Mass Effect: Andromeda - wenn der Akzent fehlt - Kolumne zur deutschen Vertonung

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Mass Effect: Andromeda
Quelle: PC Games

Wenn aus einem Charakter mit niedlichem schottischen Akzent in der deutschen Fassung ein normales hochdeutsches Mädchen wird, stellen sich Redakteur Matthias Dammes die Zehennägel auf. In seiner Kolumne zeigt er anhand von Mass Effect: Andromeda, wie sich der Verlust von Akzenten bei der deutschen Synchronisation auf die Charakterzeichnung auswirkt.

Wenn es um die Vertonung in Videospielen geht, ist die Spielerschaft regelmäßig gespalten. Die einen beharren darauf, Spiele in ihrer Muttersprache zu konsumieren und kritisieren regelmäßig, wenn ein Spiel keine deutsche Sprachausgabe besitzt oder gar nicht lokalisiert wurde. Die anderen schwören auf die Originalfassung und begründen dies unter anderem mit der künstlerischen Unverfälschtheit. Auch ich gehöre persönlich seit einigen Jahren der letzten Gruppe an und konsumiere inzwischen kaum noch ein Medium auf Deutsch. Es sind dabei nicht nur die oftmals eher schlampigen Übersetzungen, die mich stören. Gerade bei virtuellen Figuren ist auch die Stimme ein wichtiges Element, um den Charakter zu formen.

Daher legen Entwickler meist großen Wert auf das Casting der richtigen Schauspieler für ihre Charaktere. Eine Sorgfalt, die ich bei der Auswahl deutscher Sprecher häufig vermisse. Das hat zur Folge, dass dabei unweigerlich Teile der Persönlichkeit eines Charakters verloren gehen. Auch die Art, wie die Vertonung aufgenommen wird, macht heute einen großen Unterschied aus. Das Paradebeispiel dafür ist für mich immer noch The Last of Us. Die Originalfassung wurde von Schauspielern wie Troy Baker und Ashley Johnson tatsächlich auf einem Set gespielt. Das gleiche schauspielerische Niveau lässt sich in einem Tonstudio nicht nachbilden, egal wie gut die Synchronsprecher sind.

Mass Effect: Andromeda liefert nun erneut ein sehr schönes Beispiel, wie das ursprünglich erdachte Kunstwerk unter einer Neuvertonung auf Deutsch leidet. Ich spreche dabei nicht einmal so sehr von den teilweise sehr unpassende ausgewählten Sprechern. Die Kroganerin Kesh, die wie eine völlig normale Menschenfrau von nebenan klingt, oder die oftmals zu alt klingenden beiden Protagonisten sind definitiv Grund zur Kritik. Mir geht es aber vor allem um den Verlust von Persönlichkeit, der einige Figuren trifft, weil diese in der Originalfassung einen Charakter-definierenden Akzent besitzen und in der deutschen Version nicht.

Hochnäsiger Salarianer

Da wäre zum Beispiel der Salarianer Jarun Tann, Direktor der Andromeda Initiative auf der Nexus-Raumstation. In der englischen Fassung wird dieser vom pakistanisch-amerikanischen Schauspieler und Komiker Kumail Nanjiani gesprochen. So sorgt bereits die Herkunft des Sprechers unweigerlich für eine durch seinen Akzent erzeugte fremdartig wirkende Aussprache. Zusätzlich spielt Nanjiani Mass Effect Andromeda: Tann Quelle: PC Games Mass Effect: Andromeda - Das Problem mit den Akzenten. den sehr von sich selbst überzeugten Direktor mit einer gewissen Portion Selbstverliebtheit. Auch ein gewisses hochnäsiges Verhalten gegenüber anderen und vor allem dem Protagonisten lässt sich in seiner Stimme erkennen.

In der deutschen Fassung ist die Stimme von Marc Seidenberg in der Rolle des Jarun Tann zu hören. Dem deutschen Publikum ist seine Stimme vermutlich vor allem als Richie aus der Kult-Sitcom King of Queens bekannt. Für sich betrachtet keine schlechte Auswahl und Seidenberg macht seine Sache als Direktor Tann auch vergleichsweise gut. Hat man aber den direkten Vergleich, merkt man doch schnell, dass irgendetwas fehlt. In der deutschen Fassung wirkt der Salarianer nicht mehr hochnäsig und leicht fremdartig. Seidenbergs Stimme ist dafür einfach zu "normal" und brav.

