Seite 3 - "Es sind nur Cosmetics" ist keine Rechtfertigung

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Kolumne Christian Fussy - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Seite 3 - "Es sind nur Cosmetics" ist keine Rechtfertigung
Quelle: 2K Games

Redakteur Chris ist der Meinung, dass In-Game-Käufe schon viel zu lange verharmlost werden und das Wort "Mikrotransaktionen" abgeschafft gehört. Das altehrwürdige Monetarisierungs-Monster NBA 2K24 ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.

3. "Es sind nur Cosmetics" ist eine Ausrede

FUT, Lootboxen und Co. gehen also gar nicht. Ebenso wenig XP-Booster oder Items, die das Gameplay erleichtern bzw. uns im Multiplayer einen Vorteil verschaffen. Das bedeutet aber nicht, dass der Verkauf von Items, die "rein kosmetischer" Natur sind, deswegen eine ethische Variante von Inn-App-Käufen darstellt. Wenn ich sehe, dass Publisher mittlerweile sogar Applaus dafür bekommen, wenn sie im Vorfeld versprechen, ihr Shop werde ja "nur Cosmetics" enthalten, wird mir ehrlich schlecht. Ich weiß zwar, dass ich mit dieser Meinung deutlich in der Unterzahl bin und es mag schon lange ein Kampf gegen Windmühlen sein, aber ich sage es trotzdem immer wieder, einfach, weil ich davon überzeugt bin:

Selbst wenn Items nicht die Erfolgschance beeinflussen, beeinflussen sie trotzdem das Spiel. Es gibt Spiele, die komplett um Gestaltung aufgebaut sind. Sie sind ein zentrales Gameplayelement. Wie ich mein Haus in Die Sims einrichte, ist Gameplay. Welche Frisur ich Arthur Morgan verpasse, ist eine Entscheidung, die meinen Spielspaß und meinen Eindruck vom Spiel erheblich beeinflusst. Aber sobald es um kompetitive Spiele geht oder ein Teil der Spielergemeinde auf ein Element verzichten kann, ist es plötzlich unwichtig? Das ist doch Quatsch. Ganz zu schweigen vom psychologischen Effekt, den visuelle Gestaltung, Farben etc. allgemein auf Menschen haben.

NBA 2K24 Quelle: PC Games Gerade in Multiplayerspielen ist Ästhetik ein großer Faktor. Gerade deshalb ist das Geschäft mit Skins ja so lukrativ. Klar fühlt es sich gut an, in einem Shooter eine gute Runde zu spielen. Sehen wir aber dann jemand anders dabei zu, der auch noch absolut beeindruckend aussieht, wirkt die eigene Erfahrung womöglich etwas minderwertig im Vergleich. Fear of missing out, also, das Gefühl irgendwas zu verpassen, wenn man kein zusätzliches Geld investiert, wird schamlos ausgenutzt, um der Spielerschaft Skins und anderen kosmetischen Krempel schmackhafter zu machen.

Es wurde vor einigen Jahren von Activision sogar ein Patent angemeldet für ein System, bei dem das Matchmaking komplett auf diese Reize ausgelegt ist. Beispielsweise wird ein Spieler, der gerne als Scharfschütze spielt, aber noch Standard-Skins benutzt, mit anderen Scharfschützen zusammengesteckt, die bereits über teure Waffenlooks verfügen, in der Hoffnung, dass diese unterschwellige Werbung zu einem Kauf führt. Wer weiß, ob so ein System nicht schon im Einsatz ist. "Keine Auswirkungen aufs Gameplay" gilt dann auf keinen Fall mehr als Ausrede.

4. Die Dosis macht das Gift

Natürlich sind nicht alle Systeme zwangsläufig schlecht oder unethisch, ein großer Teil aber eben schon. Und die gängigen Argumente, die immer wieder zur Verteidigung solcher Modelle herangezogen werden, sind einfach nicht ausreichend.

Solange man es nicht übertreibt, halte ich digitale Erweiterungspacks für Spiele eigentlich für eine super Sache. Wenn es wie im Fall von Diablo neben den angekündigten, jährlich erscheinenden Erweiterungspaketen aber auch noch einen Battle Pass und einen Shop für Skins und derlei gibt, fühle ich mich nicht mehr wie ein Spieler, sondern nur noch wie ein weiterer potenzieller Hahn, der in den Geldspeicher von Activision Blizzard mündet.

Diablo 4 Quelle: buffed

Es ist schade, dass viele dieser Praktiken mittlerweile so etabliert sind, dass es schwierig ist, noch etwas am Kurs zu ändern. Eine Regulierung von Lootboxen und Glücksspielmechaniken wäre wahrscheinlich nicht nötig, wenn Studios nicht versuchen würden, die Messlatte für das was, noch als akzeptabel empfunden wird, stetig zu senken. Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass wenn der Aufschrei unter den Fans laut genug ist, Publisher gezwungen sind, zurückzurudern. Dafür sollte es dann allerdings keinen Applaus geben, sondern nur ein genervtes "warum nicht gleich so?".

