
        Die meisten Menschen wollen sich genau Null mit dem System beschäftigen und stellen sich maximal noch einen anderne Wallpaper ein. Der Rest muss einfach funktionieren, damit ihre Anwendungen drauf laufen. Und genau das alles bietet Mac OS X in Perfektion, allerdings bezahlt man dies mit erheblichen Mehrkosten und Einschränkungen bei den Möglichkeiten. Windows liegt da irgendwo in der Mitte zwisch Mac OS und Linux und ist deswegen der ideale Kompromiss für 95 Prozent der Computernutzer.
      • Von 1xok Mitglied
        Zitat von Spiritogre
        Klar ist mir klar das Android einen Linux Kern verwendet, aber das ist ja genau das was ich die ganze Zeit sage. Ein System kann eine moderne und gute Alternative sein, wenn sich jemand hinsetzt und selbst oder auf dem reinen Kern etwas entwickelt, mit Blick auf den User. So wie Google es eben bei Android getan hat und Apple bei Mac OS X (das basiert ja auf FreeBSD). Nur merkt man halt weder bei Android noch Mac OS irgendwas davon, dass da was unixoides ganz weit unten im System werkelt.
        Das ist aber nicht unbedingt überall so gewünscht. Leute wie ich nutzen Linux u.a. ja gerade wegen seiner Shell. Microsoft hat mit dem Annerversy-Update ein rudimentäres Ubuntu-Subsystem in Windows integriert, um seinen Nutzern genau diese Shell und darauf basierende Werkzeuge zur Verfügung zu stellen. Was musste man vorher unter Windows für Klimmzüge machen, um dort eine POSIX konforme Shell zu haben. Das ist nun mal eine Industriestandard, den Du als professioneller Computerarbeiter brauchst. Aber auch privat kannst Du damit sehr viel machen. Mich freut es für die Windows-Nutzer, dass auch sie nun diese Möglichkeit haben. Und ich werde mir genau deswegen Windows 10 in einer VMWare ansehen. Ich brauche diese Shell für ein Minecraft-Projekt und die Windows-Nutzer, die vielleicht daran teilnehmen möchten. Unixoid ist definitiv kein Nachteil. Du gewinnst dadurch viele neue Möglichkeiten

        Zitat von Spiritogre
        Die GNU Linuxe hingegen sind Stückwerk aus einzelnen Open Source Projekten die dann mal so, mal so zusammengestückelt wurden, also Linux Kernel + X Window + Gnome etc. oder Linux Kern + Wayland + KDE oder in beliebiger anderer Kombination mit x weiteren Systemen und Desktops. Das ist halt nicht aus einem Guss. Entsprechend ist das alles Kraut und Rüben weil ein KOffice unter Gnome halt mit einmal wie ein Fremdkörper aussieht.
        Das war mal so. Inzwischen nutzen fast alle gängigen Programme das Theme des jeweiligen Fenstermanagers. Und das sieht dann natürlich aus wie aus einem Guss. Ich kann einen Desktop ähnlich wie Windows haben oder ein Look&Feel wie MacOS. Oder meinen ganz eigenen Stil. Ganz wie ich will. Und es sieht alles ziemlich cool aus. Das wollte ich auf keinen Fall missen. Manchmal nutze ich z.B. eine Funktion, wo ich die Transparenz der Fenster mit dem ALT+Mausrad verändern kann. Ist manchmal sehr hilfreich, wenn man halb-transparent Shells über dem Game einblenden will, um zu sehen was z.B. das RCON von Minecraft gerade mach bzw. da Programme zu starten deren Ausgabe man dann nebenbei verfolgen kann ohne aus dem Spiel raus zu müssen. Das selbe mit Twitch-Clients wie Chatty. Das sind halt so Sonderwünsche, die Du unter Linux mit wenigen Mausklicks umsetzen kannst. Unter Windows habe ich da immer den Eindruck gegen eine Wand zu arbeiten, wenn ich irgendwas am Look&Feel des Systems ändern will. Vielleicht bin ich im Umgang damit aber einfach zu unerfahren. Aber ist es nicht so, dass da viele Funktionen nur über Änderung der Registry verfügbar sind? Einfach ist in Windows eigentlich nur das, was von Microsoft vorgegeben ist. Will man etwas anderes, muss man da schon ziemlich herumtüfteln. So zumindest meine bisherigen Erfahrungen.

