Das DSL-Drossel-Drama: Netzneutralität, Zwei-Klassen-Gesellschaft, Alternativen
Für Smartphone-Nutzer nichts Neues, für Festnetz-Besitzer bald ebenfallstraurige Wahrheit - Internetdrosselung! Die Deutsche Telekom will das Datenvolumen der Nutzer einschränken, um Geld für den Netzausbau einzusparen. Bei Überschreitung eines festgelegten Volumens, wird die DSL-Verbindung auf 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. Die Hintergründe zu diesem ganzen Drama haben wir im folgenden Special für euch zusammengefasst.
Netzneutralität wahren
Wer bei iTunes einen Film kauft, bekommt das Datenpaket nicht auf das Gesamtvolumen von iPhone oder iPad angerechnet. So handhabt es Apple – und genauso will die Telekom bei der Reduzierung der Geschwindigkeit verfahren. Dies wäre aber ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Genau hier sieht man die Netzneutralität gefährdet, da die Telekom in der Lage ist, eigene Services zu bevorzugen und Einfl uss auf den Datenverkehr in ihrem Netz zu nehmen. Bundesnetzagentur- Chef Jochen Homann verlangt Transparenz von der Telekom. Dieses Beispiel macht deutlich, wie viel Zeit zukünftige Spiele- Downloads benötigen! "Netzneutralität heißt eben, dass es keine Diskriminierung von anderen Anbietern oder umgekehrt eine Bevorzugung des eigenen Angebots geben kann", so Homann. Betroffen von der Tempo-Bremse sind nämlich nur fremde Dienste.
Wer das Telekom-Angebot Entertain nutzt, kann unbegrenzt Filme angucken, ohne dass das Datenvolumen angerechnet wird, eben wie im Falle von Apple. Alle anderen Dienste wie Videoload, die Telekom-Cloud oder Spotify werden sehr wohl mit einbezogen. Um andere Firmen nicht zu benachteiligen, planen die Bonner sogenannte Managed Services. Diese behandeln – gegen Bezahlung – alle dazugehörigen Dienste wie Entertain und verbrauchen somit ebenfalls kein Volumen. Damit ist es aber noch nicht getan. Denn was kürzlich noch von der Telekom bestätigt wurde – eine Drosselung der Tarife – ist laut den AGB der Telekom schon seit 2012 Bestandteil der Verträge des magentafarbenen Konzerns. Durch diese neuen AGB wird man als Neukunde gezählt, wenn man einen Umzug meldet oder einen Tarifwechsel vollzieht. Alt- und Bestandskunden sind also ebenfalls nicht sicher.
Neukunde, so oder so!
Angesichts der Umstellung der Festnetzanschlüsse von Analog auf VoIP in den nächsten fünf Jahren müssen laut Telekom sowieso alle Festnetz- Verträge neu abgeschlossen werden. Dies sorgte natürlich für Aufhorchen bei den Bestandskunden: Die Telekom plant, in manchen Gebieten der Bundesrepublik Veränderungen an den Telefonanschlüssen vorzunehmen. Analoge Telefonanschlüsse, die noch mit alten ATMDSLAM-Baugruppen arbeiten, werden ausgetauscht. Stattdessen wird moderne "Voice over IP"-Technik verwendet. Die Umstellung dürfte auf technischer Ebene für die meisten betroffenen Kunden vergleichsweise ruhig ablaufen. Allenfalls ältere Geräte wie Alarmanlagen oder Notrufsysteme, die nicht mit der VoIP-Technik kompatibel sind, müssen aufgerüstet werden.
Die böse Überraschung wartet jedoch auf der vertraglichen Seite: Üblicherweise sieht der Vertrag mit der Telekom vor, dass neben dem Festnetzanschluss auch der Internetzugang bereitgestellt wird. Beide Dienste sind vertraglich miteinander gekoppelt und Teil eines Vertrags mit der Telekom. Die Umstellung des Telefonanschlusses bedingt nun eine Kündigung des Vertrags. Dieses Vertragsende betrifft daher neben dem Telefonanschluss auch den Internetzugang. Der Konzern will nun wie folgt vorgehen: Der Bestandskunde erhält eine Kündigung des Vertrags durch die Telekom, gleichzeitig aber auch Angebote für den Abschluss eines weiteren Kontrakts mit VoIP-Anschluss und Internetzugang.
