Marvel Heroes: Spielwelt & Gegner
Marvel Heroes - so heißt das neue Action-Rollenspiel von Diablo-Miterfinder David Brevik. Und der mixt Diablo-Spielkonzept mit Marvel-Helden mit Free2Play-MMO. Macht das Spaß und macht das alle Diablo-Fans glücklich, die Diablo 3 enttäuschte? Wir haben's ausprobiert.
Marvel Heroes: Spielwelt & Missionen
Marvel Heroes ist Action-Rollenspiel und auch MMO. Das heißt nicht nur, dass Ihr wie in Diablo 3 gemeinsam mit Freunden Eure eigenen Abenteuer erlebt. Das heißt auch, dass Ihr regelmäßig in sogenannten "Public Combat Zones" unterwegs seid und dabei ständig auf andere Spieler trefft. Diese öffentlichen Gebiete bilden unserer Betaerfahrung nach den Löwenanteil der Spielwelt. Im ersten Akt zumindest gibt es pro Kapitel einen großen öffentlichen Abschnitt, mit dem einige für Bosskämpfe und Nebenaufgaben gedachte Instanzen verknüpft sind - dort seid Ihr dann nur mit Eurer Gruppe oder eben solo unterwegs. Zwischendurch inszenieren nett gemacht Motion Comics die Geschichte von Marvel Heroes, in der sich Helden und Schurken regelmäßig eins auf die Nase geben, weil Dr. Doom ganz schlimme Dinge mit einem ganz magischen Artefakt anstellen möchte, das man aus den Avengers-Filmen als Tesserakt kennt.
Quelle: Gazillion
Hulk in seinem Maestro-Kostüm
Die öffentlichen Gebiete sind sehr groß und führen die Helden an bekannte Marvel-Schauplätze wie Madripoor oder durch klassische Comic-Settings wie ein von Gangstern belagertes Hafengelände oder düstere Stadtviertel, in denen sich Oma Erna Abends sicher nicht mehr vor die Tür trauen würde. Neben den Hauptmissionen - die meist auf Kämpfe mit mehr oder weniger bekannten Marvel-Schurken hinauslaufen - stolpert man hier wie in Diablo 3 auch gelegentlich über spezielle Ereignisse. Wir mussten beispielsweise mehrere Angriffswellen der "Die Hand"-Ninjas überstehen, oder eine bestimmte Anzahl von Gegnern ausschalten. Sonderlich einfallsreich ist das freilich nicht, aber das sind die Events in Diablo 3 auch nicht. Immerhin entsteht so Abwechslung in den derzeit noch zu tristen Gebieten, in denen man ansonsten die immer gleichen Standard-Gegner zu Hunderten todklickt. Obendrein treten immer wieder besonders fiese Fieslinge auf den Plan, die für Helden-Gruppen ausgelegt und für Solospieler oftmals tatsächlich nur schwer zu besiegen sind. Eine nette Idee, um Spieler zusammenzuführen und für Stimmung in den öffentlichen Gebieten zu sorgen, die stark an die weitläufigen Außenwelt-Abschnitte aus Diablo 2 erinnern und weit weniger begrenzt wirken als die Oberwelt in Diablo 3.
Die Spielwelt sorgt aber nicht nur für Diablo- sondern auch für Comic-Flair. Bei den Helden-Schurken-Kabbeleien geht Inneneinrichtung zu Bruch, Autos explodieren - oder werden durch die Gegend geschleudert. Viele Objekte sind interaktiv und können auch von den Spielercharakteren als Waffen verwendet werden. Gestört wird die Atmosphäre zumindest derzeit noch, da Spielwelt und Charaktere viel zu glatt, wie auf Hochglanz poliert und mitunter fast schon steril wirken. Obendrein könnten viele Spielfiguren einige zusätzliche Animationsstufen gut gebrauchen. Mit der Detailverliebtheit von Diablo 3 kann Marvel Heroes im derzeitigen Betazustand jedenfalls nicht mithalten, liefert gerade für ein Free2Play-Spiel aber dennoch eine sehr ordentliche Vorstellung ab. Zumal das Effektgewitter aus zerfetzender oder explodierender Kulisse, Blitzgeschleuder und Schusswechseln gerade im Gruppenspiel genau die richtige Atmosphäre erzeugt.
