Dragon Quest Heroes 2: Wenig gehaltvoll, trotzdem schmackhaft

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Test Katharina Pache - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Die Spezialangriffe werden schön in Szene gesetzt. Die Charaktere sehen allgemein recht gut aus.
Quelle: Computec Media GmbH

Alles Gute zum Dreißigsten, Dragon Quest! Anlässlich des runden Jubiläums hatte man es bei Square mit der Veröffentlichung von Dragon Quest Heroes 2 wohl eilig, die Fortsetzung des Zwittters aus Hack & Slash à la Dynasty Warriors und klassischem Rollenspiel kam (in Japan) bereits ein Jahr nach dem ersten Teil auf dem Markt. Und trotzdem hatten die Entwickler Zeit, Schwächen des Vorgängers auszubügeln und die Technik auf Hochglanz zu bringen - sehr schön! Dieser Umstand bedeutet nun nicht, dass es sich bei Dragon Quest Heroes 2 um eine Offenbarung und den nächsten PS4-Pflichtkauf handelt. Solltet ihr aber in das begrenzte Beuteschema des Titels fallen, werdet ihr sicher sehr glücklich zwischen Kapuzenkillern, Riesenschleimen, Schützenwichten und Fledersäuen.

Stellt euch vor, es ist Krieg und keinen interessiert es - ungefähr so wird es euch beim Genuss der Story von Dragon Quest Heroes 2 ergehen. Die Rahmenhandlung ist schnell abgesteckt: Zwischen sieben verbündeten Königreichen bricht Krieg aus. Wie es die Klischeegötter so wollen, spielt dabei unter anderem eine uralte Prophezeiung eine Rolle. Die Protagonisten des Fantasy-Potpourris sind Resa und Raphael, talentierte Ritterlehrlinge, die fortan von Reich zu Reich ziehen, um die Missverständnisse zwischen den Königen zu klären und nebenher Horden von niedlichen Feinden zu verkloppen. Einerseits ist es schön, dass sich Omega Force die Mühe gemacht hat, eine Story rund um das Helden-Meeting im Schlachtgetümmel zu stricken und in hübsche Zwischensequenzen zu kleiden. Nichtsdestotrotz erliegt man rasch der Versuchung, die ausladenden Gespräche zwischen den zig Parteien abbrechen zu wollen - und das trotz der exzellenten deutschen Übersetzung. Da wird vor keinem Wortspiel halt gemacht, der schleimige Mentor von Resa und Raphael zum Beispiel redet vom "Wert des Augenschlicks" oder vom "guten Mitschleimander". Herzallerliebst! Mit so viel Hingabe werden wohl nur wenige Spiele übersetzt. Deutsche Stimmen erklingen zwar nicht, ihr lest nur Untertitel und deutsche Texte, aber die englischen Sprecher machen einen guten Job.

Alle Finger in Stellung bringen

In regelmäßigen Abständen trefft ihr auf größere Gegner wie diesen Prolltroll. Quelle: Computec Media GmbH In regelmäßigen Abständen trefft ihr auf größere Gegner wie diesen Prolltroll. Die Handlung rund um die Königreiche und deren Streitereien dient ohnehin nur als Aufhänger für die ausufernden Gefechte zwischen Helden und Monstern. Das Kampfsystem ist quasi identisch zu dem des direkten Vorgängers; hämmert auf die beiden Angriffstasten, um Kombos aneinanderzureihen, gelegentlich startet ihr die aus der Manaleiste gespeisten Spezialattacken. Besonders gefährlich seid ihr im Konzentrationsmodus, dann kosten eure speziellen Manöver keine Manapunkte und ihr seid unverwundbar. Das Aufladen dieses Talentes dauert allerdings eine Weile - wäre sonst ja auch zu einfach. Der Schwierigkeitsgrad zeigt sich wechselhaft: An sich ist das Spielsystem weder komplex noch fordert es taktische Überlegungen, die hinausgehen über "ich sollte das Portal zerstören, durch das neue Gegner aufs Schlachtfeld gelangen". Andererseits saugen viele der größeren Feinde Angriffe auf wie Schwämme und stapfen gefühlte Ewigkeiten über das Schlachtfeld, bevor sie endlich ihr Leben aushauchen.

