Radsportmanager Pro 2005/2006
Mit einem fast schon ungesunden Pulsschlag quälen sich Ihre Mannen den Berg hinauf. Die linke Anzeige verrät, wie es um die Physis Ihrer Schützlinge steht.
Lance Armstrong gegen Jan Ullrich: Auch bei der diesjährigen Tour de France elektrisierte das Duell der beiden wohl weltbesten Radfahrer die Massen. Nicht nur an der Strecke, sondern auch vor den Fernsehgeräten. So schalteten tagtäglich Millionen ein, um Hunderte von wagemutigen Radlern durchs brütend heiße Frankreich strampeln zu sehen. Pünktlich zum Start des Radsport-Großereignisses stand auch die neueste Ausgabe des Radsport Managers in den Läden. Nachdem der Vorgänger ähnlich unterhaltsam wie ein Köpper in die Heckscheibe eines Audi-Kombis war, versprachen die französischen Entwickler von Cyanide für den neuesten Teil etliche Verbesserungen. Schade, dass es größtenteils beim guten Vorsatz blieb - doch dazu später mehr.
Mach den Godefroot
Aus dem Team Telekom wird das Team T-Lekom mit den Fahrern Ullrach und Klödan. Lance Armstrong heißt Nuistrong und startet für Lost Channel.
Wie die mäßigen Vorgänger macht Sie auch Radsport Manager Pro - Saison 05-06 zum Boss Ihres eigenen Radrennstalls. Auf den Spuren von Team-Telekom-Zampano Goodefrot übernehmen Sie ein Team Ihrer Wahl und führen es durch die komplette Radrennsaion 2005/2006. Zur Wahl stehen 40 vermeintliche Profi-Mannschaften, die sich bei näherer Betrachtung jedoch nur zum Teil als authentisch erweisen.
Jan Ullrich und das Team Telekom sucht man vergebens, stattdessen fährt beim Radsport Manager Pro ein gewisser J. Ullrach für das Team "T-Lekom". Sein Konkurrent: Lance Nuistrong vom Rennstall "Lost Channel". Immerhin mit sämtlichen Originaldaten vertreten: die Gerolsteiner-Mannschaft mit Uwe Peschel und Georg Totschnig.
Der Excel-Manager
Hobby-Manager der Vorgänger werden es bereits bei einem Blick auf die Screenshots erkannt haben: Das hässliche Hauptmenü im Excel-Tabellen-Look gibt es noch immer. Auch Ihr Aufgabenbereich ist nahezu unverändert. Als Teamchef kümmern Sie sich ums Training, die Terminplanung, investieren Geld in topmoderne Ausrüstung und fädeln Vertragsverhandlungen mit Sponsoren sowie dem radelnden Personal ein.
Die Gespräche fallen im Vergleich zu anderen Sportmanagern, bei denen meist Berater oder zumindest zähere Verhandlungspartner mit am Tisch sitzen, äußerst dünn aus. Oftmals genügt bereits das Abschicken einer einzigen E-Mail, um Deals abzuschließen oder eine endgültige Absage zu bekommen. Wenigstens lohnt es sich jetzt, ausgiebig nach hoffnungsvollen Talenten zu scouten. Nachwuchsfahrer entwickeln sich nämlich bedeutend schneller als zuvor und sammeln durch die Teilnahme an größeren Rennen schneller Erfahrungspunkte.
Das Auge radelt mit
Insgesamt warten von Januar bis Dezember knapp 200 offizielle Radrennen auf Sie. Wie gut Sie abschneiden müssen, um am Jahresende nicht vor die Tür gesetzt zu werden, bestimmt der anfangs gewählte Schwierigkeitsgrad. Während Neulinge ab und an mal unter die Top 10 kommen sollen, müssen Profis mehrere Touren gewinnen.
Diese werden in einer etwas verbesserten 3D-Grafik präsentiert: Erstmals zuckeln die Fahrer nicht mehr wie auf Drahtesel geklebte Schaufensterpuppen über den Asphalt, sondern bewegen sich zumindest halbwegs realistisch. Das ist im Vergleich zum Vorjahr zwar eine beachtliche Steigerung, aber noch lange nicht perfekt.
Außerdem verpixeln Arme, Hände und Gesichter bei näherer Betrachtung zunehmend. Um einige Radlängen schöner, aber ebenfalls alles andere als zufriedenstellend sieht auch die Umgebungsgrafik aus. Bis auf die Zielgeraden sind die Strecken extrem detailarm und Bäume oder Häuser wirken arg kantig.
Schnellere Rennen
Positiv: Die 3D-Etappen dauern keine Stunden mehr, sondern maximal 30 Minuten. Das macht sie aber nur unwesentlich spannender. Denn bis auf eine Hand voll Mausklick-Anweisungen (u. a. "Sprint!", "Gegenangriff!", "Führungsarbeit leisten!") und dem reinen Zuschauen gibt es nichts zu tun.
Das mag die ersten Rennen nicht stören, langweilt aber mit zunehmender Spieldauer wie eine fünfstündige Radtour im örtlichen Kreisverkehr. Dass es Ihnen nun endlich gestattet ist, im Laufe der Karriere zu anderen Rennställen zu wechseln, ist da nur ein schwacher Trost.
