Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 2: Nichts als Probleme!

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Special Sebastian Göttling - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 2: Nichts als Probleme!
Quelle: youtube

Autor Sebastian Göttling erzählt von den nostalgischen Erinnerungen an seinen ersten Spiele-PC. In Teil 2 spricht er vom Frust des jugendlichen Selberbastelns.

Es ist Dienstagabend, der 22. November 1994, 17 Uhr irgendwas. Ich sitze auf dem Beifahrersitz unseres Familienautos. Soeben standen wir erst eine ganze Zeit lang im Stau und nun halten wir seit bereits acht Minuten an einer geschlossenen Bahnschranke in Hohenlimburg. Ich werde zunehmend unruhig, denn die Uhr tickt unerbittlich. Mein Vater sitzt am Steuer und wir beide sind auf dem Weg nach Iserlohn, wo wir noch vor 18 Uhr ankommen müssen, um nicht vor verschlossenen Türen zu stehen. Ziel ist das Depot eines weltbekannten Paketversenders, der am Vormittag versucht hatte, uns meinen reparierten PC zuzustellen, aber niemanden zu Hause antraf, weil meine Eltern auf der Arbeit waren und ich in der Schule

Anno 1994 gibt es zumindest bei diesem Paketdienst keinen zweiten Zustellversuch oder das Abliefern in einem Paketshop - nein: Es landete am Vormittag nur ein Zettel in unserem Briefkasten, der uns anwies, schnellstmöglich das Paket beim 35 Kilometer entfernten Depot abzuholen, sonst würde es zurück an den Absender geschickt. Die lediglich neueste Komplikation in einer Geschichte voller Hindernisse, denn mein erster PC machte nichts als Probleme - und das schon seit dem ersten Tag.

Jener erste Tag war der 27. Dezember 1993, knapp elf Monate vor der Spritztour nach Iserlohn. Eigentlich hätte der neue Rechner noch pünktlich als Weihnachtsgeschenk ankommen sollen, aber wie sich Leserinnen und Leser des ersten Artikels erinnern, brach der Lieferant des neuen Geräts all seine vorweihnachtlichen Versprechen.


Nachlesen: Die Geschichte meines ersten PCs, Teil 1


Doch selbst als endlich der "dritte Weihnachtsfeiertag" anbrach, lief es alles andere als glatt. Mein Freund und PC-Spezi Simon war in freudiger Erwartung vorbeigeschneit und wir beide harrten gemeinsam des neuen Computers. Ich berichtete damals von diesem Tag:

"Nachmittags, als wir bereits die Hoffnung auf den PC aufgegeben hatten, klingelte es an der Tür. Es war UPS! Schnell das Teil bezahlt und auf ans fröhliche Anschließen. Doch als dann alle Kabel an der richtigen Stelle saßen, wurden wir enttäuscht. Er lief nicht, startete DOS nicht. Schnell im BIOS die Festplatte checken. Bingo! Die Meldung des BIOS war unmissverständlich: 'Harddisk not detected.' Uns überkam ein schrecklicher Gedanke. Ist da überhaupt ne Festplatte drin? Gehäuse auf und nachgesehen. Yo, alles da. Aber was ist das? Da hängt ja von der Festplatte ein Kabel runter, das nirgends angeschlossen ist! Und es hängt direkt vor einer Buchse, wo es hineinpassen würde. Wir wollten aber nichts riskieren und riefen Rainer an."

Zur Erklärung - bei Rainer handelte es sich um meinen extrem technikaffinen und leidensfähigen Patenonkel. Zurück zu meinen Aufzeichnungen:

"[Rainer] sagte uns, wir sollten den Stecker ruhig hineinstecken. Stecker rein, und ... nichts. 'Harddisk not detected.' Mist! Wir probierten noch dies und das aus, aber alles erfolglos. Also auf Rainer warten, der abends kommen wollte. Das muss man sich mal vorstellen: fünf Stunden mit einem PC im Zimmer, ohne ihn benutzen zu können! [...] Endlich kam Rainer. Kurz durchgecheckt und dann sagte er: 'Die Controllerkarte ist hin.'"

Christians PC Quelle: Christian Höfer Christians PC Nun handelte es sich bei Rainer aber um einen absoluten Technikfreak, der sich ständig neue PCs gönnte und der deswegen ein Ersatzteillager zu Hause hatte, mit dem er den Ludolfs Konkurrenz hätte machen können. Weiter in meinen Aufzeichnungen. "[Rainer sagte:]

'Ich hab noch eine [Controllerkarte] zu Hause. Bin in zehn Minuten wieder da.' Er verspätete sich allerdings ein bisschen, weil er [seiner Frau] noch was zum Essen holen musste. Aber dann. Mit der anderen Controllerkarte funktionierte alles. Super!"

Mein monatelanger Traum von einem eigenen PC, meine Vorfreude, die sich den ganzen Dezember und auch die Weihnachtsfeiertage ins Unermessliche gesteigert hatte, all das fand jetzt sein Happy End.

Ich schrieb in den späten Abendstunden dieses 27. Dezembers: "Ich fing an, am PC zu arbeiteten. [sic]" Und am nächsten Morgen: "[Ich stand] um 6.45 Uhr wieder auf, weil ich so aufgeregt war und sofort an den PC wollte."