Vor allem die großen Gegner haben gigantische Mengen Lebensenergie. Quelle: Computec Media GmbH Vor allem die großen Gegner haben gigantische Mengen Lebensenergie. Dazu kommt die Beschränktheit eurer drei Mitstreiter: Ihr könnt zwar auf Knopfdruck zwischen den maximal vier Teammitgliedern wechseln, den von der KI gesteuerten Charakteren aber keine Befehle erteilen. Wenn ihr in einer großen Schlacht zu einem Portal eilt, begleiten euch die Freunde, egal, ob ihr das wollt oder nicht. Zwar gibt es nun nicht mehr so viele Tower-Defense-Missionen wie im ersten Teil, ab und zu müsst ihr aber auch in Dragon Quest Heroes 2 gewisse NPCs beschützen. Was wäre es für eine Erleichterung, könnte man einen seiner Kumpane an den gewünschten Orten abstellen. Allgemein ist es nicht zu empfehlen, sich auf die KI-Kollegen zu verlassen. Zwar sind sie in der Lage, eigenständig zu überleben, sie agieren jedoch ineffektiv und greifen viel zu selten an, stattdessen rennen sie im Kreis herum. Eine Lösung für dieses Problem ist der online verfügbare Koop-Modus. Zum Zeitpunkt des Tests hatten wir kein Glück, andere Spieler zu finden, deshalb nur eine grobe Zusammenfassung: Anderen Spielern bei Storyschlachten helfen könnt ihr erst, wenn ihr diese selbst gemeistert habt. Das ganze Spiel gemeinsam zu zocken ist nicht möglich. Auf Wunsch legt ihr Passwörter fest, um auch ganz sicher nur mit den richtigen Partnern auf Tour zu gehen. Die magischen Labyrinthe sind gesonderte Mehrspieler-Dungeons, die ihr jedoch auch alleine in Angriff nehmen könnt. Es ist durchaus befriedigend, eine Horde Monster mit dem Schwert zu bearbeiten. Quelle: Computec Media GmbH Es ist durchaus befriedigend, eine Horde Monster mit dem Schwert zu bearbeiten.


Berg und Tal und Berg und Tal

Als Ausgangspunkt eurer Reisen dient die Hauptstadt Konkordia, hier erledigt ihr all die Einkäufe für das Team, wechselt die Mitglieder eurer Einsatztruppe, nehmt Nebenmissionen an und so weiter. Auch wenn Dragon Quest Heroes 2 mehr Rollenspiel ist als etwa ein Hyrule Warriors oder andere vergleichbare Titel aus der Serie, so gibt es innerhalb der Stadtkulissen doch nichts zu sehen oder zu erledigen, was nicht direkt mit dem Spielgeschehen zu tun hat. Andere Dörfer oder Städte bekommt ihr nicht zu Gesicht. Stattdessen durchschreitet ihr grüne Wiesen, eisige Täler und staubtrockene Wüsten auf dem Weg in immer neue, immer größere Schlachten. Die Bezeichnung "Open World" sollte man nicht zu wörtlich nehmen, denn die weitläufigen Bereiche sind (zumindest anfangs) nicht miteinander verbunden und oft linear aufgebaut.

In der Hauptstadt trifft man sich, um den nächsten Schritt zu planen. Quelle: Computec Media GmbH In der Hauptstadt trifft man sich, um den nächsten Schritt zu planen. Zum Glück erleichtern die Teleportsteine die Reise, befindet man sich nicht gerade innerhalb einer Auseinandersetzung, wechselt man fix zwischen Orten hin- und her. Auch nach den ausufernden Schlachten bietet das Spiel an, eine Pause in der Hauptstadt zum Verteilen von Ausrüstung und Talentpunkten einzulegen. Die Währung verdient ihr beim Stufenaufstieg und investiert sie in unterschiedliche Fähigkeiten oder Verbesserungen. Statt von einem Talentbaum sollte man angesichts der mangelnden Verzweigung der freischaltbaren Fertigkeiten eher von einem Talentstamm reden, und von den neuen Spezialmanövern abgesehen machen sich die Erweiterungen von MP- oder LP-Vorrat kaum bemerkbar. Aber: Als Motivation für die Grinding-Marathons, die Genre-Fans wohl schon jetzt planen, taugen die freischaltbaren Fähigkeiten allemal. Während die Nebencharaktere - wie gewohnt sind davon viele aus den Dragon Quest-Rollenspielen bekannt - sich mit ihren festen Rollen begnügen müssen, sind Resa und Raphael flexibel. Ihre Klasse hängt von der Ausrüstung ab und kann demnach gewechselt werden. Auf den ersten Blick ist die Vielfalt an Figuren und Fähigkeiten verlockend; da gibt es den Wolfsjungen Ruff aus Dragon Quest 7 oder den fahrenden Waffenhändler Torneko aus Dragon Quest 4. Nach einigen Stunden stellt sich die Ernüchterung ein: Egal, in welcher virtuellen Haut man steckt, beim simplen Kombosystem ist rasch die Luft raus. Da macht es auch keinen Unterschied, ob man nun mit bloßen Fäusten, einem Zweihänder oder einem magischen Fächer auf die Feinde eindrischt.


