Rogue Stormers im Test: Steampunk-Action aus deutschem Anbau
Nach zwei Kickstarter-Anläufen, zig Konzeptänderungen und langer Early-Access-Phase geht Rogue Stormers endlich in die Zielgerade. Doch hat der fetzige Roguelike-Plattformer mehr zu bieten als Permadeath und ein abgefahrenes Szenario? Im Test prüfen wir, was das neue Spiel der Giana-Sisters-Schöpfer drauf hat.
Quelle: PC Games
Wenn wir Glück haben und viele gute Upgrades finden, geraten die späteren Bosskämpfe etwas zu leicht.
Schwere Geburt bei Black Forest Games: Beflügelt durch den Überraschungserfolg von Giana Sisters: Twisted Dreams wollten die Offenburger auch ihr nächstes Spiel über Kickstarter finanzieren. Ravensdale sollte es heißen, schon seit 2008 hatte man daran gearbeitet, das Konzept danach immer und immer wieder umgestrickt. Stand 2013 war daraus schließlich ein wilder Koop-Sidescroller im Stil von Contra oder Metal Slug geworden, verpackt in ein cooles Setting, das Steampunk und Fantasy munter vermixt. Doch dann die Enttäuschung: Die Kickstarter-Kampagne lief mies an, die erhofften 500.000 US-Dollar schienen unerreichbar. Man brach die Kampagne ab, besann sich neu - nur um ein Jahr später schließlich nochmal einen Kickstarter-Versuch zu wagen.
Quelle: PC Games
Die 2D-Action erinnert an Contra oder Metal Slug und geht präzise von der Hand.
Das Spiel hatte man mittlerweile in Dieselstörmers umbenannt und die finanziellen Erwartungen wurden heruntergeschraubt. Mit Erfolg: Im April 2014 brachten 1.190 Backer das vom Pech verfolgte Projekt endlich über die Ziellinie. Es folgte eine Early Access-Phase, in der das Spiel ein weiteres Mal umgestrickt wurde: Dieselstormers bekam nun ein Roguelike-Konzept verpasst, mit zufallsgenerierten Levels, mehreren Klassen und abwechslungsreicher Beute. Glück im Unglück: Als der Modehersteller Diesel schließlich gegen Black Forest Games klagte und das Spiel ein weiteres Mal umbenannt werden musste, war zumindest der finale Titel schnell gefunden. Und so ist das Spiel, das einst als Ravensdale begann, nun unter dem Namen Rogue Stormers erhältlich. Im Test zeigt sich: Die Mühen waren nicht umsonst, denn das 2,5D-Actionspiel hat durchaus Qualitäten!
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Rogue Stormers im Test: Ork-Geballer aus dem Zufallsbaukasten
Quelle: PC Games
Die größeren Bosse sind cool inszeniert und verlangen blitzschnelle Reaktionen, wenn wir nicht im Kugelhagel untergehen wollen. So schwer wie in vielen anderen Roguelikes wird's aber nur selten.
Wie praktisch alle Roguelikes folgt auch Rogue Stormers einem einfachen Prinzip: Wir starten mit einem von mehreren wählbaren Helden, ballern uns durch zufallsgenerierte Levels, erledigen dazwischen ein paar Bosse, sammeln Power Ups auf. Und wenn wir ins Gras beißen, heißt es: Game Over, Spiel vorbei. Anders als viele Genre-Vertreter nutzt Rogue Stormers aber keinen pixeligen Retro-Stil, sondern setzt auf moderne, schicke 3D-Grafik, inklusive krachender Explosionen, satter Effekte und sauberer Animationen. Besonders schön ist der Schauplatz geraten: In Rogue Stormers kämpfen wir uns durch eine mittelalterliche Stadt, in der typische Fantasy auf schickes Steampunk-Design trifft. Unsere Gegner: Horden von giftgrünen Goblins und Orks, die ebensogut aus einem Warhammer-Spiel stammen könnten - wären da nicht die Energiewaffen, Granatwerfer und Mechs, mit denen uns das strunzdoofe, aber zumindest aggressive Monstergesocks ans Leder will.
