Nicht perfekt, aber unbezahlbar: Was selbstgemachten Merch so besonders macht
Manche lieben ihn, manche verzichten ganz darauf: Merchandise wie T-Shirts, Zauberstäbe oder Figuren. Redakteurin Anni erklärt, wieso selbstgemachtes Merch so wertvoll für viele Fans ist.
Für Merchandise hatte ich schon immer eine Schwäche, zumindest für die coole Art. Simple Logos oder das Artwork eines Filmplakats auf einem T-Shirt kann mir gestohlen bleiben, schließlich gibt es so viele kreativere Möglichkeiten - vor allem, wenn man bereit ist, selbst aktiv zu werden.
Der beste Merch stammt von Fans selbst, und dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob sie ein Handwerk perfekt beherrschen. Die eigenen Kreationen sind viel mehr als bloße Gegenstände, nämlich viel mehr ein Beweis für die Franchise-Liebe.
Vielleicht nicht perfekt, aber es kommt von Herzen
Ich kann mich noch sehr gut an meine Hochphase der Harry-Potter-Vernarrtheit in meinen frühen Teenagerjahren erinnern. Kein Wunder, schließlich habe ich meine freie Zeit fast ausschließlich in Hogwarts verbracht, sei es beim Lesen, beim Zocken oder in einer Rollenspielgruppe auf SchülerVZ.
Damals bin ich irgendwann auf ein YouTube-Video gestoßen, das vom angeblich größten Fan der Welt stammt. Angezogen wie Harry höchstpersönlich präsentierte er ein Zimmer, das geradezu vollgestopft war mit Merch und Requisiten aller Art. Selbstverständlich war ich total neidisch drauf. Schließlich waren solche Dinge schon damals ziemlich teuer und vieles gab es hierzulande auch einfach noch nicht. Zumindest letzteres hat sich heutzutage deutlich gebessert.
Über die Jahre habe ich trotzdem vielen offiziellen Merch zusammengesammelt und musste mich erst vor Kurzem schweren Herzens von einem Quidditch-Pullover trennen, den ich bei der Studio-Tour in Leavesden von meinen Eltern bekommen habe. Dass sich manche Waschmaschinenprogramme leider nicht so gut mit magischer Kleidung vertragen, weiß ich jetzt also auch.
Was mir aber genauso stark im Gedächtnis geblieben ist wie der Pulli, mehrere Zauberstäbe und der Zeitumkehrer, sind die Sachen, die von mir selbst stammen. Da ich als Jugendliche vier Jahre lang in den Sommerferien Harry-Potter-LARP mitgemacht habe, konnte ich mich dafür vollends austoben und meine Kreationen sogar stilecht einsetzen.
Ein verschnörkeltes Notizbuch, in dem ich jeden Zauberspruch samt Wirkweise festgehalten habe. Ein Jutebeutel, der im Slytherin-Stil verziert wurde (ja, eigentlich bin ich eine Ravenclaw, aber der sprechende Hut hatte das damals halt so entschieden). Haufenweise Buttons für unsere fiktive Version von Dumbledores Armee.
Das sind nur ein paar Beispiele dafür, was ich so alles angestellt habe. Aber eines verdeutlichen solche Projekte sehr gut, abgesehen davon, wie gerne ich kreativ wurde: Für coolen, sogar personalisierten Merch muss man nicht viel Geld ausgeben.
Klar, perfekt waren meine Werke absolut nicht. Aber genau dadurch haben sie sich echt angefühlt und befinden sich auch heute noch sicher verstaut in meinem Kinderzimmer in der Heimat und sorgen bei jedem Besuch für pure Nostalgie. Und schon ein kurzer Blick in die Fan-Communitys auf Plattformen wie Reddit zeigt: Damit bin ich nicht allein!
Fan-Merch sorgt für Kreativität und Austausch
Dabei spielt es nicht mal eine Rolle, ob das Werk oder Franchise, das man liebt, aktuell noch gepflegt wird. Meine fellow Hunters, die sehnsüchtig auf irgendwelche Neuigkeiten zu Bloodborne warten, können genauso aktiv sein wie Harry-Potter-Fans, die sich durch die HBO-Serie und Hogwarts Legacy auf Neues freuen dürfen.
Tatsächlich gab es einen bestimmten Post bei Reddit, der mich erst auf den Gedanken gebracht hat, diesen Artikel zu schreiben: Die entsprechende Person arbeitet mit Buntglas und hat ein kleines Kathedralenfenster mit dem Jäger aus Bloodborne darin angefertigt.
