Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 2: Nichts als Probleme!

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Special Sebastian Göttling - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 2: Nichts als Probleme!
Quelle: youtube

Autor Sebastian Göttling erzählt von nostalgischen Erinnerungen an seinen ersten Spiele-PC. In Teil 2 spricht er vom Frust des jugendlichen Selberbastelns.

Wahrscheinlich am 24. Oktober 1994 kam es dann zum Super-GAU und nichts ging mehr. Wie und was genau sich dort "verabschiedete", das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, denn meine akribischen Aufzeichnungen fertigte ich seinerzeit komplett am PC an und sie reißen nach dem 23. Oktober schlagartig ab. Ich erinnere mich nur noch daran, dass der Patient tatsächlich an seinen Hersteller Syncron geschickt werden und ich einen unfassbar langen Monat ohne Rechner auskommen musste. Die Aufzeichnungen setzen dann an jenem Tag wieder ein, an dem mein Vater und ich zum Paketdienst-Depot nach Iserlohn brausten. Trotz der quälenden Minuten am Bahnübergang schafften wir es gerade noch rechtzeitig, auf den schummrigen Hinterhof zu fahren und in einer fast schon konspirativen Aktion endlich den PC wieder in Empfang zu nehmen. Happy End?

Nein, denn obwohl mein Computer einen Monat bei seinem Hersteller verbracht hatte, wurde keines der Probleme gelöst. "Und wieder läuft nichts", lautet mein lapidarer Satz am nächsten Tag. Doch schon einen weiteren Tag später, am 24. November, ließ sich Syncron immerhin dazu bewegen, die Firma Conex zum 24-Stunden-Vor-Ort-Service zu beauftragen: "Der war sehr nett [...] und versuchte vergebens, mein Windows-Problem zu lösen, wollte sich aber noch einmal melden." Die Zeit des sich Arrangierens ging also immer weiter.

Auch wenn wir langsam aber sicher nach Strohhalmen griffen - kurz darauf kamen wir auf die Idee, dass alle PC-Probleme möglicherweise auf mangelnden Arbeitsspeicher zurückzuführen wären. So ließ sich mein Vater dazu hinreißen, mir einen weiteren 4-MB-RAM-Baustein zu spendieren, der am Nikolaustag geliefert wurde:

"Als ich [...] versuchte, sie einzubauen, scheiterte dies an meiner Fingerfertigkeit. Also half mir meine Mutter dabei [...]. Leider funktionierten sie auch nach einer Konfiguration im BIOS nicht. [...] [abends] versuchte ich mit meinem Vater, im PC die Lage hinzubiegen - ohne großen Erfolg."

Einen Tag später: "[Ich rief] bei Syncron wegen der nicht funktionierenden RAM-Bausteine an. Nach einem kurzen Tipp und dessen Ausprobieren sorgte ein weiterer Anruf dafür, dass die Bausteine ausgewechselt werden." Besagtes Austausch-RAM kam auch schon drei Tage später an, funktionierte aber ebenfalls nicht.

Nun hatten sich aber innerhalb dieses knappen Jahres, in dem ich einen PC besaß, die Anforderungen moderner Computerspiele schlagartig weiterentwickelt - und das, obwohl ich nie ein Gamer war, der die absolut technikfressenden Monster spielen wollte.

Doch selbst mein über alles geliebtes Genre der Grafikadventures wollte auf einmal mehr Rechenpower, mehr Arbeitsspeicher und zum Abspielen aufwendiger Zwischensequenzen etwas Schnelleres als mein bisheriges Singlespeed-CD-ROM-Laufwerk. Was Ende 1993 noch ein wahrhaft starker Multimedia-PC war, gehörte eine Saison später schon langsam zum alten Eisen - und dann zu allem Überfluss noch ein altes Eisen, das partout nicht richtig funktionieren wollte.

Heutzutage, wo Plug & Play seit bereits etwa einem Vierteljahrhundert bei Neuanschaffungen vorausgesetzt wird, erscheint sie einem ganz schön archaisch, diese Zeit des Frickelns, der Enttäuschungen, der Kompatibilitätsprobleme und des Wett-PC-Rüstens. Dennoch wollten mein Vater und ich nicht die Flinte ins Korn werfen, sondern stattdessen Nägel mit Köpfen machen.