Unsere Helden unterscheiden sich stark, was aber in erster Linie an ihrer verwendeten Waffe liegt: Einer nutzt ein beispielsweise ein Maschinengewehr und hat extra viele Lebenspunkte, der andere besitzt dagegen einen Flammenwerfer mit kurzer Reichweite und kann einen Energieschild verwenden. Um die insgesamt fünf Figuren freizuschalten, müssen wir uns durch sieben Levels kämpfen, mehr Umfang bietet Rogue Stormers nicht. Allerdings werden die Umgebungen, die sich leider bis zum Schluss grafisch sehr ähneln, bei jedem Durchgang aus einer Handvoll Levelbausteinen neu angeordnet. Und natürlich werden auch die Gegner und Upgrades nach dem Zufallsprinzip verteilt. Das sorgt für den nötigen Wiederspielwert, auch wenn Rogue Stormers es in diesem Punkt längst nicht mit Binding of Isaac, Nuclear Throne oder Enter the Gungeon aufnehmen kann - nach einer Weile wiederholen sich die Levelbausteine einfach zu oft. Besonders ärgerlich: Öfters zeigten sich beim Levelaufbau auch technische Fehler, etwa wenn Items in einer Wand verschwanden und sich dadurch nicht mehr aufheben ließen.
Rogue Stormers im Test: Präzise Action mit tonnenweise Upgrades
Unverzichtbar für ein Roguelike: Die 2D-Action geht mit Maus und Tastatur sehr gut und präzise von der Hand; wer mag, kann natürlich auch ein Gamepad nutzen. Mit etwas Übung fällt es daher leicht, den Kugelhageln der Gegner auszuweichen und präzise Sprünge zu vollführen. Das Ballern fühlt sich zu Beginn allerdings etwas zäh an: Die Standardwaffen der fünf Helden richten weder viel Schaden an, noch sind sie sonderlich cool gestaltet. Durch zufällig verteilte Upgrades lassen sich aber immerhin Schaden, Reichweite und bestimmte Eigenschaften der Wummen verbessern, beispielweise lässt sich das MG mit einem praktischen Streuschuss aufmotzen. Das tröstet etwas darüber hinweg, dass wir die Hauptwaffe nie auswechseln können. Stattdessen finden wir Sekundärwaffen, darunter fliegende Drohnen, (nutzlose) Giftgasgranatwerfer, Energielanzen oder eine Shotgun. Diese Zusatzwaffen nutzen sich mit der Zeit ab und haben zum Teil lange Aufladezeiten, eignen sich aber prima, um unsere Spielweise zu unterstreichen oder eine Schwachstelle eines Charakters auszugleichen.
Am coolsten sind aber die vielen Upgrades, die wir erbeuten können. Zu diesem Zweck sind die Levels mit verschlossenen Kisten und Nachschub-Behältern vollgestopft, außerdem sammeln wir Gold, das wir bei Händlern für neue Ausrüstung verprassen oder an einarmigen Banditen verzocken - stets in der Hoffnung, ein besonders gutes Upgrade herauszubekommen. Die Verbesserungen verleihen uns nämlich dutzende Boni, von einfachen Lebenspunkte-Steigerungen,Energieschilden und Minen legenden Drohnen bis hin zu praktischen Tricks, etwa ein unverzichtbarer Doppelsprung, durch den wir höhere Ebenen erreichen können.
Quelle: PC Games
Wenn wir Glück haben, viel Gold und Schlüssel finden und lange durchhalten, haben wir gegen Spielende dutzende solcher Upgrades in der Tasche. Jedes Item spendiert uns nützliche Boni.
Typisch für Roguelikes regiert hier vor allem das Glück: Im Test haben wir frustrierende, zähe Durchläufe erlebt, in denen wir nur blöde Upgrades, kaum Gold und viel zu wenig Schlüssel für die verschlossenen Truhen hatten. Nur um ein paar Stunden später einen großartigen Durchgang zu spielen, in dem wir uns vor starken Upgrades kaum retten konnten. Unser Held war dadurch so mächtig, dass der Bildschirm vor lauter Explosionen, Geschossen, Blitzen und Partikel förmlich zu bersten drohte - und das machte dann gleich so viel Spaß, dass wir Rogue Stormers in einem Rutsch durchgespielt haben.
Quelle: PC Games
Einer der seltenen Spezialräume: Wir müssen Monsterhorden abwehren, die durch zwei Teleporter hineinströmen. Als Belohnung gibt's HP und andere Boni.
