Infernal
Mit einer eleganten Drehung feuert Lennox aus der Deckung heraus.
Das geht nur durch geschickten Einsatz der Teleportkraft. Die hat es richtig in sich: Im Verlauf des Spiels porten Sie sich an bis zu drei Stellen nacheinander. Da Sie immer wieder auf gepanzerte Schergen treffen, die von vorn nahezu unverwundbar sind, wird diese Kraft zum unverzichtbaren Werkzeug im Kampf gegen den Himmel. So hüpfen Sie einer Gegnerübermacht einfach in den Rücken, nur um kurz darauf von einer anderen Stelle das Feuer zu eröffnen. Drehen sich die verdutzten Wachen in Ihre Richtung, sind Sie längst zu Ihrem Ausgangspunkt zurückgehüpft und erledigen die letzten Schergen. Ein wirklich höllischer Spaß!
Wohin bitte?
Zwischen den Ballereien erledigen Sie viele Aufgaben der Marke "Such die Schlüsselkarte für Tür X". An vielen Türen kommen Sie auch nur mit dem Einsatz Ihrer Fähigkeiten weiter, etwa wenn ein Bereich durch Laserschranken gesichert ist. Es ist jedoch meist schwer nachvollziehbar, welchen Schalter man wo drücken muss, um eine bestimmte Tür zu öffnen. Da Sie dabei oftmals in bereits besuchte Abschnitte zurückrennen, ist die Verwirrung schnell komplett. Mehrfach verbrachten wir zähflüssige Minuten damit, den richtigen Weg oder den korrekten Schalter zu finden.
Diese Knobeleien motivieren am Anfang, kosten später aber zunehmend Nerven. Ein kleiner Hinweis des omnipräsenten Teufels, der mit Ihnen über Funk verbunden ist, wäre sicherlich hilfreich gewesen.
Immerhin hilft Ihnen "Black" bei manchen Bosskämpfen mit kleinen Tipps. Meist müssen Sie aber auch hier selbst auf die Lösung des Oberschurkenproblems kommen. Immer wieder stellen sich Ihnen diese mächtigen Vertreter des vermeintlich Guten in den Weg.
Nicht jeder von ihnen lässt sich einfach so von Ihnen über den Jordan befördern. Wer ein wenig rumprobiert (und öfters neu lädt) kommt aber meist schnell auf die passende Strategie, die dem Fiesling zeigt, dass das (vermeintlich) Böse am Ende doch immer triumphiert.
Kinoreif
Dieser höllische Argumentationsverstärker vervielfacht die Wirkung Ihrer Schusswaffen. Die Kraft kostet allerdings einen Batzen Mana.
Die mächtigen Bosse lernen Sie in toll inszenierten Zwischensequenzen kennen. Die kleinen Filme sind in Spielegrafik gehalten und erzählen die Geschichte um Lennox und das Geheimnis, das die Agentur des Himmels umgibt. Hier spielt der Held auch seinen Charme aus: Zu praktisch jeder Situation hat er einen zynischen Spruch parat. So antwortet er dem Teufel auf die Frage, ob es denn schön sei, ein Sterblicher zu sein: "Oh, ich kann Fäustlinge tragen. Fäustlinge sind super!" Zu Beginn noch vielversprechend, flacht die Story im Spielverlauf aber zunehmend ab - dabei hätten die Entwickler eine wahrhaft epische Geschichte um Gut und Böse stricken können. Entsprechende Ansätze dafür waren auf jeden Fall vorhanden.
Grafisch ganz vorn
Infernal lebt von seinen tollen Bildern. In den fünf Kapiteln durchstreifen Sie ein Dorf in den Alpen, kämpfen sich durch Fabrikanlagen, durchforsten Kanalsysteme und bekämpfen futuristische Mönche in einem entlegenen Bergkloster. Jeder dieser Orte ist bis ins kleinste Detail gestaltet und in wunderschönes Licht getaucht. Die Grafik-Engine beeindruckt dabei mit sehenswerten Effekten.
Lichter brechen sich in schmutzverkrusteten Fenstern, schneebedeckte Häuser glitzern in der Sonne und Discolichter tauchen die Protagonisten in ein grellbuntes Gewand. Noch spektakulärer wirkt die Szenerie im Kampfgetümmel. Mauern brechen unter Getöse zusammen, Staub wirbelt durch die Luft und Geschosse verzerren das Blickfeld. Die Kräfte von Ryan Lennox sind nicht minder imposant.
Höllenfeuer schießt mit brachialer Gewalt auf die Gegner und schleudert die Getroffenen wirklichkeitsnah durch die Luft. Geländer brechen unter solchem Beschuss in sich zusammen. Beim Teleport verzerrt sich die Sicht und Gegner bewegen sich zäh wie Ahornsirup. Infernal unterstützt außerdem die Ageia Physikkarte, mit der noch ausgefeiltere Schwerkraftspielereien möglich sind. Stoff genug also, um es bis zum Ende krachen zu lassen.
Mit über sieben Stunden Spielzeit hat Infernal die richtige Länge, um weder zu kurz noch künstlich gestreckt zu wirken. Vorsichtige Naturen dürften zudem noch länger benötigen, bis sie, Achtung Spoiler, dem Teufel persönlich ins Antlitz starren. Das neuartige Szenario und der coole Antiheld Ryan Lennox sorgen für angenehm frischen Wind im Genre, auch wenn die Story etwas flach endet. Action-Jünger, die das ungewöhnliche Szenario nicht stört, sollten sich diesen rasanten Höllentrip auf keinen Fall entgehen lassen. Amen.

FAZIT: Meiner Meinung nach ein Action-Adventure, das Sam Fisher Konkurrenz macht!
P.S.: Lauft auf einem Core2Duo E6600 mit 2GB Ram und einer 7900GT locker und flockig in 1280x1024 und höchsten Grafikeinstellungen. Sauber programmiert Jungs!
Ein Satz stört mich allerdings:
SSA
Würden solche Shooter nur 30€ oder so kosten, wäre es okay, aber für 7 Stunden 40-45 Euro zu verlangen, das ist definitiv zu viel.
Ein Satz stört mich allerdings:
SSA
cheers