Frauen in Spielen sind auch nur Menschen
Der Trailer für GTA 6 holt aus manchen Menschen das Schlimmste hervor. Was das mit der Protagonisten Lucia zu tun hat und es mehr weibliche Rollen in Spielen braucht, erklärt unsere Redakteurin Toni in ihrer Kolumne.
Es ist aber nicht immer die Lösung, die Heldenauswahl binär zu machen, denn manchmal gilt es eben eine Geschichte zu erzählen, die auch mit dem Geschlecht eines Charakters zusammenhängt.
Schlagen wir den Bogen zurück zu Grand Theft Auto und nehmen wir den fünften Teil unter die Lupe. In mehreren Interviews sprach sich Rockstar dafür aus, dass man weibliche Figuren nicht zur Effekthascherei nutzen wolle, dass es um drei Männer ginge und das Konzept, männlich zu sein, der Schlüssel zur Geschichte sei.
Und ja, Michael lebt die Realität eines US-amerikanischen, reichen Mannes, die Frauen so eher nicht widerfährt. Über Franklin kann man sich streiten, denn auch Frauen haben ein zu großes Ego und machen manchmal dumme Sachen. Trevor hingegen hat keine Attribute, die in seinem Wahnsinn nicht genauso gut weiblich sein könnten.
Will ich also sagen, dass Trevor eine Frau hätte sein müssen? Nein!
Aber dass sich Rockstar gegen eine Frau entschied, weil das Effekthascherei wäre, beweist, dass weibliche Figuren noch vor zehn Jahren als Auffälligkeit in Videospielen galten. Aber um etwas zu normalisieren, muss jemand anfangen. Das war offensichtlich nicht Rockstar, die dazu nicht den Schneid hatten, aber immerhin ziehen sie jetzt nach.
Quelle: Rockstar Games
Zum Glück erkennen die allermeisten Spieler weibliche Figuren als gleichwertig an. Der Rest ist eine wilde Mischung aus Leuten, die offen misogyn sind und solchen, die ein weiblicher Charakter so sehr aus den Socken haut, dass die Hose gleich mit verschüttgeht.
Hübsch anzuschauen?
Es ist ja ok, wenn man einen weiblichen Charakter gut aussehend findet, und man darf ihn auch sexuell attraktiv finden. Aber sich darüber im Internet auszutauschen, wie oft man sich auf Lucia einen heruntergeholt hat, ist reine Objektifizierung von Frauen. Und wenn man weibliche Charaktere gerne spielt, weil der Anblick so nett ist, dann ist man kein Frauenfreund, sondern eklig.
Der Grund, warum Frauen auch in Spielen nicht zum Objekt degradiert gehören und es wichtig ist, dass es Frauen in Spielen gibt, ist dabei derselbe: Es geht um Repräsentation. Menschen kopieren, was sie sehen und fiktive Charaktere sind auch für Frauen Vorbilder.
Wegen Kate Archer aus No One Lives Forever habe ich überlegt Spionin zu werden, wegen Lara Croft habe ich mich in der Archäologie ausprobiert, wegen weiblichen Wissenschaftlern in Büchern habe ich eine Zeit lang Physik studiert und wegen coolen Bad-Ass-Elfen kann ich Bogenschießen.
Quelle: Monolith
Wenn diese Heldinnen meiner Kindheit nicht existiert hätten, wäre mein Weg ein anderer gewesen und ich hätte das Medium Videospiele auch nie so lieben gelernt, dass ich Redakteurin werden wollte.
Hätte ich immer nur die Damsel in Distress gesehen, wäre mein Traum vielleicht gewesen, irgendwann den perfekten Typen zu heiraten, der mich aus meinem Turm befreit. Und ich sag mal so: Ich bin viel zu rechthaberisch, abenteuerlustig und vor allem chaotisch, als dass eine Ehe mit mir am Herd lange gut gehen würde.
Ich bin also um jede Frau dankbar, die nicht als hübsch anzusehende Deko im Spiel platziert ist, eine Persönlichkeit besitzt und sogar so etwas wie Ziele im Leben hat. Ich bin auch dankbar für jede Frau, die nicht dem perfekten eurozentristischen Schönheitsideal entspricht und die trotzdem nicht für ihren Körper verurteilt wird. Oder in irgendeiner anderen Form bewertet.
Spiele dürfen mit Stereotypen spielen, aber das sollte im besten Fall clever gemacht sein. Spiele dürfen natürlich humorvoll sein und Karikaturen zeigen. Spiele dürfen aber auch ernst sein und Frauen als normale Menschen darstellen. Ich hoffe mitzuerleben, wie eine Spielheldin keine Sonderstellung mehr hat. Und niemand mehr darüber redet, dass ihm die Figur nicht passt: weil sie unrealistisch ist, weil sie nicht so hübsch ist, weil sie zu perfekt ist. Weil sie eine Frau ist.

Erst waren Spiele an Amokläufen schuld. Jetzt sollen sie an Sexismus schuld sein, oder was? Und wer sich aufgrund eines Spiels sexistisch äußert, der wird das auch auf Instagram, Youtube und im privaten Umfeld tun. Das hat nichts mit dem Spiel zu tun. Waren das noch Zeiten, als man Leisure Suit Larry spielen konnte, ohne dass da gleich Moralwächter auf der Fußmatte standen.
