Das unpolitische Spiel: Warum Spiele niemals bloß Unterhaltung sein können
That Dragon, Cancer, Papers, Please, und Fall of Porcupine - immer wieder erscheinen Indie-Games, die unbequeme Fragen stellen. Autor Christoph Jaschinski erklärt, was AAA-Titel von Indies lernen können.
Darum sind Videospiele so einzigartig und verdienen mehr Tiefe!
Dass Videospiele einzigartig sind, darin sind sich Professor Hanns Christian Schmidt und Indie-Entwickler Sebastian Heße einig. "Was Videospiele so einzigartig macht, ist auf der einen Seite natürlich die Möglichkeit, dass wir handeln können und das wir innerhalb einer Simulation die Möglichkeit haben, selbst einzugreifen", erläutert Hanns Christian Schmidt von der Hochschule Macromedia. Ähnlich sieht es Sebastian Heße: "Das Tolle an Videospielen ist eben, dass der Spieler derjenige ist, der die Eingaben macht, dass er derjenige ist, der eine Entscheidung trifft", meint er.
Videospiele wirken auf die Spielenden. Sie können selbst aktiv werden und Entscheidungen treffen. Das kann bedeuten, dass sie an der Grenze entscheiden müssen, ob sie jemanden ins Land lassen oder nicht. Wenn sie das nicht tun, wird die Person wahrscheinlich sterben. Manchmal ist das bewusste Fehlen von aktiven Entscheidungen aber auch ein Teil der Erfahrung. Wenn man hilflos ist, weil das eigene Kind unheilbar krank ist und stirbt.
Ganz ohne Politik geht es nicht - kleinere Entwickler hoffen auf mehr Förderung
Im Indie-Bereich müssen Studios oft ohne großes Budget auskommen, stehen nicht so unter Druck und Beobachtung. Dennoch brauchen auch Indie-Studios Aufmerksamkeit für ihre Produkte und gleichzeitig Geld für die Entwicklung von Games. Um an die nötigen finanziellen Mittel zu kommen, sind sie auf Förderung angewiesen: "Ohne Förderung geht es einfach noch nicht. Dafür sind wir noch zu unorganisiert", sagt Sebastian Heße über Critical Rabbit. Die Förderangebote findet er gut, aber auch, dass diese noch nicht so gut organisiert sind. Es bräuchte mehr Angebote und eine bessere Vernetzung innerhalb der deutschen Indie-Szene.
Die Motivation ist also da. Deutsche Entwickler und ihre Projekte sind also ganz direkt betroffen von Entscheidungen aus der Politik. So schließt sich der Kreis: Videospiele und ihre Entwicklung hängen in Deutschland oft von politischen Entscheidungsträgern ab und deren bereitgestellten Fördergeldern.
Klar, man kann auch ohne sie klarkommen, aber es ist für kleine Studios eben besser, wenn sie zumindest teilweise in ihre Herzensprojekte fließen und sie sich nicht ständig um finanzielle Mittel kümmern müssen.
So kann Kunst entstehen, die sich inhaltlich auch mit Themen beschäftigt, die vielleicht nicht die große Masse ansprechen. Kunst ist immer ein Spiegel der Gesellschaft. Deshalb kann man zwar immer wieder rufen: "Keep your politics out of my game!", aber ob das überhaupt möglich ist, ist zumindest fraglich.

Und da wir alle nun mal in den Grenzen unserer Realität existieren, tun dies auch unsere Geschichten. Werte, Meinungen, Motivationen und Tatsachenabläufe werden nun mal rezipiert, kopiert, perpetuiert, weiterentwickelt, erhalten, abgelehnt, bekämpft usw., weil es gar nicht anders geht - auch das ist Teil unserer Grenzen.
Und wer es nun mal ablehnt, den pollitischen Hintergrund oder sogar die politische Aussage einer FIktion als Kriterium dessen Qualität abzulehnen, bitte. Das ist genau so legitim wie in Star Wars oder Herr der Ringe unbedingt eine Allegorie hereinlesen zu wollen (was der Autor von letzterem z.B. immer abgelehnt hat, obwohl solche Ideen nachvollziehbar sind).
Insofern kann ich aber die Forderung, ein Spiel dürfe nicht unpolitisch sein, nicht nachvollziehen. Es kann in diesem Sinne gar nicht unpolitisch sein. Für wirklich wichtig halte ich den Umstand aber selten.
(Jedenfalls sobald ich davon weiß. Ansonsten kann ich nur von dem was ich sehe rückschließen.)
Um auch mal was ins Schweinchen zu werfen. ;)
Im Grunde weiß niemand was über den anderen, zumindest nicht hier. Du weißt nicht wer ich bin, was ich mache, wie ich wohne, meine Hobbies, kennst meine eherenamtlichen sozialen Engagements nicht, ob ich Männlein ider Weiblein bin, ja nicht einmal, ob ich alles was ich schreibe ernst meine.
Umgekehrt ebenso.
Wir glauben nur gewisse Dinge zu wissen oder ableiten zu können, wissen es aber tatsächlich nicht.
(Jedenfalls sobald ich davon weiß. Ansonsten kann ich nur von dem was ich sehe rückschließen.)
:P
Ich definiere mich jedenfalls nicht nur über das was ich tue, auch über das was ich nicht tue.
Manchmal vielleicht sogar wichtiger…und das wird maßgeblich von meinem Denken beeinflusst. Daher halte ich eine Selbsteinschätzung schon für wichtig.