Mafia: The Old Country im Test - zwischen Messerduellen, Mafia-Ehre und emotionaler Story
Mafia: The Old Country bringt die Serie mit Fokus auf Story, Charaktere und Atmosphäre zurück zu ihren Wurzeln. Im Test hat Enzos Abenteuer überzeugt.
Freie Fahrt für freie Mafiosi
Dazu nutzt man am besten den Erkundungsmodus, vergleichbar mit dem "Freie Fahrt"-Modus aus den älteren Teilen. Dieser steht nach Abschluss des Prologs über das Hauptmenü zur Verfügung. Im Erkundungsmodus hat man alle Zeit und Ruhe der Welt, um sich ausgiebig in der schicken Umgebung umzuschauen.
Da kann man die schmucke Architektur der Städte, die malerischen Landschaften und die Menschen bei ihrem Treiben betrachten. Aber es gibt durchaus auch aktive Beschäftigung.
So gibt es mit Zeitungen, Fotogelegenheiten und Karten von Heiligen ein paar Sammelgegenstände zu finden. Außerdem sind die sogenannten Trinacria-Artefakte in der Spielwelt versteckt. Die zu sammeln lohnt sich besonders, da wir sie gegen Dinari umtauschen können, die sogenannte kriminelle Währung des Spiels. Die erbeuten wir auch von ausgeschalteten Gegnern. Ausgeben können wir Dinari für Autos, Pferde, Outfits und einiges mehr. Alles, was wir auf diese Weise im Erkundungsmodus freischalten, wird dann auch in den Storymodus übernommen.
Quelle: PC Games
Fans von Mafia 2 sollten diesen Marktplatz wiedererkennen.
Wir hätten uns allerdings gewünscht, dass es bei der freien Fahrt ein paar zusätzliche Features gibt, die das Erkunden erleichtern. Das Spiel verfügt nämlich über keine Minimap, keinen Kompass und auch keine manuelle Wegpunkt-Funktion auf der Weltkarte. Im Storymodus ist das völlig in Ordnung. Da zeigen uns Straßenschilder immer bequem den Weg zum nächsten Missionsziel. Aber bei der Suche nach Sammelgegenständen führt der Verzicht auf diese Elemente nur dazu, dass wir alle 30 Sekunden die Weltkarte öffnen müssen.
Auf des Messers Schneide
Aber kommen wir zurück zum Kernstück des Spiels. Als Handlanger in der Mafia werden wir natürlich auch in jede Menge Kämpfe verwickelt. Als neues und zentrales Element führen die Entwickler das Messer ein. Die sind tief in der sizilianischen Kultur verwurzelt und das Fechten mit Messern hat eine lange Tradition. So finden wir uns auch mit Enzo immer wieder in Messerduellen wieder, die im Spiel die Rolle von Bosskämpfen einnehmen.
Quelle: PC Games
In traditionellen sizilianischen Messerduellen stellt sich Enzo immer wieder ausgewählten Gegnern entgegen.
Unser Protagonist nutzt dabei nicht einfach ein x-beliebiges Messer. Stattdessen haben wir wie bei den Schusswaffen eine Auswahl an verschiedenen Modellen, die jeweils mit unterschiedlichen Eigenschaften versehen sind. Einige lassen sich werfen, andere sind besonders robust. So passen wir auch unser Messer an unseren bevorzugten Spielstil an.
Neben den Duellen kommt die Klinge vor allem beim Schleichen zum Einsatz. Wenn wir Gegner lautlos ausschalten, haben wir die Wahl, ob wir den Feind würgen oder mit dem Messer abstechen wollen. Letzteres ist hilfreich, wenn Eile geboten ist. Zusätzlich lassen sich mit der Klinge verschlossene Türen und Kisten aufknacken. Allerdings wird unser Messer mit jeder Nutzung stumpfer. Hat sich die Klinge abgenutzt, müssen wir sie zunächst mit einem Wetzstein wieder schärfen.
