Medieval Dynasty im Test: Fazit und Wertung

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Test Marc Schmidt - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Medieval Dynasty im Test: Fazit und Wertung
Quelle: Toplitz Productions

Medieval Dynasty zeigt Mittelalter-Spiele in einem anderen Licht und macht einiges anders als die Genre-Kollegen, fühlt sich manchmal jedoch eher wie ein Marathonlauf an. Ob das funktionieren kann, erfahrt ihr hier in unserem Test.

Hübsche Pappkulisse

Am Wegesrand findet ihr manchmal Gegenstände, die euch während eures Abenteuers helfen. Umsehen lohnt sich also!  Quelle: PC Games Am Wegesrand findet ihr manchmal Gegenstände, die euch während eures Abenteuers helfen. Umsehen lohnt sich also!  Immerhin, das Mittelalter-Abenteuer sieht ziemlich gut aus. Auf unserem Rechner lief das Spiel problemlos mit 60 Frames bei einer Auflösung von 4K ohne nennenswerte Aussetzer. Immer wieder blieben wir stehen und bestaunten die Landschaft, besonders der virtuelle Herbst und der darauffolgende Winter zogen uns in ihren Bann. Auch das Erkunden in dieser Welt wird belohnt, von Zeit zu Zeit findet ihr am Wegesrand fortgeschrittene Werkzeuge, Geld in Fässern oder verlassene Handelskarren. Das Sound-Design unterstützt dabei die Atmosphäre, ruhige Musikstücke begleiten uns auf unseren langen Reisen durch das Tal und versetzen uns zurück ins Mittelalter.

Leider nutzt die beste Optik nichts, wenn die restliche Spielwelt nicht überzeugt. Das beginnt bei den leblosen Städten und den schlecht animierten und verbuggten Dorfbewohnern, die an manchen Tagen mit den Füßen im Boden stecken und an anderen über der Erde schweben. Dazu kommt, dass die Einwohner nicht gerade die Hellsten sind, immer wieder blockieren sie von innen den Eingang zu Häusern und stehen sich gegenseitig im Weg.

Generell sind die Animationen nicht gerade auf dem neuesten Stand. Niemand erwartet Motion-Capture-Qualität wie in Red Dead Redemption 2, der aktuelle Zustand ist jedoch mangelhaft. Dies fällt besonders bei der Jagd auf. So prallen geworfene Speere einfach an den Tieren ab und auch die Bewegungen der Tiere wirken steif und unrealistisch. So können Wölfe sich auf der Stelle um 180-Grad drehen, ohne ihre Pfoten zu benutzen. Beim Häuten der Tiere stochern wir lieblos mit unserem Messer im Kadaver herum, nur, damit er danach spurlos vom Bildschirm verschwindet. Das ist durchaus ein Makel, wenn man bedenkt, dass sich das Spiel das Wort "Simulation" auf die Fahnen schreibt.

All diese Fehler sind verzeihbar und reißen einen in der Regel nicht allzu stark aus der Welt. Es gelingt den Machern Großteiles, uns das Gefühl zu geben, in einer Mittelalterwelt zu stecken, in der wir uns eine neue Existenz aufbauen. Jedoch gibt es noch weitere Punkte, die den Spielspaß deutlich reduzieren.

Ermüdender Marathonlauf

Landkarte mit Dörfern Quelle: PC Games Die Karte ist riesig und zu Fuß nur schwer zu erschließen. Hier ist nur ein Ausschnitt zu sehen, im Süden gibt es noch weitere Gebiete und Dörfer zum Erkunden Medieval Dynasty spielt in einer weitläufigen Open-World. Passend zum Zeitalter erkundet ihr diese hauptsächlich zu Fuß. So weit so gut, wenn die Distanzen nicht so unüberwindbar groß wären. Es kommt immer wieder vor, dass wir zehn Minuten damit verbringen, einfach nur in eine Richtung zu laufen. Dabei begegnen wir hin und wieder auch noch einem Wolf, der uns in Stücke reißt und wir können die Reise von vorne beginnen.

Zusätzlich fehlt dem Spiel eine Minimap, was die Navigation noch einmal erschwert. Schnellreisepunkte suchen wir ebenfalls vergebens. Zwar ist der Erwerb eines Reittiers möglich, dieses ist jedoch so unendlich teuer, dass es uns in unserem achtzehnstündigen Spieldurchlauf nicht gelungen ist, eines zu erwerben. Diese langen Reisen kosten Zeit und sind äußerst ermüdend.

