Final Fantasy 16: Vom Genre zum PR-Märchen: Wo sind die echten RPGs hin? - Kolumne
Final Fantasy 16 ist ein tolles Spiel - aber es hat nichts mit einem RPG zu tun, findet Redakteur Stefan. Ist das Rollenspiel im Triple-A-Segment nur noch ein Marketing-Buzzword?
Hätte ich einen Euro für jedes Mal gekriegt, wenn ich in einem Test oder einer Vorschau das Wort "Rollenspiel-Mechaniken" gelesen habe, dann könnte ich mir vermutlich schon einen ganzen Skin bei Diablo 4 leisten. Immerhin kann man diese Beschreibung immer bringen, wenn Level erhöht und Punkte verteilt werden. Also wie bei so ziemlich jedem Spiel der letzten zehn bis 15 Jahre.
Aber im Triple-A-Segment haben die "echten" Rollenspiele für mein Empfinden doch deutlich abgenommen, vor allem, weil auch große Marken die Features des Genres immer stiefmütterlicher behandeln. Das aktuelle Beispiel dafür ist der 16. Teil einer Reihe, die eigentlich untrennbar mit dem Begriff "Rollenspiel" verbunden ist: Final Fantasy. So gut mir Squares neuer Blockbuster auch gefällt und so sehr ich es schätze, dass die Entwickler viele alte Zöpfe abgeschnitten haben: Das Rollenspiel muss man in der ganzen Action wirklich mit dem Mikroskop suchen. Features wie Charakterprogression, Gruppenmanagement und strategisches Kämpfen wurden hier noch mehr zusammengedampft, als in den letzten paar Teilen der Hauptreihe, und das will was heißen.
Zahl geht hoch
Ich spiele einen einzigen Charakter mit einem einzigen Waffentyp, dessen Fähigkeiten sich in erster Linie auf Spezialangriffe beschränken. Diesem Charakter kann ich nach fast jedem Abschnitt ein neues Schwert in die Hand drücken, was aber ausschließlich den Angriffsschaden beeinflusst. Die neue Waffe ist dann auch immer besser als alle alten. Abzuwägen oder sich je nach Situation anders auszurüsten, ist nicht nötig.
Stelle ich eine Waffe aus dem Kern einer Esper her, also den mächtigsten Wesen in FF16, ist sie zwar lila eingefärbt, aber auch nur ein Schwert ohne besondere Eigenschaften. Sobald die nächste Standardwaffe verfügbar ist, kann ich mein legendäres Bossschwert sofort wieder in die Tonne kloppen. Das hat nach dem Erhalt der ersten Esper-Waffe bei mir ungefähr zehn Minuten gedauert. Gleiches gilt für die Gegenstände in den zwei Rüstungsslots, die, ihr ahnt es schon, nichts anderes tun, als meinen Verteidigungswert und die Lebenspunkte zu erhöhen.
Quelle: Square Enix
Bei jedem Level-up steigen automatisch meine Attribute, von denen ich aber nicht weiß, was sie bedeuten, weil mir das Spiel keinerlei Grund gibt, mich damit zu beschäftigen. Gruppenmitglieder darf ich weder ausrüsten noch steuern und in den kurzen Nebenquests gibt es nie Entscheidungen zu treffen, weil alle Dialoge automatisch ablaufen.
Zu guter Letzt haben die Gegner keine besonderen Resistenzen, dementsprechend ist es völlig egal, mit welchem Angriff oder Element ich auf sie losgehe. Wenn ich Kämpfe etwas schneller beenden will, hebe ich mir die dicken Angriffe auf, bis die Gegner zusammenbrechen, aber sonst gibt es nichts weiter zu beachten.
Zusammengefasst: Das Einzige, was mir Final Fantasy 16 (jetzt kaufen 85,46 € ) in meinen bisher 20 Stunden als Rollenspiel abverlangt hat, war, ab und zu mal das Item mit der höheren Zahl auszurüsten. Jeden Kampf konnte ich gewinnen, indem ich rechtzeitig ausgewichen bin und meine Esperfähigkeiten benutzt habe, sobald deren Cooldown vorbei war. Das war's!
Marketing vs. Realität
Ich weiß, das klingt jetzt ziemlich vernichtend - aber eben nur, wenn man mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Spiel herangeht. Als Light-Version von Devil May Cry, als Monsterklopper für Zwischendurch und vor allem als dramatische Fantasyserie zum Mitspielen funktioniert FF16 hervorragend. Optik und Inszenierung sind Spitzenklasse, das Kämpfen fühlt sich toll an, die Handlung fesselt wie selten zuvor in der Reihe. Das spiegelt sich auch in der Wertung wider, die wir dem Spiel verliehen haben.

Square Enix ist das Bioware/EA des Ostens, da machen sie gar keinen Hehl drum.
Während es bei Bioware schon in der "Goldenen Ära" hieß: "We want Call Of Duty's audience!", waren es bei Square hier: "We want GTA's audience!" Und spätestens sowohl Veilguard als auch FF16 liefen unter den Erwartungen -- und das nicht nur unter den Erwartungen vieler langjähriger Fans.
