Playerunknown's Battlegrounds: Nur zugucken, nicht spielen! Kolumne über den rätselhaften Hype
Redakteur Peter Bathge versteht die Welt nicht mehr: Sind PC-Spieler wirklich so anspruchslos geworden, dass sie PUBG gut finden? Welchen Anteil haben Twitch-Streamer am Hype um Playerunknown's Battlegrounds? Und was bedeutet das für die Zukunft der Videospiele? Eine Kolumne aus der PC Games-Redaktion.
Nach dem PUBG-Test war ich immer noch ganz verwirrt: Dieses Machwerk wird von manch einem als eines der besten Videospiele des Jahres 2017 bezeichnet, auf einer Stufe mit Spielen wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild oder Horizon: Zero Dawn? Zuerst dachte ich an eine Verwechslung. Reden wir hier wirklich beide vom selben Spiel, diesem ominösen Playerunknown's Battleground?
PUBG verdankt seinen Erfolg den Streamern
"Mögest du in interessanten Zeiten leben" ist der Legende nach ein alter chinesischer Fluch. Als Videospieler leben wir aktuell zweifellos in interessanten Zeiten - und die können für den ein oder anderen Entwickler tatsächlich mehr Fluch als Segen sein. Tag für Tag erscheinen Dutzende neue Spiele auf Online-Vertriebsplattformen wie Steam, über 7.000 Stück waren es im Jahr 2017.
PUBG ist Teil einer Besorgnis erregenden Entwicklung.
Darunter: viel Software-Schrott, viele unfertige Early-Access-Titel, aber auch immer noch die klassische Mixtur aus AAA-Titeln großer Publisher und versteckten Indie-Perlen. Doch wie ragt man als Entwickler aus diesem Meer an Neuerscheinungen heraus, um Käufer für das eigene Produkt zu finden? Die großen Publisher haben dafür ihre gut geölten Marketing-Maschinen, doch als unabhängiges Studio muss man sich auf Mundpropaganda verlassen, auf Tests in Magazinen - und auf Twitch. Denn längst haben Streamer einen enormen Einfluss darauf, welche Spiele erfolgreich sind.
Die Trendsetter beeinflussen Hunderttausende Zuschauer in ihrer Kaufentscheidung. Mit journalistischer Integrität und Objektivität nehmen es die Ikonen der jungen Videospieler-Generation dabei nicht so genau; gespielt wird, was Klicks bringt. Und nichts brachte 2017 so viele Klicks wie Playerunknown's Battlegrounds (jetzt kaufen ). Eine für mich bedenkliche Entwicklung.
Unfairer Doppelstandard
Wann immer ein großer, bekannter AAA-Titel erscheint, sind die Foren schon bald voll von Beschwerden über Glitches, Abstürze, mangelhafte Performance. Den Entwicklern wird die Pest an den Hals gewünscht und allgemein der ach so furchtbare Zustand der Videospiellandschaft beklagt. Und dann gibt es im schlimmsten Fall auch noch dreiste DLCs, miese Mikrotransaktionen und lachhafte Lootboxen! Darüber regt sich der durchschnittliche Spieler gerne auf - und manchmal ohne Frage auch zu Recht.
Quelle: PC Games
Anarchie in der Lobby: Ein alltägliches Bild in PUBG. Der Reiz daran verschließt sich mir.
Aber was mir nicht in den Kopf will: Warum wird bei einem gigantischen Open-World-Spiel wie Assassin's Creed Origins aus jedem zufällig mal schwebenden NPC gleich eine Staatsaffäre gemacht - während man in PUBG über merkwürdige Fahrphysik und für den Avatar tödliche Glitches hinwegsieht? Was soll dieser Doppelstandard gerade in Bezug auf den Netcode, der ganz objektiv gesehen zu den größten Schwächen von PUBG gehört und bei jedem anderen Online-Shooter schon längst einen Spieler-Exodus nach sich gezogen hätte, hier aber anscheinend keinerlei negative Auswirkungen auf die Spielerzahlen hat?