Das neue Angebot enthält jedoch bereits als vertragliche Basis der Internettarife die berüchtigte DSL-Drosselung. Wer also diesen frischen Vertrag abschließt, wird sich zwangsläufig auch die DSL-Drosselung mit ins Haus holen. Es ist zu erwarten, dass auch ISDN-Nutzer langfristig auf VoIP umgestellt werden; die Verfahrensweise wird auch bei jenen gleich sein. Ihr erhaltet eine Kündigung, die mit dem (freiwilligen) Abschluss eines neuen Vertrags verbunden ist. Auch darf darauf hingewiesen werden, dass das "Auslaufenlassen" der Verträge für alle derzeit gültigen Verträge denkbar ist. Ein Vorwand, wie die Umstellung der Technik, ist nicht notwendig. Selbst wer heute eine Übereinkunft trifft, muss in zwei Jahren mit einer Kündigung durch die Telekom rechnen.
02. Mai 2012
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (kurz: vzbv) forderte direkt nach der offiziellen Mitteilung der Telekom, die AGB anzupassen. "Dass all dies zu einer nicht hinnehmbaren Benachteiligung der Verbraucher führt, liegt nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW auf der Hand. Die Anbieter übertreffen sich in der Werbung für Internettarife seit jeher mit Flatrate- und Geschwindigkeitsversprechen", kritisiert NRW-Verbraucherzentralenvorstand Klaus Müller das Verhalten des Telefonriesen. "Wer Verbrauchern den Saft fürs Surfen dann übers Kleingedruckte derartig abdreht, lässt sie auf der Datenautobahn auf der Standspur stranden und nimmt ihnen damit die Möglichkeit zum diskriminierungsfreien Zugang zu allen Diensten." Neben anderen Verbänden fordert der vzbv eine gesetzliche Verankerung eines nichtdiskriminierenden, gleichberechtigten Flusses von Daten aus dem Internet. Trotz des brisanten Themas: Bis jetzt ging noch keine Kündigungswelle bei der Telekom ein. Der Verbraucherschutz fordert den Marktführer dennoch auf, bis 16. Mai 2013 die Drosselung aus den AGB zu entfernen.
Zwei-Klassen-Gesellschaft
Der vzbv kritisiert die Telekom weiter: "Der Internetanschluss gehört mittlerweile zur Lebensgrundlage. Der diskriminierungsfreie Zugang zu allen Diensten und Inhalten des Internets muss für jedermann gleichermaßen garantiert sein. Eine Drosselung auf das Schneckentempo von 384 Kilobit pro Sekunde führt dazu, dass eine Nutzung des Internets nur noch demjenigen möglich ist, der es sich leisten kann, weiteres Datenvolumen hinzuzubuchen. Ein Teil der Verbraucher wird dabei ausgegrenzt und eine digitale Zwei-Klassen-Gesellschaft befördert. Darüber hinaus bedrohen die Pläne der Telekom das Prinzip der sogenannten Netzneutralität – und das halten wir für nicht hinnehmbar. Netzneutralität bezeichnet den ungehinderten, gleichberechtigten Zugang zu allen Diensten und Inhalten im Internet: Datenpakete sollen durch die Internetanbieter neutral übertragen werden, ohne einzelne Dienste oder Inhalte zu bevorzugen oder zu benachteiligen. Das ist aber nicht der Fall, wenn eigene Dienste oder Partnerangebote bevorzugt behandelt und so Angebote von Wettbewerbern diskriminiert werden." Die Verbraucherzentralen fordern seit Langem, die Netzneutralität gesetzlich festzuschreiben. Wenn die EU-Kommission in dieser Sache nicht handelt, sei die Bundesregierung gefordert.