Frust im Winterwunderland

Zusammen mit Racimir durchlaufen wir die vier Jahreszeiten, wobei jede Jahreszeit nur aus einer begrenzten Anzahl an Ingame-Tagen besteht. Mit dem Beginn des Frühlings ist ein Jahr vorbei und die Steuern beim Kastellan werden fällig. Je größer das Dorf, desto teurer wird es.

In unserem ersten Winter stellten wir fest, dass von heute auf morgen Schnee vor der Tür lag und die Temperatur um zehn Grad Celsius gefallen war. Es war sogar so kalt, dass wir, sobald wir das Haus verließen, kurzerhand erfroren, ohne etwas dagegen tun zu können. Also standen wir nutzlos im Haus herum und starrten die Wand an, solange, bis der Winter vorbei war. Wobei wir an besonders kalten Tagen selbst dort Schaden erlitten. Leider gibt es auch keine Möglichkeit, die Zeit zu beschleunigen. Zwar können wir von 17 Uhr bis 7 Uhr schlafen, dann müssen wir aber hoffen, dass unsere gesammelte Nahrung ausreicht und wir nicht im Schlaf verhungern.
Dorf im Winter Quelle: PC Games Das Spiel ist optisch ziemlich gut gelungen und hat uns immer wieder staunen lassen. Hier ein Blick auf unser Dorf während der Wintermonate.

Zwar waren wir in unserer Testsession auch schlicht mangelhaft auf den ersten Winter vorbereitet und viele unserer Probleme waren unser eigenes Verschulden. Jedoch wies das Spiel uns zu keinem Zeitpunkt darauf hin, wie wichtig es ist, warme Kleidung anzulegen oder das Haus zu dämmen. Das darauffolgende Jahr verbrachten wir damit, unser Haus zu dämmen, neue Kleidung zu organisieren und genügend Vorräte zu sammeln. Und siehe da, im nächsten Winter konnten wir das Haus tatsächlich verlassen, ohne zu erfrieren. Durch die unklare Heranführung ist dieses eigentlich spaßige und realistische Spielelement unnötig frustrierend.

Wer will, kann auf Kosten des Realismus übrigens vor Spielbeginn diverse Zugänglichkeitsfeatures aktivieren beziehungsweise knifflige Spielelemente ausschalten, darunter eben auch das Deaktivieren der Temperaturempfindlichkeit. Auch weitere Aspekte wie die Erhebung von Steuern oder ein Multiplikator für die Gewinnung von Erfahrung können frei eingestellt werden. Jedoch sind nachträgliche Änderungen während der Kampagne nicht mehr möglich.

Für unserem Test spielten wir auf dem Schwierigkeitsgrad "Normal". Die Spielerfahrung, wie wir sie erlebt haben, inklusive aller vom Spiel in den Weg geworfenen Gemeinheiten, ist also ausdrücklich so vorgesehen. Beim ersten Spielablauf weiß man ja nicht, was einen erwartet und kann somit auch keine sinnvollen Änderungen vornehmen. Dass man nachträglich nichts mehr umstellen kann, ist also eine seltsame Designentscheidung.

Mittelalter-Abenteuer nur für Liebhaber?

Was für ein Spiel ist Medieval Dynasty nun also und für wen ist es geeignet? Der Titel versetzt euch in eine stimmige, mittelalterliche Welt, die den Fokus auf den Bau eines eigenen kleinen Dorfes legt. Euch erwartet ein Aufbaustrategiespiel, welches mit Survival-Elementen gepaart ist und das Leben der damals einfachen Landbevölkerung realistisch abbilden will, dabei aber in allen Bereichen mit Problemen zu kämpfen hat. Positiv zu erwähnen ist auf jeden Fall die Fülle an Spielinhalten, in unseren 18 Spielstunden bekamen wir bei weitem nicht alles zu Gesicht.

Wem das Setting oder das Kernprinzip zwar generell zusagt, allerdings nicht vom aktuellen Zustand des Spiels überzeugt ist, der sollte einfach noch ein wenig warten. Denn laut Entwickler Render Cube sind auch nach Release neue Features geplant, zum Beispiel eine Third-Person-Perspektive, weitere Dekorationen und auch eine Umsetzung für Konsolen. Und vielleicht bekommen die Macher ja auch die miesen Animationen noch in den Griff.