Gefreut haben sich darüber Larian und Sandfall Interactive, die auf ihrem Produktions-Niveau nicht arg viel Konkurrenz hatten. Äkschn-Adventures mit RPG-Elements gibts spätestens seit dem Smash des dritten Hexersinne-Hexers so viele, dass sie demnächst eine eigene Postleitzahl und Kategorie in der PC Games bekommen sollten. Denn auch Ubisoft mussten jetzt natürlich mit. Generell ist der Markt vollgestopft mit Titeln -- und pretty Grafix hat jeder davon, der ein bisschen Taschengeld dahinter hat. Wer hier noch auffallen will, muss sich strecken.
Meanwhile kann ein Belgier in Ritterrüstung den Raum betreten und Köpfe verdrehen, weil da niemand mehr wie er drin ist. Apropos Ritterrüstung: Auch einigen Tschechen ist das neulich gelungen. Bezeichnend: Auch diese kamen an ihrer Wurzel aus einer (Crowdfunding-)Nische. Denn ihr Kingdom Come war nicht gleichgeschaltet genug, um SED-Parteichefs, Gaming-CEOs oder "Wir müssen mehr wie GTA sein"-Marktforschern das "Risiko" wert zu sein.
Bei FF XV hält mich einfach die offene Spielwelt und die stupiden Fetchquests davon ab es nochmal zu spielen. Diese Fetchquests haben absolut keinen Mehrwert für den Spieler, sie existieren nur um das Spiel irgendwie zu füllen. Das Problem ist aber, wenn sie da sind, kann ich nicht wirklich daran vorbei gehen, ich habe immer das Gefühl ich habe nicht alles gemacht, wenn ich nicht auch die dummen fetchquests mache.
Bei FFXV musst du denken wie ein Noob. Einfach die Story machen bis du nicht mehr weiterkommst. DANN Quests machen. ^^
Ich bin jetzt nicht unbedingt dafür, XIII und XV zu remaken/rebooten, da ich mit den Spielen im Großen und Ganzen zufrieden war. Die Teile hatten viele erinnerungswürdige Szenen, die in *besseren* Spielen evtl. nicht so rüberkämen. Aber den Tease mit der Fabula Nova Crystallis werd ich auch nicht so schnell vergessen. Aus "Agito" wurde ja auch etwas anderes. Verrückt, wenn man bedenkt, dass 13 (was 2 Nachfolger erhalten hat), 15 und das PSP Game Type-0 ursprünglich auf irgendeine Weise miteinander verbunden hätten sein sollen.
Bei FF XV hält mich einfach die offene Spielwelt und die stupiden Fetchquests davon ab es nochmal zu spielen. Diese Fetchquests haben absolut keinen Mehrwert für den Spieler, sie existieren nur um das Spiel irgendwie zu füllen. Das Problem ist aber, wenn sie da sind, kann ich nicht wirklich daran vorbei gehen, ich habe immer das Gefühl ich habe nicht alles gemacht, wenn ich nicht auch die dummen fetchquests mache.
Ich bin jetzt nicht unbedingt dafür, XIII und XV zu remaken/rebooten, da ich mit den Spielen im Großen und Ganzen zufrieden war. Die Teile hatten viele erinnerungswürdige Szenen, die in *besseren* Spielen evtl. nicht so rüberkämen. Aber den Tease mit der Fabula Nova Crystallis werd ich auch nicht so schnell vergessen. Aus "Agito" wurde ja auch etwas anderes. Verrückt, wenn man bedenkt, dass 13 (was 2 Nachfolger erhalten hat), 15 und das PSP Game Type-0 ursprünglich auf irgendeine Weise miteinander verbunden hätten sein sollen.
Die waren halt ursprünglich als etwas ganz anders gedacht.
Mich stören lineare Spiele nicht. FF X war auch linear und es zählt mit zu meinen Lieblingsspielen. Die Stille Ebene, die die offenste Zone im Spiel ist, ist für mich auch die nervigste Zone im Spiel. Ich bin immer froh wenn ich da durch bin. Es gibt einen Haufen sehr guter lineare Spiele. Bei FF XIII ist eher das Problem, dass man quasi durch die linearen Level gescheucht wird ohne mal durchatmen zu können. Dadurch sorgt die Linearität für eine schlechte Spielerfahrung.
Aber ja, FF XIII und such FF XV hatten eine wirklich problematische Entwicklungsgeschichte. Ich hätte gerne gesehen, wie die Spiele ausgesehen hätten ohne diese ganzen Probleme bei der Entwicklung.
Mir wären Remakes von FF XIII und XV auch lieber, als von den Teilen, wo das Original bereits gelungen ist. Bei diesen Remakes hätte man eine zweite Chance aus diesen tollen Welten eine gute Spielerfahrung zu gestalten. Natürlich dürften das dann keine 1:1 Remakes sein sondern eher Reboots, wo auch die Story neu geschrieben wird.