Marvel Heroes: Gegner & Bosskämpfe
Quelle: Gazillion
Gorgon ist einer der Gruppen-Bosse in den öffentlichen Gebieten von Marvel Heroes.
Will man die aktuelle Betafassung von Marvel Heroes kritisieren, so findet man mit der Gegnervielfalt einen extrem wunden Punkt. Die ist in den ersten Kapiteln nämlich fast nicht existent. Es gibt Gangster mit Schlagwaffen, Gangster mit Gewehren, Gangster mit Molotov-Cocktails. Es gibt Mafia-Gangster im feinen Zwirn und Hinterhof-Gangster in ballonseidenen Trainingsklamotten. Es gibt Gangster mit Kampfanzügen und Gangster mit Schutzanzügen. Man kennt die Klischees. Spielerisch unterscheiden sich die Bösewichte durchaus, manche erfordern durch Spezialattacken geschicktes Ausweichen, andere sollte man wegen ihrer Schlagkraft immer wieder außer Gefecht setzen ... trotzdem wünscht man sich schnell mehr Abwechslung. Da ist es schon ein Lichtblick, wenn im dritten Kapitel Schlangenwesen und - ganz originell - Kampfroboter mitmischen. Kurz vor Beta-Ende im vierten Kapitel bessert sich die Situation durch neue Gegnertypen, über die dürfen wir an dieser Stelle jedoch nichts verraten.
Die in Action-RPGs allseits beliebten Gegnergruppen mit "Rares" gibt's übrigens freilich auch. Immer wieder haben wir stärkere Gegner gekitet... ähm getroffen, die dann - ganz Diablo - über spezielle Attribute verfügen und schneller, stärker, besonders Schadens-resistent sind oder den Helden anderweitig das Leben schwer machen. Dafür fällt die Beute dann natürlich auch üppiger aus.
Das tut sie natürlich auch bei den Bosskämpfen - und die stehen regelmäßig auf dem Programm. Bereits im Tutorial bekämpfen wir den Grünen Kobold, der Giftgas verteilt und mit seinem Gleiter regelmäßig zum Luftbombardement ansetzt. Neben solchen eher bewegungsintensiven Kämpfen, bei denen gut abgepasstes Ausweichen angesagt ist, gibt es auch hektische Gefechte wie das gegen Elektra, bei denen zahlreiche Adds die Schwierigkeit erhöhen.
Allein: Auch wenn die Ausgestaltung der Bosskämpfe in der Theorie gut funktioniert - in der Praxis spielt sich Marvel Heroes aktuell gerade in temporeichen Situationen nicht immer rund. Einige der Helden bewegen sich einfach zu träge, um wirklich präzises und zügiges Ausweichen zu ermöglichen. Bosse, die ständig von einem Fleck zum nächsten flitzen, werden besonders für Fernkämpfer mitunter zur Geduldsprobe, weil Schüsse ständig ins Leere gehen. Zudem gehen einige der Marvel-Strahlemänner die Sache nicht nur vergleichsweise gemütlich an, sondern reagieren auch mit zwar nur leichter aber spürbarer Zeitverzögerung auf Eingaben. Teilweise erklären sich diese Probleme vermutlich durch den Betastatus von Marvel Heroes, trotzdem müssen die Entwickler hier vor Release dringend nachbessern und das Spieltempo mancher Charaktere erhöhen. Wenn sich Hawkeye in einem Gefecht mal wieder spielt als hätte er seine besten Jahre schon lange hinter sich, verfliegt die Motivation.
