Grafikkarten: Kolumne Teil 3 - glücklich oder nicht?
In unserem Special geht es zum einen um die aktuellen Grafikkarten-Preise, auch um euch eine Kaufberatung zu bieten. Zum anderen ist auch eine Kolumne eingebaut, die sich rund um den Verkauf einer Nvidia GeForce RTX 2060 Super dreht, die unser Autor vor wenigen Tagen für mehr Geld als erwartet an einen neuen Besitzer weitergab.
Kolumne Teil 3: Verkauft und (un)glücklich
Als ich nach Auktionsende die Nachricht erhielt, dass meine GeForce RTX 2060 Super knapp über 600 Euro erhalten hatte, war ich baff. Mit um die 500 Euro hatte ich für eine gebrauchte Grafikkarte dieser Art ja wegen der hohen Neupreise und auch einem Blick auf Auktionsergebnisse der Vorwochen gerechnet - aber mehr als 600 Euro? Es hatte sich mehr als gelohnt - obwohl ich die Grafikkarte etwas mehr als zwei Jahre genutzt hatte, habe ich am Ende sogar 240 Euro mehr bekommen, als ich bezahlt hatte - ein Plus von gut 65 Prozent, und dabei ist der Code für Code von Call of Duty, das ich mir wahrscheinlich sowieso gekauft hätte, noch nicht eingerechnet. Jetzt wird manch einer sicher auf die Verkaufskosten bei Auktionsdiensten hinweisen, die meine Einnahme verringern. Doch durch eine Verkäuferaktion habe ich fast die kompletten Gebühren und Provisionen in Form von Gutscheinen ausgezahlt bekommen, so dass ich effektiv fast 100 Prozent des Verkaufspreises auch wirklich zur Verfügung habe. Als ich dann aber sah, dass der Käufer in Bulgarien angemeldet ist, kamen Zweifel auf.
In diesem Artikel
Würde die Auktion trotz meines klar im Text formulierten und auch im Auktionstool eingestellten Ausschlusses von Käufern, die aus dem Ausland kaufen, Bestand haben? Muss ich die Karte neu einstellen, da ich den Versand verweigern muss und vermutlich die Nächst-Bietenden kein Interesse mehr haben? Oder kann ich die Sache mit der Käufer irgendwie regeln?
Quelle: Antonio Funes
Das kann sicher nicht jeder von sich behaupten: Meine Ex war über zwei Jahre stets für Spiele bereit und hat mir nach der Trennung sogar noch ein monetäres Plus eingebracht.
Bei all dem hatte ich eine simple Idee nicht auf dem Schirm: Der Käufer kann zum einen ja aktuell in Deutschland leben und sich zum anderen die Grafikkarte natürlich auch an einen in Deutschland wohnenden Bekannten oder ein hier ansässiges Unternehmen schicken lassen, um das Paket neu adressiert nach Bulgarien weiterzuleiten. Letzteres war am Ende offenbar der Fall, denn das Paket sollte ich an einen (seriöse) deutschen Paket-Logistiker senden, der es dann vermutlich an den Käufer weiterleitet. Es blieb aber trotzdem ein ungutes Gefühl. Bin ich nun quasi selbst zu einer Art Scalper geworden, da ich von hohen Verkaufspreisen profitiere? Ich komme zu dem klaren Schluss, dass dies nicht der Fall ist. Denn Scalper kaufen gezielt Produkte (oftmals unmittelbar im Zuge einer Neuveröffentlichung), bei denen es klar oder zumindest wahrscheinlich ist, dass sie sehr knapp und gleichzeitig stark nachgefragt werden, Und dies tun sie massenhaft sowie einzig aus dem Grund, um sie deutlich teurer als zu ihrem Einkaufspreis zu verkaufen - es geht also nicht um einzelne Leute, die mal per Zufall an eine Playstation 5 kommen und diese dann teurer weiterverkaufen, sondern um ein größer angelegtes Geschäftsprinzip, das nichts mit einem normalen Händlerverhalten zu tun hat. Einige wenige Scalper nutzen gute Beziehungen zu Händler, aber die meisten Scalper verwenden auch Tools und Bots, um ohne selbst einen Handschlag zu tun automatisch nach begehrten Produkten wie Grafikkarten, Spielekonsolen oder auch Sondereditionen von Sneakern Ausschau zu halten. Die Tools kaufen dann für sie automatisiert die Ware. Da viele Scalper die Ware zurückhalten, um auf noch höhere Preise zu warten, wird das Angebot noch weiter künstlich verringert, so dass die Preise steigen. Ich hingegen hatte eine Grafikkarte, die ich nicht mehr benutze und irgendwann sowieso verkaufen wollte. Mit Scalping hat das nichts zu tun, und natürlich wäre ich auch mehr als dumm gewesen, wenn ich die Grafikkarte für einen niedrigen Festpreis angeboten hätte.