Medieval Dynasty ist seit dem 23. September 2021 für den PC erhältlich. Davor war es bereits im Early Access spielbar.

Meinung

Wertung zu Medieval Dynasty (PC)

Wertung:

6.0 /10
Pro & Contra
Große SpielweltMotivierendes KernprinzipViel SpielinhaltGlaubhafte Mittelalter-WeltPräzises Menü mit vielen EinstellungsmöglichkeitenAusführlicher Hilfe-Katalog
Repetitive QuestsSchwache GeschichteTeils Mangelhafte AnimationenFehlende VertonungHilfeoptionen nach Spielart nicht änderbar

Bildergalerie

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    • Kommentare (6)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von TotoSgE NPC
        Leider hat das Spiel aus meiner Sicht ins aus geschossen weil ps4 Spieler schauen in die Röhre kein Update damit ist dieses Spiel für mich unfertig und ist Geschichte
      • Von TotoSgE NPC
        Leider hat das Spiel aus meiner Sicht ins aus geschossen weil ps4 Spieler schauen in die Röhre kein Update damit ist dieses Spiel für mich unfertig und ist Geschichte
      • Von Marc Schmidt Autor
        Hallo du!

        Für unseren Test haben wir die Version 1.0.0.6 bzw. 1.0.0.7 verwendet.

        Zitat von Jambalaya78
        Nichts von Banditen oder deren Lagern
        In meinem Spieldurchlauf sind mir genau ein einziges Mal Banditen über den Weg gelaufen und damals war ich noch so schwach, dass ich nur weglaufen konnte. Ich hatte keine ausgiebige Zeit das Feature auf Herz und Nieren zu Testen und deshalb habe ich mich dagegen entschieden es zu erwähnen. Mir ist bewusst, dass das eines der großen Neuerungen in der Release Version war und es sich von vielen gewünscht wurde. Jedoch kam es leider zu selten vor, um mir darüber ein Urteil zu bilden.

        Zitat von Jambalaya78
        Auch die Pop-up Erklärungen habt ihr nicht gelesen, sonst wäret ihr auf die Idee gekommen, die Fackel im Winter zu benutzen
        Ich bin mir sicher, dass es so eine Pop-up Erklärung gegeben hat. Jedoch ist Medieval Dynasty ein sehr komplexes Spiel mit vielen verschiedenen Mechaniken und es ist mir unmöglich jede davon direkt beim ersten Mal zu beherrschen und mir alles zu merken. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass im Herbst oder zu Beginn des Winters eine Einblendung nach dem Motto kommt: "Der Winter wird hart, bereite dich ordentlich vor!"

        Zitat von Jambalaya78
        Und ja Sperre oder Holzpfeile prallen frontal bei nem Wildschweinschädel oder bei nem Bison auch mal ab...
        Tatsächlich sind die Speere zweimal von der Flanke eines Rees abgeprallt, sonst hätte ich es nicht erwähnt.

        Zitat von Jambalaya78
        Wirklich schade, kann kaum glauben, dass ihr 18h in dem Spiel verbracht haben wollt.
        Ich kann deine Verärgerung gut verstehen und ich bin sicher, dass man in 18 Stunden viel mehr vom Spiel sehen kann. Allerdings habe ich das Spiel natürlich hinsichtlich eines Tests anders gespielt, als wenn ich es privat gespielt hätte. Ich habe versucht möglichst viele Spielaspekte kennenzulernen und das so effizient wie möglich. Da kam es nun mal oft zu großen Laufstrecken von A nach B, wenn ich die Karte erkundet habe oder mich um die Story Missionen gekümmert habe und das kostest Zeit. In meinem Durchlauf habe ich zu Beginn des dritten Frühlings aufgehört und konnte somit noch gar nicht das komplette Spiel gesehen haben. Es ist bei einem so komplexen Spiel ein ständiges Abwägen, was man in den Test aufnimmt und was nicht.

        Ich habe so gut wie möglich darauf geachtet fair mit dem Spiel umzugehen. Ich schließe mich auch der Meinung von starr an. Medieval Dynasty ist kein schlechtes Spiel. Es ist etwas besonderes und muss an ein paar Stellen einfach noch ein bisschen aufpoliert werden.

