RoboCop: Rogue City im Test - Seite 2
Im Sequel zu RoboCop 2 schlüpfen wir in die metallene Haut von Original-RoboCop Alex Murphy und säubern Detroit von kriminellem Gesindel.
Unterwegs stellen wir Beweismaterial sicher, scannen Objekte, finden Geheimnisse und retten Geiseln, was sich auf unsere Einsatzbewertung auswirkt und letztendlich in Erfahrungspunkten niederschlägt, die wir in unsere Talente investieren können. Zu guter Polizeiarbeit gehört selbst im RoboCop-Universum nicht nur die Fähigkeit mit der Waffe, sondern auch Bereiche wie Deduktion und Psychologie können aufgewertet werden. Diese helfen uns zum Beispiel dabei, mehr Loot oder Erfahrung zu erhalten, versteckte Nebenquests zu finden oder weisen uns in Gesprächen darauf hin, welche Antwort unser Gegenüber bevorzugt. Da wir bereits zu Beginn eine mächtige Kampfmaschine sind, ergibt es durchaus Sinn, sich auch auf die weniger offensiven Talente zu konzentrieren. Wir sammeln im Verlauf des Spiels außerdem ohnehin genug Erfahrung, um zwar nicht alle, aber doch einen großen Teil der Fähigkeiten freischalten zu können.
Ebenfalls aufrüsten können wir unsere Dienstwaffe Auto-9, die als einziges Schießeisen im Spiel über unendlich Munition verfügt. Das geschieht mithilfe von Motherboards, die wir in Kisten finden oder als Belohnung für Missionen erhalten. Darauf können wir dann verschiedene Platinen befestigen, die etwa unsere Nachladedauer verkürzen oder Gore-Effekte erhöhen.
Quelle: Teyon / Nacon
Trotz unserer Überlegenheit läuft bei der ersten Mission nicht alles rund. Murphy wird urplötzlich von merkwürdigen Systemfehlern und Visionen geplagt, was ihn kurzzeitig handlungsunfähig macht und beinahe zu weiteren zivilen Verlusten führt.
OCP-Executive Max Becker, dem RoboCops menschliche Seite ein Dorn im Auge ist, ordnet daraufhin an, dass dieser nach jeder Mission eine Therapiesitzung wahrnehmen muss. Sollte die Identität Alex Murphy sich als hinderlich erweisen, ist Becker gewillt, diesen Teil von RoboCops Persönlichkeit komplett zu löschen. Uns droht sozusagen eine Robotomie.
Domo Arigato, Mr. Roboto
Wie sich Murphy in diesen Sitzungen sowie in anderen Gesprächen verhält, hat Einfluss auf den weiteren Verlauf und das Ende der Geschichte. Eine tatsächlich abzweigende Handlung gibt es zwar nicht, die Schicksale mancher Hauptfiguren und zum Beispiel der Ausgang der Bürgermeisterwahl oder RoboCops Status als Mensch oder Eigentum von OCP können jedoch durch unsere Entscheidungen beeinflusst werden.
Rogue City ist eigentlich ein recht linearer Shooter, in den besuchten Arealen gibt es aber immer auch Nebenaufgaben zu erledigen und Geheimnisse zu finden, die den Wiederspielwert erhöhen und zum Erkunden einladen. Einige Gebiete besuchen wir häufiger, wodurch wir auch mehrmals auf die gleichen NPCs treffen können, die sich an unsere Handlungen erinnern. So ließen wir zum Beispiel einen Sprayer mit einer Warnung davonkommen und entdeckten später als Dank ein RoboCop gewidmetes Kunstwerk an einer Hauswand.
Überhaupt zählen die Momente abseits der Hauptstory, in denen wir einfach unserer Arbeit als Gesetzeshüter nachgehen, zu den besten im Spiel. Wir befreien Katzen aus brennenden Häusern, verteilen Strafzettel und lösen Kriminalfälle und haben dabei immer einen markigen Spruch auf den Lippen.
