Risen 3 im Test: Gesinnung und Kämpfe

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Test Stefan Weiß - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 13,50 €
Test mit Videospecial: Piranha Bytes setzt Kurs auf Gothic (1)
Quelle: Deep Silver

Die Rückkehr zu den Wurzeln soll Fans der Gothic-Spiele und des ersten Risen-Teils wieder an Bord holen. Mit mehr Magie und Mittelalter-Thematik, dafür weniger Piraten-Karibik. Nachdem wir Risen 3 komplett durchgespielt und alle drei Fraktionen intensiv ausprobiert haben, stellen wir fest, dass man die Rückbesinnung spürt und merkt. Jedoch nicht in letzter Konsequenz - das Piraten-Thema und einige Design-Altlasten sind noch vorhanden.

Menschenfreund oder Dämon: Das Seelen- und Moralsystem

Völlig neu in der Risen-Reihe ist, dass unsere Antworten in den Dialogen oft Auswirkungen auf unser Seelen-Barometer haben. Das mag angesichts des Story-Sachverhalts, dass unser Geist ja geraubt wurde, seltsam wirken, ist aber Teil des erzählerischen Plans der Entwickler. Im Charakterbildschirm erkennbar, starten wir mit einem neutralen Seelenwert von 50. Je nachdem, wie wir uns in den Quest-Dialogen verhalten, bekommen wir Seelenpunkte spendiert oder abgezogen. Das erinnert an das System der Mass Effect-Reihe und ist durchaus vergleichbar, wenngleich es nicht so tiefgehend ausfällt. Wenn wir ständig auf mehr Gold bei den Questbelohnungen pochen oder fies antworten, werden wir dämonischer, gute Antworten machen uns menschlicher. Schade nur, dass Piranha Bytes hier mit stereotypen Schwarz-Weiß-Dialogen operiert, zeigen doch Spiele wie Dragon Age: Origins oder The Witcher 2, dass Entscheidungen in Dialogen durchaus vielschichtiger sein können.

Die Auswirkung unseres Seelenwertes macht sich in der Beziehung zu unseren Crew-Mitstreitern, acht an der Zahl, bemerkbar. Wenn wir bestimmte Schwellenwerte über- oder unterschreiten, meckern einige unserer Kompagnons herum, können uns schließlich sogar verlassen. Auch bei der Entwicklung der Hauptgeschichte sorgt das Seelensystem für den einen oder anderen Story-Einfluss - schön, aber so richtig zu spüren bekommen wir im Spiel nicht, ob wir nun extrem dämonisch oder menschlich sind. Hier lässt Piranha Bytes einiges an Potenzial ungenutzt. So spielt es zum Beispiel auch erneut überhaupt keine Rolle, wenn wir NPCs stets aus den Latschen hauen und beklauen. Im Gegenteil, wir erhalten dafür etwas Ruhm, mehr Beute und die verärgerten NPCs vergessen unsere Missetaten nach einigen Minuten und behandeln uns, als wäre nichts gewesen.

Ein Freund an der Seite: Die Crew-Mitglieder

Von den insgesamt acht Crew-Mitgliedern, die uns im Spiel zur Seite stehen, dürfen wir - wie aus Risen 2 gewohnt - einen Charakter auf unseren Streifzügen mitnehmen. Damit lassen sich auch schwere Gegner besiegen, da unsere Begleiter a) viel aushalten und b) ordentlich austeilen können. In der Testversion erschienen uns die Begleiter noch vor allem im leichten und normalen Schwierigkeitsgrad zu übermächtig. Oft kann man in aller Ruhe zusehen, wie der Begleiter sich um die Monster kümmert, da verpufft schon mal die Spannung im Kampf. Abseits vom Kampf können wir mit den Begleitern plaudern, um mehr über ihre Hintergründe zu erfahren. Obendrein schalten wir dadurch auch spezielle Crew-Quests frei. Dadurch wachsen einem die Begleiter mehr ans Herz und dienen nicht nur als stumpfe Kampf-Mitstreiter. Aber tiefgehende Beziehungen dürft ihr nicht erwarten.

