Rage Quit: Frustrierend schwer oder nur im Genre vergriffen?

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Kolumne Antonia Dreßler - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Rage Quit: Frustrierend schwer oder nur im Genre vergriffen?
Quelle: Frontier Foundry

Toni erzählt in ihrer Kolumne, warum schweres Spiel nicht gleich schweres Spiel ist und dass es ok ist, wenn man mit manchen Genres einfach nicht warm wird.

Herausforderndes Taktieren in The Great War: Western Front

Strategie und Taktik sind keine totalen Fremdwörter für mich. Stonghold Crusader war eines der ersten Spiele, die ich überhaupt gespielt habe. Total War, Civilisation und Anno sind alles Spiele, mit denen ich mir schon ein paar Nächte um die Ohren geschlagen habe. Allerdings hatte ich immer sehr sicher gespielt, bin keine großen Risiken eingegangen und habe mich quasi für den leichtesten Weg entschieden. Etwas, was mir in The Great War nicht vergönnt war: In den Beginn einer Schlacht geworfen, musste ich feindliche Stellungen einnehmen, meine Truppen übers Niemandsland in gegnerische Gräben kommandieren und mich dort selbst festsetzen.

Welche Truppen, was können, wann Unterdrückungsfeuer wichtig ist und wie oft man eigene Bomber ausschickt, ohne seine Ressourcen in Windeseile zu verbrennen, hatte ich auch nach mehreren Anläufen nicht wirklich raus. Und dann war die Anspiel-Session auch schon vorbei. Ich hatte nichts geschafft, außer, meine Männer in den Tod zu schicken und mich beschämt zurückzuziehen. Mir hatte es an Anweisung gefehlt (obwohl es Tutorials für alles gab) und ich hatte mich generell verloren gefühlt. Gott sei Dank bin ich kein Kriegsgeneral, dann lieber gestrandet auf dem Mars.

Rage Quit: Frustrierend schwer oder nur im Genre vergriffen? (4) Quelle: Frontier Foundry Rage Quit: Frustrierend schwer oder nur im Genre vergriffen? (4)

Um es klarzustellen: Deliver Us Mars nimmt einen noch weniger an die Hand als The Great War: Western Front, beide sind schwer, der große Unterschied bezüglich meiner Leistung lässt sich aufs Genre zurückführen. Das hat mich zum Denken angeregt: Anscheinend stören mich Herausforderung und Frustration nicht. Ich will sie nur zu meinen Bedingungen haben.

Ein erkenntnisreicher Schlussstrich

Vielleicht braucht es für Souls-likes also tatsächlich keinen einfachen Modus und vielleicht ist das eben nicht mein Genre. Ob ein Spieler gut ist, lässt sich nun mal nicht an einem Spiel festmachen, denn jeder hat andere Präferenzen.

Wenn ich das nächst Mal bei einem Spiel versage, weiß ich auf jeden Fall, dass es nicht an unbedingt am Spiel liegt, dass unfair und frustrierend schwer ist, sondern daran, dass ich genau an der Art von Herausforderung keinen Spaß habe.

So schreibe ich einen Abschiedsbrief, mit der wohl abgedroschensten Plattitüde der Welt, die ihre perfekte Anwendung findet, wenn es um Spiele geht: Es liegt nicht an dir, sondern an mir. Du bist nicht unfair schwer, wir passen einfach nicht zusammen und ich suche etwas anderes in meinem Leben. Ich wünsche dir einen guten Release und viele Fans. Wenn wir uns sehen, nicke ich dir zu und weiß, wir sind beide nicht falsch. Ich will dich nicht zu meinen Gunsten ändern und ein einfacherer Schwierigkeitsgrad würde dich nicht besser machen. Ich mache Schluss. Und suche mir Spiele, die besser zu mir passen. Die nicht einfacher sind, aber deren Herausforderungen mir Spaß machen.

Bildergalerie

The Great War: Western Front und ich kommen demnach nie zusammen, wer die Herausforderung im Taktik- und Strategie-Genre sucht, gepaart mit der harten und dreckigen Realität des Ersten Weltkriegs, kommt bei dem Titel voll auf seine Kosten. Deliver Us Mars gibt mir stattdessen Raum und vor allem Zeit, zu denken und setzt mich nicht unter Druck. Wer Knobeleien und langsames Spiel mag, kann sich stattdessen mir anschließen und sich in der Immersion und Einsamkeit eines leeren Planeten verlieren, in dem Herausforderung ebenfalls nicht zu kurz kommt. Nur eben anders.

