Never Alone im Test: Meinung und Wertung
Lernen und Spaß dabei: Auf den ersten Blick erleben wir in Never Alone ein sympathisches Rätsel-Abenteuer mit stimmungsvoller Eislandschaft und liebenswürdigen Helden. Doch dahinter steckt noch mehr: Als gelungener Mix aus Spiel und Doku liefert Never Alone - wie unser Test von Never Alone zeigt - auch ungewöhnliche Einblicke in die Kultur der Iñupiat, Alaskas Kälte trotzenden Ureinwohnern.
Action mit Hindernissen
Quelle: PC Games
Fantasy mit Sinn: Der "Menschentöter" symbolisiert den Egoismus in der Iñupiat-Kultur.
Gegner im klassischen Sinn gibt's nicht in Never Alone. Darum spielen Kämpfe auch keine Rolle – mit einer Ausnahme, die wir natürlich nicht spoilern. Allerdings wird man in mehreren Actionszenen von Widersachern verfolgt, zum Beispiel von einem zornigen Eisbär – da muss man dann unter Zeitdruck durch den Level flüchten oder den Gegner mithilfe der Bola-Schleuder austricksen. Solche Abschnitte sind zwar nicht anspruchsvoll, sorgen ab und zu aber für Tempo und ein bisschen Spannung.
Gerade in solchen Szenen fallen aber auch einige Schnitzer in der Steuerung auf: Ob man nun unabsichtlich in den Abgrund springt oder mit der Bola wieder mal meilenweit am Ziel vorbeischießt, weil es kein Fadenkreuz oder dergleichen gibt – die Bedienungsmängel sind ärgerlich. Immerhin sind die automatischen Checkpoints aber so dicht beeinander und fair gesetzt, dass trotz mancher Steuerungsmacke nur sehr selten Frust aufkommt.
Ein schönes Stück Kultur: Die Iñupiat im Blickpunkt
Quelle: PC Games
In den Doku-Filmen berichten Iñupiat-Einwohner aus erster Hand.
Never Alone ist ein solides, schönes Spiel. Zu etwas Besonderem wird es aber erst durch die Video-Dokumentation, von der nach und nach neue Szenen freischalten. Zusammen kommen die Filmhäppchen auf eine gute halbe Stunde Laufzeit und beleuchten dabei verschiedenste Aspekte, Sagen und Bräuche der Iñupiat.
Quelle: PC Games
24 kurze Doku-Filmhappen schalten wir im Spielverlauf frei.
Die Iñupiat sind ein indigener Einwohnerstamm, der vor allem im nordwestlichen Alaska beheimatet ist. Ihre reichhaltige Kultur versuchen Upper One Games und E-Line Media durch Never Alone auf spielerische Weise zu vermitteln: Jedes Motiv, jeder Figur, jede Geschichte im Spiel wurde mithilfe von Iñupiat-Angehörigen entworfen, geschrieben und gestaltet. Zudem wurden die Berater vor die Kamera gebeten, um von ihren Werten und Traditionen zu berichten. Insgesamt 24 Video-Beiträge haben es ins Spiel geschafft, die man nach und nach freischaltet – jeder Beitrag ist etwa ein bis zwei Minuten lang und liefert einen leicht selbstverliebten, aber auch faszinierenden Einblick in diese Jahrtausende alte Kultur: Familie und Gemeinschaft, Natur und Tierwelt, Jagd und Tanz, Märchen, Mythen und Sagen – das und vieles mehr wird anhand der kurzen Filme unterhaltsam und spannend vermittelt. Fazit: Tolle Idee, klasse umgesetzt! Denn je mehr man sich so mit dem kulturellen Hintergrund des Spiels beschäftigt, desto deutlicher wird auch, wieviel Herzblut und Hingabe die Indie-Entwickler in ihr Erstlingswerk gesteckt haben. Und das wirkt sich positiv auf den Spielspaß aus.
Never Alone im Video-Review
Durch die Möglichkeit, jederzeit einen Filmschnippsel anzuschauen, kaschiert das Spiel auch ein wenig seinen mageren Umfang – Never Alone ist nämlich schon in drei bis vier Stunden durchgespielt. Durch die liebevolle Aufmachung, die netten Helden und die kluge Einbindung der Doku-Filme bleibt das Gesamtpaket trotzdem in guter Erinnerung.
Never Alone ist für PC, PS4 und Xbox One erhältlich. Wir haben die PC-Fassung (v 1.1) über Steam getestet.
