Der Pate Die einfachen Versionen der Knarren liegen im Unterschlupf zum Mitnehmen bereit, die heftigen Fassungen sind nur auf dem Schwarzmarkt verfügbar: Dort blättern Sie 250 Riesen für eine aufgemotzte Pistole hin - oder gar das Doppelte für ein Maschinengewehr von ähnlich destruktiver Feuerkraft. Soviel Geld haben nur sorgfältige Mafiosi, die jeden Cent Schutzgeld eintreiben. Notwendig sind derlei Riesenwummen aber nicht, die Standardauswahl reicht zum Durchspielen, kein Sammeltrieb stellt sich ein.

GTA als Inspiration

Der Pate vertraut auf die Mischung, die Grand Theft Auto so unwiderstehlich macht: Es gibt eine große Stadt, Autos zum Klauen, verschreckte Passanten und Sammelobjekte wie Filmrollen, die Originalszenen freischalten. Unten rechts erstreckt sich die Minikarte, auf ihr leuchten wichtige Symbole: Der Unterschlupf, wo Sie das Spiel sichern können, der Startpunkt einer Mission, Waffenhändler oder Läden zum Erpressen. Trotzdem könnte die Übersicht besser sein. Der Ausschnitt ist klein geraten, das unnötig komplizierte Straßensystem nie übersichtlich abgebildet. Und die große Karte lässt sich nur umständlich über das Pausemenü aufrufen, einen Hotkey gibt es nicht.

Die Autofahrten sind teils nervig, teils spielspaßfreundlich. Wenn feindliche Familien hinter Ihnen her sind und die Kugeln der Schnellfeuergewehre prasseln, pumpt das Adrenalin: Man schlittert via Handbremse knapp an Hindernissen vorbei, sieht aufblitzende Funken, hört quietschende Reifen - das hat was. Im höchsten Grade langweilig sind Fahrten, die nur dem Zweck dienen, den nächsten Kontrollpunkt zu erreichen.

Davon gibt es dummerweise eine Menge. Um die Spieldauer zu strecken, liegen diese Punkte häufig meilenweit auseinander. In solchen Momenten wollte der Tester schreien. Ein Schnellreisesystem wie in Oblivion - das wäre eine gute Sache gewesen. Motivationslähmend kommt hinzu, dass man bis zum Ende des Spiels nur eine Hand voll Karren ausfindig macht, die kaum Unterschiede im Fahrverhalten bieten. Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung variieren, mehr nicht.

Einige Bugs, viel Gewalt

Der Pate Ungeachtet aller bisher genannten Spielspaßhemmer: Am ärgsten schmerzt der immer gleiche Missionsablauf. Bis zuletzt fällt Electronic Arts keine Variation abseits von Fahren, Ballern, Prügeln und Schleichen ein. San Andreas und Vice City sind ein Lehrstück in Sachen Abwechslungsreichtum, Der Pate dagegen das perfekte Spiel für Leute mit Alzheimer.

Allein die Zwischensequenzen machen Freude - wahrscheinlich, weil sie dem Film am nahsten stehen. Vor Bugs ist man nicht gefeit: Gegner schießen regelmäßig durch Wände, als Spieler stirbt man etliche Frusttode. Die Wegfindung hätte man verfeinern können: Innerhalb von Gebäuden versperren die Gangsterkollegen immer wieder Durchgänge, was nerviges Hin- und Herlaufen erfordert.

Anstatt solche Probleme bis zur Veröffentlichung zu lösen, machen die Entwickler einen Riesenterz um Waffen und daraus, was man mit ihnen anstellen kann. Irritierend ist die Menge an unangebrachter Gewalt im Spiel. Bei kampfunfähigen Gegnern fordert ein Schriftzug auf, die Taste "V" zur Exekution zu drücken: Der Held setzt den Lauf der Kanone dann dicht ans Opfer und betätigt den Abzug. Käme die Brutalität im vernünftigen Storykontext vor oder clever dosiert, man stünde ihr nicht so ratlos gegenüber.

Aber was soll man von optionalen Missionen halten, die schlicht mehr Geld einbringen, wenn man den Gegner nicht nur erledigt, sondern anzündet? Von Missionen, die so viele Gegner enthalten, dass die Gefechte einer Fließbandhinrichtung entsprechen? Wahrscheinlich wollte Electronic Arts fehlende Substanz kaschieren. Stattdessen ist es ihnen gelungen, abstoßend zu wirken.
Francis Ford Coppola, der Regisseur der Filmtrilogie, charakterisierte das Spiel so: "Hier werden Charaktere hergenommen, die jeder kennt, und dann schießen sie sich gegenseitig ab." Dem ist nichts hinzuzufügen.

Wertung zu Der Pate (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Zwischensequenzen orientieren sich am FilmMit vier Stadtteilen recht große Spielwelt ...
... die jedoch keine Abwechslung bietetActionsequenzen laufen immer gleich abLange Fahrtwege, Bugs im Spielablauf

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