Daran haben mich neben dem reinen Skill noch etwas anderes sehr beeindruckt: Die Idee ist unglaublich kreativ und passt hervorragend zur Stimmung des Spiels. Und so etwas würde man eben niemals in einem Store bekommen, der lizenzierten Merch verkauft.
Der ist nämlich nicht nur weiterhin teuer, auch die Qualität und Kreativität lassen irgendwie immer mehr nach. Klar, das betrifft nicht alle Hersteller und Franchises, allerdings habe ich da in den letzten Jahren auch immer mal wieder Pech gehabt. Im Fall von älteren Werken gibt es manchmal schlichtweg keinen Merch mehr, sodass einem gar nichts anderes übrig bleibt, als selbst tätig zu werden.
Außerdem hat das noch einen weiteren Vorteil. Durch das Teilen auf Social Media werden Communitys geschaffen, Gleichgesinnte vernetzen sich und arbeiten vielleicht sogar an ähnlichen Projekten, über die sie sich austauschen können. Schon kurz nach dem Release von Hollow Knight: Silksong im letzten Jahr hat jemand zum Beispiel eine Häkelanleitung für die Glockenbestie erstellt und kostenlos online geteilt.
Das Tierchen ist nicht nur total schnuffig in seiner wolligen Variante, sondern es steckt auch immens viel Arbeit in so einer Anleitung. Schließlich muss jemand nicht nur viel von seinem Handwerk verstehen, sondern auch noch lange grübeln und viel ausprobieren, um letztendlich auf über 30 Seiten jeden Schritt und jede einzelne Masche festzuhalten.
Dem Projekt habe ich mich als Häkelanfängerin übrigens auch vor einer Weile angenommen und kann sagen: Obwohl meine Glockenbestie ein bisschen derpy aussieht, hat das überraschend gut funktioniert. Allerdings habe ich wochenlang kaum etwas anderes in meiner Freizeit gemacht. Irgendwann habe ich nicht mehr mitgezählt, aber es dürften etwa 40 Stunden Arbeit darin stecken, die mich den einen oder anderen Nerv gekostet haben.
Und abgesehen davon, dass es keine Plüsch-Glockenbestie zu kaufen gibt: So etwas hat nun wirklich nicht jeder und man kann selbst richtig stolz auf sich sein. Vor allem, wenn sich dann noch ein Geburtstagskind über ein solches Geschenk freut.
Bei eigenem Merch sind wirklich keine Grenzen gesetzt. Zeichnen, Schreinern, Nähen, Töpfern, Textildesign mit Bleichmittel, Teppiche knüpfen ... Jeder kann ganz nach seinen Vorlieben vorgehen, wodurch die unterschiedlichsten Projekte zusammenkommen.
Teilt man seine Werke dann noch, kann man sich gegenseitig inspirieren, motivieren und natürlich auch einfach über das ursprüngliche Material austauschen, selbst wenn die eigenen Freunde und Bekannten im echten Leben nur wenig damit anfangen können.
Es geht also nicht nur um professionell produzierten Merch, sondern um den kreativen Prozess, der ein bedeutender Teil des Fan-Daseins ist. Außerdem lassen sich so mehrere Hobbys und Interessen, wie zum Beispiel Zocken und Handarbeit, hervorragend miteinander verbinden.
Ich möchte aber noch mal betonen: An offiziellem Merch ist nichts falsch, im Gegenteil. Bei mir zu Hause gibt es auch mehr als genug davon, der sprechende Grub aus Hollow Knight hat zum Beispiel einen Ehrenplatz im Regal bekommen. Außerdem interessiert sich nicht jeder für kreative Projekte oder freut sich einfach mehr über qualitativ hochwertige Produkte.
Und, der vielleicht wichtigste Punkt: Es braucht letztendlich überhaupt keinen Merch, um ein großer Fan von etwas zu sein. Egal, ob er euch zu teuer ist oder ihr einfach keinen Wert darauf legt.
Aber gerade für Menschen wie mich, die ihre Leidenschaft für bestimmte Bücher, Spiele und Filme gerne auch kreativ ausleben, ist eigener Merch die perfekte Lösung dafür. Es wird also sicher nicht lange dauern, bis ich mit einem neuen Projekt durchstarte.
Habt ihr schon mal eigenen Merch gemacht? Schreibt uns gerne in den Kommentaren und beachtet beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet. Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei YouTube, Instagram und TikTok.