Quelle: PC Games
Um Gegner lautlos auszuschalten, können wir sie würgen oder schnell mit dem Messer abstechen.
Stealth-Mafia
Allgemein funktioniert das Schleichsystem in Mafia: The Old Country hervorragend. Auf Knopfdruck gehen wir hinter Objekten in Deckung und per Instinkt-Fähigkeit können wir die Positionen von Gegnern auskundschaften. Das funktioniert ähnlich wie die Lauschfähigkeit in The Last of Us. Haben wir einen Gegner lautlos ausgeschaltet, können wir seine Leiche plündern und sollten sie nach Möglichkeit verstecken.
Dem einen oder anderen wird es vielleicht nicht gefallen, dass Schleichen an mehreren Stellen im Spiel zwingend erforderlich ist. Uns hat es jedoch nicht gestört, weil das wunderbar zum Setting passt. Als Mafiosi will man halt nicht immer lautstark auf sich aufmerksam machen. Daher helfen wir einem Geschäftspartner lieber unbemerkt beim Gefängnisausbruch, statt die ganze Gendarmerie auf unsere Geschäfte aufmerksam zu machen. Die Schleichszenarien sind aber nie wirklich unfair und in der Regel gut durchschau- und lösbar.

Mafia 4 ist immer noch besser als Teil 3, aber um längen schlechter als Teil 1 und 2. Es ist mir schleierhaft wie man hier euphorisch von einer fantastischen Story sprechen kann. Die Story ist absolut vorhersehbar und gerade im letzten Drittel voller Lücken. Es scheint so, als würden durchaus relevante Teile der Geschichte einfach fehlen. Mal ganz davon abgesehen, dass ich das Ende sehr bescheiden finde. Aber das ist meine subjektive Meinung. Anstelle durch einen vernünftigen Abschluss versöhnlich entlassen zu werden lässt mich das Ende verärgert und mit einem schlechten Gefühl zurück.
Vom Gameplay mal ganz zu schweigen. Das läuft bis auf die sogenannten "Rennen", bei denen dank der Gummiband KI vollkommen egal ist wie gut oder schlecht man sich hier anstellt, immer gleich ab. 1. Schleichen, 2. dann wird man fast immer (nicht nachvollziehbar) entdeckt, 3. Schießerei, 4. Messerkampf. Und dann wieder von vorne. Mehr hat das Spiel nicht zu bieten.
Naja, stimmt nicht ganz. Es gibt auch noch die eine oder andere Verfolgunsjagd mit in diesen Passagen plötzlich unendlicher Munition und Aimbot.
Das mag für ein paar Stunden unterhaltsam sein, reicht für mich aber nicht für die 14 Stunden aus die ich für den Durchlauf gebraucht habe. Ich war ab ca. der Hälfte des Spiels wirklich genevt davon.
Wenigstens die Grafik macht einen guten Eindruck. Das Spiel sieht recht schick aus. Allerdings kommt es doch ab und an mal zu Beleuchtungsproblemen, flackernde Schatten, plötzlich vor einem verschwindende oder spawnende NPC bzw. Gegner etc. Unterm Strich fand ich die Technik jedoch ganz gut. Positiv muss ich den Ultrawide support bei 32:9 hervorheben. Das funktioniert sehr gut und das FOV passt sehr gut. Das ist selten so gut umgesetzt.
Alles in allem, lückenhafte vorhersehbare Story, nach ein paar Stunden nerviges, repetetives Gameplay, ein sehr bescheidenes Ende, schöne Grafik und solide Technik.
Ist das der Maßstab für 9/10?
Und die Schleichpassagen, die bisher vorkamen ergaben absolut Sinn.
Ist nun dieses Spiel, mit der wahnwitzig übertrieben hohen Wertung von 9/10 wirklich fast perfekt?
