Indiana Jones and the Fate of Atlantis: Das Kult-Adventure war Indy in Bestform

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Special Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Das Amiga-Cover von Indiana Jones and the Fate of Atlantis
Quelle: Mobygames

Für viele Fans ist es immer noch das wahre "Indy 4": Eine frische Story, kluge Puzzles und drei Lösungswege machen den Klassiker von Lucas Arts unsterblich.

Ein bitterer Moment für eingefleischte Indy-Fans: 2008 bringen Steven Spielberg und George Lucas unseren liebsten Peitschenschwinger noch einmal auf die große Kinoleinwand zurück. Doch Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels bleibt weit hinter den Erwartungen zurück, billige CGI-Effekte und ein holpriges Finale samt fliegender Untertasse verpassen der Kultmarke einen heftigen Dämpfer.

Echte Lucas-Arts-Kenner haben aber zumindest einen kleinen Trost - denn für sie gibt es "Indy 4" schließlich schon seit 1992! In dem Jahr erscheint nämlich das erstklassige Indiana Jones and the Fate of Atlantis, in dem sich der berühmte Archäologe und Abenteuer durch ein eigenständiges Point-and-Click-Abenteuer knobelt. Und das klappt so gut, dass Fate of Atlantis bis heute nur eines von zwei Videospielen ist, die wirklich jeder Indy-Fan gespielt haben sollte. Höchste Zeit für einen Rückblick, Doktor Jones!

Hinweis: Dieser Artikel ist schon vor einigen Jahren erschienen. Wir haben den Text stark überarbeitet, neue Infos hinzugefügt und das Layout aktualisiert. Damit bekommt ihr unser Retro-Special in seiner bislang besten Form.

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Lucas Arts in Bestform: So entsteht Indy 4

Anfang der 90er Jahre herrscht rege Aufbruchsstimmung bei Lucas Arts. Das Studio, 1982 von George Lucas als Lucasfilm Games gegründet, hat sich zuletzt mit Spielen wie Maniac Mansion und The Secret of Monkey Island einen Ruf als neuer Adventure-Spezialist erworben. Sogar den Hauptkonkurrenten Sierra lässt man mit Riesenschritten hinter sich!

Zu den jüngsten Erfolgen des Studios zählt auch Indiana Jones and the Last Crusade: The Graphic Adventure von 1989, das auf dem zeitgleich veröffentlichten Kino-Hit basiert. Kein Wunder also, dass sich die Fans sofort einen Nachfolger wünschen. Da der Großteil des Teams zu dieser Zeit aber noch an Spielen wie Monkey Island arbeitet, wird kurzerhand Hal Barwood auf den Posten des Projektleiters gesetzt - ein Freund von George Lucas, der sich bislang eher als Drehbuchautor hervorgetan hat.

Im letzten Drittel erforscht Dr. Henry Jones Jr. das sagenumwobene Atlantis. Hier bedient er eine Maschine, die Lava zur Herstellung von Orichalcum gewinnt. Quelle: PC Games Im letzten Drittel erforscht Dr. Henry Jones Jr. das sagenumwobene Atlantis. Hier bedient er eine Maschine, die Lava zur Herstellung von Orichalcum gewinnt. Zunächst soll Barwood ein Adventure auf Basis von Indiana Jones and the Monkey King umsetzen. So heißt das Skript für einen dritten, nie umgesetzten Indiana Jones-Film, das aus der Feder von Regisseur Chris Columbus stammt, basierend auf einer Idee von George Lucas. Das Drehbuch wird jedoch von Spielberg & Co. verworfen - und so gerät es in die Hände von Barwood, der ebenfalls wenig Gefallen daran findet.

Stattdessen schlägt er vor, eine völlig neue Story für sein nächstes Spiel zu schreiben. Und so verbringt er viel Zeit damit, sich gemeinsam mit seinem Co-Autor Noah Falstein durch jede Menge pseudowissenschaftlicher Literatur zu wühlen. Dabei stoßen sie schließlich auf den Mythos um die sagenhafte Stadt Atlantis, die auf den griechischen Philosophen Platon zurückgeht. Barwood hat sein Thema gefunden - es ist die Geburtsstunde von Fate of Atlantis!

Drei Wege führen nach Atlantis

Im Gegensatz zum Vorgängerspiel The Last Crusade muss die Handlung von Fate of Atlantis keiner Filmvorlage folgen. Dadurch können sich die Autoren und Designer kräftig austoben. Gleichzeitig versucht man eine Geschichte zu erzählen, die der Marke gerecht wird und sich vertraut genug anfühlt, um die Fans abzuholen. Indys neues Abenteur spielt deshalb im Jahr 1939 kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.

