Tortur für Trophäen: Wie Achievements meine Spielweise verändert haben
Egal ob God of War Ragnarök oder A Plague Tale: Requiem: Am Ende muss die Platin-Trophäe stehen! Auf der Jagd nach der nächsten Auszeichnung bleibt der Spielspaß zwar auch schon mal auf der Strecke. Warum Redakteur David Benke trotzdem einfach nicht aufhören kann, virtuelle Fleißsternchen auf der PlayStation zu sammeln, verrät er in seiner Kolumne.
Es ist soweit: God of War Ragnarök ist draußen! Nach vier Jahren Wartezeit geht die Reise von Kratos und Atreus endlich weiter. Und dieses Mal steht nicht weniger als das Schicksal der Erde auf dem Spiel! Was gäbe es da Besseres, als sich mit ein paar Tüten Chips aufs Sofa zu flacken, die PS5 anzuschalten und einfach mal für zwölf Stunden am Stück in der Welt von Midgard zu versumpfen? Tja, eigentlich nichts. Und trotzdem sah meine erste Amtshandlung zunächst mal so aus: Noch bevor ich God of War überhaupt das erste Mal gestartet habe, ging der Blick ins Internet, um zu schauen: Was muss ich eigentlich machen, um im Spiel eine Platin-Trophäe zu bekommen?
Ja, es stimmt: Ich bin so ein wenig dem Sammelfieber verfallen. Schuld ist mein aufwendiges Video zum Thema Trophy Hunting aus dem April. Seit ich in die Community reinschnuppern durfte, hat mich die Faszination ebenfalls gepackt. Auch ich meistere jetzt regelmäßig kleinere Entwickler-Herausforderungen, um einen glänzenden Pokal auf meinem Profil zur Schau stellen zu können.
In diesem Artikel
Die richige Vorbereitung ist alles!
In den letzten Monaten ist meine virtuelle Vitrine so um etwa die Hälfte gewachsen: 13 neue Platin-Trophäen sind dazugekommen, weitere werden höchstwahrscheinlich folgen. Es ist schließlich extrem befriedigend, fürs Spielen belohnt zu werden. Ich freue mich jedes Mal über den kleinen Jingle und die Pop-up-Nachricht, wenn ich offenbar wieder irgendwas Tolles gemacht habe. Und es beruhigt den Perfektionisten in mir, zu wissen, dass ich ein Spiel zu 100 Prozent abgeschlossen habe.
Also ja, ich habe durchaus Spaß daran, Trophäen zu sammeln. Aber ich habe in letzter Zeit auch gemerkt, dass das die Art und Weise, wie ich Spiele spiele, deutlich beeinflusst hat. Und zwar nicht immer nur zum Guten. Früher war Zocken für mich eher so ein spontanes Ding. Man setzt sich halt mal hin und spielt locker-unverbindlich drauf los. Da ging es primär darum, eine Geschichte zu erleben oder ein bisschen Spaß im Multiplayer zu haben. Das ist mittlerweile oft nicht mehr der Fall. Jetzt geht jeder Playthrough schon fast mit Planung einher.
Tortur für Trophäen
Quelle: PC Games Hardware
Tortur für Trophäen: Wie Achievements meine Spielweise verändert haben (3)
Als erstes werfe ich einen Blick auf die Trophäen-Liste. Was eine dumme Idee ist, weil einige Achievements ja nicht ohne Grund geheim sind. Da spoilert man sich auch schon mal schön das Ende, bevor man überhaupt angefangen hat. Danach geht's dann ab ins Netz, um nach einem Guide zu schauen und zu klären: Welcher Schwierigkeitsgrad muss es denn eigentlich sein? Und dann wird meistens zwangsweise der höchste gewählt. Zuletzt zum Beispiel im gerade erst erschienenen Call of Duty: Modern Warfare 2. Das habe ich komplett auf Veteran durchgespielt. Nicht, weil ich ein absoluter Shooter-Experte bin, den alles darunter maßlos unterfordert. Eher das Gegenteil ist der Fall. Sondern weil es dafür eine extra Gold-Trophäe gibt.
Hat das Spaß gemacht? Nein, nicht wirklich. Wenn einen Gegner auf drei Kilometer Entfernung in einem Busch hocken sehen und mit einem Schuss umbringen, sorgt das eher für Frust. Irgendwann schmeißt man sich nur noch willkürlich hinter Deckungen, um zu warten, dass der Bildschirm nicht mehr blutrot gefärbt ist. Mit dem heroischen Ein-Mann-Armee-Gefühl, dem typischen Run&Gun-Gameplay der Call-of-Duty-Reihe, hat das nix mehr zu tun.

