Frauen in Spielen sind auch nur Menschen
Der Trailer für GTA 6 holt aus manchen Menschen das Schlimmste hervor. Was das mit der Protagonisten Lucia zu tun hat und es mehr weibliche Rollen in Spielen braucht, erklärt unsere Redakteurin Toni in ihrer Kolumne.
Dafür braucht es ein schweres Trauma und keine Aussicht auf Hoffnung. Ich denke, diese Kästen kann man abhaken und nicht ohne Grund Ellie zu einer der authentischsten Heldinnen der Spielgeschichte küren. Aber trotz der ganzen Kritik musste Ellie sich zumindest nicht den Vorwurf der Mary Sue gefallen lassen, eine Typisierung, die die meisten Leute komplett falsch nutzen.
Zu Perfekt
Den Begriff Mary Sue gibt es nicht erst, seit es Videospiele gibt. Er kommt aus einer Parodie über Star Trek-Fanfiction aus dem Jahr 1973 und dreht sich um weibliche Autoren, die sich selbst in einer idealisierten Version auf die Enterprise fantasiert haben. Die originale Geschichte beginnt mit:
"Gee, golly, Gosh, Gloriousky", dachte Mary Sue, als sie die Brücke der Enterprise betrat. "Hier bin ich, der jüngste Lieutenant der Flotte - nur fünfzehn und ein halbes Jahr alt".
Danach rettet Mary Sue die ganze Gruppe mit einer Haarnadel und erhält den Friedensnobel-Preis für das perfekte Kommando auf der Enterprise, während alle anderen auf der Krankenstation liegen.
Quelle: Menagerie
Seither verkommt der Name Mary Sue zum Schimpfwort, das man jeder weiblichen Figur antackert, die einem nicht in den Kram passt. Das Konzept lässt sich auf Videospiele aber nur bedingt anwenden. Denn die meisten Spiele sind so designt, dass man als Spieler nun mal alle Herausforderungen meistern muss, die einem die Welt vor die Füße schmeißt.
Es gibt nur wenige Ausnahmen, in denen wir wirklich scheitern können, wie in The Witcher 3, wenn wir aus besten Absichten eine Entscheidung in einer Quest treffen, dann aber vor Tatsachen gestellt werden, die nicht zum typischen Videospiel-Klischee passen. Andere Spiele zwingen uns sogar zu scheitern, etwa Red Dead Redemption 2 - diese Ausnahmen zählen zurecht als erzählerische Meisterwerke.
Häufiger porträtieren Spiele einen inneren Konflikt und Scheitern der Helden durch Dialoge und Zwischensequenzen. Eigentlich ein altbewährtes Stilmittel, trotzdem titelte die Zeit, dass Lara Croft eine unrealistische Kampfmaschine sei und das Spiel an der Psychologie scheitere.
Denn wie kann es sein, dass ihre anfängliche Reue, zu töten, nach einiger Zeit egal ist? Ist das etwa klassische Videospiellogik? Manche würden das auch als Charakterentwicklung bezeichnen.
Wenn ich darüber nachdenke, eine wirklich ultra authentische Person zu spielen, die bei jedem Schusswechsel einen Nervenzusammenbruch erleidet und wahlweise noch ständig daneben schießt, weil sie keinen Umgang mit Waffen gelernt hat, dann löst das keine Freudensprünge in mir aus. Ich will in einem Spiel ja durchaus noch Spaß haben.
Quelle: Crystal Dynamics, Square Enix
Bei Nathan Drake muss ich mich mit der Diskussion um seinen psychischen Zustand nicht auseinandersetzen, wenn er ähnlich viele Leute kalt macht wie Lara Croft. Denn niemand redet darüber, dass er ohne jegliche Gewissensbisse hunderte Feinde über den Haufen ballert. Er hat immerhin keine andere Wahl, denn seine Gegner sind böse und schießen auf ihn.
Das passiert Lara zwar auch, aber sie hätte als sensible Frau wenigstens versuchen können, ein Gespräch über moralische Verwicklungen zu führen. Aber wo sich Nathan heldenhaft verteidigt, scheitert Tomb Raider "an der Psychologie". Ist klar.
Natürlich ist nicht jedes Spiel mit einer Frau in der Hauptrolle als Krone des Videospiel-Gipfels zu verstehen. Aber wenn eine Figur nicht gut geschrieben ist, dann liegt das selten daran, dass es sich um eine Frau handelt, sondern einfach daran, dass die Figur halt nicht gut geschrieben ist. Wenn man zu viele Stereotype an einen Charakter pappt, hat man entweder eine Parodie oder eine Ansammlung von Vorurteilen, die im schlimmsten Fall einfach nur nervt.
Gleichzeitig gut und schlecht zeichnet sich Ubisoft an dieser Stelle aus. Mit Assassin's Creed Odyssey und Valhalla haben wir zwei Spiele mit weiblichen Hauptcharakteren - also zumindest laut Kanon. In den Trailern und auf dem Cover-Artwork zu sehen sind die männlichen Versionen, denn das verkaufe sich wohl besser. Obwohl laut Ubisoft in den Spieletests die Auswahl 50/50 war, wenn es um Mann und Frau ging.
Das viel Interessantere ist aber, dass, egal welchen Protagonisten man nimmt, beide die exakt gleichen Sachen im Spiel sagen. Keine dumme Entscheidung in der Entwicklung, denn so muss die Geschichte und der Charakter unabhängig seines Geschlechts funktionieren. Und wie sich herausstellt, ist Kassandra als ungewohnt toughe Heldin super erfrischend.