Rogue Stormers im Test: Dämpfer für die Langzeitmotiviation
Quelle: PC Games
Nach einem Levelaufstieg erhalten wir einen zufälligen Perk. Leider sind die Boni nicht sonderlich stark.
Manche besiegte Gegner hinterlassen Erfahrungspunkte, durch die sich quälend langsam ein Fortschrittsbalken füllt. Steigen wir einen Level auf, dürfen wir nach Missionsende einen Perk für den Helden aussuchen. Anders als Waffen und Upgrades, die wir nach jedem Bildschirmtod verlieren, bleiben uns die Perks erhalten. Diese dauerhaften Boni erinnern also ein wenig an Rogue Legacy, entpuppten sich aber als so schwach, dass sie kaum ins Gewicht fallen - 5 Prozent mehr Waffenschaden, 10 Prozent mehr Laufgeschwindigkeit, solche Werte machen sich in den hektischen Ballerleien kaum bemerkbar. Weil es außerdem ewig dauert, neue Perks freispielen, bleibt die Motivation aus - im Level aufzusteigen macht in dieser Form einfach zu wenig Freude. Erst nach sehr vielen Spieldurchgängen, wenn wir mehrere Perks des gleichen Typs freigespielt und ihre Boni so kombiniert haben, bringen sie einen messbaren Nutzen.
Quelle: PC Games
Auf Wunsch können wir Gamepad verwenden, mit Maus und Tastatur spielt sich's aber etwas einfacher.
Doch ob die meisten Spieler überhaupt so lange am Ball bleiben, ist fraglich: Rogue Stormers bietet auf Dauer nicht genug Abwechslung und Neues zu entdecken. Die Levels sehen zwar schick aus, ähneln sich optisch aber zu sehr: Oben die Stadtkulisse, darunter die Höhlen und Fabriken, zusammengehalten von Unmengen Rohren und Stahl - so ist im Grunde jeder Level aufgebaut. Zusätzliche Gegnertypen hätten ebenfalls nicht geschadet, genauso wie ein paar Überraschungen, Charaktere, Minibosse und Events, die das Dauergeballer etwas auflockern könnten. Auch die wenigen, aber zumindest gut designten Bossgegner nutzen sich schnell ab - hat man ihre Muster erst mal gelernt und die richtige Ausrüstung im Gepäck, verlieren die Kämpfe an Reiz. Bis zum finalen Boss hat uns Rogue Stormers trotzdem ordentlich zum Weiterspielen motiviert, vor allem als wir endlich ein Gefühl für unseren Helden und die Upgrades hatten. Doch nachdem der letzte Gegner besiegt war, sank unsere Motivation spürbar - einzig die vielen, vielen Perks und Upgrades, die wir noch nicht freigespielt hatten, lockten uns danach noch ab und an zurück ins Spiel.
Quelle: PC Games
Bis zu vier Spieler können online oder lokal im Koop-Modus spielen. Die Online-Spielersuche entpuppte sich im Test aber als unzuverlässig.
Rogue Stormers im Test: Multiplayer, Wertung und Fazit
Für mehr Langzeitspaß könnte dagegen der Koop-Modus sorgen: Bis zu vier Spieler dürfen sich gemeinsam in die Action stürzen, wahlweise lokal an einem PC oder online über Steam. Doch der Spaß hat noch seine Macken: Die Spielersuche für Online-Mitspieler wollte im Test überhaupt nicht funktionieren, wir konnten uns nur (mühsam) mit Spielern von unserer Freundesliste zusammentun. Außerdem hatten wir online mit nervigen Lags zu kämpfen, die ein schnelles Reaktionsspiel unmöglich machten. Im lokalen Koop hatten wir dagegen keine Probleme. Wer also mit einem Freund an einem PC oder auf dem Sofa spielen möchte, Roguelikes mag und ein Herz für 2D-Ballereien à la Contra hat, kann bei Rogue Stormers gerne zugreifen! Für 20 Euro ist der Umfang fair bemessen, die Action rummst, die Upgrades motivieren - mit mehr Polishing, mehr Inhalten und mehr Abwechslung könnte aus Rogue Stormers aber noch deutlich mehr werden.
Rogue Stormers ist für PC über Steam erhältlich. Es werden verschiedene Bundles angeboten - je mehr Versionen man kauft, desto günstiger der Preis pro Spiel. Eine Einzelversion kostet 20 Euro.