Natürlich stand mir noch eine eigene, funktionierende Controllerkarte zu, die als Ersatzlieferung am 5. Januar 1994 ankam. Wer abermals - wie unzählige weitere Male in diesem Jahr - zur Tat schreiten musste, war völlig klar:

"Nun fing Rainer an, zu 'schuften'. Wir bauten seine C-Karte aus und setzten die neue ein. Dabei bemerkten wir, dass die Treiber, die wir dazu benötigten, auf einer 5 1⁄4 Zoll-Diskette waren und nicht, wie benötigt, auf einer mit 3 1⁄2 Zoll. Also fuhr Rainer nach Hause und kopierte diese um. [...] Nach einer halben Stunde war er wieder da. Doch die Anleitung in der README-Datei des Treibers war derart ungenau, und der Computer beschwerte sich laufend, sodass wir aus Jux und Tollerei noch einmal die erste, defekte C-Karte einbauten. Sie funktionierte!"

Ein ziemlicher WTF-Moment, wie man heutzutage sagen würde. Ob diese ursprüngliche Karte vom Hersteller falsch verbaut wurde, ließ sich nicht nachvollziehen. Das nun überflüssige Bauteil schickte ich aber kurzerhand zurück.

Die nächsten Tage und Wochen mit meinem neuen PC waren sehr glücklich, ein absoluter Quantensprung der Möglichkeiten, nachdem ich seit etwa 1987 nur mit einem C64 unterwegs war und alle dazwischenliegenden Rechnergenerationen übersprungen hatte.

Doch in diesem Artikel möchte ich mich auf die zahlreichen Pleiten, Pech und Pannen fokussieren, von denen ich im ersten Jahr als Computerbesitzer ohne Unterlass geplagt wurde.

Bildergalerie

Das geringste Ärgernis war da noch ein gleichermaßen ahnungsloser wie unverfrorener Mitarbeiter eines örtlichen Elektromarkts, dem ich am 30. Dezember, als mein Rechner drei Tage jung war, ein Keyboard-Verlängerungskabel und, um ein besseres Sounderlebnis zu haben, kleine Boxen und ein dazugehöriges Netzteil abkaufte. Letzteres kostete stolze 35,95 DM meines knappen Taschengelds.

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Jaegernase NPC
        Danke Dir fürs Lesen!

        Die diversen Probleme, die ich in diesem Mittelteil meiner Serie hier beschreibe, haben mich auch ziemlich geheilt. Meine Auszeit lag nur zeitlich anders als bei Dir. Ende der 90er gab ich das PC-Gaming dran (ständig funzt was nicht!), interessierte mich mehr für Filme und Serien - und als ich wieder Lust aufs Spielen bekam, wollte ich mich partout nicht mehr mit Kompatibilitätsproblemen rumschlagen: Seit 2002 bin ich Casual-Konsolero.

        -Sebastian
      • Von Jaegernase NPC
        Danke Dir fürs Lesen!

        Die diversen Probleme, die ich in diesem Mittelteil meiner Serie hier beschreibe, haben mich auch ziemlich geheilt. Meine Auszeit lag nur zeitlich anders als bei Dir. Ende der 90er gab ich das PC-Gaming dran (ständig funzt was nicht!), interessierte mich mehr für Filme und Serien - und als ich wieder Lust aufs Spielen bekam, wollte ich mich partout nicht mehr mit Kompatibilitätsproblemen rumschlagen: Seit 2002 bin ich Casual-Konsolero.

        -Sebastian
      • Von softkey Gelegenheitsspieler/in
        Genau aus diesen Gründen wie im Bericht geschrieben liebte ich die Konsolen. Anmachen und zocken, und zwischen 1993 und 2003 hatte ich keinen Computer oder sonstiges interresse daran, da ich sowieso nur spielen wollte und wenig Zeit hatte. Das änderte sich erst 2003 als das mp3 Format aufkam, als Musikfan war ich absolut begeistert davon meine komplette Musiksammlung (über 400 CD´s) auf einer Festplatte zu ziehen, da machte ich dann erste Erfahrungen mit dem PC. Ziemlich angefixt und für mich üblich steigerte ich mich damals komplett rein. 2005 stellte ich dann meinen eigenen PC zusammen, Komponenten gekauft und alles selber zusammengebaut (P4 3ghz, 1GB RAM (Dual), MB MSI P4P800-P NEO (i875)). Mit dem Teil habe ich natürlich auch gezockt (heute noch liebe ich die Grafikdemos zb. von Farbrausch, Haujobb, Fairlight oder Razor 1911) das war eine tolle Erfahrung. Aber irgendwann verlor ich das interresse (war auch oft nervig und zeitinensiv) daran und bin seit 2007 begeisterter Laptop/Notebook Nutzer, das reicht mir und zum zocken ging es dann mit der XB360 weiter .

        TIPP: hier mal ein link zur demoscene (liebe vorallem die 64kb demos, wahnsinn was die da rausholen)

        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        zb. die Farbrausch Demo fr-025: the.popular.demo (8,4MB) war 2003 der Hammer. Eben gerade noch runtergeladen und angeschaut, Song immer noch genial aber der WOW Effekt ist jetzt 20 Jahre später natürlich ein anderer :D.
      • Von aga74 Stille/r Leser/in
        Und erneut "Danke" für den schönen Bericht! Bin auf Teil 3 gespannt.

        Ammo '93 krebste ich noch mit meinem 386'er Quelle-Fertig-PC und irrsinnigen 2 MByte Ram rum. Das reichte gerade so um Ultima 7 / Ultima Underworld in einer beeindruckenden Ruckelorgie spielen zu können (schwer begeistert war ich trotzdem). Aber die "wirklich coolen" Spiele - die wollten alle 4 MByte Ram. DAS war frustig!!
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