Süße Wissenschaft

Das wesentlich deutlichere und eindringlichere Beispiel ist meiner Meinung jedoch Dr. Suvi Anwar, die Wissenschaftsoffizierin auf der Tempest. Gesprochen wird die gottesgläubige Wissenschaftlerin im Englischen von Katy Townsend. Die 29-jährige Schauspielerin stammt aus der schottischen Stadt Glasgow und das hört man ihr auch an. Der bezaubernde schottische Akzent hat Suvi im Handumdrehen zu einem meiner Lieblingscharaktere gemacht und das ist kein Zufall. Die Entwickler haben ihre Rolle gezielt mit einem starken Akzent besetzt, weil dieser ein wichtiger Teil der Charakterzeichnung von Suvi ist. Nicht nur der Spieler soll von ihrer Stimme eingefangen werden, auch die anderen Mitglieder der Tempest-Crew schwärmen gelegentlich in Gesprächen davon. Sara Ryder nutzt sogar bei einem zwar etwas plump wirkenden, aber doch niedlichen Flirtversuch mit Suvi ihren Akzent als Aufhänger.

Mal abgesehen von der Tatsache, dass eben genannter Flirtversuch im Deutschen schon daran scheitert, dass die deutsche Stimme von Sara Ryder kaum Emotionen in ihre Anmache steckt, wirkt der Spruch bezüglich Suvis Stimme völlig deplatziert. Denn in der deutschen Fassung hat die Wissenschaftlerin gar keinen besonderen Akzent. Gesprochen wir sie hierzulande von der 27-jährigen Leonie Dubuc, die in Hannover geboren wurde. So geht leider ein großer Teil des eigentlichen Designs der Figur völlig verloren. Wenn ich der deutschen Version von Suvi zuhöre, habe ich das Gefühl einem ganz anderen Charakter zu begegnen, der nichts wirklich Besonders an sich hat. Das ist wirklich sehr schade. Einen direkten Vergleich der beiden angesprochenen Fälle seht ihr in unserem Video:

Schlussgedanken

Natürlich ist mir auch bewusst, dass Akzente aus der englischen Sprache nur sehr schwierig in eine deutsche Übersetzung übernommen werden können. Das liegt vor allem auch daran, dass Akzente in der deutschen Sprache eine ganz andere Wirkung haben. Sprechen Figuren bayerisch oder sächsisch, wirkt das oftmals eher belustigend und dient selten einer Charakterzeichnung. Aber gerade wenn Figuren wie im Fall von Suvi gezielt so gestaltet wurden, dass eine gewisse Besonderheit in der Stimme einen Teil der Persönlichkeit ausmacht, würde ich mir von den deutschen Tonstudios mehr Mühe bei der Auswahl der richtigen Sprecher wünschen. Noch mehr würde ich es natürlich begrüßen, dass mehr und mehr Spieler sich trauen ein Spiel in der Originalfassung zu konsumieren. Dieser Artikel sollte auch dazu ein kleiner Beitrag sein, in dem er aufzeigt, wie Teile der ursprünglichen künstlerischen Vision durch Übersetzung und Synchronisation verloren gehen können.

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    • Kommentare (51)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Matthias Dammes Redakteur
        Ich hab es leider nicht überprüft, weil ich nicht das gesamte Spiel auf deutsch gespielt habe.
        Nur immer mal wieder ein paar Auszüge.
        Wollte eigentlich auch noch mal schauen, was sie in der deutschen Version aus Vladimir Breka gemacht haben.
        Im Original spricht er halt wie Checkov mit russischem Akzent.
      • Von Matthias Dammes Redakteur
        Ich hab es leider nicht überprüft, weil ich nicht das gesamte Spiel auf deutsch gespielt habe.
        Nur immer mal wieder ein paar Auszüge.
        Wollte eigentlich auch noch mal schauen, was sie in der deutschen Version aus Vladimir Breka gemacht haben.
        Im Original spricht er halt wie Checkov mit russischem Akzent.
      • Von MrFob Nerd
        Hab gestern noch ein bisschen weitergespielt und das mit den Akzenten ist ja noch viel massiver in ME:A integriert als nur mit z.B. Suvi.

