Metal Gear Solid - Konami vs. Kojima

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Special Benedikt Plass-Fleßenkämper - Autor Olaf Bleich - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Metal Gear Solid - Ein Phänomen der Spielegeschichte.
Quelle: Play4

Konami und Hideo Kojima waren knapp 30 Jahre das Dreamteam der Spieleindustrie. Doch Ende 2015 ist Schluss. Bevor man getrennte Wege gegangen ist, erschien jedoch noch das mit Spannung erwartete Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain. Grund genug für uns, einen Blick auf die bewegte Geschichte der Schleich-Saga zu werfen.

Aus und vorbei?

Trotz kleinerer Krisen ist Hideo Kojima ein Synonym für eine der größten Marken und Spieleserien im Playstation-Universum: Metal Gear Solid. Umso mehr jubelten die Fans, als ein kleines Studio namens 7780s anlässlich der gamescom 2014 ein Horrorspiel im Stil von Amnesia: The Dark Descent ankündigte. Nachdem der Trailer am 12. August 2014 auf der Sony-Pressekonferenz präsentiert wurde, tauchte alsbald die spielbare Teaser-Demo P.T. im Playstation Store auf. Schnell wurde klar: Dahinter versteckte sich keine kleine Nummer, sondern der spirituelle Nachfolger der Survival-Horror-Urgesteins Silent Hill. Verantwortlich für Silent Hills sollten keine Geringeren als Hideo Kojima und Pacific Rim-Regisseur Guillermo del Toro sein. Ein neues Silent Hill parallel zum nächsten Metal Gear Solid? Das klang zu schön, um wahr zu sein.

War es leider auch! Am 27. April 2015 machte die Hiobsbotschaft die Runde: Die Entwicklung von Silent Hills wurde eingestellt. Nur zwei Tage später löschte Konami die P.T.-Demo aus dem PSN-Store. Konsolen mit einer noch installierten Version des Horror-Teasers werden daraufhin beim Online-Auktionshaus eBay für teils 1.000 englische Pfund angeboten. Die bereits zuvor in Gerüchten thematisierten Streitigkeiten zwischen Konami, Hideo Kojima und dessen Studio Kojima Productions nahmen überaus schnell sehr reale Ausmaße an.

Wenn die Zeit kommt, würde ich gerne einen
Film machen. Das wäre wahrscheinlich kein
Blockbuster, kein Mega-Film, sondern eher
ein Independent-Film.

- Hideo Kojima
Bereits Ende März 2015 äußerte ein Insider, dass Führungskräfte von Kojima Productions in ihren Rechten beschnitten wurden. Auch der Zugriff auf das Telefon-und Firmennetzwerk soll den leitenden Angestellten nicht mehr möglich gewesen sein, wie die japanische Website Gamespark berichtete. Außerdem war es ihnen nicht mehr erlaubt, frei für Metal Gear Solid 5 zu werben oder gar darüber zu sprechen. Nahezu zeitgleich wurde der Schriftzug "A Hideo Kojima Game" von der offiziellen Produktseite von Metal Gear Solid 5 entfernt. Das für Metal Gear Online verantwortliche Studio Kojima Productions Los Angeles wurde in Konami Los Angeles umbenannt, und selbst dessen Twitter-Account bekam eine Weiterleitung.

Das Aus zwischen Kojima und Konami bedeutete gerade für die Angestellten des Studios schwere Einschnitte. Ihre unbefristeten Verträge wurden in begrenzte Zeitverträge umgewandelt. Ein Insider erklärte gegenüber dem US-Magazin Gamespot: "Nachdem wir Metal Gear Solid 5 fertiggestellt haben, werden Herr Kojima und das obere Management-Team Konami verlassen. Sie sagten, ihr Vertrag endet im Dezember." Kojima auf der anderen Seite betonte weiterhin, dass er "zu 100 Prozent in die Entwicklung des Spiels involviert sein werde" und, dass er willig sei, "es zum besten Spiel zu machen, das ich bisher entwickelt habe".

Bereits in der Vergangenheit hatte sich Hideo Kojima bereits dahingehend geäußert, dass Metal Gear Solid auch ohne ihn existieren könne. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Serie meinte er beispielsweise: "Es ist leider eine Tatsache, dass ich die Reihe nicht weitere 25 Jahre lang betreuen kann. Jedoch könnte ich mir vorstellen, dass – mit neuen Talenten an der Spitze – die Serie leicht ein weiteres Vierteljahrhundert lang bestehen könnte." Diese Tatsache könnte nun schneller eintreten als gedacht, denn Konami kündigte wenige Zeit später bereits an, neue Metal Gear Solid-Teile entwickeln zu wollen und sucht dafür auch schon per Internet-Stellenanzeigen nach geeignetem Personal.