Ich kann mir das nur so erklären: Im Team, als Zuschauer auf Twitch und beim Selber-Streamen zählen solche Unzulänglichkeiten mittlerweile zum Unterhaltungswert dazu. Schon der Goat Simulator hat gezeigt, wie populär Bugs und Blödsinn sein können, wenn sie von einem Spieler vor der Kamera kommentiert werden. Und die "Twitcher" sind ständig auf der Suche nach neuem Futter für ihre Kanäle, nach neuen, möglichst simplen Spielen, in denen möglichst viel schief gehen kann. Mein Problem: Das spielt sich für mich einfach nicht gut, das fühlt sich an wie Pixelfolter.
Es ist fast so, als wären diese Spiele vorrangig dazu entworfen, angeschaut zu werden - der eigentliche Spielspaß scheint mir dabei aber manchmal auf der Strecke zu bleiben. Vielleicht habe ich gerade deshalb keinen Spaß an PUBG. Vielleicht bin ich zu alt dafür, eine Generation zu weit weg von diesem neuen Spieleverständnis.
Playerunknown's Battlegrounds-Kolumne: Die Masse macht's
Quelle: PC Games
Der bemängelnswerte Zustand des Spiels ruft böse Erinnerungen an verbuggte Machwerke wie Söldner: Secret Wars aus dem Jahr 2005 wach. Bei PUBG fahren heute aber alle drauf ab.
Dass sich der Hype um PUBG verselbstständig hat, überrascht bei genauerer Betrachtung nicht. Die Twitch-Dauerbeschallung und die zahllosen Erzählungen spannender Match-Erlebnisse von Spielern und Redakteuren haben es im vergangenen Jahr unmöglich gemacht, das Thema zu ignorieren. Der geringe Preis von knapp 30 Euro in Verbindung mit dem sozialen Druck ("Hey, das musst du unbedingt spielen!") haben bei vielen Spielern sicherlich die Hemmschwelle für einen Kauf gesenkt. Dazu kam die ureigene Neugier des Menschen: Wenn jeder davon redet, will man einfach wissen, was es damit auf sich hat. Wenn viele Leute in einer Schlange stehen, stellt man sich dazu und wartet mit: Vielleicht gibt's ja was Gutes, vielleicht gefällt mir PUBG ja auch.
In unserer heutigen, schnelllebigen Gesellschaft ist der massive Erfolg von PUBG dennoch eine Ausnahmeerscheinung. Egal ob Musik, Filme oder Spiele: Heutzutage werden in immer kürzeren Abständen neue Hits geboren, an die Spitze der Charts geschwemmt - und sind schon kurze Zeit später wieder vergessen. Dass ein Spiel angesichts der offenbar immer kürzeren Aufmerksamkeitsspanne des durchschnittlichen Konsumenten in diesen Zeiten zum auf Jahre hinaus wohlwollend erinnerten Klassiker heranreift, wird immer unwahrscheinlicher. Bei all seinen Verkaufserfolgen wird wohl auch PUBG früher oder später das Schicksal vieler anderer Twitch-Hits teilen. Selbst über DayZ spricht ja heute kaum noch jemand.
Die unvermeidlichen Nachahmer lassen sich davon freilich nicht beeindrucken, schon jetzt stehen mehrere neue Battle-Royale-Shooter in den Startlöchern, Konkurrenten wie Fortnite haben sich den Boom des Genres zunutze gemacht. Eine Übersättigung des Marktes zeichnet sich ab, wie zuvor bei MMORPGs nach World of Warcraft, wie bei den MOBAs nach League of Legends und wie bei den Helden-Shootern nach Overwatch.
Apropos Overwatch: Sollte ein erfahrenes Studio wie dessen Entwickler Blizzard sich der Battle-Royale-Formel annehmen und diese polieren, perfektionieren, dann wäre ich dem Ganzen gar nicht mehr so abgeneigt. Denn was mich an PUBG mit am meisten stört und weshalb mich die Lobeshymnen auf dieses unfertige Machwerk, dieses Stück Software-Schrott so irritieren, das ist schlicht und ergreifend die abgelieferte Qualität: Playerunknown's Battlegrounds ist Billigware, hässlich und lieblos zusammengeklatscht, unzugänglich, fehlerbehaftet - und von Cheatern verseucht.