Alternativen gesucht
Während sich andere Internetanbieter vornehm zurückhalten und wenig bis gar keine Meldungen zum Thema Drosselung herausgeben, haben einige der Telekom- Mitbewerber bereits heute eine Reduzierung der Geschwindigkeit in ihren Verträgen festgeschrieben. Anbieter 1&1 drosselt in seinem günstigsten Tarif "Surf & Phone Flat Special" bei 100 GB im Monat die Geschwindigkeit. Kabel Deutschland hingegegen drosselt erst ab einem ausgesprochen großzügigen Verbrauch von 60 GB am Tag. Sollte die Telekom bis 16. Mai nicht auf die Abmahnung des Verbraucherschutzes NRW reagieren, so wird dieser Streit vor Gericht ausgetragen. Auch euch als Kunde könnte in naher Zukunft eine Preiserhöhung oder Volumendrosselung drohen: Sollte die Telekom vor Gericht noch gewinnen, bleibt euch auch keine andere Wahl, als sparsam mit dem Internet umzugehen.

ohne ahnung von der technischen umsetzung zu haben, würde ich mal vermuten, dass die zukunft ohnehin komplett drahtlos aussehen wird.
Sicher wird Handysurfen noch schneller werden, aber es wird an Kapazitätsgrenzen stoßen und es wird anfällig bleiben. Wer auf Qualität und Verlässlichkeit Wert legt, wird immer einen Leitungsanschluss wählen
Wieviele Personen seid Ihr eigentlich? Vier? Wieso ist dann der ganze andere Krempel auch online, wenn ihr den jeweils gerade nicht benutzt? Und dann nur einen DSL-Anschluss?
Eigentlich könnt Ihr doch als Familie auf Knien rutschen, dass Dank Preiskampf in den Neunzigern das allgemein übliche Verbot gefallen ist, an einen Anschluss mehr als einen Rechner zu hängen. Das ist doch für Familien ein wahres Geschenk gewesen. Aber niemand konnte und kann erwarten, dass das immer so bleiben würde. Zwar konnte man wohl erwarten, dass man nicht zu dem Ein-DSL-Anschluss=ein-Rechner-Modell zurückkehren würde, wohl aber, dass eine derart intensiv genutzte Familien-Flatrate mal irgendwann teurer als 25 EUR werden würde. Wenn man denkt, das geht immer so weiter, zeigt das diese ekelhafte "nimm alles"- und "Anspruch auf alles"--Mentalität.
Wir erreichen gerade eine Zeit, wo überhaupt einen Internetanschluss zu haben, langsam, ganz langsam ein Grundrecht eines Bürgers wird, weil er sonst gegenüber den meisten anderen, die einen haben, benachteiligt wäre. Von einem Grundrecht auf schnelles Internet oder gar ein Mindestvolumen jenseits dessen, was man für Onlinezeitung und Mails benötigt, sind wir jedenfalls noch weit, weit entfernt. Es gibt also weder einen Anspruch auf DSL16.000 (nicht mal DSL 6000, ein großer Teil der Bevölkerung ringt noch um DSL 2000), noch einen auf irgendwelche Youtube-Videos.
Und eine Preiserhöhung für alle ist eine wirklich arschige Forderung, die einem zuwider sein kann, siehe unten.
Der Großteil der Telekom-Kunden erreicht die angepeilten Grenzen gar nicht. Warum sollte man dann für alle die Preise anheben? Sinnvoller ist es doch, die Wenignutzer nicht zu verprellen und die Poweruser für ihr Mehr an verbrauchter Leistung auch zahlen zu lassen. Es kann doch nicht so schwer sein zu akzeptieren, dass eine echte Flatrate für einen heutigen Poweruser teurer ist, als sie's noch 2010 war, wo ganz andere Datenraten normal waren. Die Wenignutzer sind noch weniger bereit, plötzlich mehr zu bezahlen für "das bisschen Internet", was sie nutzen. Die wären dann wirklich zurück in der Steinzeit, weil sie nämlich komplett auf's Internet verzichten würden, oder sogar müssten, weil sie sich eine teurere Flatrate gar nicht leisten könnten. Ehe sie gar kein Internet haben, schränken sie die Nutzung lieber ein.
Also sind großzügig gestufte Volumenmodelle doch in Ordnung und der Vorschlag, doch einfach die normale Flatrate für alle teurer zu machen, ziemlich mies.