Toll, dass einige schreiben, dass es ihnen bisher Spaß macht. Spaß wollte ich niemandem absprechen. Viel Spaß euch auch weiterhin. Aber fast perfekt sind Spiele sehr selten. Sie müssten schon eine Hausnummer sein hinsichtlich Story oder Spielspaß verbunden mit klasse Leveldesign und oder tollen Spielmechaniken. Sicherlich wurde das Spiel hochwertig produziert, sieht man auch. Schleichpassagen können natürlich dazu gehören wenn sie absolut im Mafia-Setting Sinn machen (z.B. um einen Pferdekopf in einem Bett abzulegen oder irgendwelche sehr wichtigen Papiere aus einem Safe zu klauen oder ein Auto zu manipulieren) und nicht einfach nur deshalb einbauen, weil sonst auch gefühlt 4/5 Thirdperson-Shootern dieses Feature bedienen, ja selbst Star Wars.
Matthias Dammes bewertet Spiele oft viel zu gut. Wenn er dem Mafia 9/10 vergibt, was wird er dann Battlefield 6 oder gar GTA 6 vergeben? 12/10?
Ja, sehr gut. Und weswegen genau muss man in Old Country schleichen?
Ich verstehe dein Problem mit dem Schleichen bei Mafia nicht. Es ist das normalste der Welt, dass Verbrecher bei ihren Verbrechen unentdeckt bleiben wollen. Und ich habe jetzt Mafia: Old Country noch nicht gespielt, werde da auch wie immer auf den ersten Sale warten, Spiel ist dann (meistens) fertig und etwas günstiger. Aber in den anderen Mafia-Teilen ist schleichen optional, du kannst dich auch rambomäßig durchkämpfen, falls du das aufgrund von zigfachem Konsum von "Scarface" für realistisches Mafiagebaren hältst. Du bekommst mehr Handlungsoptionen => mehr spielerische Freiheit (wobei, klar, Handlung ist linear, ist doch gut, dass man beim Vorgehen immerhin für Abwechslung sorgen kann). Ich wüsste da nicht, was es da zu meckern gibt.
Für mich hatte Mafia seinerzeit und dann das Remake eine 9 von 10 auf jeden Fall verdient gehabt. Wenn Old World da anknüpft, dann könnte die Wertung klar gehen. Wie gesagt, ich habe es selbst noch nicht gespielt. Aber wenn die Wertung zu hoch sein sollte, würde mich das auch nicht wundern. Das war ganz prominent bei Starfield oder Civilization oder Dragon's Dogma 2 hier auf PC Games auch krass daneben, so dass ich manchmal den Eindruck habe, dass man sich hier nicht traut, große Marken wie Bethesda schlecht zu bewerten.
Ist nun dieses Spiel, mit der wahnwitzig übertrieben hohen Wertung von 9/10 wirklich fast perfekt?
Toll, dass einige schreiben, dass es ihnen bisher Spaß macht. Spaß wollte ich niemandem absprechen. Viel Spaß euch auch weiterhin. Aber fast perfekt sind Spiele sehr selten. Sie müssten schon eine Hausnummer sein hinsichtlich Story oder Spielspaß verbunden mit klasse Leveldesign und oder tollen Spielmechaniken. Sicherlich wurde das Spiel hochwertig produziert, sieht man auch. Schleichpassagen können natürlich dazu gehören wenn sie absolut im Mafia-Setting Sinn machen (z.B. um einen Pferdekopf in einem Bett abzulegen oder irgendwelche sehr wichtigen Papiere aus einem Safe zu klauen oder ein Auto zu manipulieren) und nicht einfach nur deshalb einbauen, weil sonst auch gefühlt 4/5 Thirdperson-Shootern dieses Feature bedienen, ja selbst Star Wars.
Matthias Dammes bewertet Spiele oft viel zu gut. Wenn er dem Mafia 9/10 vergibt, was wird er dann Battlefield 6 oder gar GTA 6 vergeben? 12/10?
Nicht zu vergessen das manipulieren des Rennwagens, des Favoriten! Da musste man sich auch auf die Rennbahn schleichen...