Die Nazis sind bereits auf der Suche nach der legendären Stadt Atlantis, da sie dort mächtige Technologien und große Mengen des mystischen Orichalcums vermuten. Dieses hochpotente Mineral soll angeblich die hoch entwickelten Maschinen in Atlantis betrieben haben - und nun lässt es die Nazis von Waffen ungeahnter Zerstörungskraft träumen. Um das zu verhindern, sucht Indy widerwillig seine ehemalige Studentin Sophia Hapgood auf, die sich auf atlantische Mythologie versteht und die ihm den Weg zu der sagenhaften Unterwasser-Stadt weisen soll.

Indy und Sophia können sich eigentlich nicht ausstehen, müssen aber trotzdem zusammenarbeiten, um Atlantis zu erreichen. Quelle: Steam Indy und Sophia können sich eigentlich nicht ausstehen, müssen aber trotzdem zusammenarbeiten, um Atlantis zu erreichen. Obwohl Geschichte, Puzzles und Charaktere bereits ein gutes Spiel ergeben würden, wollen Barwood und sein Team noch einen Schritt weitergehen. Fate of Atlantis soll nicht nur ein tolles Adventure werden, es soll auch etwas bieten, was vielen anderen Abenteuern fehlt: Wiederspielwert! Dazu überlegt man sich mehrere Lösungswege. Während Anfang und Ende des Spiels klar vorgegeben sind, lässt sich der Mittelteil auf drei unterschiedliche Arten spielen. Relativ früh muss Indy darum entscheiden, ob er lieber alleine aufbrechen oder sich stattdessen mit der temperamentvollen Sophia zusammentun will, um gemeinsam mit ihr die kniffligen Puzzles zu lösen.

Als dritte Möglichkeit steht außerdem der "Action-Weg" zur Verfügung, in dem es Indy mit deutlich mehr Gegnern zu tun bekommt, die er dann entweder im simplen Faustkampf oder aber mit Köpfchen bezwingen muss. Jeder der drei Wege folgt zwar dem gleichen Muster, beinhaltet aber unterschiedliche Situationen und Aufgaben, zum Teil gibt's sogar völlig neue Schauplätze und Charaktere. Wer wirklich alles erleben will, kommt um drei Spieldurchgänge also nicht herum!

Faustkämpfe werden mit simplen Mausklicks erledigt und lassen sich - je nach Lösungsweg - fast vollständig vermeiden. Quelle: PC Games Faustkämpfe werden mit simplen Mausklicks erledigt und lassen sich - je nach Lösungsweg - fast vollständig vermeiden. Und das lohnt sich, denn Fate of Atlantis ist vollgepackt mit schönen Ideen, knackigen Puzzles und guten (oder zumindest gut gemeinten) Minispielen. Je nach Entscheidung muss Indy beispielsweise mit dem Heißluftballon über die Wüste Algeriens fliegen oder sie auf dem Rücken eines Kamels durchqueren, außerdem gilt es Gruften zu erforschen, Ausgrabungsstätten zu erkunden und ganze U-Boote zu steuern, bis man schließlich das tief im Ozean verborgene Atlantis unsicher macht.

Trotz einiger simpler Action-Einlagen bleibt Fate of Atlantis dabei stets ein traditionelles Point-and-Click-Adventure, das auf einer verbesserten Version von Ron Gilberts Scumm-Engine basiert. Im Gegensatz zu The Last Crusade kommen hier nur noch neun Aktionsverben zum Einsatz, außerdem gibt's ein hübscheres Inventar mit Icons anstelle von Texteinträgen - das sorgt für deutlich mehr Spielkomfort als in Indys letztem Abenteuer.

Auch optisch präsentiert sich Fate of Atlantis viel ansehnlicher, die Grafik erstrahlt nun in satten 256 Farben und die Hintergründe sind wesentlich detailreicher gezeichnet als im Vorgängerspiel. Für die Animationen kommt sogar ein Rotoskopie-Verfahren zum Einsatz, bei dem die Grafiken über Videoaufnahmen gepixelt werden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Fate of Atlantis ist auch heutiger Sicht natürlich kein Hingucker mehr, doch 1992 zählt es eindeutig zu den schönsten Adventures seiner Zeit.

Viel Lob und Sprachausgabe

Schon kurz nach Release wird klar, dass Lucas Arts ein weiterer Hit gelungen ist: Kritiker wie Fans zeigen sich von der frischen Geschichte, den gelungenen Rätseln, den drei Lösungswegen und der dichten Atmosphäre begeistert - auch im Test von PC Games (nachzulesen in der Erstausgabe 10/1992!) räumt das Spiel eine pralle Wertung von 92 Prozent ab.

Indy infiltriert ein U-Boot der Nazis. Per Bordsprechanlage scheucht er die Besatzung von einem Ende zum anderen. Quelle: GOG Indy infiltriert ein U-Boot der Nazis. Per Bordsprechanlage scheucht er die Besatzung von einem Ende zum anderen. Zunächst wird Fate of Atlantis noch auf Disketten ausgeliefert, die damals noch ausreichen, um die bescheidenen Datenmengen unterzubringen. Wenig später lässt LucasArts aber eine weitere Version des Spiels anfertigen, die vollständig mit englischer Sprachausgabe unterlegt ist. Und weil diese "Talkie"-Fassung deutlich mehr Speicherplatz benötigt, wird sie ähnlich wie Day of the Tentacle nur noch auf CD-ROM ausgeliefert. Einziger Wermutstropfen: Da Harrison Ford zu der Zeit nicht zur Verfügung steht (ob nun aus Zeitgründen oder weil er schlichtweg keinen Bock hat), übernimmt der Sprecher Doug Lee die Rolle des legendären Peitschenschwingers.

