Industrie Gigant 4.0: Enttäuschendes Comeback der Kult-Wirtschaftssimulation
Die Kult-Wirtschaftssimulation Industrie Gigant ist mit einem vierten Teil zurückgekehrt. Was für Redakteur Viktor Eippert eigentlich ein Grund zur Freude sein sollte, entpuppte sich aber als Enttäuschung.
Bei Fans von Wirtschaftssimulationen zählt der Industrie Gigant bis heute zum absoluten Kult. Vor allem der zweite Teil begeistert mit seinem Transport-Mikromanagement auch heute noch Hobby-Firmenleiter. Auch ich habe in meiner Jugend stundenlang im ersten Industrie Gigant an idealen Produktionsstandorten und effizienten Transportrouten getüftelt. Es hat mir richtig viel Spaß gemacht, zu sehen, wie die von mir belieferten kleinen Örtchen mit der Zeit zu großen Städten herangewachsen sind. Und ich wusste: Das hab' ich auf die Beine gestellt!
Da war ich natürlich sehr gespannt darauf, wie die Reihe jetzt mit Industrie Gigant 4.0 zurückkehrt - und ob mich die gleiche Faszination wie damals packen wird. Leider musste ich schon nach ein paar Stunden ernüchtert feststellen: Ne, dieselbe Spielfreude wie damals kommt nicht auf. Oder zumindest nicht im aktuellen Stand des Spiels zum Early-Access-Start. Denn hier haben die Entwickler noch einiges zu tun bis zum richtigen Release.
In diesem Artikel
Begrenzter Umfang
Der erste Dämpfer kam direkt im Hauptmenü. Aktuell gibt es weder eine Kampagne noch Szenarien. Stattdessen habe ich die Wahl aus einer kleinen Menge an Karten, die sich in ihrer Größe unterscheiden und teilweise Besonderheiten in der Umgebung bieten. Zu Beginn spiele ich erstmal brav das Tutorial, schließlich möchte ich wissen, wie alles funktioniert und welche Neuerungen Teil 4 zu bieten hat.
Schon hier fallen mir zwei Dinge auf, die sich allgemein durch meine Spielerfahrung durchziehen: Industrie Gigant 4.0 leidet zum einen an einer umständlichen Spielbedienung - intuitiv ist hier kaum etwas. Sogar als erfahrener Strategiespieler und trotz Tutorial muss ich mich erstmal in die Spielmechanik reinfummeln. Da die Menge an Spielelementen aber noch sehr überschaubar ist, geht das noch klar.
Störender sind da zum anderen die Bugs und Ungereimtheiten, die das Spiel aktuell noch plagen. Ich konnte das Tutorial zum Beispiel gar nicht erst abschließen, weil eine der Aufgaben, die ich erfolgreich erledigt hatte, einfach nicht vom Spiel anerkannt wurde.
Am Anfang war die Fabrik
Na schön, wenn ich das Tutorial also nicht abschließen darf, stürze ich mich stattdessen halt ins Freie Spiel. Andere Optionen gibt's ja wie gesagt noch gar nicht. Und hier kommt auch durchaus Spielspaß auf, zumindest eine Zeit lang.
Die ersten Schritte sind mir dabei aus den Vorgängern oder anderen Spielen dieser Art bestens vertraut. Erstmal prüfe ich die Städte auf der Karte: Was für Waren brauchen die Leute dort eigentlich und wo sind gute Gebiete, um die ersten Produktionen hinzustellen? Mit dem Startkapital klicke ich also Bauernhöfe, Holzfäller, Sägewerke, Textilfabriken und andere Betriebe auf die Karte. Dann wird eingestellt, was hergestellt werden soll und ob die Leistung höher oder geringer ausfallen soll. Denn wenn man es übertreibt, laufen die Lager voll, was dann zu unnötigen Kosten führt.
Weniger Mikromanagement im Transport
Sind die Produktionen erstmal angelaufen, kümmere ich mich um die Transport-Routen. Schließlich muss der ganze Kram noch zu den Kunden. Geliefert werden die Waren entweder mit LKWs oder Zügen - wobei ich anders als früher nicht selbst entscheiden kann, was von beidem ich bevorzuge. Ob etwas auf der Straße oder Schiene geliefert wird, hängt in Industrie Gigant 4.0 vom jeweiligen Gebäude ab.
Quelle: PC Games
Gut für Neueinsteiger, gewöhnungsbedürftig für Kenner ist außerdem die Handhabung der Transportrouten. Anstatt wie früher jedes kleine Detail selbst einzurichten, reicht es jetzt, alle relevanten Standorte für eine Route festzulegen. Danach weise ich noch das richtige Fahrzeugdepot zu und die LKWs oder Züge werden automatisch losgeschickt. Wer möchte, kann zwar auch einzelne Fahrzeuge bestimmten Routen fest zuweisen, nötig ist das aber nicht.
Das verringert insgesamt das nötige Mikromanagement, sorgt aber auch dafür, dass immer wieder Leerfahrten unternommen werden. Denn die Fahrzeuge warten nicht am Zielort, bis sie Waren einladen können. Wenn nix da ist, tingeln die Fahrer auch ohne Fracht stur zum nächsten Ort weiter. Auf meine Kosten, versteht sich.