Es bleibt aber die Frage, ob ich nun vielleicht einen Miner bedient habe und somit ein Teil der Preisschraube auf dem Markt geworden bin. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Grafikkarte in einer Miningfarm landet, ist meines Erachtens recht hoch. Denn die in Games etwas stärkere AMD Radeon RX 6600 bekommt man für weniger als 550 Euro, die mehr als 20 Prozent schnellere RX 6600 XT ab 630 Euro - natürlich fabrikneu. 600 Euro für eine gebrauchte RTX 2060 Super zu bezahlen, kann also mit hoher Wahrscheinlichkeit nur für einen Miner rational begründet sein, oder aber für Scalper, die mit noch höheren Preisen rechnen und sicher sind, deutlich mehr als 600 Euro beim Weiterverkauf zu bekommen. Trotzdem habe ich nach ein wenig Herumgrübelei ein gutes Gewissen. Denn wer auch immer und aus welchem Grund auch immer meine Grafikkarte gekauft hat: Jede Grafikkarte, die zusätzlich auf dem Markt ist, nimmt ein wenig Druck aus dem Kessel der Angebot-Nachfrage-Diskrepanz des Grafikkarten-Marktes und sorgt mit dafür, dass das Preisniveau nicht noch höher ist. An sich sollte ich mit dieser Überlegung sogar an jeden appellieren, gebrauchte und nicht mehr zwingend benötigte Grafikkarten nun zu verkaufen - und sich gleichzeitig über vergleichsweise viel Geld zu freuen. Auf der nächsten Seite habe ich noch einen erneuten Blick auf die aktuelle Preis-Situation bei Gaming-Grafikkarten geworfen. Aktuell, kurz vor Weihnachten, dreht sich die Preisspirale nämlich leider abermals weiter.

Bei den aktuellen Preisen und mit dann schlechteren Erträgen der LHR-Karten bin ich ansonsten komplett bei dir. Ein Neueinstieg lohnt aktuell nicht, in D erst recht nicht.
Der besagte Bekannte von mir macht mit 2 RTX 3070 wohl so um die 100-120 Euro nach Stromkosten im Monat. Finde ich jetzt nicht so schlecht, ist aber natürlich auch keine chinesische Bitcoinfarm mit der er Millionär wird.
Wenn man sowieso für Gaming eine Grafikkarte kaufen wollte oder sehr günstig an so eine Karte kam, ist das okay - aber zu kaufen, DAMIT man damit Gewinn macht, ist in D meiner Meinung nach bei DEM Risiko nicht clever, außer man kann damit leben, dass nach 1-2 Jahren am Ende dann doch kein Plus rauskommt.
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Gibt auch haufenweise Youtuber, die das gestestet haben, kannst du dir ja mal anschauen.
Am Ende soll's mir aber egal sein, ich will hier keine Lanze fürs Mining brechen, mache es selber wie gesagt auch nicht, finde das Thema aber spannend und würde nach allem was gelesen und gehört habe halt sagen, dass die Aussage: "Lohnt in Deutschland eh nicht" so nicht ganz richtig ist. Es lohnt sich mit den richtigen BTC-Preisen und der richtigen Hardware schon, wäre aber in Bulgarien und co. natürlich nochmal profitabler.
Über einen Online-Rechner hab ich mal eine RTX 2070 mit Stromkosten von 30 Cent und einem Strombedarf des gesamten PCs von 250W berechnen lassen: Da kommst du mit um die 60 Euro MINUS raus, selbst wenn du die Hardware schon hast und daher keinerlei Kaufkosten mit einrechnest.
Der besagte Bekannte von mir macht mit 2 RTX 3070 wohl so um die 100-120 Euro nach Stromkosten im Monat. Finde ich jetzt nicht so schlecht, ist aber natürlich auch keine chinesische Bitcoinfarm mit der er Millionär wird.
Kannst du aber alles überall vergleichen, hier mal eine Übersicht (die RTX 2070 ist demnach auch ziemlich schlecht zum minen geeignet).
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Gibt auch haufenweise Youtuber, die das gestestet haben, kannst du dir ja mal anschauen.
Am Ende soll's mir aber egal sein, ich will hier keine Lanze fürs Mining brechen, mache es selber wie gesagt auch nicht, finde das Thema aber spannend und würde nach allem was gelesen und gehört habe halt sagen, dass die Aussage: "Lohnt in Deutschland eh nicht" so nicht ganz richtig ist. Es lohnt sich mit den richtigen BTC-Preisen und der richtigen Hardware schon, wäre aber in Bulgarien und co. natürlich nochmal profitabler.
Ich verstehe nicht, warum das ein völlig anderes Thema ist. Am Ende benutzen die Konsolen doch sehr ähnliche Hardware.
Zudem werden Konsolen wie gesagt extrem stark subventioniert (500€ für die Hardware einer PS5 oder Series X sind an sich VIEL zu wenig, wenn Sony und Microsoft darauf aus wären, an der Hardware etwas zu verdienen), so dass die Produktion und die vorab reservierten Bauteile-Mengen inklusive deren Preisen vorher sehr sehr genau geplant werden, weil man eben nicht wie bei einem PC-Hersteller auch noch kurzfristig auf andere, besser verfügbare Bauteile ausweichen kann, wenn die Nachfrage sich erhöht. Ebenso kann und will man nicht, wie bei einem PC, die Preise wegen der Bauteil-Preisschwankungen mal senken, mal erhöhen. Ein PC-Hersteller kann hingegen planen: Wir verkaufen in Q3/21 100.000 Office-PCs, und falls was teurer wird und es keine Alternative gibt, zb alle 1TB-SSDs werden um 20€ teurer, verlangen wir halt 600 statt 550 Euro.
