Billige Gamer-Klischees bleiben halt oft nur Klischees
Während sich die Forschung uneins ist, geistern weiterhin plumpe Klischees durch die Gesellschaft. Doch es gibt viel Positives.
Die Forschung ist sich nicht ganz einig. Der amerikanische Diagnoseschlüssel DSM-5 etwa - in der Psychologie fast genauso wichtig wie der ICD - führt die Störung nicht als offizielle Diagnose. Dort taucht Gaming-Sucht nur im Anhang auf, als Thema, das "weiter untersucht werden sollte". Ein klarer Hinweis: Ganz ausdiskutiert ist das wohl nicht. Spricht man mit Menschen in Suchtberatungsstellen ist der Tenor aber eindeutig: Es gibt sie, die Menschen, die ein echtes Problem mit Videospielen haben. Die nicht mehr aufhören können. Die Kontrolle verlieren. Die Beziehungen aufs Spiel setzen - im wahrsten Sinne des Wortes. Aber sollte Videospielsucht etwa im Bereich anderer Verhaltenssüchte wie Kaufsucht oder Glücksspielsucht liegen, reden wir von etwa 2 Prozent der Spielenden, die wirklich ein Problem haben.
Du zockst zu viel, Schatz!
Es gibt wahrscheinlich kaum einen Gamer, der diesen Vorwurf nicht schon mal von seinem Partner oder Partnerin gehört hat. Zahlreiche Reels und Shorts in den sozialen Medien werden tausendfach/millionenfach geklickt. Und zugegebenermaßen: Es gibt nicht super viel Forschung - und was es gibt ist über verschiedene Disziplinen wie Kommunikationswissenschaft, Psychologie, Ehe- und Familientherapie usw. verstreut - deswegen gibt es auch keine verlässlichen Zahlen in wie vielen Beziehungen Gaming wirklich ein Problem ist. Aber die Thematik scheint doch so häufig vorzukommen, dass es wissenschaftliche Publikationen von Paartherapeutinnen und Paartherapeuten dazu gibt.
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Interessant ist: Für gewöhnlich ist Gaming in Beziehungen nur dann ein Problem, wenn es einen spielenden und einen nicht spielenden Part gibt. Meist hält der nicht zockende Partner den anderen für abhängig. Das interessante ist: Es geht dabei gar nicht darum, wie viele Stunden es wirklich sind - sondern nur darum, dass einer das Gefühl hat: Das ist zu viel. Der nicht spielende Part nimmt das Gaming als eine "Sucht-Affäre" wahr, schreiben die Forschenden.
Quelle: Samsung
Viele Studien zeigen positive Effekte durch Gaming
Das bedeutet, der nicht spielende Partner hat das Gefühl, dass Zeit und Energie vom gemeinsamen Leben abgezogen und ins Spiel gesteckt werden. Was folgt, ist ein toxischer Kreislauf aus Vorwürfen, Verteidigung, Schuldgefühlen und Frust. Wer hier nicht gegensteuert, landet in einer Endlosschleife, die jede Beziehung zermürben kann. Ein typisches Muster, das Paartherapeuten häufig sehen, auch bei anderen Themen. Aber Verhaltenstherapeut und Paartherapeutinnen haben da gute Mittel im Gespräch diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Die ewige Killerspieldebatte: Produziert Ballern am Bildschirm Amokläufer?
Wenn es um die Frage geht, ob gewaltvolle Videospiele aggressiver machen, herrscht ordentlich Streit in der Forschung. Einige Studien sehen einen Zusammenhang - andere finden gar nichts. In solchen Fällen lohnt sich der Blick auf sogenannte Metastudien. Also Untersuchungen, die viele Einzelstudien zusammenfassen und gewichten. Und da ist das Fazit ziemlich eindeutig: Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass brutale Games zu mehr Aggression führen.
Ein ziemlich ausführlicher Bericht für das Bundesfamilienministerium kommt zu einem ähnlichen Schluss. Dort heißt es, Videospiele spielen - wenn überhaupt - nur eine untergeordnete Rolle für die Entwicklung gewalttätigen Verhaltens. Viel entscheidender ist, was Kinder im echten Leben erleben. Wachsen sie in einem Umfeld auf, in dem Gewalt als normales Mittel zur Problemlösung vorkommt - etwa in der Familie oder im Freundeskreis - dann hat das einen viel größeren Einfluss. Umgekehrt gilt aber auch: Wenn Eltern selbst keine Gewalt vorleben, sind Kinder ziemlich immun gegenüber möglichen negativen Effekten von gewalthaltigen Games.
Klar, es gibt auch kritische Stimmen, die das anders sehen. Aber fest steht: Nur weil jemand gerne Shooter oder Kriegsspiele zockt, wird daraus nicht automatisch ein aggressiver Mensch. Diese pauschale Angst ist wissenschaftlich nicht haltbar.
Zocken kann aber auch gut sein
Lange hat die Forschung sich vor allem mit "problematischen Gaming Verhalten" beschäftigt. Also exzessives Spielen, das zu spürbaren negativen Folgen im Alltag führt - etwa wenn Schule, Arbeit, Beziehungen oder die Gesundheit darunter leiden. Und natürlich haben diese Ergebnisse Gaming den Ruf gegeben, den es heute hat, den viele Journalisten haben diese Ergebnisse genommen und sie einfach auf Gaming generell übertragen. Heutzutage wird unterschieden zwischen problematischem Gaming und Casual Gaming, wie die meisten von uns es betreiben. Und siehe da: Gaming kann und auch gut tun. In einer Studie aus UK haben Wissenschaftler sich die Spieler von Plants vs Zombies Battle for Neighoborville & Animal Crossing angeschaut. Und siehe da: Wer nicht exzessiv zockt, sondern in gewöhnlichen Maß, dem tut Gaming gut. Die Leute, die mehr gespielt haben, haben sich auch besser gefühlt.

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