Liebe auf den ersten Hieb

Einige der Attacken haben Elementarkräfte. Feuer ist zum Beispiel effektiv gegen Feinde aus Holz. Quelle: Computec Media GmbH Einige der Attacken haben Elementarkräfte. Feuer ist zum Beispiel effektiv gegen Feinde aus Holz. Der Schauwert von Dragon Quest Heroes 2 ist hoch und das liegt nicht nur an den gewohnt charmanten Designs von Dragon ­Ball-Schöpfer ­Akira Toriyama. Die Umsetzung in prächtigen Farben und sauberen Modellen entspricht dem fröhlichen Ton der Serie, die sich seit jeher an eine jüngere Zielgruppe richtet als etwa Final Fantasy. Natürlich dürfen auch die kultigen Schleime in allen Farben und Größen nicht fehlen! Der beste Aspekt der Technik ist dabei, dass der Titel beinahe die ganze Zeit in flüssigen 60 Frames läuft - selbst, wenn auf dem Schlachtfeld der Teufel los ist. Die hübsche Optik wird jedoch teilweise verdeckt von einer gigantischen Karte oben rechts im Bild und einem wenig praktischen Hub mit einer ausufernden, hässlichen Leiste am unteren Bildschirmrand für die gesammelten Monstermedaillen. Außerdem ist die Kamera viel zu nahe am Geschehen, der Überblick geht ständig verloren. Am besten, ihr stellt die Dis­tanz gleich nach dem Spielstart auf die höchstmögliche Entfernung, um das Problem zu entschärfen. Das Anvisieren von Feinden gestaltet sich problematisch, da die Kamera sich gelegentlich weigert, den markierten Gegner im Fokus zu behalten. Die Nebenmissionen sind zum großen Teil Standardkost, genauso wie die Dungeons. Ein paar simple Schalterrätsel hier, erschlagt 20 Mumienknirpse dort, fertig ist der Quest-Cocktail. Wolfsjunge Ruff startet seinen Spezialangriff. Dafür müsst ihr zunächst Konzentration aufbauen. Quelle: Computec Media GmbH Wolfsjunge Ruff startet seinen Spezialangriff. Dafür müsst ihr zunächst Konzentration aufbauen.

Der Einäugige unter Blinden?

Dragon Quest Heroes 2 macht vieles besser als der Vorgänger, doch das bedeutet nicht, dass es sich nun um ein Spiel für jedermann handelt. Euch muss klar sein: Die Kämpfe sind repetitiv und simpel, die Story ist völlig belanglos. Ihr werdet Tausende Monster erschlagen, die schwach, aber doch kaum totzukriegen sind. Bei kaum einer Serie sind all die Makel jedoch genau das, was Fans so an ihr schätzen. Und wenn man Dragon Quest Heroes 2 mit seinen Brüdern, Schwestern und entfernten Cousins vergleicht, steht es es bemerkenswert gut da. Durch die Rollenspielelemente ergeben sich zusätzliche Motivationsfaktoren, man bekommt eine zusammenhängende Story geboten, als Dragon Quest-Anhänger jede Menge Fanservice und obendrein eine echt feine, ansprechende Optik. Vom Luxus, flüssige 60 Frames zu genießen, ganz zu schweigen. Als Einstieg in das Genre eignet sich Dragon Quest Heroes 2 durch die liebevolle Aufmachung jedenfalls gut, aber wer niemals eine Vorliebe hatte für grindlastige Spiele in Warriors-Machart, den bekehrt auch diese Inkarnation nicht.

Wertung zu Dragon Quest: Heroes 2 (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Viele unterschiedliche HeldenLäuft flüssigSchöne Optik und niedliche DesignsUmfangreich, wenn auch viel GrindingViel Fanservice
Belanglose GeschichteKameraproblemeDoofe KIAuf Dauer sehr eintönigKaum Taktik erforderlich
Fazit

Ein gelungener Genre-Vertreter, inklusive klassischer Schwächen.

Meinung

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