Erst waren Spiele an Amokläufen schuld. Jetzt sollen sie an Sexismus schuld sein, oder was? Und wer sich aufgrund eines Spiels sexistisch äußert, der wird das auch auf Instagram, Youtube und im privaten Umfeld tun. Das hat nichts mit dem Spiel zu tun. Waren das noch Zeiten, als man Leisure Suit Larry spielen konnte, ohne dass da gleich Moralwächter auf der Fußmatte standen.
Und dann könnten wir auch die nackte Haut in Games of Thrones zum Thema machen und die Sexualisierung der Frau mit der nicht wenige Frauen auf Instagram oder Only Fans ihr Geld verdienen. Oder soll halt jeder machen, wie er meint, solange er anderen nicht schadet. Und Rockstar Games verursacht keinen Schaden, nur weil unter Millionen von Fans Idioten dabei sind. Das Problem sind diese Idioten und nicht das Spiel.
Ich finde Artikel wie diesen hier ein zweischneidiges Schwert. Klar, was darin beschrieben wird passiert so in der Welt, ist problematisch, so weit, so richtig. Aber die Probleme werden isoliert aufs Gaming bezogen betrachtet, dabei ist es ein gesamtgesellschaftliches Problem: Das Internet gibt auch Blödmännern eine Stimme, tendenziell sogar eine lautere, und daran wird sich nichts mehr ändern lassen. Egal ob es das kommende Naughty Dog-Spiel oder der nächste Disney-Film sein wird, irgendwo im Netz werden sich ein paar Typen gegenseitig darin bestärken, dass sie die woke Weltverschwörung erkannt haben & sich nicht davon einlullen lassen, ha! Die gleichen Typen schreiben an anderer Stelle von der Corona-Lüge, schaffen es Dank mentaler Hochleistungsgymnastik, Russland als Opfer seines eigenen Angriffskrieges und den diffusen Westen als eigentlichen Schurken zu identifizieren und können sich nie so richtig entscheiden, ob sie den Untergang des Abendlandes nun eigentlich befürchten & verhindern wollen, oder nicht doch irgendwie herbeisehnen? Ich könnt ewig so weiterschreiben und gesellschaftliche Themen wie das Gendern, Andrew Tate, Greta Thunberg oder FFF in den Topf werfen. Die Diskussion um den "Layla"-Sommerhit. Die Anschuldigungen um Till Lindemann & Till Schweiger, und wie damit teilweise umgegangen wird...Sorry for the big off topic, was will ich eigentlich sagen & damit zurück zum Artikel:
In all diesen Fällen wird das drumherum erst dadurch groß, dass ein kleiner Teil von Leuten lautstark Mist von sich gibt und so polarisiert. Artikel wie dieser machen diese Leute stark, weil sie ein Bild, das eigentlich nur von einer kleinen Gruppe an Leute getragen wird, zum Leitmotiv bzw. zumindest damit konkurrierend erklären. Dieses ganze "Wir sind eigentlich die Mehrheit"-Geschwafel funktioniert ja nur, wenn Positionen durch Artikel wie diesen hier anerkannt werden. Während man früher halt "ah ja der Udo, der hat sich beim Dorffest wieder daneben benommen, kennt man ja..." sagte, heißt es heute "Frauen in Spielen: Hör endlich auf mit der virtuellen Fleischbeschau, Udo!", weil X Udos sich online weltweit daneben benommen haben. Das Spiel lässt sich jede Woche mit einem neuen Thema spielen, und - spannend - bringt ganz offensichtlich die größten Reichweiten/Kommentare. Ihr könntet Morgen einen Artikel bringen, "Unglaublich! Gamer fordern Genozid an Philippinen" und darin ein paar toxic comments irgendwelcher frustrierter Dota SEA-Spieler als Beleg bringen. Und egal wie absurd das sein mag, irgendein Hansel findet sich dann doch hier in den Kommentarspalten, der die übertriebene Eingangsforderung irgendwie rechtfertigt und schon geht der Circle-Jerk wieder los. Das Traurige ist eigentlich, dass diese "Udo hat dies und das gemacht"-Kommentarspalten so viel mehr Engagement aufweisen, als die guten Spieletests...
Es kommt halt genau auf die Gruppe an wo man sexuell wird. Wenn das alle in Ordnung finden ist es ok. Sobald jemand leidet ist es nicht ok. Im Internet ist es etwas zwiespältig. Auf der einen Seite kennt man die Leute nicht, aber die kennen einen auch nicht. Da kann es mir eigentlich Wurst (;-))sein. Irgendwie muss mann ja auch ausloten, wo der akzeptierbare Bereich ist.
Den empfinden Männer bei den meisten Frauen wohl als zu hoch (Gedanke des Mannes "Weil die es ja auch wollen". Weil diese Männer sich ja toll finden. Die Frau allerdings entscheidet, wen sie wirklich toll findet). Aus dieser Diskrepanz ist die Frau, die bei diesem "Spielchen" nicht mitmacht, ne olle Hexe.
UND die Brücke ist das unfaire, abwertende. Das darf nicht sein. Ist allerdings kognitiv (als Gedanke) schwer zu vermeiden. Vielleicht trägt die Nachbarin ja Bikini und hat dicke Titten.
Und denken darf man viel (alles), aber eine Verletzung gegenüber einer realen Person ist billig. Denn traut sich diese Person nicht direkt mir zu sagen was ihr an mir gefällt oder nicht. Empfehle mal das Buch: Grundformen der Angst (Fritz Riemann, 39. Auflage). Nicht nur für imaginäre Schwanzlutscher, hust, hust.
Der Gerechtigkeitssinn ist für viele etwas sehr Persönliches. Irgendwie ironisch.
Wie meinst Du das mit dem Stock im Arsch??