Return to Monkey Island: Die Debatte um die Grafik ist vergitftet - das ist ein Problem
Über Geschmack lässt sich nicht streiten, aber als Spieler will man sich trotzdem nicht alles gefallen lassen, was die Entwickler einem so vorsetzen. Wo ihrer Meinung das Mitspracherecht aufhört und was das mit Return to Monkey Island und Ron Gilbert zu tun hat, erörtert Toni in ihrer Kolumne.
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, schließlich kann es keinen klaren Gewinner geben. Ob Kunst gut oder schlecht ist und was Kunst überhaupt ist, ist trotzdem regelmäßig Gegenstand aufgeregter Diskussionen. Und wer sich nur eine Millisekunde mit Return to Monkey Island beschäftigt hat, kennt die Debatte um dessen Grafikstil.
Um auch alle anderen ins Boot zu holen: Monkey Island ist diese wahnsinnig beliebte Spielreihe rund um den piratischen Anti-Helden Guybrush Threepwood. Mit sieben Ablegern aus den Jahren 1990 bis 2010 probierten sich die Reihe an vielen verschiedenen Grafikstilen aus, die teilweise ihrer Zeit geschuldet pixelig waren und letztlich in einen Animationsstil mündeten, der heute als veraltete 3D-Grafik durchgeht. Laut einer Umfrage auf unserer Website PC Games mit vielen Tausenden Teilnehmern ist die Cartoongrafik von The Curse of Monkey Island von 1997 für eine gewaltige Mehrheit von über 40 Prozent der beste Stil. Interessant hierbei ist, dass gerade dieser Teil zu seiner Zeit ebenfalls Kritik einstecken musste, weil sich der Stil damals so sehr von seinen zwei Vorgängern unterschied.
In diesem Artikel
Reaktion der Fans
Wenn eine Reihe so häufig ihr Aussehen wechselt, könnte man natürlich davon ausgehen, dass die Fans einiges gewohnt und in dieser Hinsicht abgehärtet sind. Falsch gedacht. Angesichts der Ankündigung, dass Ron Gilbert, der Schöpfer der ersten beiden Teile von Monkey Island, wieder im Boot ist, gab es viel Begeisterung bei den Fans.
Als besagter Entwickler es aber wagte, seine persönliche Vision von Return to Monkey Island (jetzt kaufen 24,5 € ) zu präsentieren, drehte sich der Wind abrupt. Schräg, kantig, expressionistisch ist das neue Monkey Island und irgendwie ganz anders als sonst. Ein wirklicher Shitstorm brach aber los, als die Charakteranimationen und -designs gezeigt wurden. Der Stil sei hässlich und Guybrush wäre verschandelt, waren dabei noch die vergleichsweise nette Kommentare, andere zielten klar unter die Gürtellinie.
Quelle: PC Games
In unserer Umfrage kam heraus, dass über 40 Prozent am liebsten den Stil von The Curse of Monkey Island mögen, zu seiner Zeit (1997) wurde der Stil ebenfalls kritisch aufgenommen.
Das wahre Ausmaß des Shitstorms wird wohl nur Ron Gilbert selbst überblicken können, der verkündete, dass er kein weiteres Material zum Spiel veröffentlichen werde. Auch die Kommentarsektion auf seinem persönlichen Blog musste er sperren, weil er nicht mehr hinterherkam, Hassbotschaften zu löschen. Dass so was gar nicht geht, versteht sich von selbst, aber die Frage, inwiefern Kritik an einem schöpferischen Werk sinnvoll ist, ist eine ganz andere.
Die Geister scheiden sich allerdings schon bezüglich des Punktes, ob Videospiele überhaupt Kunst sind oder reine Service-Produkte - Unterhaltungsmedien für die Masse. Darauf lässt sich zwar keine einfache Antwort geben, aber es lässt sich durchaus ein Unterschied festmachen.
Zwischen Titeln, die von Hunderten Menschen in großen Studios hergestellt werden und Spielen, die in liebevoller Kleinstarbeit von Einzelpersonen entstehen. Letztere haben wahrscheinlich eher den Anspruch an sich selbst, ein künstlerisches Werk zu erschaffen. Um es konkreter zu machen, vergleichen wir doch einfach mal Return to Monkey Island mit Fortnite.