Hauen und stechen mit Rolle: Das Kampfsystem

Risen 3: Fans freut's - die Spielfigur darf endlich wieder schwimmen. Risen 3: Fans freut's - die Spielfigur darf endlich wieder schwimmen. Das Kampfsystem stand weit oben auf der Verbesserungsliste der Entwickler. In Titan Lords könnt ihr mit dem Helden neben dem aus dem Vorgänger bekannten Tritt auf den Gegner auch Ausweichrollen in alle vier Himmelsrichtungen tätigen und so Gegnern ausweichen. Das ist jetzt auch bitter nötig, denn die Kontrahenten haben seit Risen 2 ordentlich dazugelernt. So blocken sie viel häufiger eure Attacken, führen schnelle Konterangriffe sowie langsame, schwere Angriffe gegen euch aus. Das macht die Gefechte, zumindest im Nahkampf, anspruchsvoller als in Dark Waters. Im Nahkampf setzt ihr wie gewohnt Hieb- und Stichwaffen aller Art ein, Für den Fernkampf stehen euch Speere sowie verschiedene Büchsen und Flinten zur Verfügung. Auch der Einsatz einer Zweitwaffe, kurz schmutziger Trick genannt, wurde beibehalten. Diese Aktion erlaubt den Einsatz von Pistolen, Armbrüsten und Dolchen auf kurze Distanz. Insgesamt geht das Hauen und Stechen flott von der Hand und macht über weite Strecken viel Spaß. Allerdings dürfte es für altgediente Gothic-Risen-Liebhaber immer noch zu actionreich sein.

Risen 3 im Test: Wie gut sind die Dialoge?

Was uns im Test jedoch gehörig auf den Senkel ging, war die oft unsauber arbeitende Zielfokussierung. Da man es oft mit mehreren Gegnern gleichzeitig zu tun hat, ist es recht nervig, wenn sich die Heldenfigur ständig einem anderen Widersacher zuwendet, weil dieser die Sichtlinie durchquert und dadurch unseren Zielfokus automatisch verändert hat. Das lässt den Nahkampf mitunter zu einem fummeligen Herumgehüpfe mutieren. Seltsamerweise trat dieser Mangel hauptsächlich auf, wenn wir mit Maus und Tastatur spielten. Mit einem Xbox-Controller in der Hand agierte unser Held präziser. Ebenfalls nicht immer sauber geht's beim Klettern oder der Kollisionsabfrage zu - zwar treten Clippingfehler nicht ganz so gravierend wie in den Vorgängern auf, sind aber immer noch Bestandteil im Spiel.

Risen 3: Augen auf - typisch für die Reihe, findet man überall Beute - so wie hier einen verlassenen Ring auf der Planke des Boots. Quelle: buffed Risen 3: Augen auf - typisch für die Reihe, findet man überall Beute - so wie hier einen verlassenen Ring auf der Planke des Boots. Der Kampf mit Fernwaffen und Zaubersprüchen ist bei den meisten Standardgegnern eine simple Angelegenheit: Schuss abfeuern beziehungsweise Spruch wirken, Ausweichrolle absolvieren, Cooldown abwarten und von vorn. Etliche Gegner sind aber gegen bestimmte Primärangriffe schlicht immun, so juckt etwa der Blitzschlag eines Wächter-Magiers einen anvisierten Erzgolem nicht im Geringsten.
Apropos zaubern - trotz der Rückkehr von klassischer Fantasy-Magie verzichten die Entwickler auf ein Mana-Management. Ein gesprochener Zauber unterliegt lediglich einem Cooldown, bevor ihr ihn wieder erneut einsetzen könnt. Einige Hauptzauber, wie etwa die Flammenfaust oder der Blitzschlag setzt ihr in Risen 3 wie Waffen ein, sprich, ihr rüstet sie in Handschuhform wie einen Ausrüstungsgegenstand für die rechte Hand aus und zaubert dann mit schnellen Linkslicks oder ladet den Zauber per rechte Maustaste auf. Als Magier muss man bei dieser Variante aufs Blocken verzichten.

