Never Alone im Test: Kultur erleben im charmanten Alaska-Abenteuer
Lernen und Spaß dabei: Auf den ersten Blick erleben wir in Never Alone ein sympathisches Rätsel-Abenteuer mit stimmungsvoller Eislandschaft und liebenswürdigen Helden. Doch dahinter steckt noch mehr: Als gelungener Mix aus Spiel und Doku liefert Never Alone - wie unser Test von Never Alone zeigt - auch ungewöhnliche Einblicke in die Kultur der Iñupiat, Alaskas Kälte trotzenden Ureinwohnern.
Never Alone im Test: Computerspielen lässt sich ja so manches nachsagen, doch als "lehrreich" gehen wohl nur nur die wenigsten von ihnen durch. Dabei gibt es spannende Ausnahmen, die das Medium geschickt nutzen, um dem Spieler handfeste Kultur zu vermitteln. Never Alone ist so ein Sonderfall: Seine Geschichte, seine Motive, seine Figuren, all das basiert auf der Folklore der Iñupiat – so nennt sich ein Volk indigener Einwohner, die in den kalten, westlichen Regionen Alaskas beheimatet sind. Der US-Entwickler Upper One Games tat sich dazu mit mehreren Iñupiat-Mitgliedern zusammen, um ihre Bräuche und Werte zu verstehen und in ein schönes Spiel zu verpacken. Herausgekommen ist nicht nur ein sympathischer Mix aus Jump & Run und Puzzle-Abenteuer, sondern auch gleich noch ein kleiner Doku-Film – den schalten wir einfach Stück für Stück frei und erfahren so spannende Details über ein Volk, dessen Wurzeln rund 3.000 Jahre zurückreichen.
Das Mädchen und der Fuchs
Quelle: PC Games
Niedlich: Die tapfere Nuna und der Polarfuchs freunden sich an.
Im Zentrum von Never Alone steht die besondere Freundschaft zwischen dem Eskimo-Mädchen Nuna und einem treuen Polarfuchs. Gemeinsam begleiten wir die zwei durch ein charmantes Abenteuer, das sie durch die märchenhaften Eislandschaften Alaskas führt. Zwar gibt es auch ein paar schlicht gezeichnete Zwischensequenzen, doch der Großteil des Plots wird durch die Stimme eines alten Erzählers vermittelt – der spricht im traditionellen Iñupiat-Akzent, weshalb man der Handlung in erster Linie über die deutschen Untertitel folgt.
Never Alone im Video-Review
Teamwork und Koop
Das Gameplay von Never Alone erinnert zwar an Meisterwerke wie Limbo, erreicht aber niemals dessen Klasse – dafür ist es einfach zu seicht geraten. Mit Fuchs und Mädchen flitzen wir meist nur gemütlich über Eisschollen, springen und klettern über kleine Hindernisse, reiten auf Geisterwesen über Abgründe oder lösen simple Umgebungsrätsel. Allzu lange muss man da nie überlegen, praktisch alle Aufgaben sind selbsterklärend und blitzschnell gelöst.
Quelle: PC Games
Durch die ungenaue Steuerung wird das Schleudern von Nunas Bola zum Geduldsspiel.
Die beiden Helden haben unterschiedliche Fähigkeiten: Das Mädchen kann etwa an Seilen schwingen, Kisten verschieben und mit ihrer Bola entfernte Hindernisse abschießen. Der schmale Fuchs zwängt sich dafür durch enge Lücken, kraxelt an Wänden rauf und lässt geisterhafte Plattformen erscheinen. Weil es oft nötig ist, die Stärken beider Figuren zu kombinieren, darf man auf Knopfdruck einfach zwischen den Charakteren hin und her wechseln. Während man eine Figur direkt kontrolliert, übernimmt die KI dann einfach die andere – das machte bei Release zwar noch gelegentlich Probleme, funktioniert seit dem Patch 1.1 aber recht zuverlässig. Sehr schön: Auf Wunsch lässt sich das gesamte Spiel auch in einem lokalen Koop-Modus bestreiten. Das klappt gut und macht manche Aufgaben etwas leichter.