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    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Toni Autorin
        Zitat von TheRattlesnake
        Bei ersterem kann man notfalls in eine Lösung schauen wenn man selbst wirklich gar nicht weiter kommt. Ist im ersten Moment vielleicht blöd aber immerhin kann man weiter spielen.
        Das stimmt tatsächlich! Da habe ich so nicht drüber nachgedacht, weil es bei einem Spieletest tatsächlich anders ist. Wenn wir in der Redaktion vor Release auf ein Rätsel stoßen, wo wir einfach nicht vorbeikommen, dann wirst du wohl Überstunden machen müssen. Es hat noch niemand eine Lösung veröffentlicht.
        Bei reinen Rätsel und Puzzlern (das hatte ich, als ich Maquette getestet habe), geben die Entwickler manchmal eine Komplettlösung dazu, aber bei ARPG oder Action-Adventuren nicht und da kann man auch (aus eigener Erfahrung) sehr lange dämlichen Denkfehlern unterliegen :D
      • Von Toni Autorin
        Zitat von TheRattlesnake
        Bei ersterem kann man notfalls in eine Lösung schauen wenn man selbst wirklich gar nicht weiter kommt. Ist im ersten Moment vielleicht blöd aber immerhin kann man weiter spielen.
        Das stimmt tatsächlich! Da habe ich so nicht drüber nachgedacht, weil es bei einem Spieletest tatsächlich anders ist. Wenn wir in der Redaktion vor Release auf ein Rätsel stoßen, wo wir einfach nicht vorbeikommen, dann wirst du wohl Überstunden machen müssen. Es hat noch niemand eine Lösung veröffentlicht.
        Bei reinen Rätsel und Puzzlern (das hatte ich, als ich Maquette getestet habe), geben die Entwickler manchmal eine Komplettlösung dazu, aber bei ARPG oder Action-Adventuren nicht und da kann man auch (aus eigener Erfahrung) sehr lange dämlichen Denkfehlern unterliegen :D
      • Von Yosh1907 Mitglied
        Fifa ist das einzige Spiel dass bei mir einen Rage Quit verursacht, sonst bin ich meistens ziemlich ruhig beim spielen.

        Wobei, Sifu hat mich auch wahnsinnig gemacht, hab das Spiel dann tatsächlich irgendwann abgebrochen und nie wieder angefasst weil es mir zu schwer war. Hatte das sonst nie bei einem Spiel :D
      • Von TheRattlesnake Spiele-Kenner/in
        Ich finde es ist schon ein großer Unterschied ob man z.b. bei einem schweren Rätsel nicht weiter kommt oder ob man z.b. bei einem Bossgegner scheitert.
        Bei ersterem kann man notfalls in eine Lösung schauen wenn man selbst wirklich gar nicht weiter kommt. Ist im ersten Moment vielleicht blöd aber immerhin kann man weiter spielen. Bei zweiterem hilf nur es immer wieder zu versuchen. Und da setzt bei mir schnell frust ein so dass ich das Spiel irgendwann abbreche.
        Bestes Beispiel sind da die From Software Spiele. Demons Souls, Dark Souls, Dark Souls 2 und Bloodborne habe ich bisher selbst gespielt. Mit allen hatte ich meinen Spaß bis irgendwann der Punkt kam an dem ich einfach nicht mehr weiter kam weil ich bei irgendeinem Boss immer wieder verreckt bin. Paar mal versucht und ausgemacht. Dann vielleicht später nochmal versucht und wieder gescheitert. Bis ich keinen Bock mehr hatte. Da würde ich mir schon ein paar Optionen wünschen mit denen man den Schwierigkeitsgrad einstellen kann.
        Steelrising geht ja scheinbar in eine ähnliche Richtung und bietet solche Optionen. Habe ich zwar auch noch nicht gespielt aber steht auf meiner Liste. Bin gespannt wie das ganze da umgesetzt ist.
      • Von DerJadeaffe Mitglied
        Man sollte auf jeden Fall unterscheiden zwischen "schwer", "unfair" und frustrierend", das ist erstmal Genre-unabhängig. Wenn man in nem Spiel mal in einen Abgrund fällt und der letzte Checkpoint 15 Minuten her ist, kann das Spiel noch so leicht sein, frustrieren tut es in dem Fall trotzdem.
        Umgekehrt empfand ich etwa Hotline Miami durchaus als schwer, die Sogwirkung des Spiels ließ jedoch kaum Frust bei mir aufkommen.

        Trotzdem werde ich das Argument gegen wählbare Schwierigkeitsgrade, obwohl es recht einfach zu implementieren wäre, nie verstehen. Es gibt durchaus ne Hand voll Spiele, die ich mögen wollte aber nicht weitergespielt habe, weil sie mir zu schwer wurden (und gleichzeitig frustrierend), obwohl ich im gleichen Genre sonst viel und gerne spiele. Wenn jemand meint, das müsse so sein, ist für mich reines Gatekeeping.
      • Von Bast3l Hobby-Spieler/in
        Rage ja, Quit aber nein - höchstens für die Session. Meistens schaffen Spiele die auch spiele (da man nach so langer Zeit einfach weiß was einen anspricht oder nicht) es mich spätestens beim nächsten "Zeitfenster für Gaming" es noch einmal versuchen zu lassen. Und meist schaffe ich es auch dann :B

        Auf der anderen Seite leben ja Multiplayertitel wie Warzone oder DMZ auf ragebasierter Motivation xD
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