Abschließend noch ein paar Vorschläge, wie wir die Praxis denn in Zukunft nennen könnten. Als Überbegriff ist In-Game-Käufe vollkommen ausreichend, beschreibt aber nicht wirklich die Art und Weise, wie übergriffig die Monetarisierung in einem Spiel ist. Vielleicht braucht es da also einen Sonderbegriff für die wirklich schamlosen Fälle. Customer Profiteering wäre akkurat, aber nicht besonders catchy. Whaling mechanics vielleicht oder Whale Bait. Item-Wucher wäre eine schöne deutsche Umschreibung. Wir werden schon irgendwas finden, auf das wir uns einigen können. Vielleicht kommt ihr ja auch einen schönen Ausdruck.

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  1. Seite 1 Seite 1 - Die große Lüge der kleinen "Mikro"-Transaktionen
  2. Seite 2 Seite 2 - Der Begriff "Mikro"-Transaktion ist falsch (und überflüssig)
  3. Seite 3 Seite 3 - "Es sind nur Cosmetics" ist keine Rechtfertigung
    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von syncError Stille/r Leser/in
        Wahre Worte, diese Melkpraktiken sind eine Sauerei.

        Um so wichtiger ist es, dass Spiele wie Overwatch 2 dafür einen Denkzettel bekommen.
        Blizz/Activision versprach sich mit dem Schritt auf steam die Erschließung neuer Käufergruppen. Was sie bekamen war das schlechtbewertetste Spiel in der Geschichte von steam.
        Die community hat nicht vergessen, dass man mit falschen Versprechungen ihnen OW wegnahm um es durch OW2 zu ersetzen, was lediglich dazu diente die Monetarisierung umzustellen auf greedy und einen Battlepass und einen ingameshop zu etablieren bzw. aufzuzwingen.
      • Von syncError Stille/r Leser/in
        Wahre Worte, diese Melkpraktiken sind eine Sauerei.

        Um so wichtiger ist es, dass Spiele wie Overwatch 2 dafür einen Denkzettel bekommen.
        Blizz/Activision versprach sich mit dem Schritt auf steam die Erschließung neuer Käufergruppen. Was sie bekamen war das schlechtbewertetste Spiel in der Geschichte von steam.
        Die community hat nicht vergessen, dass man mit falschen Versprechungen ihnen OW wegnahm um es durch OW2 zu ersetzen, was lediglich dazu diente die Monetarisierung umzustellen auf greedy und einen Battlepass und einen ingameshop zu etablieren bzw. aufzuzwingen.
      • Von IngloriousBasterd Anfänger/in
        Den Hinweis auf die suchterzeugenden Mechaniken in diesen Spielen finde ich sehr wichtig. Es ist eben nicht nur die debile Fanboy-Spielerschaft solcher Titel, die den Rubel rollen lässt, sondern auch die Glücksspielsucht. Da wäre der Gesetzgeber gefordert, indem er die Definition des Glücksspiels weiter fasst und entsprechend reguliert, wie es ja auch bereits in einigen anderen Ländern geschieht.

        Was die Medien hingegen machen könnten: Einen Halsabschneider-Titel nicht einfach nur homöopathisch abwerten sondern massiv. Einfach mit einer 3/10 bewerten und der Sache wäre schon gedient.
      • Von fdl-ananas Anfänger/in
        Bravo und Amen!
        Ich kann nur jeden einzelnen Satz des Artikels unterschreiben!

        Insbesondere auch die Kritik an der Idee, kosmetische Items hätten irgendwie nichts mit "Gameplay" zu tun und deren Verkauf wäre deshalb akezptierbar, spricht mir aus der Seele.
        Schaue ich z.B. auf MMOs, so fand ich in diesen Spielen die Jagd nach Items mit den höchsten Stats immer nur sehr bedingt reizvoll. Denn die Mühle muss am laufen gehalten werden und das heißt, mit dem nächsten großen Patch oder Addon wird der "heiße Scheiß" von heute unweigerlich wertlos werden.
        Gutes Design dagegen macht auch noch Freude wenn die Stats keinen mehr interessieren. In WoW habe ich damals schon lange vor Einführung des Transmog-Festures viel Zeit damit verbracht, "Stylegear" zu sammen. Ein Spiel, dass die "schönsten" Items hinter einer Paywall versteckt, hätte für mich persönlich also z.B. größere Auswirkungen auf das Gameplay als irgendein kaufbarer Statboost.

        Viel Hoffnung auf ernsthafte Besserung habe ich allerdings nicht.

        Die meisten Gamer sind zu "gewählt unmündig", um die entsprechenden Akteure zu einem ernsthaften Umdenken zwingen zu können. (Dass wir uns heute - und inzwischen jährlich - über die Microtransaction-Ekszesse in 2K's NBA Spielen aufregen, wird z.B. absolut niemanden mehr interessieren, wenn morgen derselbe Publisher GTA 6 und seinen ebenfalls wieder gut durchmonetarisierten Onlineableger auf den Markt bringt.)

        Und die Gestzgeber sind irgendwo zwischen "das ist doch Neuland" und "da könnten uns Steuermilliarden entgehen" gefangen...
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