Und wo's Kabel gibt und man eh Fernsehen und Radio via Kabel nutzen möchte, kann man das ja auch tun. Glückwunsch, wenn da 60 GB pro Tag bei heraus springen. Nur gibt es nicht überall Kabel und es will auch nicht jeder Fernsehen. Da ist Kabel dann unmöglich bzw, zu teuer.
Ja, das ist ein gar nicht mal schlechter Standpunkt, zumal ein Konzern eben a) nicht den sozialen Versorgungsauftrag hat und b) auch nicht über die sozialen Mittel verfügt, sondern nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten funktionieren muss. Auf jeden Fall mehr als der Staat.
Hast Du keine private Altersvorsorge? Ich schon. Sie besteht aus mehreren Fonds. Und in einem davon steckt garantiert auch irgendwie die Telekom. Von daher ist es in meinem ureigensten Interesse, dass die Telekom-Aktie nicht fällt, denn dann ist meine Alterssicherung in Gefahr.
Wenn, dann sind wir also alle raffgierig, und das dürfte zutreffen. Dann kann man die Vokabel aber auch genauso gut weglassen, denn auch das Beharren auf billigsten Surf-Flatrates ist raffgierig, nur eben von Kundenseite.
Was hat denn eigentlich ein Volumentarif mit Steinzeit zu tun?
Es gab schon ewig Flatrate-Tarife (damals noch Pauschalpreis genannt) und es gab schon ewig Volumentarife nebeneinander. Und immer, wenn es um Preiskampf ging, wurden vermehrt Pauschalpreise aus dem Hut gezogen und in den Konsolidierungsphasen danach wieder Volumentarife. Das ist ein ständiger Wechsel.
Weder ist der Pauschalpreis ein evolutionärer, technischer Fortschritt gegenüber dem volumenpreis, noch umgekehrt. Beides existiert gleichberechtigt nebeneinander, je nach dem, an welcher Stelle was angebrachter ist.
Und das Gejammer, dass man ja wieder auf irgendwelche Grenzen achten müsste, ist Unsinn, denn man muss lediglich einen für sich passenden Tarif wählen. Noch dazu kann man ja weiterhin, wie gewohnt, surfen, ohne sich Gedanken über Obergrenzen zu machen. Wenn man die Grenze erreicht, bekommt man automatisch das Angebot einer Aufstockung zu günstigem Preis, das man schnell und unkompliziert annehmen und dann weitersurfen kann. Auf jeden Fall hat man jedesmal, wenn man unterhalb dieser Grenze bleibt, das gute Gefühl, Geld gegenüber dem Fall gespart zu haben, dass Flatrates generell ungedrosselt bleiben, aber für alle teurer werden.
Der überwiegende Teil der Normaluser erreicht doch die angepeilten Grenzen gar nicht.
Und wenn ein User sie erreicht, muss er wohl mal einsehen, dass er zu den jungen, verwöhnten Powerusern gehört, für die die unbeschwerte, sorgenlose Nutzung teurer wird, nachdem sie bisher glücklicherweise wegen des Preiskampfes für ein paar Jahre spottbillig war. Was ist daran so ungewöhnlich? Benzin wird auch teurer. Seit wann gibt es das Grundrecht auf Surfen ohne Gedanken daran, was es kostet? Geht's uns zu gut?
Nicht vergessen: Sehr viele Leute in Deutschland haben noch nicht mal DSL! Für die klingt das Gejammer um eine Drosselung wie blanker Hohn.
Da haben sich die Leute doch echt mal ausnahmsweise nicht für dumm verkaufen lassen, Telekom. Schade, hätte ja klappen können,hm?.....
Meiner Meinung nach sollte für den Ausbau der Netze sowieso der Staat zuständig sein und nicht ein Konzern wie die Telekom. Für meine Begriffe gehören Internetleitungen zur öffentlichen Infrastruktur, wie z.B. Straßen. Heutzutage muss ein Haus eben nicht nur physisch (Straße) sondern auch digital (Internet) an den Rest der Welt angebunden sein. Eigentlich liegt es in der Verantwortung der Politik, ihre Bürger damit zu versorgen und diese Grundbedürfnisse der modernen Welt nicht in die Hände von raffgierigen Unternehmen wie der Telekom zu legen.....