Gebrochene Versprechen: Bullshots, Manipulierte Videos

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Special Thorsten Küchler - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Abbildung ähnlich.
Quelle: PC Games

Wie uns Hersteller und Entwickler mit großspurigen Ankündigungen, schicken Screens und Hochglanz-Videos in die Irre führen. Besonders Downgrades sind spätestens seit Watch Dogs ein Dauerthema in der Gamer-Community, von dem zuletzt auch The Witcher 3 nicht verschont blieb.

Bullshots: Optische Screenshot-Täuschungen

Geschönte Herstellerbilder sind inzwischen derart prominent, dass sie gar mit einem eigenen Fachterminus versehen wurden: Dieser wenig schmeichelhafte Begriff lautet "Bullshot" und setzt sich aus Bullshit (also Schwachsinn) sowie Screenshot zusammen. Grob kann man solche manipulierten Werke in folgende drei Kategorien unterteilen:

Geschönte Gemälde

Typisch Assassin's Creed: Ubisofts Hersteller-Screenshots zeigen stets perfekt inszenierte Szenen mit dezent aufgemöbelten Verwisch- und Lichteffeken. Quelle: PC Games Typisch Assassin's Creed: Ubisofts Hersteller-Screenshots zeigen stets perfekt inszenierte Szenen mit dezent aufgemöbelten Verwisch- und Lichteffeken. Man kennt dieses Gefühl: Da enthüllt Hersteller X erste Bilder zu Spiel Y und die wirken fast zu schön, um wahr zu sein – und sind es auch meistens nicht! Besonders Ubisoft ist geradezu ein Meister darin, seine kommenden Hits unwirklich schick aussehen zu lassen: Egal ob Far Cry 4, Assassin's Creed: Unity oder The Crew. Alle offiziellen Screenshots stammen zwar aus der jeweiligen Engine und wurden mit echten 3D-Elementen erstellt – im Nachhinein jedoch dezent aufgemöbelt, etwa mit Unschärfe- oder Verwischeffekten. Zudem machen die dargestellten Szenen ihrem Namen alle Ehre: Denn sie sind vor allem eines – gestellt. So zeigen beispielsweise die meisten Bilder zu Call of Duty: Black Ops 3 herrlich detaillierte Soldatenmodelle, nur eben nicht die Ego-Perspektive, aus der man das Spiel letztlich erleben wird. Außerdem sollte man immer auf die Auflösung der Herstellerbilder achten: Screenshots bestehend aus sagenhaften 3.840 x 2.160 Pixeln sehen zwar klasse aus, aber kaum ein Rechner kann diese UHD-Pracht dann tatsächlich ruckelfrei darstellen.

Photoshop-Fakes

Armer Kerl: Einer der Athleten aus diesem Bild zu NBA 08 wurde inkonsequent wegretuschiert und somit zum Halbstarken. Quelle: PC Games Armer Kerl: Einer der Athleten aus diesem Bild zu NBA 08 wurde inkonsequent wegretuschiert und somit zum Halbstarken. Wenn Schmierblätter an den Gesichtern von Promis herumretuschieren oder den Hintern von Jennifer Lopez dicker machen, dann erkennt man als aufgeschlossener Konsument vor allem eines: Mit dem Grafikprogramm Photoshop lässt sich jedes Bild massiv verändern. Leider gibt es in der PC-Spiele-Historie auch zahlreiche Fälle, bei denen sich Hersteller des Screenshot-Betrugs schuldig gemacht haben. Ein legendäres Beispiel ist Unreal 2. Auf den ersten Bildern zum späteren Ego-Shooter-Hit waren Beleuchtungseffekte zu sehen, die es so im fertigen Spiel nicht gab. Fast schon wieder süß: Auf einem Bild zur Basketball-Simulation NBA Live 08 war ein halbierter Sportler zu sehen – der zuständige Grafiker hatte beim Retuschieren offenbar gestümpert.

Konzeptstudien

Operation Flashpoint 2: Target Render Quelle: PC Games Operation Flashpoint 2: Target Render Achtung, ganz fieser Ausdruck voraus: "Target Render" – so nennt man in der Videospielbranche Bilder, die den Entwicklern vorgeben, wie das finale Spiel einmal aussehen SOLL. Derartige Konzeptstudien werden jedoch stets von sehr optimistischen und idealistischen Grafikern in Zeichenprogrammen erstellt. Ergo kommt die fertige Optik quasi nie an das Gewünschte heran. Zum Beispiel bei Operation Flashpoint 2: Die ersten Bilder der Militär-Sim von Codemasters erinnerten in ihrer Farbgebung und Detailverliebtheit an einen Hollywood-Film – zum Release machte sich dann Ernüchterung breit. Ähnlich verhielt es sich mit dem Flight Simulator X, der die Fähigkeiten der Grafikschnittstelle DirectX 10 aufzeigen sollte, letztlich aber nur mäßig aussah.