Irgendwann hat mich das Thema jedoch in etwa so vereinnamt wie du schreibst, [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] und ab da wurde mir klar ich muss was ändern. Es kann nicht sein, das ich meine Spiele nach Machbarkeit der Erfolge auswähle und das (initiale) Erlebnis dann dadurch vollständig diktiert wird.
Um einen Vergleich mit anderen ging es mir dabei hingegen nie, denn wie bei dir auch interessiert sich in meinem Umfeld praktisch niemand für Erfolge außer mir. Es ging und geht mir da rein um die Befriedigung des inneren Drangs nach Perfektion :D
Mittlerweile handhabe ich es aber so, dass ich vor dem Spielstart höchstens nachsehe ob es irgendwelche verpassbaren Erfolge gibt oder solche, welche mehrere Durchgänge notwendig machen, um Zeit sparen zu können. Geheime Erfolge decke ich aber bewusst nicht vorher auf und den ersten Durchgang spiele ich sowieso befreit von Guides o.ä., damit ich das Spiel ganz in Ruhe genießen kann. Für den zweiten Run lege ich mir dann einen Guide zurecht um möglichst alles abzugrasen.
Erfolge, welche aber absurd viel Zeit verlangen und das schlimmstenfalls auch noch für stupide Beschäftigungstherapie wie Grinding können mir ebenso gestohlen bleiben wie abartig schwer zu schaffende Erfolge, welche nur dem obersten Prozent der Hardcore Progamer möglich sind. Nein, danke.
Last but not least unterschreibe ich deine Aussage hinsichtlich der Bereicherung des Spielerlebnisses durch Erfolge, da ich andernfalls viele Dinge niemals selbst ausprobiert hätte und mich so einfach intensiver mit den Spielen auseinandersetze. Erst neulich hab ich Observation zwecks Erfolgen ein zweites Mal beendet und während es beim ersten Run eher "Meh" für mich war, habe ich durch die Collectibles und auch so abseits des Weges viele Infos und Details wahrgenommen, welche das Spielerlebnis für mich ungemein aufgewertet hatten. Jetzt finde ich das Game richtig klasse!
Für mich persönlich nichts tolles aber jedem das seine.
Es ist schließlich extrem befriedigend, fürs Spielen belohnt zu werden. Ich freue mich jedes Mal über den kleinen Jingle und die Pop-up-Nachricht, wenn ich offenbar wieder irgendwas Tolles gemacht habe. Und es beruhigt den Perfektionisten in mir, zu wissen, dass ich ein Spiel zu 100 Prozent abgeschlossen habe.
"Sammle alle 728 Federn ein"
- Nope.
Außer in Batman Arkham Asylum/Arkham City. Da hab ich tatsächlich mal alle Riddler Trophäen eingesammelt.
Und in dem Assassin's Creed Teil, in dem man dann ein Video schnipselweise freischalten konnte.(AC2) Das waren aber auch nur ~30 Symbole, die man finden musste.
Interessant finde ich Achievements, die einen zu einer unüblichen Spielweise zwingen, zB eine Starcraft 2 Mission, in der man nicht zig Kampfeinheiten baut, sondern quasi nur Arbeiter, die den großen Kampfroboter kontinuierlich reparieren.
Bisher nur bei einem Spiel hat es mich gereizt, die Level auf allen Schwierigkeitsgraden zu erledigen:
Defense Grid Awakening
Da hab ich >300h rein investiert und diverse Tower Defense Wege kunstruiert, um die Level mit nur 10 Türmen oä zu schaffen.
Fazit:
Nur, wenn's Spaß macht oder ne handfeste Belohnung gibt.
(Nein, das bloße Achievement-Aufploppen ist nicht Belohnung genug)
Schlussendlich sollte der Spass im Vordergrund bleiben: wenn man sich wirklich durchquälen muss, um die 1000 Punkte bzw. die Platintrophäe zu holen, oder gar auf ein Spiel verzichtet, weil die Komplettierung zu happig ist, kann es das auch nicht sein; da sollte man für sich selbst die Reissleine ziehen, um nicht die Freude am Hobby zu verlieren.
Deswegen sollte man aber nicht so abfällig über eine Beschäftigung reden, an der andere ihren Spaß haben.