Wer Gothic mag, wird Drova lieben: Die Rollenspiel-Überraschung im Test
Piranha Bytes wäre stolz: Drova spielt sich wie Gothic in 2D und macht dabei verdammt viel richtig! Im Test zu Drova verraten wir, warum ihr den Rollenspiel-Geheimtipp nicht verpassen solltet.
Die Frage ging mir schon häufiger durch den Kopf: Was, wenn das legendäre Gothic deutlich früher erschienen wäre, zum Beispiel für eine 16-Bit-Konsole? Ein echtes Gothic im Pixel-Look der frühen 90er Jahre... könnte das funktionieren? Müsste man dafür Spieltiefe opfern? Und vor allem: Würde es am Ende noch Spaß machen?
Auf all diese Fragen gibt es nun eine Antwort, und sie lautet: Drova!
Drova ist das Erstlingswerk von Just2D, einem deutschen Indie-Team, das gerade mal sechs Mitglieder zählt. Trotzdem bringt das Rollenspiel alle Zutaten mit, die ein gutes Gothic ausmachen. Raue Mittelalter-Fantasy. Gefahren an jeder Ecke. Markante Charaktere. Spannender Überlebenskampf. Tolle Atmosphäre. Und unheimlich viel zu entdecken.
Nur in einem Punkt weicht Drova drastisch von seinem großen Vorbild ab: Ihr erlebt das Abenteuer nicht in 3D, sondern in liebevoll gepixelter 2D-Optik! Gespielt wird aus der Draufsicht, also ganz wie in älteren Zeldas oder in Klassikern wie Terranigma. Und das funktioniert überraschend gut.
Darum mein Rat an alle Skeptiker, die bei "Pixel-Art" erst mal das Gesicht verziehen: Lasst euch nicht davon abschrecken! Drova lohnt sich. Zum Beweis: Ich wollte es eigentlich nur kurz ausprobieren. 40 Stunden später hatte ich es durchgespielt - und keine Minute bereut.
Gothic in 2D
Drova macht es mir anfangs nicht leicht, und das ist gut so. Es wirft mich in eine weitläufige, offene 2D-Welt, in der ich nur ein grobes Ziel vor Augen habe: Ich soll einen magischen Stein bei irgendeinem Druiden abliefern. Kein Problem! Mit einem dürren Ast als Waffe und nicht mehr als ein paar Fetzen am Leib latsche ich fröhlich drauflos... und bekomme volles Pfund aufs Maul.
Denn an gefühlt jeder Ecke und hinter jedem Gebüsch warten bissige Viecher oder mordlustige Räuber, die es auf mich abgesehen haben. An den Kartenrändern stoße ich außerdem auf magische Barrieren, die mich binnen Sekunden grillen. Und das ist noch nicht mal mein größtes Problem.
Quelle: Just2D / Deck 13
Wer Gothic mag, wird Drova lieben: Die Rollenspiel-Überraschung im Test (3)
Denn die Bewohner von Drova haben sich in zwei Lager aufgespalten, beide verfolgen eigene Ziele - und denken erst mal gar nicht daran, mir zu helfen. Da gibt es einmal das strenge Nemeton, das sich göttliche Kräfte zunutze machen will, um Drova in eine lauschige Sagenwelt zu verwandeln. Und dann gibt es noch das ruppige Ruinenlager. Seine Bewohner wollen die Welt nicht retten oder verbessen - sie wollen einfach nur weg von hier und suchen deshalb nach einem magischen Ausgang.
Gothic-Kenner wissen natürlich, was jetzt folgt: Ihr müsst euch im Spielverlauf für eines der beiden Lager entscheiden, jede Menge Quests erledigen und euch so nach und nach einen guten Ruf aufbauen. Als Belohnung gibt's Gold, Erfahrung und vor allem stärkere Rüstungen, mit denen ihr dann weitere Bereiche der Welt erkunden könnt. Je nach Fraktion ändert sich auch der Handlungsverlauf, ihr trefft andere Charaktere und ihr bekommt natürlich unterschiedliche Aufgaben - allein das sorgt schon für ordentlichen Wiederspielwert.
Bildergalerie
Motivierende Aufgaben
Zu Beginn geht es noch einfach zu, da muss ich zum Beispiel einer Holzfällertruppe unter die Arme greifen, Apfeldiebe aufspüren, verlorene Arbeiter finden oder Baumaterial für eine Brücke beschaffen. Doch dann führt mich mein Weg schon ins erste Lager, wo deutlich spannendere Aufträge warten. Hier muss ich zum Beispiel einen Schaukampf mit ein paar fiesen Tricks zu meinen Gunsten manipulieren. Ich entdecke Räuberbanden, die sich in Kellergewölben verstecken. Und ich trete als frischgebackener Schürfer meinen Dienst in einer Silbermine an.
Quelle: Just2D / Deck 13
Wer Gothic mag, wird Drova lieben: Die Rollenspiel-Überraschung im Test (12)
Später gehe ich dann gemeinsam mit anderen Kämpfern auf Bärenjagd. Ich erforsche die Geheimnisse des Dunkelwaldes, suche in verwinkelten Spinnennestern nach Vermissten. Und ich erkunde uralte Ruinen, die überall über die Karte verstreut sind und die viele spannende Geheimnisse und kleine Rätsel bereithalten. Was für ein Spaß für Entdecker!
Ein Detail gefällt mir besonders: Auf Knopfdruck wechselt meine Spielfigur in einen Untersuchungsmodus. So kann sie die Umgebung genauer unter die Lupe nehmen und Geheimgänge entdecken, versteckte Schätze ausgraben, Fußspuren im Schlamm verfolgen oder Schriftstücke entziffern. Ein simples, aber gut gemachtes Feature, das für Spieltiefe sorgt.


Und da die Heizung bei mir aktuell nicht funktioniert, skald in meiner Wohnung.
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Von mir aus können sie auch was Neues machen. HAUPTSACHE WIEDER KEINE QUESTMARKER und MINIMAPS -- das Spieleäquivalent zum Kontrollfreak-Chef. Der immer hinter dir steht. Dich permanent rumbosst. Und so verhindert, dass du dich in einer Spielwelt verlieren kannst.