Assassin's Creed: Der zweite Teil unseres Set-Reportes zum Assassinen-Film
Ob Produzenten-Legenden oder Schauspieler von Oscar-Kaliber - kaum eine Game-Verfilmung wird mit einem derartigen Aufwand produziert wie "Assassin's Creed". Denn die oberste Devise heißt: Authentizität.
Anmerkung: Vor einiger Zeit haben wir ein paar Eindrücke zu dieser langersehnten Spielverfilmung erhaschen können und sie in einem ersten ausführlichen Bericht zusammengefasst, den ihr hier nachlesen könnt.
Auf dem Trip in die Vergangenheit
Wo ist Michael Fassbender? Wir befinden uns in Fort Manoel auf Malta, einem dem prachtvollen Festungsbau aus dem 18. Jahrhundert, wo eine der großen Actionszenen aus "Assassin's Creed" gedreht wird. Zwischen den sandsteinfarbenen Mauern ist ein Hinrichtungsplatz der Spanischen Inquisition aufgebaut. Von den Sitzbänken ringsum warten pittoresk ausstaffierte Statisten darauf, dass die vom Superstar gespielte Hauptfigur verbrannt wird - Aguilar aus dem Orden der Assassinen. Wie die Produktion schon vorab mitteilte, kommen dessen Kampfgefährten in letzter Sekunde zur Rettung.
Doch der Delinquent ist nirgen
Quelle: Fox
Michael Fassbender reist als Assassine durch die Zeit.
ds zu entdecken - nur ein Mann mit verschmiertem dunklen Haar und grauem Kapuzenkostüm. Er sieht dem Schauspieler verblüffend ähnlich, und ist es doch nicht.
Denn Fassbender lässt erstmal sein Stuntdouble antreten. Und keiner kann es ihm verdenken. Denn von einem strahlend blauen Septemberhimmel brennt eine gnadenlose Mittagssonne. Alle Darsteller in ihren historischen Kostümen schwitzen mitleiderregend. Dass der Hinrichtungspfahl immer wieder in Flammen aufgeht, trägt auch nicht gerade zur Kühlung bei. "Keine Sorge, Michael kommt noch für die Nahaufnahmen", meint Produzent Frank Marshall ("Indiana Jones"-Serie, "Jurassic World"). "Er war gestern den ganzen Tag im Einsatz und wir brauchen ihn in frischem Zustand."
Im Lauf des Nachmittags findet sich dann Fassbender auch wirklich ein, schwingt sein Schwert in perfekter Kampfchoreographie gegen die Henkersknechte und stellt sich dann in einem kühlen Seitengebäude zum Gespräch - ein Anblick von Schweiß und Schmutz. Und dieses Schicksal ist selbstgewählt. Denn Fassbender, gefeiert für Charakterrollen wie in "12 Years a Slave" und als junger Magneto in den "X-Men-Filmen", war es, der 2011 die filmische Version des Bestseller-Games anstieß. Bei einem Besuch bei "Assassin's Creed"-Entwickler Ubisoft ließ er sich von dem Konzept überzeugen und begann mit seiner Produktionsfirma DMC ein Drehbuch zu entwickeln. Das dauerte allerdings drei Jahre, denn die Herausforderung war komplex: Einerseits sollten die Zuschauer, die mit dem Spiel nicht vertraut waren, an die Mythologie herangeführt werden, andererseits wollte man dem Geist und den Regeln dieses Universums treu bleiben. "Wir wollten etwas, das dem Game ähnlich ist und auch wiederum nicht," so Frank Marshall.
Quelle: Fox
Eigentlich soll Callum sterben, doch eine Geheimorganisation rettet ihn...
Die Autoren Bill Collage, Adam Cooper und Michael Lesslie entwickelten in enger Abstimmung mit Fassbender eine komplett neue Figur: den gesellschaftlichen Außenseiter Callum Lynch (ebenfalls Fassbender), der durch eine mysteriöse Organisation entdeckt, dass in seiner DNA die gesamten Erinnerungen seines Vorfahren abgespeichert sind - des bewussten Aguilar, der Ende des 15. Jahrhunderts mit den Assassinen gegen den Orden der Templer kämpft.
Während erstere für den freien Willen eintreten, verkörpert letzterer eine Ordnung, in der eine Eliteklasse die Welt kontrolliert.