Der Geist in der Maschine sollte ein für alle Mal ausgetrieben und der Rechner im gleichen Atemzug zukunftssicher gemacht werden. Als ich Mitte Januar 1995 mit meiner Schulklasse auf Skifreizeit fuhr, nutzten wir die Gelegenheit meiner längeren Abwesenheit, um den Rechner ein letztes Mal mit klaren Anweisungen an seinen Hersteller zurückzuschicken. Fortsetzung folgt. Diesmal mit Happy End, versprochen.

Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Co-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Jaegernase NPC
        Danke Dir fürs Lesen!

        Die diversen Probleme, die ich in diesem Mittelteil meiner Serie hier beschreibe, haben mich auch ziemlich geheilt. Meine Auszeit lag nur zeitlich anders als bei Dir. Ende der 90er gab ich das PC-Gaming dran (ständig funzt was nicht!), interessierte mich mehr für Filme und Serien - und als ich wieder Lust aufs Spielen bekam, wollte ich mich partout nicht mehr mit Kompatibilitätsproblemen rumschlagen: Seit 2002 bin ich Casual-Konsolero.

        -Sebastian
      • Von Jaegernase NPC
        Danke Dir fürs Lesen!

        Die diversen Probleme, die ich in diesem Mittelteil meiner Serie hier beschreibe, haben mich auch ziemlich geheilt. Meine Auszeit lag nur zeitlich anders als bei Dir. Ende der 90er gab ich das PC-Gaming dran (ständig funzt was nicht!), interessierte mich mehr für Filme und Serien - und als ich wieder Lust aufs Spielen bekam, wollte ich mich partout nicht mehr mit Kompatibilitätsproblemen rumschlagen: Seit 2002 bin ich Casual-Konsolero.

        -Sebastian
      • Von softkey Gelegenheitsspieler/in
        Genau aus diesen Gründen wie im Bericht geschrieben liebte ich die Konsolen. Anmachen und zocken, und zwischen 1993 und 2003 hatte ich keinen Computer oder sonstiges interresse daran, da ich sowieso nur spielen wollte und wenig Zeit hatte. Das änderte sich erst 2003 als das mp3 Format aufkam, als Musikfan war ich absolut begeistert davon meine komplette Musiksammlung (über 400 CD´s) auf einer Festplatte zu ziehen, da machte ich dann erste Erfahrungen mit dem PC. Ziemlich angefixt und für mich üblich steigerte ich mich damals komplett rein. 2005 stellte ich dann meinen eigenen PC zusammen, Komponenten gekauft und alles selber zusammengebaut (P4 3ghz, 1GB RAM (Dual), MB MSI P4P800-P NEO (i875)). Mit dem Teil habe ich natürlich auch gezockt (heute noch liebe ich die Grafikdemos zb. von Farbrausch, Haujobb, Fairlight oder Razor 1911) das war eine tolle Erfahrung. Aber irgendwann verlor ich das interresse (war auch oft nervig und zeitinensiv) daran und bin seit 2007 begeisterter Laptop/Notebook Nutzer, das reicht mir und zum zocken ging es dann mit der XB360 weiter .

        TIPP: hier mal ein link zur demoscene (liebe vorallem die 64kb demos, wahnsinn was die da rausholen)

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        zb. die Farbrausch Demo fr-025: the.popular.demo (8,4MB) war 2003 der Hammer. Eben gerade noch runtergeladen und angeschaut, Song immer noch genial aber der WOW Effekt ist jetzt 20 Jahre später natürlich ein anderer :D.
      • Von aga74 Stille/r Leser/in
        Und erneut "Danke" für den schönen Bericht! Bin auf Teil 3 gespannt.

        Ammo '93 krebste ich noch mit meinem 386'er Quelle-Fertig-PC und irrsinnigen 2 MByte Ram rum. Das reichte gerade so um Ultima 7 / Ultima Underworld in einer beeindruckenden Ruckelorgie spielen zu können (schwer begeistert war ich trotzdem). Aber die "wirklich coolen" Spiele - die wollten alle 4 MByte Ram. DAS war frustig!!
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