Trailer: Manipulative Videos

Im Zeitalter von Youtube und schnellen Internetverbindungen hat das Bewegtbild deutlich an Bedeutung gewonnen. Reichten früher noch ein paar läppische Screenshots aus, um ein Spiel anzukündigen, muss es heute schon ein möglichst krachiger Trailer sein. Die schwammigste Sorte dieser Clips sind die sogenannten Teaser, also ebenso kurze wie leckere Appetitmacher. Das sind dann zumeist nicht mehr als ein paar animierte 3D-Elemente, die 20 Sekunden lang durch die Gegend fliegen – und am Ende den Spieletitel sowie sein Release-Datum enthüllen. Die fortgeschrittene Variante besteht indes aus todschicken Renderszenen von der Qualität eines modernen Hollywood-Films: Wer sich beispielsweise unbedarft das epische Ankündigungsvideo zu Blizzards Mists of Pandaria ansieht, der wird sich wundern, wenn er das World of Warcraft-Add-on schließlich in seiner nüchternen, realen Form sieht.

Spannend und unterhaltsam, aber reines Marketing-Blendwerk: der mit realen Schauspielern gedrehte Trailer zum Open-World-Spiel Sleeping Dogs. Quelle: PC Games Spannend und unterhaltsam, aber reines Marketing-Blendwerk: der mit realen Schauspielern gedrehte Trailer zum Open-World-Spiel Sleeping Dogs. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass Hersteller sündhaft teure Rechnerfarmen beschäftigen, um Stimmung wie Stil ihrer kommenden Titel zu etablieren – doof wird es nur, wenn der Konsument an der Nase herumgeführt wird. So geschehen bei Call of Duty 2: Activision pries seinen Weltkriegs-Shooter mit Szenen aus der Ego-Perspektive an, die dem Zuschauer vorgaukelten, dass das Spiel tatsächlich so genial aussähe. Prompt schritt die britische Werbeaufsichtsbehörde ein und sprach ein Verbot gegen den irreführenden Spot aus. Unter anderem deshalb wird nun bei zahlreichen Spielvideos klein eingeblendet, ob es sich um repräsentative Engine-Szenen oder um Render-Material handelt. Doch selbst diese Hinweise verhindern nicht, dass inhaltlich gemauschelt wird: Die Videos zu Gears of War 3 zeigen das Xbox-360-Action-Spektakel zum Beispiel als emotional aufgeladenes Drama – schön wär's gewesen.

Noch alberner ist der aktuelle Trend zu Realdrehs, im Fachjargon "Live Action"-Trailer genannt. Sleeping Dogs aus dem Hause Square Enix war kurzzeitig in aller Munde, weil ein passendes Werbevideo mit echten Schauspielern und entsprechend spektakulärer Martial-Arts-Action durchs Internet geisterte – mehr als die Grundthematik hatte der Clip jedoch nicht mit dem Spiel gemein. Ergo sollte man sich als Zuschauer stets fragen, ob das gezeigte Material nur clever inszeniertes Marketing ist oder auch spielerisch Substanz hat. Zum Beispiel dann, wenn wieder ein grandios geschnittenes, derb brutales Rendermonstrum den nächsten mittelmäßigen Zombie-Titel ankündigt – Kenner wissen, wovon wir sprechen.

Bildergalerie

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  1. Seite 1 Gebroche Versprechen: Kein neues Phänomen
  2. Seite 2 Gebrochene Versprechen: Bullshots, Manipulierte Videos
  3. Seite 3 Gebrochene Versprechen: Feature-Fake, Downgrade
    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von schneemaennle Anfänger/in
        Was mich dabei immer nur stört ist dieses "OH wow wir kommen endlich technisch einen großen Schritt weiter" um dann am Ende festzustellen das dem wiedereinmal nich so ist.
      • Von schneemaennle Anfänger/in
        Was mich dabei immer nur stört ist dieses "OH wow wir kommen endlich technisch einen großen Schritt weiter" um dann am Ende festzustellen das dem wiedereinmal nich so ist.
      • Von ten10 Gelegenheitsspieler/in
        Das Ganze könnte man sich ersparen, wenn man erst ca. 3 Monate vor Erscheinen darüber Infos bekäme und berichten könnte ...
      • Von Binabik NPC
        So, ein wenig Krümelkackerei ;) dpi sind noch immer "dots per inch" und bezeichnen eine Druckauflösung, Monitorauflösungen werden in ppi also "pixel per inch" angegeben. Sollte einer Fachzeitschrift eigentlich geläufig sein ;) Dots und Pixel kann man so nicht vergleichen, da ein dot (Punkt) immer noch rund ist, ein Pixel jedoch ein Quadrat ist.
      • Von Wut-Gamer Spiele-Kenner/in
        Was meckert ihr Grafikhuren denn schon wieder? Diese Diskussion ist doch völlig sinnlos! ;)

        Spaß beiseite: einfach nicht vorbestellen, sondern die Spiele kaufen, nachdem man das fertige Produkt gesehen hat.
      • Von MisterBlonde Mitglied
        Inb4 der erste ankommt, alle als Grafikhuren bezeichnet und die Diskussion als völlig lächerlich tituliert. Sowieso wurde früher viel weniger gemeckert. Oder hat die Gamingpresse da vielleicht noch nicht jede Kritik gleich zur Schlagzeile und zum Trend gemacht? Vielleicht wars ja so?

        Ich freu mich immer über die, die darüber meckern, dass andere meckern. Das ist Meckerception.
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