        Zitat von Spiritogre
        Und alle diese Distributionen, egal welche Desktop am Ende, verhalten sich recht ähnlich. Man merkt ihnen an allen Ecken und Enden an, wo sie herkommen. Und spätestens wenn mal irgendwas nicht funktioniert muss man auch noch in ein Terminal, weil man eben das X Window, wenn es mal wieder abkackt (oder den Monitor plötzlich nicht mehr richtig erkennt etc.) nicht mal eben in Gnome über ein paar Einstellmenüs reparieren kann.
        Ich weiß nicht, aus welchem Jahrhundert Deine Linux-Erfahrungen stammen oder wie kaputt das System war, das Du Dir zuletzt angesehen hast, aber da kackt im Normalfall überhaupt nichts ab. Natürlich kann es mal ein Problem mit dem Grafikkartentreiber geben. Das ist aber die absolute Ausnahme. Der Nvidia-Treiber hatte jüngst zum Beispiel ein Problem mit HotPlug-Bildschirmen. Also wenn ein Bildschirm im laufenden Betrieb dazu kommt. Ebenso gab es mal wieder Probleme mit dem Schlafzustand. In der Praxis spielt das kaum eine Rolle und den proprietären Nvidia-Treiber nutzt man eigentlich auch nur, wenn man Gamer ist.

        Und genau dabei gibt es tatsächlich große Abweichungen wie ich gestern bei Hitman wieder feststellen durfte, wo ich mit der 30 FPS Grenze zu kämpfen hatte. Die Grafikoptionen bekomme ich schon noch sinnvoll angepasst, aber natürlich ist es unter Windows schöner, wo ich mit einer GTX 970, einem aktuellen i7 und 16GB RAM einfach alles auf Maximum stellen und das Spiel sofort genießen kann. Da ist man durch die Linux-Ports schon reichlich limitiert und fragt sich irgendwo natürlich schon: Wozu habe ich den ganzen Krempel, wenn die Spiele unter meinem System nur eingeschränkt davon profitieren?

        Aber was das normale Arbeiten anbelangt: Da gibt es zwischen Linux und Windows schon lange keinen Unterschied mehr. Was man da besser findet ist eine reine Frage des persönlichen Geschmacks und über den kann man nicht streiten. Ich persönlich arbeite lieber mit einem System, das ich in allen Bereichen anpassen kann und dessen Aussehen ich soweit wie möglich selbst bestimme. Aber wie gesagt: Das ist eine Frage der persönlichen Vorlieben. Lohnt nicht, darüber zu streiten. Zum Glück haben wir die Wahl.
      • Von Spiritogre Mitglied
        @1xok

        Klar ist mir klar das Android einen Linux Kern verwendet, aber das ist ja genau das was ich die ganze Zeit sage. Ein System kann eine moderne und gute Alternative sein, wenn sich jemand hinsetzt und selbst oder auf dem reinen Kern etwas entwickelt, mit Blick auf den User. So wie Google es eben bei Android getan hat und Apple bei Mac OS X (das basiert ja auf FreeBSD). Nur merkt man halt weder bei Android noch Mac OS irgendwas davon, dass da was unixoides ganz weit unten im System werkelt.

        Die GNU Linuxe hingegen sind Stückwerk aus einzelnen Open Source Projekten die dann mal so, mal so zusammengestückelt wurden, also Linux Kernel + X Window + Gnome etc. oder Linux Kern + Wayland + KDE oder in beliebiger anderer Kombination mit x weiteren Systemen und Desktops. Das ist halt nicht aus einem Guss. Entsprechend ist das alles Kraut und Rüben weil ein KOffice unter Gnome halt mit einmal wie ein Fremdkörper aussieht.

        Und alle diese Distributionen, egal welche Desktop am Ende, verhalten sich recht ähnlich. Man merkt ihnen an allen Ecken und Enden an, wo sie herkommen. Und spätestens wenn mal irgendwas nicht funktioniert muss man auch noch in ein Terminal, weil man eben das X Window, wenn es mal wieder abkackt (oder den Monitor plötzlich nicht mehr richtig erkennt etc.) nicht mal eben in Gnome über ein paar Einstellmenüs reparieren kann.

        Das mit den Portfreigaben und manuellen Einstellungen von Steckkarten etc. war ein historisches Beispiel. Daran wollte ich aufzeigen wie es früher war und wie viel einfacher und sicherer es heute bei diesen Dingen ist. Das muss man analog zu modernen Desktops sehen.
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