Quelle: PC Games
Verzögert nachladende Texturen und amateurhafte Animationen spielen für die meisten PUBG-Spieler keine Rolle. Warum eigentlich nicht?
Fehlende Sorgfalt
In Zeiten, da Early-Access-Spiele (auch dank Streamer-Werbekampagnen) bereits im unfertigen Zustand bejubelt und massenfach verkauft werden (aktuell etwa das Zombie-Strategiespiel They Are Billions), scheinen althergebrachte Qualitätsansprüche immer weniger wert zu sein. Elemente wie das hässliche Interface von PUBG werden klaglos hingenommen, der Server-Schluckauf bei den 100-Spieler-Matches mit der andauernden Entwicklungsphase entschuldigt - selbst noch nach dem nunmehr finalen Release. Dabei fühlt sich diese als fertig verkaufte Version für mich immer noch wie eine Alpha an, wie ein grober Entwurf von etwas Großartigem, dem noch ein Jahr Feinschliff fehlt.
Billigware für Twitch - ist das die Zukunft?
Hier befinden sich die Entwickler selbst wohl auch in einer Zwickmühle: Nicht ganz unberechtigt erscheint die Frage, warum man sich überhaupt noch groß Mühe mit der Fertigstellung eines Spiels geben soll, wenn man doch bereits mit der halbfertigen Variante Millionen scheffelt. Der Erfolg von PUBG - so befremdlich er auf mich wirkt - ist ein deutlicher Fingerzeig auf die Zukunft meines Lieblingshobbys. Eine Zukunft, die mir immer düsterer erscheint, je niedriger die Ansprüche vieler Spieler sinken.
Sollte der Twitch-Hype anhalten, wird populäre Billigware wie PUBG wohl noch öfter den Weg in den Verkauf finden, bejubelt von den Massen. Ob daneben noch Platz bleibt für meine geliebten Indie-Perlen, für Singleplayer-Hits, für sorgfältig zusammengesetzte Top-Spiele? Eines ist sicher: Uns stehen interessante Zeiten bevor.

Das Spiel wird einfach sehr stark von Zufallsfaktoren bestimmt.
Was mich trotz der Bugs bei PUBG hält sind die folgenden Punkte:
- wechselnde Situationen (andere Gegner, andere Startpunkte, andere Bewaffnung)
- Loot macht einfach glücklich: der ersehnte Schalldämpfer, die ersehnte (oder je nach Situation überhaupt eine) Waffe
- erledigte Gegner looten ist - zugegebenermaßen - ein erhabenes Gefühl
- durch die Zonen ensteht eine Dynamik die nicht vorhersehbare Situationen bedingt
- Mix aus Taktik und Waffenskills
- der virtuelle Tod tut weh: gut ausgerüstet umso mehr und man spawnt nicht einfach nach und denkt sich "jetzt krieg ich dich aber..."
- Am Ende das Adrenalin und die Spannung wenn sich die letzten Zonen zusammenziehen ist für mich unübertroffen
- an das letzte Mal, dass mich ein Spiel nach einem Sieg hat jubeln lassen - erinnere ich mich nicht wirklich
Ganz klar die Bugs, Cheater und allem voran der Netcode nerven, das Gameplay ist auch keine Neuerfindung - aber es macht auch nach jetzt knapp 500 std Spielzeit immer noch Laune... imho
Dass immer mehr EarlyAccess Title erscheinen sollte man auch nicht grundsätzlich beklagen - dadurch kann eine Community an vielversprechenden Titeln mitwirken - das war vor Jahren ein Wunschtraum wenn wieder eine gute Idee bescheiden umgesetzt wurde.
Beispielsweise wurde die Änderung an den Zonen zuletzt nach Feedback zurückgenommen und wird nochmals überdacht - schöne Sache, wenn Entwickler auch auf die Belange der Community Rücksicht nehmen (Auch wenns kein EarlyAccess mehr ist^^).
Der Release von PUBG war allerdings verfrüht und als fertig kann man das Game nicht wirklich bezeichnen- insbesondere hinsichtlich E Sports.
Brot (früher beim Bäcker =2,20 DM) statt 2,80 Euro...Es schmeckte besser, es war besser.