        Leichte Spoiler Warnung:

        In ME:A gibt es die Angara, ein Volk, dass vor einer interstellaren Katastrophe in dem Raumsektor, in dem das Spiel spielt eine Raumfahrende Rasse war, die mehrere Planeten besiedelt haben. Durch die Katastrophe entstand fuer das Volk ein dunkles Zeitalter, sie verloren fuer ca. 100 Jahre ihre Raumfahrt-Moeglichkeiten und so bracj auch der Kontakt zwischen den einzelnen Kolonien ab, die sich jeweils kulturell in etwas andere Richtungen entwickelten. Inzwischen sind die verschiedenen Angara-Kolonien wieder vereint aber das coole ist, im englischen Originalton haben die Angara verschiedene Akzente, je nachdem von welcher Kolonie sie urspruenglich stammen. Ich koennte schwoeren, die von der Eiswelt Voeld haben einen australischen Akzent, waehrend die von der Welt Havarl eher einen exotischen Klang haben (vielleicht was afrikanisches, bin mir aber nicht sicher) und andere wiederum sprechen eher britsch.
        Das ist vielleicht nicht ganz logisch, da man ja anscheinend so eine Art Universaluebersetzer verwendet ist aber trotzdem eine schoene subtile Methode die Kultur der Aliens darzustellen finde ich.
        Gibt es dazu ein Aequivalent in der deutschen Version? Man kann naemlich auch hier eine Angara zu den Akzenten befragen und sie wird einem erklaeren was es damit auf sich hat. Frrage mich wie das im deutschen dann funktioniert.

        Fuer so etwas koennte man doch im deutschen zum Beispiel vielleicht auch eher auslaendische Akzente verwenden, als Dialekte. Solange man es damit nicht uebertreibt koennte das vielleicht sogar ganz gut funktionieren.
      • Von Batze Mitglied
        Zitat von Enisra
        ach naja
        der Batze eben, ist doch nichts neues
        Auch wenn es dir schwer fällt, nicht nur bei mir, aber deine Beleidigungen, auch gegenüber anderen, lass doch mal bitte weg.
        Kannst du auch anders?
        Du hast fast 30k an post, und das einzige was von dir kommt, seit Jahren, sind Beleidigungen und Angreifungen, da kann man alles von dir durchschauen, was anderes kannst du wohl nicht. Traurig.
      • Von belakor602 Mitglied
        Zitat von Spassbremse
        Meinung ungleich schlechte Manieren.
        Schlechte Manieren und rüpelhaftes Verhalten muss man nicht tolerieren, im Gegenteil.
        Pah, teilweise ist die deutsche oder vielleicht allgemein west-europäische Diskussionskultur dass man ja nicht die Gefühle des anderen oder seine Meinung angreifen darf schon ätzend. Ich finde Diskussionen hierzulande könnte man ruhiger aggressiver und angreifender führen, nicht dieses lächerlich drumherum um dem was man wirklich sagen will. Die Meinung und Gefühle sollten raus aus einem, ungefiltert. Nur sollte man dann Mann genug sein auch die ungefilterte Meinung des anderen über sich gehen zu lassen. Ich finde bis auf Schrei-duelle, körperliche Angriff und reinen Beleidigungen ist alles erlaubt, auch die Meinung anderer als Schwachsinn zu bezeichnen wenn man denkt, sie sei genau das.
      • Von MrFob Nerd
        Zitat von MichaelG
        Eigentlich müßten dem Synchronstudio doch die originalen Sprachaufzeichnungen/Dialoge vorliegen und nicht nur die reinen Texte. Demzufolge würde ich es bei (professionellen) Synchronstudios erwarten, daß diese selbst erkennen, worauf sie Wert legen müßten.
        Ich bon mir nicht sicher aber ich glaube mal in einem Special oder so gelesen zu haben, dass das ganz oft nicht der Fall ist, da die interantionalen Lokalisation zum Teil schon zeitgleich mit der Originalversion vertont werden. Kommt aber ja sicher auch auf den Zeitplan des Projekts an.
        Im Allgemeinen ist Vertonung von Videospielen wohl logistisch nicht ganz einfach, da es eben oft sehr viel und sehr durcheinander ist. Anscheinend hat da wohl gerade BioWare bei Mass Effect 2 einen grossen Dprung nach vorne gemacht, da sie ihre gesamte (englische) Vertonung auf ein Cloud basiertes System umgestellt haben und somit in gleicher Qualitaet und mit guter Kontrolle Aufnahmen in Kanada, LA und ich glaube auch UK machen konnten (da gab es damals ein feature dazu, ich glaube auf der Making Of DVD der Collector's Edition). Bei Mass Effect 1 muss das noch totales Chaos gewesen sein, mit ausgedruckten Skripten, die dann gefaxt wurden, etc..
        Da kann ich mir dann auch vorstellen, dass ein deutsches Studio nicht unbedingt die Originale schon hat, vor allem, wenn sie erst die Leute casten. Heute koennte das aber natuerlich etwas routinierter ablaufen als vor 10 Jahren.
      Direkt zum Diskussionsende
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