Bei Konsolen geht das nicht, und es kam völlig unerwartet Corona hinzu, also eine extrem hohe Nachfrage, die Sony und Microsoft selbst im Best-Case-Szanario nicht vorhersagen konnten, und kurzfristig, also innerhalb von wenigen Monaten, mehr Kapazitäten für die spezialisierten Bauteile sichern ging nicht, da die ganze Welt plötzlich mehr Elektronikprodukte verlangt und "jeder" nach mehr Kapazitäten suchte.
Bei den Konsolen ist in der Summe am Ende nicht klar, ob es einfach "nur" am Chipmangel liegt oder an zu wenig Produktionskapazitäten, aber wichtig ist halt vor allem, dass ein Engpass bei so was wie dem SoC, der den Grafikchip beinhaltet, dann am Ende der Produktionsmenge ein Limit setzt. Es kann sein, dass Sony und Microsoft 10x so viele Konsolengehäuse und Mainboards und Lüfter und SSDs lagern könnten - aber die SoCs können einfach nicht schnell genug in den gleichen Mengen produziert werden.
Hinzu kommt, dass Konsolen, obgleich sie im Fokus der Öffentlichkeit stehen, sehr spezialisierte Produkte sind. So was wie einzeln erhältliche CPUs, Mainboards, SSDs usw. wird aber in viel viel größeren Massen produziert als Konsolen. Die PS4 wurde gut 100 Millionen mal weltweit verkauft, seit es sie gibt. Allein bei Notebooks sind es JEDES Jahr über 200 Millionen. Das heißt es werden um ein vielfaches mehr CPUs, Mainboards, SSDs usw. hergestellt als SoCs für Konsolen, und da es für PC-Hardware daher so viel mehr Produktionsstätten gibt, kann man Schwankungen leichter kompensieren.
Das Problem sind eben Dinge, die aus unserer Gamer-Sicht dem Anschein nach "jeder" hat, die in Wahrheit aber an sich nur ein Nischenprodukt sind, so dass da bei Engpässen direkt ein großes Problem entsteht: Grafikkarten, Grafikchips und Gaming-SoCs. Im Vergleich zu DER Hardware, die man für einen normalen Office-PC oder -Laptop braucht, ist die spezielle Gamer-Hardware ein winzig kleiner Markt von der Produktionsmenge her.
1) Der Händler will nicht dumm sein und weniger verlangen, als zahlreiche Kunde ohne Murren auch bezahlen wollen, denn egal ob 750 oder 500 Euro: Die Dinger sind quasi sofort weg.
2) Wenn der Händler den Normalpreis verlangt, lockt er Scalper noch mehr an und spielt ihnen in die Hände.
Bei der Xbox sieht es genau so aus, allerdings scheint es die Series X nun wieder recht gut zum Normalpreis zu geben.
Über einen Online-Rechner hab ich mal eine RTX 2070 mit Stromkosten von 30 Cent und einem Strombedarf des gesamten PCs von 250W berechnen lassen: Da kommst du mit um die 60 Euro MINUS raus, selbst wenn du die Hardware schon hast und daher keinerlei Kaufkosten mit einrechnest.
Wenn man eh eine vielleicht besser geeignete Karte hat, kann man es machen - aber sehr viel verdient man damit dann trotzdem nicht. Richtige Profi-Miner gibt es in D aber meines Wissens in der Tat, wie du ja sagst, wegen der Strompreise nicht. Und was man nie vergessen darf: Mal angenommen, dass man pro Tag dann doch 1-2€ Gewinn macht: Wenn die Kurse sinken, sind das am Ende schnell dann doch 1-2€ Verlust.
Wenn die Konsolen subventioniert sind, müsste ich die PS5 doch überall günstig bekommen können, denn Sony zahlt drauf, damit ich mit einer möglichst günstigen Konsole möglichst viele Spiele kaufe. Ich bekomme die PS5 aber nur 50 -100% über OVP. Offensichtlich fehlt Sony die Hardware und sie bekommen die PS5 daher nicht in der gewünschten Stückzahl in den Markt.
Wenn du eine oder mehrere gute Mining-Karte(n) günstig gekauft hast, z.B. RTX-3060 TI, RTX-3070 oder RTX 3080, geht das soweit ich weiß sehr gut (zumindest die alten "non LHR"-Karten, die neuen müssen soweit ich weiß erstmal gepimpt werden).
Da macht dann 10 Cent mehr oder weniger beim Strom auch nix aus, es lohnt sich trotzdem. Aber klar, ich rede hier nicht von Profi-BTC-Farmen. Wenn es professionell gemacht wird, ist es wohl tatsächlich eher in Bulgarien und co.