Der, der nicht genannt wird

Offiziell wurde Kojima vom Executive Content Officer zum Director of Kojima Productions degradiert. Ein Abstellgleis, wie sich heute herausstellt. In der Folgezeit zwischen März und April 2015 löschte Konami nach und nach alle Hinweise auf Kojima Productions; das Logo des Studios verschwand von den Homepages. Infolge dieser Geschehnisse machten immer mehr Gerüchte die Runde, das auch Silent Hills eingestellt werden könnte. Guillermo del Toro bestätigt den Stopp der Entwicklungsarbeiten mit dem Tweet: "Das (Spiel, Anm. d. Red.) wird es leider nicht geben und das bricht mir mein fettiges Herz." Auch der aus der TV-Serie The Walking Dead bekannte Schauspieler Norman Reedus, der eigentlich eine tragende Rolle hätte übernehmen sollen, zeigt sich "total enttäuscht" und hofft darauf, dass Silent Hills doch noch irgendwie realisiert werden könne. Hideo Kojima hält sich derweil mit eigenen Aussagen zurück und bleibt sogar der Preisverleihung des japanischen Spielemagazin Famitsu fern.

Hi, Hideo! Quelle: Play4 Hi, Hideo! Weitere Indizien für den Kojima-Konami-Zwist: Auf dem Ende Mai veröffentlichten Cover zu Metal Gear Solid 5 taucht der Name "Kojima" oder "Kojima Productions" nicht mehr auf. Konami sitzt die Sache aus und begründet die Vorgänge mit "Umstrukturierungen hin zu einer zentraleren Organisation". Mitte Juli verkündete Akio Otsuka, die japanische Stimme von Big Boss und Solid Snake, dass Kojima Productions – also Konami Los Angeles – vollständig von Konami aufgelöst wurde. Eine Bestätigung dafür gab es bislang allerdings noch nicht.

Hi, Hideo!
In Metal Gear Solid 5: Ground Zeroes gibt es die bockschwere Nebenmission „Agentenrettung“. In dieser gilt es, niemand Geringeren als Hideo Kojima zu retten. Je nachdem, wie gut ihr die Mission abgeschlossen habt, bewertet Easter Egg Kojima euren Erfolg mit einem schnippischen Kommentar, warum ihr so lange gebraucht habt – oder eben einem „Das war perfekt!“ Und zur Belohnung grinst euch im Auswahl-Menü fortan statt Big Boss der Metal-Gear-Solid-Erfinder höchstpersönlich im Helikopter an.

Einer der Gründe für die Trennung der beiden Parteien soll laut der japanischen Komponistin Rika Muranaka, die untere anderem Songs für drei Metal Gear-Teile erstellt hat, das liebe Geld sein: Wie die Dame in einem Interview mit "Metal Gear Central" ausplauderte, sei Hideo Kojima zwar einer der derzeit besten Spieledesigner der Welt und ein Perfektionist, wenn es um seine Spiele gehe, ihm würde es aber an Geschäftssinn fehlen. So habe er regelmäßig Terminverschiebungen in Kauf genommen, die den börsennotierten Konzern viel Geld gekostet hätten. Weiterhin habe Kojima beispielsweise für eines seiner Spiele 40 Songs komponieren lassen, von denen letztlich aber keiner im fertigen Produkt zu hören war – die Rechnung für diese Auftragsarbeit musste Konami aber dennoch begleichen.

Kojima selbst hätte laut Muranakas Aussagen aber ebenfalls Grund zur Klage gehabt: So soll er zwar ein großzügiges Monatsgehalt kassiert haben, er sei als Produzent jedoch nie unmittelbar am Erfolg seiner Produkte beteiligt gewesen – etwas, das zum Beispiel US-Publisher oft anders handhaben. Verschwörungstheoretiker bekommen mit einem in Ground Zeroes versteckten Easter Egg jedenfalls neues Futter. Wer nämlich alle versteckten Symbole der Spieleserie findet und löscht, bei dem bedankt sich der virtuelle Hideo für die Unterstützung. Ob es sich dabei um einen netten Gag oder wirklich – wie es einige Websites behaupten – "einen virtuellen Mittelfinger in Richtung Konami" handelt? Das soll jeder für sich selbst entscheiden.

MGS – auch ohne Hideo Kojima möglich?