Filmen wie früher
In drei so genannten 'Regression'-Teilen, die ein gutes Drittel des Films ausmachen sollen, reist Callum aus der Gegenwart in die abenteuerliche Vergangenheit zurück, die er aber nicht zu verändern vermag. Die Geheimorganisation Abstergo, hinter der sich die moderne Version der Templer verbirgt, versucht über seine Erinnerungen ein Objekt ausfindig zu machen, das im alten Spanien verloren ging und ihr noch größere Macht verleihen würde.
Doch so fantasievoll dieses Szenario auch ist, das Mantra für die Filmversion war 'Realismus'. Oder 'Old School', so wie es Regisseur Justin Kurzel mehrfach wiederholt.
Das heißt: "Wir nicht auf einem Parkplatz vor lauter Greenscreens drehen und das Meiste im Computer ergänzen, sondern so viel von dem Geschehen wie möglich in echt mit der Kamera einfangen", so der Kurzel. Deshalb filmte man in der brütenden Hitze von Malta, das für die historischen spanischen Städte doubelte, und deshalb wurde mit dem Briten Damien Walters einer der besten Parcours-Sportler der Welt als Stuntdoppelgänger für Fassbender angeheuert. Aus dem gleichen Grund zog die Produktion gegen Ende 2015 ins spanische Almeria, um in der Wüste eine aufwändige Verfolgungssequenz mit Kutschen und Pferden zu drehen - ungeachtet heftiger Winde, die allen Beteiligten permanent Staub und Sand ins Gesicht bliesen.
Quelle: Fox
Hitze, Feuer - und trotzdem geben die Schauspieler alles
Auch bei den aufwändigen Innenaufnahmen, die in den Londoner Pinewood-Studios entstanden, war Echtheit die oberste Maxime. Bei einem weiteren Set-Termin war das düstere, auf zwei Ebenen errichtete Geheimgefängnis von Abstergo zu besichtigen - mitsamt einem von der Decke hängenden, mehrere Meter langen mechanischen Arm, der Fassbender auf seine Regressions-Trips befördert.
Altes Team, neuer Film
Hier war auch eine andere Attraktion des Films anzutreffen: Oscarpreisträgerin Marion Cotillard, die als Tochter des Abstergo-Chefs die Reise in die Erinnerung steuert.
"Ich wollte nach 'Macbeth' unbedingt wieder mit Michael und Justin arbeiten," so die Französin, die in Filmen wie "The Dark Knight Rises" schon Blockbuster-Erfahrung sammeln konnte. Doch hätte sie auch ohne die beiden mitgemacht? "Vielleicht. Ich mochte auf jeden Fall das Drehbuch," fügt sie hinzu, "auch wenn ich mit Games nicht viel anfangen konnte."
Quelle: Fox
Marion Cottilard (links) arbeitete bereits mit Fassbender und Regisseur Kurzel zusammen
Auch ihr Regisseur hatte vorher keine "Assassin's Creed"-Erfahrung. "Ich hatte zudem Angst, ein Projekt von diesen Dimensionen anzunehmen", so Kurzel, dessen aufwändigster Film bislang "Macbeth" gewesen war. Bei dem hatte er neben Cotillard auch Michael Fassbender kennengelernt, der ihn als Kandidat für "Assassin's Creed" ins Spiel brachte. "Normalerweise wähle ich immer genau die Sachen, die mir Angst machen," fügt er mit einen Lachen hinzu. "Einen Film mit diesen gewaltigen Ressourcen zu drehen, ist, als würdest du dich ans Steuer eines Formel 1 Autos setzen." Zu diesen Ressourcen gehörten auch 3.000 funktionsfähige Waffen, die eigens für den Film angefertigt wurden - ebenso wie die handgemachten Kostüme.
Die Produzenten hatten ihrerseits keine Bedenken, dem relativ unerfahrenen Regisseur ein Budget von angeblich $ 200 Millionen anzuvertrauen. "Das Gleiche hatten wir bei Justin Trevorrow und 'Jurassic World', so Frank Marshall. "So lange du diese Leute mit einem erfahrenen Team umgibst, dann kannst du aufregende Filme machen."
Ob dieses Wagnis ähnlich erfolgreich aufgeht wie im Fall von 'Jurassic World', wird sich zeigen. Marshall erwähnt, dass man schon Ideen für die nächsten "zwei, drei Filme" hätte. Zumal das Game in verschiedenste historische Epochen eintaucht. Aber dabei ist sich der Produzent im Klaren: "Wir dürfen jetzt nicht zu weit in die Zukunft schauen. Erst mal müssen wir diesen Film richtig hinkriegen."
