Port Royale 2
Pulverdampf überm DX-8-Wasser
In den Seekämpfen sind die grafischen Verbesserungen am deutlichsten: transparente, spiegelnde Wellen lassen Korallenriffe und Fische in der Tiefe erahnen, nach Breitseiten zieht Pulverdampf übers Wasser, Kanonenkugeln krachen in die Planken, die dreidimensionalen Schiffsmodelle sind liebevoll detailliert und farbenfroh bemalt. Auch an anderen Stellen hat sich viel getan. Da wäre beispielsweise die Übersichtskarte, mit der Sie die meiste Zeit im Spiel verbringen, die frischer und lebendiger wirkt. Da wären die Hafenstädte, denen mehr Gebäudevarianten und Baustile ein eigenes Flair verleihen. Nur in großen Siedlungen fällt noch auf, dass sich die Bauwerke oft wiederholen. Egal. Port Royale 2 sieht einfach gut aus und zeichnet sich durch ein passendes exotisches Flair aus - erst recht für eine Wirtschaftssimulation. Dabei sind die Hardwareanforderungen moderat: Anderthalb Gigahertz und 256 MByte Hauptspeicher reichen aus; mit älteren Grafikkarten der DirectX-7-Klasse muss allerdings auf einige Grafikeffekte wie das transparente Wasser verzichtet werden.
Bedienung, bitte!
Die größten Veränderungen werden Kennern des Vorgängers an der Bedienung auffallen. Nahezu alle Einstellungen sind über die Bedienleisten am oberen und unteren Bildrand zu erreichen. Die Aufteilung ist nicht immer ganz glücklich gewählt; manche Funktion versteckt sich in den verschachtelten Menüs oder hinter kaum als solche zu erkennenden Schaltern. Wie angedeutet, können Sie Port Royale 2 aber fast komplett auf der Übersichtskarte spielen: Ein Linksklick wählt einen Konvoi aus, mit der rechten Maustaste wird in See gestochen und am Zielort das Handelsmenü aufgerufen. Dieser Ablauf geht auch Genreneulingen binnen Minuten in Fleisch und Blut über. Experten steht außerdem ein Dutzend Tastaturkürzel zum schnellen Navigieren zur Verfügung; Aufschluss gibt der jederzeit verfügbare Hilfebildschirm.
Spätestens wenn die eigene Flotte mehr als zwei, drei Konvois umfasst, lernt man eine Komfortfunktion des Interface richtig zu schätzen: den automatischen Handel. Dort könnte die Bedienung kaum einfacher sein: Nur die anzulaufenden Märkte angeben und schon klappert ein Computerkapitän auf eigene Faust die Route ab und hält nach guten Preisen Ausschau. Die einzige Voraussetzung: Ihr Käpt'n muss sich vorher unter Ihrem direkten Kommando eine gewisse Erfahrung erworben haben. Die KI-Helfer machen fast immer Gewinn; wer mag, kann sich aber mit wenigen Mausklicks ans Feintuning machen. So lassen sich beispielsweise Versorgungskonvois einrichten, die Baumwolle von den firmeneigenen Plantagen in die Webereien bringen, oder Kaufmänner beauftragen, in den Gouverneursstädten Kolonialwaren loszuschlagen und dort Übersee-Importe wie Gewürze, Wein oder Werkzeug abzuholen.
Es geht nur ums Geld
Ein echtes Spielziel gibt es in Port Royale 2 nicht, ebenso wenig wie eine Hintergrundstory. Man kann eine Gouverneurstochter ehelichen, die einen mit Tipps und Informationen versorgt, man steigt in Rang und Ansehen auf, verwaltet schließlich sogar seine eigene Stadt, doch im Grunde genommen geht es doch immer nur ums Geldverdienen. Das allerdings hat wohl noch nie so lange so viel Spaß gemacht wie in Port Royale 2. Und ein Extralob an Ascaron: Die Testversion ist auf keinem Rechner auch nur einmal abgestürzt, grobe Bugs waren nicht zu entdecken.

Allein in der Demo hänge ich immer auf der Seekarte fest und wechsel nur ganz selten in die "was auch immer" Perspektive - ach ja, Stadtansicht :-D
Das Spiel macht dann richtig Spaß, sobald man anfängt richtig Kohle zu scheffeln.
Ich frage mich: wer seinen Finger wohl nicht auf der 'Leertaste' behält! :-)
Früher Patrizier - heute Port Royale (2) Die Zeiten ändern sich...
Viel Spaß