Beim Thema Bosskämpfe erlebten wir in unterschiedliche Eindrücke. So sind einige Bossfights richtig cool designt, andere schlicht nervtötend, kinderleicht oder, abhängig von der Spielweise, kaum zu schaffen. Das trübte den insgesamt hohen Spielspaß doch an manchen Stellen.

Magischer Dreier: Die Fraktionen und deren Zauber

Die Rückkehr der Magier und die neue Fraktion der Dämonenjäger sorgen für reichlich Spielspaß. Fans der klassischen Gothic-Risen-Zauberei dürften sich bei den Kristallmagiern und der dazugehörigen Wächter-Fraktion am wohlsten fühlen. Blitz- und Feuerzauber sind deren probate Mittel, um den Gegnern effektvoll eins überzubraten. Die Fraktion der Dämonenjäger setzt auf Runenmagie, mit der sie Beschwörungen hervorruft, sich magisch schützt oder Schockwellen austeilt.

Risen 3: In Form von Traumsequenzen begegnen wir bekannten Figuren der Vorgänger, wie hier etwa den Geist von Inquisitor Mendoza, den wir sogar als Begleiter anheuern können. Risen 3: In Form von Traumsequenzen begegnen wir bekannten Figuren der Vorgänger, wie hier etwa den Geist von Inquisitor Mendoza, den wir sogar als Begleiter anheuern können. Zauberei im Spiel funktioniert allerdings ohne Mana-Management, gelernte Sprüche unterliegen nur einem kurzen Cooldown. Das passt jedoch zum actionreichen Kampfsystem, bei dem man durchaus Verbesserungen zum Vorgänger feststellt. Doch beim intensiven Durchspielen fallen uns auch alte Schwächen auf - das Zielfokus-System im Nahkampf arbeitet unsauber, was die Kämpfe unnötig chaotisch macht. Der Fernkampf hingegen ist auf Dauer und bei konsequenter Entwicklung des Charakters übermächtig. Magier können mit zunehmender Macht ein wahres Zauberfeuerwerk abbrennen - das macht über weite Strecken Spaß, fordert jedoch kaum. Doch mit zunehmender Spieldauer geht dabei zu viel Spannung flöten und man schnetzelt und brutzelt sich dann eher routiniert durch die vielen, vielen Monster.

Risen 3 im Test: Spielwelt, Kämpfe und Fraktionen

Die aus dem Vorgänger übernommenen Voodoo-Piraten wurden durch neue Zauber aufgepeppt. Dazu zählen etwa Flüche, die dem Gegner Lebenspunkte absaugen. Oder ihr verschießt tödliche Insektenschwärme. Prinzipiell ist von Anfang an jede Magie-Richtung für den Spieler nutzbar. In Form von Verbrauchsgütern (Schriftrollen, Runensteinen, Voodoopuppen), die ihr findet oder bei Händlern kauft, setzt ihr euer Zauber-Repertoire zusammen. Sobald ihr einer der drei Fraktionen beigetreten seid, dürft ihr die jeweilige Magie-Richtung mit permanenten Zaubern erweitern. Teilweise erwerbt ihr solche Sprüche bei den Magie-Trainern, um sie dann wie eine Waffe per Linksklick einzusetzen. Das gilt zum Beispiel für den Insektenschwarm der Voodoo-Piraten oder den Blitzschlag der Kristallmagier. Andere Sprüche stellt ihr mit entsprechenden Zutaten her, um sie in der Schnellzugriffsleiste parat zu haben.

Wenn man sich einer der drei im Spiel enthaltenen Fraktionen anschließt, darf man die Magie der anderen beiden Parteien weiterhin in Form von Verbrauchsgütern anwenden. Als Voodoo-Pirat beispielsweise wirken wir Wächter-Zauber mit Schriftrollen und Dämonenjägermagie mithilfe von Runen.