        Ich hoffe du kannst verstehen, weshalb ich den Fokus so gesetzt habe.

        Liebe Grüße,
        Marc
      • Von Jambalaya78 NPC
        Schade, dass ihr scheinbar irgendwann vor Release getestet habt. Nichts von Banditen oder deren Lagern.. Auch die Pop-up Erklärungen habt ihr nicht gelesen, sonst wäret ihr auf die Idee gekommen, die Fackel im Winter zu benutzen... Und ja Sperre oder Holzpfeile prallen frontal bei nem Wildschweinschädel oder bei nem Bison auch mal ab... Wirklich schade, kann kaum glauben, dass ihr 18h in dem Spiel verbracht haben wollt.
      • Von starr Mitglied
        ;) klingt getippt immer härter als es eigentlich gemeint war.

        Da das Spiel kein wirkliches Ende hat macht man sowieso mehrere Durchläufe und bei jedem "verfeinert" man natürlich seine Strategie. Ich hab mit Version 0.7 meinen ersten Versuch gestartet und bin auch direkt am dritten Tag von einem Wildschwein erlegt worden.
        Wenn man aber ein paar Stunden verbracht hat vergisst man schon ganz gern den Einstieg.
        Es hat halt keine "Story" (denke mal da kommt noch was), daher seh ich das eher wie z.B. Rimworld als Storygenerator.

        Ich finde den Test und auch dein Fazit absolut valide, meinen Kommentar hatte ich nur drunter gesetzt um kurz einzuwerfen dass es für die Startprobleme Lösungen gibt, falls sich jemand fürs Spiel interessiert muss er sich da nicht fürchten.
      • Von Marc Schmidt Autor
        Hallo!

        Erstmal vielen Dank für dein Feedback. Hat mich wirklich sehr gefreut.

        Zitat von starr
        Die Kritikpunkte sind nachvollziehbar, bis auf den Punkt dass das Spiel den Spieler nicht an die Hand nimmt. Die Mechaniken werden doch recht gut mittels Pop Ups erklärt, dazu gibt es noch die Ingame Hilfe... (dort wird im übrigen auch der Einfluss der Temperatur erklärt).
        Du hast vollkommen Recht, dass es regelmäßige Popups gibt, mir haben sie in den entscheidenden Momenten schlicht und ergreifend gefehlt. Zum Beispiel vor Beginn des Winters, um mich darauf hinzuweisen, dass ich mir doch besser warme Kleidung zulegen sollte, weil ich sonst diese Jahreszeit im Haus verbringen muss. Allerdings ist das Hilfemenü auch ein großer Pluspunkt, da es eben sehr ausführlich. Deshalb habe ich es ja sowohl als Pro, als auch als Kontra Punkt erwähnt.

        Zitat von starr
        Kleiner Nachtrag zu Thema jagen: In 18h hätte man durchaus auf die Idee kommen können sich das Quickmenü anzuschauen und ein paar Speere zu basteln. Damit dürfte wohl der Kritikpunkt "Fleischbeschaffung" wohl eher in die Kategorie "Hand- Stirn" fallen.
        Hier gebe ich dir vollkommen Recht, ich hatte mir tatsächlich recht schnell eine Jagdhütte besorgt und damit hatte sich die Sache erledigt. Deshalb habe ich ja auch geschrieben, dass es in den ersten Stunden fordernd ist. Die Idee mit den Speeren hatte ich tatsächlich auch, das hat bei Hasen auch noch funktioniert, wenn ich aber einen Hirsch beispielsweise abgeworfen habe, ist dieser in den Wald gerannt und ich bin einfach nicht mehr hinterhergekommen, weil ich viel zu schnell erschöpft war.

        Zitat von starr
        Dank aktiver Developer würde ich das Spiel zu dem Preis auf jeden Fall empfehlen.
        Auch bei diesem Punkt bin ich bei dir. Der Preis ist für das, was das Spiel bietet mehr als fair. Ich kann, wenn einem das Setting zusagt und man kein Problem mit den Kritikpunkten hat, das Spiel auch nur wärmstens empfehlen.

        Ich hoffe das erklärt ein bisschen besser, was ich mir bei den jeweiligen Kritikpunkten gedacht habe :)

        Liebe Grüße,
        Marc
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