Obwohl Detroit als hoffnungsloser Moloch dargestellt wird, in dem jeden Tag unschuldige Menschen Angehörige verlieren, findet sich in Rogue City neben deprimierenden Schicksalen auch eine ordentliche Prise Humor. Für diesen ist häufig auch die Hauptfigur selbst verantwortlich, deren stoisch-trockene Reaktionen im starken Kontrast zu den oft extremen Emotionen seiner Gegenüber stehen.
Quelle: Nacon
Der Tonfall ist allgemein sehr gut getroffen und das Writing absolut ausreichend für ein geradliniges Actionspiel. Gameplay-Schnörkel wie die Entscheidungen, das Leveling-System und die verschiedenen Waffen, deren Design und Funktionsweise allesamt auf den Filmen basieren, sind für sich genommen ganz nett, in ihrer Summe erheben sie RoboCop: Rogue City aber über andere, lediglich solide Lizenztitel.
Innovation statt Imitation
Die Liebe zum Ausgangsmaterial zeigt sich an jeder Ecke und es ist klar, dass Teyon verstanden hat, welche Elemente sich Fans von einem RoboCop-Titel wünschen. Die Locations sehen fantastisch aus und wir haben das Gefühl, direkt in die Filmwelt eintauchen zu können. Bis auf Weller ist zwar niemand aus dem Original-Cast beteiligt, die Charaktermodelle von Lewis, Kuzak, Sergeant Reed und anderen alten Bekannten sind jedoch ihren jeweiligen Schauspielerinnen und Schauspielern nachempfunden.
Dass das Spiel stellenweise ein bisschen zu sehr in den Fanservice abrutscht, ist verzeihbar, aber dennoch ein valider Kritikpunkt.
Anspielungen und Verweise auf die Filme finden sich erwartungsgemäß viele in Rogue City. Meist sind die Referenzen auch etwas cleverer eingebaut als nur mit einem abgedroschenen direkten Zitat.
Dennoch gibt es bei der Story sehr viele Parallelen zu den ersten beiden Filmen und von den Handlungsorten bis hin zu den fiktiven Produkten und Firmen innerhalb der Welt ist alles bereits aus einem früheren Ableger bekannt, wodurch dem Spiel ein wenig die Eigenständigkeit abgeht. Das ist an sich kein Problem und tut dem Ballerspaß keinen Abbruch, lässt Rogue City aber stellenweise ein bisschen wie eine Imitation oder ein Greatest Hits Album wirken als wie einen waschechten Nachfolger.
Dieser Tatsache scheint sich das Studio auch bewusst zu sein, immerhin verbirgt sich im Spiel eine Szene, in der Figuren den Wert von Remakes und Sequels bewerten und exakt zu dieser Schlussfolgerung kommen. Teyon hat mit Rogue City bewiesen, dass die Lizenz hier in guten Händen ist. Sollte es einen Nachfolger geben, würden wir es dem Team aber auch zutrauen, die Figur in etwas weniger vertraute Gefilde zu schicken, ohne sich dabei zu weit von den Motiven oder dem emotionalen Kern des Originals zu entfernen.
Die Weichen dafür wären gestellt, das Gunplay ist spaßig, die Wummen fett, die Gewalt wunderbar over the top und sogar der Humor funktioniert. Außerdem ist der Soundtrack, der sich stark an Basil Poledouris Original-Thema aus Teil 1 orientiert, einsame Spitze. Es wäre wirklich schade, wenn es bei diesem einen Ausflug in das retro-futuristische Detroit bleiben würde. Sollte Teyon auf den Stärken von Rogue City aufbauen können und das nächste Mal einfach noch etwas mehr von allem servieren, hätten wir es mit ziemlicher Sicherheit mit einem absoluten Top-Titel zu tun. RoboCop: Rogue City ist seit dem 02. November 2023 für PC sowie Playstation 5 und Xbox Series X|S erhältlich. Eine eigentlich geplante Switch-Version wurde eingestellt. Getestet wurde die PC-Version.

Und mein Grundproblem mit Robocop, seit schon immer. Warum hat er einfach keinen Kinn Schutz :)
naja vlt mal im Sale, war nie der größte Robocop Fan...
naja vlt mal im Sale, war nie der größte Robocop Fan...