Metal Gear Solid - Kritik am Meister?

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Special Benedikt Plass-Fleßenkämper - Autor Olaf Bleich - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Metal Gear Solid - Ein Phänomen der Spielegeschichte.
Quelle: Play4

Konami und Hideo Kojima waren knapp 30 Jahre das Dreamteam der Spieleindustrie. Doch Ende 2015 ist Schluss. Bevor man getrennte Wege gegangen ist, erschien jedoch noch das mit Spannung erwartete Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain. Grund genug für uns, einen Blick auf die bewegte Geschichte der Schleich-Saga zu werfen.

Schlag auf Schlag

Mit Metal Gear Solid gelingt Hideo Kojima erstmals die gelungene Verquickung zwischen Videospiel und Film. Grund dafür ist die CD-ROM, die Kojima ausreichend Platz bietet, um Sprachausgabe, Musik und natürlich auch Grafik problemlos auf höchstem Niveau zu inszenieren.

Lautlos: Metal Gear Solid 3: Snake Eater setzte den Fokus noch mehr auf Schleich-Action als die bisherigen Titel. Quelle: Play4 Lautlos: Metal Gear Solid 3: Snake Eater setzte den Fokus noch mehr auf Schleich-Action als die bisherigen Titel. In Metal Gear Solid verkörpert ihr den im Jahr 2005 – also zehn Jahre nach Metal Gear – aus dem Ruhestand zurückkehrenden Solid Snake, der für die US-Regierung nach Alaska reist, um dort die abtrünnig gewordene FOXHOUND-Einheit zu stoppen. Diese Söldnerorganisation ist nämlich im Besitz des Metal Gear REX und erpresst die Regierung. Objekt der Begierde sind die sterblichen Überreste des "größten Soldaten aller Zeiten", Big Boss. Aus dessen genetischem Material wurde nämlich unter anderem Solid Snake geklont.

Auch wenn Hideo Kojima in Interviews immer wieder betont, dass er eigentlich "versuche, keine Geschichten zu erzählen", so nutzt bereits Metal Gear Solid jede Chance, um Informationen über die Spielwelt und ihre Figuren an den Spieler zu übermitteln. Die CODEC-Funksprüche reichen beispielsweise von Belanglosigkeiten wie dem Wetter über Godzilla bis hin zur Angst vor einem drohenden Atomkrieg und der Furcht vor dem technologischen Fortschritt. Kojima greift offen unbequeme Themen auf und lässt den Spieler damit an seiner Weltansicht teilhaben. Wie er diese definiert, hat er mal in einem Interview erklärt: "Die Welt ist kompliziert und der Mensch ein Wesen, dem die Konflikte innewohnen und das nicht in Frieden leben kann – und dies führt zu Schmerz, Leid und bringt dann und wann Menschen hervor, die Großes bewegen."

Ein weiteres Easter Egg in Ground Zeroes: Im 'Déjà-Vu'-Modus übernimmt das alte Playstation-Polygonmodell von Solid Snake die Hauptrolle. Quelle: Play4 Ein weiteres Easter Egg in Ground Zeroes: Im "Déjà-Vu"-Modus übernimmt das alte Playstation-Polygonmodell von Solid Snake die Hauptrolle. Doch zurück zu Metal Gear Solid: Kojima zieht den Spieler immer wieder auf ungewöhnliche Weise in sein Werk hinein. So fordert Colonel Roy Campbell Snake etwa an einer Stelle dazu auf, eine Funkfrequenz mithilfe einer CD-Hülle zu ermitteln. Damit ist allerdings kein Objekt im Spiel gemeint – die besagte Frequenz befindet sich auf der echten, physischen CD-Hülle von Metal Gear Solid und versteckt sich dort auf einem Screenshot. Der berühmte Bosskampf gegen den übersinnlich begabten Psycho Mantis verknüpft ebenfalls geschickt die Interaktion des Nutzers mit Metal Gear Solid. Psycho Mantis kommentiert zum Beispiel Solid Snakes Verhalten gemessen an der bisherigen Spielweise oder lässt den Playstation-Controller als Zeichen seiner psychokinetischen Kräfte vibrieren. Der Bosskampf mit dem bizarren Gasmasken-Träger gehört nicht zuletzt wegen der trickreichen Grundidee zu den erinnerungswürdigsten Momenten der Spielegeschichte.

Metal Gear Solid ist ein Riesenerfolg, Konami fordert möglichst schnell einen Nachfolger. Und Kojima bleibt produktiv, bereits 2001 bringt er Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty an den Start. Dieser Titel bleibt bei vielen als das vielleicht schwächste, große Metal Gear in Erinnerung. Schuld daran ist der Wechsel des Hauptcharakters. In der ersten Spielstunde übernimmt man noch Solid Snake, der im Jahr 2007 einen Tanker infiltrieren muss. Dieser Einstieg sollte im Kontrast zu dem zweiten, im Jahr 2009 spielenden Handlungsstrang mit Raiden in der Hauptrolle stehen. Für viele Spieler eine Enttäuschung, kann doch der androgyne Blondschopf nicht mit dem charismatisch-coolen Solid Snake mithalten. Raiden selbst dient Kojima als Hauptcharakter gewordene Metapher für den blinden Gehorsam gegenüber Auftraggebern und der auch in Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain auftauchenden Thematik der Kindersoldaten.