Und dann könnten wir auch die nackte Haut in Games of Thrones zum Thema machen und die Sexualisierung der Frau mit der nicht wenige Frauen auf Instagram oder Only Fans ihr Geld verdienen. Oder soll halt jeder machen, wie er meint, solange er anderen nicht schadet. Und Rockstar Games verursacht keinen Schaden, nur weil unter Millionen von Fans Idioten dabei sind. Das Problem sind diese Idioten und nicht das Spiel.
Ich finde Artikel wie diesen hier ein zweischneidiges Schwert. Klar, was darin beschrieben wird passiert so in der Welt, ist problematisch, so weit, so richtig. Aber die Probleme werden isoliert aufs Gaming bezogen betrachtet, dabei ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem: Das Internet gibt auch Blödmännern eine Stimme, tendenziell sogar eine lautere, und daran wird sich nichts mehr ändern lassen. Egal ob es das kommende Naughty Dog-Spiel oder der nächste Disney-Film sein wird, irgendwo im Netz werden sich ein paar Typen gegenseitig darin bestärken, dass sie die woke Weltverschwörung erkannt haben & sich nicht davon einlullen lassen, ha! Die gleichen Typen schreiben an anderer Stelle von der Corona-Lüge, schaffen es Dank mentaler Hochleistungsgymnastik, Russland als Opfer seines eigenen Angriffskrieges und den diffusen Westen als eigentlichen Schurken zu identifizieren und können sich nie so richtig entscheiden, ob sie den Untergang des Abendlandes nun eigentlich befürchten & verhindern wollen, oder nicht doch irgendwie herbeisehnen? Ich könnt ewig so weiterschreiben und gesellschaftliche Themen wie das Gendern, Andrew Tate, Greta Thunberg oder FFF in den Topf werfen. Die Diskussion um den "Layla"-Sommerhit. Die Anschuldigungen um Till Lindemann & Till Schweiger, und wie damit teilweise umgegangen wird...Sorry for the big off topic, was will ich eigentlich sagen & damit zurück zum Artikel:
In all diesen Fällen wird das drumherum erst dadurch groß, dass ein kleiner Teil von Leuten lautstark Mist von sich gibt und so polarisiert. Artikel wie dieser machen diese Leute stark, weil sie ein Bild, das eigentlich nur von einer kleinen Gruppe an Leute getragen wird, zum Leitmotiv bzw. zumindest damit konkurrierend erklären. Dieses ganze "Wir sind eigentlich die Mehrheit"-Geschwafel funktioniert ja nur, wenn Positionen durch Artikel wie diesen hier anerkannt werden. Während man früher halt "ah ja der Udo, der hat sich beim Dorffest wieder daneben benommen, kennt man ja..." sagte, heißt es heute "Frauen in Spielen: Hör endlich auf mit der virtuellen Fleischbeschau, Udo!", weil X Udos sich online weltweit daneben benommen haben. Das Spiel lässt sich jede Woche mit einem neuen Thema spielen, und - spannend - bringt ganz offensichtlich die größten Reichweiten/Kommentare. Ihr könntet Morgen einen Artikel bringen, "Unglaublich! Gamer fordern Genozid an Philippinen" und darin ein paar toxic comments irgendwelcher frustrierter Dota SEA-Spieler als Beleg bringen. Und egal wie absurd das sein mag, irgendein Hansel findet sich dann doch hier in den Kommentarspalten, der die übertriebene Eingangsforderung irgendwie rechtfertigt und schon geht der Circle-Jerk wieder los. Das Traurige ist eigentlich, dass diese "Udo hat dies und das gemacht"-Kommentarspalten so viel mehr Engagement aufweisen, als die guten Spieletests...
Es kommt halt genau auf die Gruppe an wo man sexuell wird. Wenn das alle in Ordnung finden ist es ok. Sobald jemand leidet ist es nicht ok. Im Internet ist es etwas zwiespältig. Auf der einen Seite kennt man die Leute nicht, aber die kennen einen auch nicht. Da kann es mir eigentlich Wurst (;-))sein. Irgendwie muss mann ja auch ausloten, wo der akzeptierbare Bereich ist.
Den empfinden Männer bei den meisten Frauen wohl als zu hoch (Gedanke des Mannes "Weil die es ja auch wollen". Weil diese Männer sich ja toll finden. Die Frau allerdings entscheidet, wen sie wirklich toll findet). Aus dieser Diskrepanz ist die Frau, die bei diesem "Spielchen" nicht mitmacht, ne olle Hexe.
UND die Brücke ist das unfaire, abwertende. Das darf nicht sein. Ist allerdings kognitiv (als Gedanke) schwer zu vermeiden. Vielleicht trägt die Nachbarin ja Bikini und hat dicke Titten.
Und denken darf man viel (alles), aber eine Verletzung gegenüber einer realen Person ist billig. Denn traut sich diese Person nicht direkt mir zu sagen was ihr an mir gefällt oder nicht. Empfehle mal das Buch: Grundformen der Angst (Fritz Riemann, 39. Auflage). Nicht nur für imaginäre Schwanzlutscher, hust, hust.
Der Gerechtigkeitssinn ist für viele etwas sehr Persönliches. Irgendwie ironisch.
Wie meinst Du das mit dem Stock im Arsch??