Marvel Heroes: Beute & Ersteindruck
Marvel Heroes - so heißt das neue Action-Rollenspiel von Diablo-Miterfinder David Brevik. Und der mixt Diablo-Spielkonzept mit Marvel-Helden mit Free2Play-MMO. Macht das Spaß und macht das alle Diablo-Fans glücklich, die Diablo 3 enttäuschte? Wir haben's ausprobiert.
Marvel Heroes: Beute & Ingame-Shop
Was die Entwickler von Gazillion dagegen vortrefflich können: die Item-Sammelleidenschaft befriedigen. Beute gibt's am laufenden Band. Die ist zwar oft nicht für den gerade gespielten Helden zu gebrauchen. Aber kein Problem - ein anderer lässt sich jederzeit auf Knopfdruck einwechseln und greift aufs gleiche Inventar zu. Die Ausrüstungsgegenstände in Marvel Heroes steigern Attribute, steigern Fähigkeiten oder schalten Skills ganz ohne Investition von Punkten frei. Ein bunter Mix, der uns beim Anspielen immer wieder grübeln ließ, welches Item denn nun wohl das bessere ist.
Quelle: Gazillion
Gangster, Gangster und noch mehr Gangster - die Gegnervielfalt der ersten Kapitel lässt zu wünschen übrig.
So mancher Fan von Action-Rollenspielen wird sich aber wohl an einem stören: Die Items haben keinen Einfluss auf das Aussehen der Helden. Das bestimmt nämlich das jeweils angelegte Kostüm. Auf den ersten Blick ist beim Treffen mit anderen Spielern also kaum ersichtlich, wer im Spiel bereits was erreicht hat. Neue Kostüme gibt's im Ingame-Shop - da lässt sich dann beispielsweise der Hulk in einen Anzug zwängen, oder man verpasst Thor sein Outfit aus den Avengers-Filmen. Fair: Die Outfits lassen sich mit etwas Glück auch im Spiel erbeuten. Das Gleiche gilt für die Freischaltung zusätzlicher Helden. Die Charaktere gibt's entweder im Ingame-Shop oder durch Drops. Die Shop-Kategorie "Boosts" ist in der Beta noch nicht befüllt - hier dürften sich aber die für Free2Play-Spiele fast schon obligatorischen XP-Beschleuniger und ähnliche Aufputschmittel finden.
Klar ist: Wer wirklich ganz dringend mit Cyclops spielen oder Storm total gern das Kostüm mit dem extra-knappen Höschen anziehen möchte, der wird sich kaum auf Beuteglück verlassen, sondern Geld ausgeben. Trotzdem macht das Free2Play-Modell von Marvel Heroes bisher einen fairen Eindruck.
Mit den Kostümen hängt übrigens auch ein sehr rudimentäres Crafting-System zusammen, das die Entwickler derzeit explizit als Prototypen bezeichnen. In der aktuellen Betafassung lassen die Gegner immer wieder Crafting-Ressourcen zurück. Jedem Kostüm jedes Helden ist eine bestimmte Ressource zugeordnet - Iron Man setzt zum Beispiel auf Adamantium, Deadpool schneidert dagegen mit Carbonadium. Die entsprechende Ressource ins Crafting-Fenster gezogen, Knopf gedrückt - und fertig. Was das nutzt? Für die Optik nichts, die Kostüme sehen aus wie gehabt. Allerdings verpasst das Crafting den Klamotten kleinere Attributs-Boni. Wir sind gespannt, was die Entwickler sich hier für die finale Fassung noch einfallen lassen.
Marvel Heroes: Ersteindruck
Dem Team von Gazillion ist es gelungen, Marvel-Comics und Action-Rollenspiel zu kombinieren. Die Superhelden-Fähigkeiten passen gut in den Diablo-Spielablauf, das Beutesystem hält bei Laune. Allerdings ist das in die Jahre gekommene Diablo 2 das eindeutige Vorbild für David Brevik und sein Team. Viele Levels sind erstaunlich groß dafür, dass sie spielerisch erstaunlich wenig bieten - wenn nicht gerade ein Sonderereignis startet. Wer Gefallen am durchinszenierten Diablo 3 gefunden hat, dem wird Marvel Heroes zumindest ohne Stammgruppe möglicherweise zu fad. Auch das altmodische Skill-System ist vermutlich nicht jedermanns Sache. Wer sich aber enttäuscht von Diablo 3 just dieses Spielgefühl zurückwünscht, der sollte Marvel Heroes im Auge behalten.
