Pentiment im Test: Obacht, ein bayerisches RPG-Meisterwerk!
Das großartige Obsidian-RPG Pentiment verwandelt das mittelalterliche Bayern in einen eindrucksvollen Schauplatz voller Intrigen und moralischen Graustufen.
Nach dem langen und stark auf Andreas' Alltag fokussierten Spieleinstieg kommt es dann zum Schock: Unser enger Freund und Kollege, der alte und sympathische Künstler Piero, wird in der Kirche über der Leiche von Baron Rothvogel gefunden - mitsamt Tatwaffe und einiger schwerwiegender Motive! Wir wissen natürlich, dass der gebrechliche Piero nichts mit dem Mord zu tun hat und vermutlich nicht mal in der Lage wäre, einen erwachsenen Mann zu ermorden. Doch wie so oft in solchen Krimigeschichten gilt eine ganz einfache Tatsache: zur falschen Zeit am falschen Ort. Wenn wir unseren Kumpanen vor der Hinrichtung schützen und den wahren Strippenzieher aufdecken möchten, so müssen wir uns tief in die Geheimnisse und die Vergangenheit von Tassing begeben. Ebenso muss man clever die Tage in der kleinen Stadt managen und richtig tief buddeln - sinnbildlich.
Dorfbewohner sprechen von herumspukenden Geistern, mysteriösen römischen Ruinen, die sich direkt unter Tassing befinden, okkulten Machenschaften und jeder Menge Zoff. Das mündet nicht nur in etlichen Theorien zum Mord von Rothvogel, sondern auch in einer Vielzahl an bedauernswürdigen Schicksalen und Fehlern unsererseits. Die vielen Intrigen und gut behüteten Sünden der Bewohnerschaft erschweren unsere Detektivarbeit enorm, ergeben aber zum Ende eine hervorragende Geschichte mit starkem Wiederspielwert.
Zum einen kann man es kaum abwarten, grobe Schnitzer auszubessern und so Personen zu schützen, die man im Verlauf ins Herz geschlossen hat. Zum anderen sorgen die RPG-Elemente und gewählten Hintergründe sowie Eigenschaften von Andreas für eine willkommene Abwechslung beim erneuten Spieleinstieg.
Minimalistisches RPG trifft Adventure im Buchformat
Wir haben jetzt mehrfach erwähnt, wie mager das Gameplay-Konstrukt von Pentiment ausfällt. Doch wichtig dabei: Das minimalistische Prinzip weiß zu gefallen und schafft es durch den auffällig starken Fokus optimal, der ohnehin schon tollen Spielwelt und Geschichte mehr Facetten und Schlagkraft zu geben.
Neben interessanten Gesprächen und schwierigen Entscheidungen, die sich im Laufe der Spielzeit immer mehr häufen, müssen wir ebenso unseren Tag planen. Dabei gilt: Jede Tageszeit kommt mit einer festen Aufgabe.
Quelle: Microsoft
Pentiment im Test: Obacht, ein bayerisches RPG-Meisterwerk!
Mittags wird gegessen, dann in der Abtei gearbeitet und abschließend vor dem Bettgehen noch zu Abend gegessen. Dabei ist es keine Seltenheit, dass das gastfreundliche Tassing gleich mehrere Möglichkeiten für uns ergibt. Wir könnten bei den Druckern speisen, aber auch beim vom Dorf ausgegrenzten Adam, der einsam im Wald wohnt.
Quelle: PC Games
Pentiment im Test: Obacht, ein bayerisches RPG-Meisterwerk! (3)
Die unterschiedlichen Situationen der Bewohner, egal ob finanzieller oder familiärer Art, werden so auf simple Weise präsentiert - und dabei enorm effektiv! Der Abt kredenzt beim Abendessen etwa einen gut gefüllten Tisch voller Lebensmittel aus jeder Ecke der Welt.
Die arme Familie Gertner hingegen muss so sparen, dass sich Brot nur auf unserem Teller findet, während die Kinder bedröppelt neben uns sitzen - gastfreundlich, aber auch wirklich unangenehm. Uns werden so nicht nur die privaten Situationen der vielen Bürger und Gesellschaftsschichten offengelegt, es hilft auch dabei, wichtige Freundschaften zu schließen, oder bei der Beschaffung von neuen Infos, die ein elementares Puzzle-Teil des Mordes am Baron darstellen könnten.

Aber deswegen musst du das ja nicht auf andere übertragen.
die Weihnachtsfeier, als alle zusammenkommen, fand ich alleine schon unglaublich stimmungsvoll.
Allerdings: Wenn das nicht zündet, das ist ganz klar ein Kernelement des Spiels. Und auch wie man das Ende empfindet, hängt stark davon ab, inwieweit man sich in Ort und Charaktere einfühlen kann. Wie du selbst sagst, spielerisch ist nicht viel drin.
Generell würde ich mir gerne auch klassische RPGs wünschen, die eine ähnliche Struktur haben. Keine 50.000 Locations zwischen Himmel, Erde, Mordor und zurück. Sondern eine Location mit einer eingschränkten Zahl an Charakteren im Wandel der Zeit. Spiele wie Pentiment machen vor, dass das einen ganz eigenen Reiz haben kann. Wie auch im 1990er-Adventure "The Last Express".
"Schön, dass es so ein Meisterwerk geworden ist"
Naja, 90% hast jetzt nicht direkt erwähnt. Aber alles mit 88% oder drunter ist für dich ja so la la und kein wirkliches Highlight :)
Die PC Games schreibt, Pentiment sei ein Meisterwerk geworden. Das habe ich aufgegriffen. Na und?
Wo drückt denn der Schuh nun wieder bei Dir :-D
Ich mache Meisterwerke sicher nicht am Metacritic fest. Du etwa?
Ich habe allerdings auch nie behauptet, dass ein Meisterwerk nicht auch eine Wertung unter 90 haben kann. Wo kommt das nur wieder her... :-D
"Schön, dass es so ein Meisterwerk geworden ist"
Naja, 90% hast jetzt nicht direkt erwähnt. Aber alles mit 88% oder drunter ist für dich ja so la la und kein wirkliches Highlight :)