Die Rollenspielmechanik orientiert sich stark an Risen 2. Mit haufenweise Ruhm und Gold, das wir auf den zahlreichen Abenteuern gewinnen, investieren wir in acht Hauptattribute - wie zum Beispiel Nahkampf, Fernkampf, Magier oder Fingerfertigkeit. Rund 50 Talente lernen und steigern wir bei Trainern, die überall in der Welt verteilt sind - Kenner der Serie fühlen sich sofort heimisch. Wie üblich, braucht man zu Beginn erst mal eine ordentliche Portion Geduld, bis man sich die ersten "Upgrades" leisten kann, die oft wieder recht teuer und manchmal ihren Preis nicht so recht wert sind.

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    • Kommentare (89)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von DarkKnight1993 Mitglied
        Das ist es meiner Meinung nach auf jeden Fall wert. Tolles Leveldesign und das Piratenzeug hat stark nachgelassen :)
      • Von DarkKnight1993 Mitglied
        Das ist es meiner Meinung nach auf jeden Fall wert. Tolles Leveldesign und das Piratenzeug hat stark nachgelassen :)
      • Von Gast1697404202 Mitglied
        Das Spiel gibts für 7,50€ im heutigen Sale - kaufen ?
      • Von Herbboy Mitglied
        Gibt es von euch nen kurzen Rat, welche Fraktion man wählen soll? Wie genau funktioniert das überhaupt? Also: bei der Magie muss man sich AFAIK entscheiden, aber bekommt man auch je nach Fraktion eine andere "Kämpferklasse" fest zugeteilt? Oder werden die Kampf-Skills ausschließlich durch bezahltes Lernen bei Lehrmeistern erlernt? Oder weigern sich später zB die Piraten-Lehrmeister, mich zu schulen, wenn ich mich für die Wächter entschieden habe?

        An sich würde ich gern in Sachen Magie die Kristallmagier/Wächter nehmen, aber die sind mir bisher extrem unsympathisch :D war aber auch erst ne halbe Stunde im Magierlager.

        Ach ja: ich schiesse immer wieder per Taste E (Schnellschuss beim Nahkampf) statt auf einen Gegner auf einen Freund, also nicht auf meinen direkten Begleiter, aber wenn zB bei einem Kampf noch einer vom Lager dazukommt und mitmischt - ist das ein Bug, oder muss man da einfach nur besser zielen? Bei dem Fokus-Kamerarumschwenken ist das halt nicht grad leicht...
      • Von knarfe1000 Spiele-Kenner/in
        Zitat von springenderBusch
        Der absolute Großteil der Spieler, inklusive mir, dürfte die gleiche Erfahrung wie Rabowke gemacht haben : Es gab voll auf die Fresse ! :-D
        Voll auf´s Maul bitte.
      • Von MisterSmith Spiele-Kenner/in
        Zitat von PeterBathge
        Ich fand es nur so absurd, dass diese Videos als Beleg für die taktische Tiefe des Kampfsystems hochgehalten werden, wenn alles, was sie zeigen, einfach nur saudumme KI ist.
        Zum einen ist das ein Ork und zum anderen ist die KI alles andere als Dumm. Wenn man den Schlag mit den Schritten nach vorne nicht vorher antizipiert, hat man kaum eine Chance noch rechtzeitig auszuweichen. Deshalb ist der Kampf auch schwer, wer etwas anderes behauptet hat einfach keine Ahnung, sorry. ;-)

        Aber es gab in Gothic 2 menschliche Gegner die noch schwerer waren wie gegen die Anführerin der Diebesgilde die mit einem Degen bewaffnet war zu kämpfen, natürlich nicht wenn man bereits hoch gelevelt war.

        Und ich kann KI nicht leiden in denen über die Steuerung gecheatet wird und der Gegner eine Reaktionszeit von 1 Millisekunde besitzt, weil bereits die Bewegung über die Tastaturabfrage mitberechnet wird. Gut, bei einem Roboter als Gegner wäre es wiederum realistisch. :-D
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