Serviceleistung oder Kunst
Quelle: Terrible Toybox
Besonders die Charakterdesigns und -animationen stoßen bei vielen Fans der Reihe Monkey Island auf Widerstände und lösen harsche Kritik aus.
Ohne dem Battle-Royal-Shooter seinen künstlerischen Wert absprechen zu wollen, handelt es sich hierbei doch eher um ein Massenprodukt mit Service-Charakter. Und wer einen Service in Anspruch nimmt, der hat in gewisser Hinsicht auch das Anrecht, Kritik an diesem zu üben.
Beschwert sich hier eine große Masse an Spielern über bestimmte Inhalte, stehen die Chancen nicht schlecht, dass die Verantwortlichen eine Änderung einläuten. Wohlgemerkt ist "die Verantwortlichen" ein Unternehmen, das mit dem Produkt ausschließlich Geld verdienen will.
Return to Monkey Island hingegen ist zumindest aus Sicht von Ron Gilbert eine Herzensangelegenheit. Da hängt sein Herzblut dran, für ihn ist das Spiel Kunst und etwas, bei der er sich künstlerisch entfalten kann und darf. Das ist wie der Unterschied zwischen einem Gemälde, das ein Künstler mit Liebe malt, und einer Fotodruck-Leinwand von Amazon, die ein ganz nettes, aber doch irgendwie nichtssagendes Motiv abbildet.

Mir tun die Entwickler wirklich leid, ob es nun Gilbert ist oder neulich Daedalic angesichts von HdR: Gollum.
Das Problem heutzutage ist, wie du ja auch angesprochen hast, dass jeder ungefiltert seine geistigen Ergüsse ins Internet pumpen kann und das Ganze befeuert durch den Deckmantel der Anonymität. Fies ausgedrückt kann jeder Dorftrottel seinen geistigen Dünnsch*ss verbreiten und das hat man vor dem Internet ja auch stets geflissentlich zu unterbinden gewusst oder zumindest versucht. Diese Problematik betrifft heute all unser Leben, nicht nur Gaming, sondern auch Politik, Corona, die Ukrainekrise und vieles mehr. Verschwörungstheorien hatten noch nie so einen fruchtbaren Nährboden wie heute "dank" des Internets.
Abseits davon verstehe ich ehrlich gesagt nicht selbsternannte "Fans" aka Hardliner, welche sich scheinbar ein "Return to Monkey Island" in VGA oder besser noch EGA mit exakt denselben Assets wie damals wünschen. Solche Ewiggestrigen tendieren dann leider oftmals auch noch dazu, ihren Unmut auf unterstem Niveau kundzutun.
Ich respektiere die Entscheidungen der Entwickler und Künstler, denn es ist ihr "Gemälde", ihr Spiel. Ich kann das mögen, muss es aber auch nicht. Deswegen wird sicher trotzdem ein großartiges Monkey Island dabei herauskommen und ich finde den neuen Grafikstil stark, mir gefällt er. Ist definitiv was neues!
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Und davor gab's auch schon nen Tweet .. wäre also nicht so, als dass gar nix mehr kommen würde.
Eine Provokation ist immer tatsächlich.
Und der Provozierte hat immer die Möglichkeit, die Provokation zu ignorieren. Es dürfte ihm nur unterschiedlich schwer fallen.
Zu deiner Reaktion provoziert hätte ich dich, wenn ich dir z.B. folgenden Emoji dazu geschickt hätte:
Aber hilft uns das hier in irgendeiner Weise weiter?
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass Gilbert keinesfalls irgendwas aushalten muss oder gar verantwortlich für solche Reaktion ist. Dass reagiert wird, ist klar. Aber WIE reagiert wird, liegt einzig und allein bei deim Rezipienten.
Wie es aussieht, nicht.
Niemals sollte man die Erwartung an grundlegende(!) und einfachste Anstandsregeln runterschrauben.