Gute Nachrichten gibt es aber derweil dennoch: Guillermo del Toro bestätigte gegenüber IGN, dass er und Kojima weiterhin gute Kumpels sind und – viel wichtiger – gemeinsam an etwas arbeiten, das aber nichts mit Silent Hill zu tun haben wird. Das macht auch Sinn, sind die beiden doch quasi Leidensgenossen: del Toro versuchte lange vergeblich, Videospiele zu entwickeln. Und Kojima liebt Filme, konnte dort aber bis dato nie Fuß fassen – auch wenn es etliche Angebote gab. Gerade im Bezug auf del Toros Aussage, er wolle in Zukunft nicht mehr im Videospielbereich tätig sein, darf man sehr gespannt sein, inwiefern die beiden künftig zusammenarbeiten werden. Und vor allem woran.

So unschön und unwürdig das Ende der Zusammenarbeit zwischen Konami und Hideo Kojima gewesen sein mag, so scheint sich die Welt also doch irgendwie weiterzudrehen: Konami will weiterhin neue Metal Gear Solid-Teile entwickeln und Kojima wird in Zukunft sein eigenes Ding machen. Mit ein wenig Glück folgen auf die Schlammschlacht endlich wieder bessere Zeiten – so wie es beide Seiten eigentlich verdient gehabt hätten. Doch gerade für Konami bleibt abzuwarten, ob sich das Unternehmen mit dieser Art von schlechter Publicity langfristig wirklich einen Gefallen getan hat und wie sich das Ganze auf die Zukunft von Metal Gear Solid auswirkt. Ob Metal Gear auch ohne Kojima weiter bestehen kann? Primär hängt das von der Qualität kommender Serienteile ab und letztlich werden die Herzen der Fans entscheiden.

Bildergalerie

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  1. Seite 1 Metal Gear Solid - Die Anfänge
  2. Seite 2 Metal Gear Solid - Kritik am Meister?
  3. Seite 3 Metal Gear Solid - Konami vs. Kojima
  4. Seite 4 Metal Gear Solid - Raiden: Ein großes Missverständnis
    • Kommentare (8)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Zitat von Sanador
        Und es fehlt dir noch mit Metal Gear Solid: The Twin Snakes der beste Teil/Version! :-D
        Wohl war, da muss es leider beim krümelig-emuliertem PS1-Original bleiben welches mit im Paket drin ist. Mir wäre "Twin Snakes" auch lieber, aber was soll man machen...
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Zitat von Sanador
        Und es fehlt dir noch mit Metal Gear Solid: The Twin Snakes der beste Teil/Version! :-D
        Wohl war, da muss es leider beim krümelig-emuliertem PS1-Original bleiben welches mit im Paket drin ist. Mir wäre "Twin Snakes" auch lieber, aber was soll man machen...
      • Von Sanador Spiele-Enthusiast/in
        Zitat von sauerlandboy79
        Wie gut dass ich mir als frischer Gebraucht-PS3-Besitzer die Legacy Collection geholt hab. Nun habe ich (bis auf Portable Ops) eine lückenlose Sammlung aller Teile. Auf eine nachträgliche PC-Veröffentlichung wage ich nicht zu hoffen. ;)
        Und es fehlt dir noch mit Metal Gear Solid: The Twin Snakes der beste Teil/Version! :-D
      • Von Raghammer Gelegenheitsspieler/in
        Teil V war für mich jetzt der erste der Serie. Das Ding ist nicht schlecht aber den Hype kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Falls es stimmt dass dieser Teil einer der schlechteren ist kann ichs vielleicht nachvollziehen. Als ich das Spiel gestartet hatte dachte ich ich bin auf der Krankenstation einer Zauberschule gelandet. Mein 2. Gedanke war: "So weit ich weiss kann ich nicht zaubern. Unter welchen realitätsnahen Bedingungen hätte ich da bitte ne Chance" ^^ Egal, ich werds wahrscheinlich trotzdem durchspielen. Mal schaun
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Wie gut dass ich mir als frischer Gebraucht-PS3-Besitzer die Legacy Collection geholt hab. Nun habe ich (bis auf Portable Ops) eine lückenlose Sammlung aller Teile. Auf eine nachträgliche PC-Veröffentlichung wage ich nicht zu hoffen. ;)
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Ich würde mir ja sehr wünschen, wenn die alten PC Teile mal auf Steam oder gog.com veröffentlicht werden. Da ich ein Großteil der Spiele nicht gespielt hab, würde ich sie mir dann holen. Leider gibt's die aber nirgendwo digital. Und an Ladenversionen dranzukommen wird fast unmöglich sein und bei denen man dann auch noch sehen muss, ob man sie unter aktuellen Betriebssystemen zum Laufen bringt. :-|
        Aber Konami wird wohl kein Interesse haben, die nochmal als überarbeitete Win 7 / 8 / 10 Version zu veröffentlichen.
      Direkt zum Diskussionsende
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