Virtuelle Plaudertasche

Genau an diesem Punkt manifestiert sich die für manche Kritiker größte Schwäche der Metal Gear Solid-Serie: Sie sind der Ansicht, dass hier zu viel geredet wird und der Plot die Spieler oft mehr verwirrt als dass er sie aufklärt. Kein Wunder, springt die Schleich-Saga mit all ihren Ablegern über nahezu alle verfügbaren Plattformen und hopst zeitlich durch beinahe 50 Jahre. Man kann die fordernde, antichronologische Erzählweise der Kojima-Werke aber auch genauso gut als ihre große Stärke sehen – das liegt wohl, wie so vieles im Leben, eben im Auge des Betrachters.

Wiedergeburt: Die früheren Teile der Metal Gear Solid-Serie wurden für mehrere Plattformen als HD Collection neu aufgelegt. Quelle: Play4 Wiedergeburt: Die früheren Teile der Metal Gear Solid-Serie wurden für mehrere Plattformen als HD Collection neu aufgelegt. Das 2004 veröffentlichte Metal Gear Solid 3: Snake Eater geht gar zurück zu den Ursprüngen und schickt Naked Snake – alias Big Boss – nach Russland, um dort seine einstige Mentorin The Boss auszuschalten. Der dritte große Teil der Saga wählt einen anderen Spielansatz und entlässt Spieler in eine vergleichsweise offene Dschungel-Umgebung. Hier kommt es vor allem auf das blanke Überleben an: Mithilfe von Ausrüstung und Tarnfarben verschmilzt Naked Snake mit seiner Umwelt. Gleichzeitig benötigt er aber auch Nahrung, die er durch die Jagd erhält. Erneut glänzt das Kojima-Spiel mit vielen amüsanten Details: Beispielsweise bleibt Fleisch länger frisch, wenn man die Tiere zuvor betäubt hat.

Naked Snake verliert überdies im Spielverlauf sein rechtes Auge – das im späteren Spielverlauf einzige optische Entscheidungsmerkmal zwischen Big Boss und Solid Snake. Wer nach dieser Aktion in die Ich-Ansicht wechselt, für den wird die rechte Bildschirmhälfte schwarz sein. Metal Gear Solid 3: Snake Eater legt den Fokus vermehrt auf die Offenheit des Gameplays und positioniert sich vom Grundtenor der Geschichte stärker als Anti-Kriegsspiel als jemals zuvor. Dazu passend gibt es zum Abschluss des Spiels auch keine Statistik darüber, wie viele Feinde Snake zur Strecke gebracht hat. Stattdessen nimmt er es mit dem Geist The Sorrow (deutsche Übersetzung: die Trauer) auf und trifft in einer Albtraumsequenz auf seine bisherigen Opfer. Naked Snake kann diesen Kampf nicht gewinnen und stirbt zum Abschluss. Nur eine Wiederbelebungspille bringt ihn zurück – und letztlich verwandeln ihn diese Ereignisse in den kriegs- und befehlsmüden Soldaten, den wir später in Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain wiedersehen werden.

Kritik am Meister?

Hideo Kojimas Kindheit ist geprägt von Einsamkeit und Verlust. Als kleiner Junge lassen ihn seine Eltern oft alleine zu Hause. Er erlebt mit, wie Freunde und Verwandte sterben. Der kleine Hideo flüchtet sich in dieser Zeit in die Welt des Fernsehens oder liest Bücher und Mangas. Später treibt es sich gerne in Kinos herum. Er entwickelt sich zu einem leidenschaftlichen Cineasten; 2014 bezeichnete er in einem Interview unter anderem 2001: Odyssee im Weltraum, Taxi Driver und Blade Runner als seine Lieblingsfilme. Gelegentlich behauptet Kojima gar im Spaß, dass er trotz seiner Verbundenheit zu Videospielen "zu 70 Prozent aus Filmen besteht".

Metal Gear Solid Quelle: Play4 Prolog: Wie alle Kojima-Spiele zeigt sich Ground Zeroes gesellschaftskritisch. Doch gerade diese Leinwand-Verliebtheit lässt Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots (2008) polarisieren. Mit seiner strengen Kapiteleinteilung, vielen Verweisen auf frühere Titel und noch mehr Filmsequenzen überrollt der vierte Teil so manchen Spieler geradezu. Nicht umsonst hält das Playstation-3-Abenteuer bis heute den Weltrekord für den längsten Abspann aller Zeiten: 71 Minuten sind dann vielen Spielern doch des Guten etwas zu viel. Ein alternder Snake tritt im Jahr 2014 ein letztes Mal für seinen alten Kameraden Commander Roy Campbell an, um in einer geradezu fatalistischen Zukunftsvision die Geheimorganisation der Patriots unter der Führung von Liquid Snake zu stoppen.

In Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots versucht Kojima auf recht verkopfte Art und Weise, die vielen losen Story-Fäden irgendwie zusammenzuführen. Im vierten Kapitel beispielsweise kehrt Snake zurück in die Ruinen von Shadow Moses – einer geheimen Einrichtung der Regierung und Schauplatz aus dem ersten Metal Gear Solid. In einer Art Traumsequenz in der damaligen Spielgrafik erkundet Snake noch einmal das Areal, ehe er erwacht und in der Gegenwart die Überreste der Station untersucht. Guns of the Patriots bietet mit diesen für Kojima ganz typischen Augenblicken viele Momente, die das Spiel liebenswert und besonders machen, gleichzeitig prügelt es die Moral aber auch mit dem Holzhammer und mit zu viel Pathos in die Schädel der Spieler.

Dieser Kritikpunkt ereilte auch die Vorab-Kostprobe Metal Gear Solid 5: Ground Zeroes. Der fünfte Teil schließt zeitlich wiederum an die Handheld-Spiele Portable Ops und Peace Walker an. Big Boss ist inzwischen Teil der Organisation "Militaires sans Frontières" (Soldaten ohne Grenzen) und muss zwei gefangene Kindersoldaten aus dem US-Lager Camp Omega auf Kuba retten. Bei der Flucht allerdings wird das Team vom Geheimbund XOF angegriffen, was zur Folge hat, dass Big Boss ins Koma fällt. Schon der Titel Ground Zeroes erinnert an die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York vom 11.9.2001. Auch das Setting – also besagtes Militärcamp – nimmt direkten Bezug auf das amerikanische Gefangenenlager Guantanamo Bay. Darüber hinaus ist der Schauplatz von The Phantom Pain Afghanistan. Kojima greift das aktuelle Zeitgeschehen auf, allerdings inzwischen weitaus weniger subtil und elegant als in seinen früheren Spielen.

Bildergalerie

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  1. Seite 1 Metal Gear Solid - Die Anfänge
  2. Seite 2 Metal Gear Solid - Kritik am Meister?
  3. Seite 3 Metal Gear Solid - Konami vs. Kojima
  4. Seite 4 Metal Gear Solid - Raiden: Ein großes Missverständnis
    • Kommentare (8)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Zitat von Sanador
        Und es fehlt dir noch mit Metal Gear Solid: The Twin Snakes der beste Teil/Version! :-D
        Wohl war, da muss es leider beim krümelig-emuliertem PS1-Original bleiben welches mit im Paket drin ist. Mir wäre "Twin Snakes" auch lieber, aber was soll man machen...
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Zitat von Sanador
        Und es fehlt dir noch mit Metal Gear Solid: The Twin Snakes der beste Teil/Version! :-D
        Wohl war, da muss es leider beim krümelig-emuliertem PS1-Original bleiben welches mit im Paket drin ist. Mir wäre "Twin Snakes" auch lieber, aber was soll man machen...
      • Von Sanador Spiele-Enthusiast/in
        Zitat von sauerlandboy79
        Wie gut dass ich mir als frischer Gebraucht-PS3-Besitzer die Legacy Collection geholt hab. Nun habe ich (bis auf Portable Ops) eine lückenlose Sammlung aller Teile. Auf eine nachträgliche PC-Veröffentlichung wage ich nicht zu hoffen. ;)
        Und es fehlt dir noch mit Metal Gear Solid: The Twin Snakes der beste Teil/Version! :-D
      • Von Raghammer Gelegenheitsspieler/in
        Teil V war für mich jetzt der erste der Serie. Das Ding ist nicht schlecht aber den Hype kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Falls es stimmt dass dieser Teil einer der schlechteren ist kann ichs vielleicht nachvollziehen. Als ich das Spiel gestartet hatte dachte ich ich bin auf der Krankenstation einer Zauberschule gelandet. Mein 2. Gedanke war: "So weit ich weiss kann ich nicht zaubern. Unter welchen realitätsnahen Bedingungen hätte ich da bitte ne Chance" ^^ Egal, ich werds wahrscheinlich trotzdem durchspielen. Mal schaun
      • Von sauerlandboy79 Mitglied
        Wie gut dass ich mir als frischer Gebraucht-PS3-Besitzer die Legacy Collection geholt hab. Nun habe ich (bis auf Portable Ops) eine lückenlose Sammlung aller Teile. Auf eine nachträgliche PC-Veröffentlichung wage ich nicht zu hoffen. ;)
      • Von Shadow_Man Mitglied
        Ich würde mir ja sehr wünschen, wenn die alten PC Teile mal auf Steam oder gog.com veröffentlicht werden. Da ich ein Großteil der Spiele nicht gespielt hab, würde ich sie mir dann holen. Leider gibt's die aber nirgendwo digital. Und an Ladenversionen dranzukommen wird fast unmöglich sein und bei denen man dann auch noch sehen muss, ob man sie unter aktuellen Betriebssystemen zum Laufen bringt. :-|
        Aber Konami wird wohl kein Interesse haben, die nochmal als überarbeitete Win 7 / 8 / 10 Version zu veröffentlichen.
      Direkt zum Diskussionsende
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