Dem Erfolg tut's keinen Abbruch, Fate of Atlantis gilt bis heute als eines der besten Adventures seiner Ära. Logisch, dass Lucas Arts so schnell wie möglich einen Nachfolger will! Doch das Projekt steht unter keinem guten Stern. Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, warum wir nie ein Fate of Atlantis 2 bekommen haben... und dafür jede Menge andere Spiele.

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  2. Seite 2 Indiana Jones and the Fate of Atlantis: Trivia, Fun Facts und Indys Erben
    • Kommentare (30)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von db8fs NPC
        Zitat von FalloutEffect
        eines der besten Spiele meiner Jugend. Ich habe es damals über die "Bestseller Games" gekauft, nachdem ich es überall gesucht habe und Indy 4 fesselt mich bis heute.
        Dito, bei mir genauso. Hatte damals gerade den 486DX2/66 neu bekommen, noch keine Ahnung von DOS und das war mein erstes Spiel dafür aus der Bestseller Games. Sowohl die Story ist klasse geschrieben, wie auch die Locations sehr gut gewählt waren (Island, Azoren, Mexiko, Algerien, Santorin - top!).

        Die Puzzles machen auch durchweg total Sinn (keine Hamster in die Mikrowelle oder MonkeyWrenches für Wasserfälle) und es ist bis zum Schluss total spannend erzählt. Gerade Atlantis fand ich damals super gemacht, fantasiereich und interessant zu entdecken. Die Minigames waren auch super.

        Schade, dass aus dem Fan-Projekt von Amberfish-Arts nix geworden ist, was das fortsetzen wollte.

        Für mich definitiv das beste LucasArts-Adventure, knapp vor Monkey 1, Sam'n Max, DOTT, Vollgas und TheDig.
      • Von db8fs NPC
        Zitat von FalloutEffect
        eines der besten Spiele meiner Jugend. Ich habe es damals über die "Bestseller Games" gekauft, nachdem ich es überall gesucht habe und Indy 4 fesselt mich bis heute.
        Dito, bei mir genauso. Hatte damals gerade den 486DX2/66 neu bekommen, noch keine Ahnung von DOS und das war mein erstes Spiel dafür aus der Bestseller Games. Sowohl die Story ist klasse geschrieben, wie auch die Locations sehr gut gewählt waren (Island, Azoren, Mexiko, Algerien, Santorin - top!).

        Die Puzzles machen auch durchweg total Sinn (keine Hamster in die Mikrowelle oder MonkeyWrenches für Wasserfälle) und es ist bis zum Schluss total spannend erzählt. Gerade Atlantis fand ich damals super gemacht, fantasiereich und interessant zu entdecken. Die Minigames waren auch super.

        Schade, dass aus dem Fan-Projekt von Amberfish-Arts nix geworden ist, was das fortsetzen wollte.

        Für mich definitiv das beste LucasArts-Adventure, knapp vor Monkey 1, Sam'n Max, DOTT, Vollgas und TheDig.
      • Von OdesaLeeJames Mitglied
        Zitat von DerFox
        Mein Amiga 500 hat das Spiel gehasst!
        Später am PC fand ich es ganz gut aber in Atlantis festgespielt und nie beendet.
        Ha, da geht es mir gleich. 10 mal angefangen und immer in Atlantis hängengeblieben.
        Darum bitte ein Remake, will (MUSS) es endlich beenden.

        Übrigens mit Lands of Lore hab ich das gleiche Problem.
        Das schwirrt auch seit über 20 Jahren in meinem Kopf herum.
      • Von Svenc Gelegenheitsspieler/in
        Wenn der Große Kreis neulich weniger Todd-Howard-Einflüsterungen und mehr Fate Of Atlantis gehabt hätte, dann wäre aus einem guten ein herausragendes Lizenzspiel geworden. Fairerweise: Die legendären Gralstagebuch-Skills von Indy mögen Machine Games produced by Howard so mittel abgebildet haben. Die Action war aber besser als im Maustasten-Point&Clicker von 1992.

        Trotzdem: Ein Howard ist bei diesem Thema ein Howard zu viel.

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
      • Von PCGH_Thilo Head of Content
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen] hat den Artikel überarbeitet und ausgehfertig gemacht.
      • Von DerFox Spiele-Novize/Novizin
        Mein Amiga 500 hat das Spiel gehasst!
        Später am PC fand ich es ganz gut aber in Atlantis festgespielt und nie beendet.
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