Bei Civilization 7 schwanke ich ständig zwischen Enttäuschung und Spielspaß
Civilization 7 ist da und zeigt Mut zu neuen Wegen. Matthias hat auch Spaß mit dem Spiel, wird aber auch immer wieder von ihm enttäuscht. Wie kann das sein?
Außerdem finde ich den Cut, der bei jedem Wechsel gemacht wird, zu heftig. Meine Truppen werden in alle Winde verstreut, Kriege und Handelsbeziehungen werden abgebrochen, meine Städte degradiert und allgemein ist alles, was nicht als zeitlos gekennzeichnet ist, plötzlich deutlich schwächer. Da wäre mir etwas mehr Kontrolle für den Spieler lieber gewesen.
Auch wenn ich mich mit dem Zeitalter-Wechsel arrangiert habe, ein Freund des Völkerwechsels werde ich dagegen wohl nie werden. Es fühlt sich für mich einfach falsch an, wenn ich mit Hatschepsut und Ägypten beginne und dann je nach meinen strategischen Zielen zweimal auf Zivilisationen umschwenken muss, die nichts mehr der Pharaonin zu tun haben. Klar kann ich auch stets kulturell oder geografisch passende Nachfolgevölker wählen, aber nicht immer passt das zu meinen Zielen.
Civilization 7 scheitern an vielen Kleinigkeiten
Als letzten Punkt möchte ich zu den vielen Kleinigkeiten kommen, die mich in Civilization 7 nerven oder ungläubiges Kopfschütteln auslösen. Immer wieder habe ich mir beim Spielen die Frage gestellt, wieso die Entwickler die einfachsten Dinge übersehen oder nicht eingebaut haben. Das beginnt bei so simplen Einstellungsmöglichkeiten, wie der beschleunigten Darstellung von Bewegungen meiner Einheiten, einer Funktion zum automatischen Erkunden für den Scout oder das Vorplanen von Forschungspfaden.
Bildergalerie
Ich hatte auch immer wieder das Gefühl, dass gewisse Dinge schlicht nicht zu Ende gedacht wurden. Mein bestes Beispiel dafür ist immer wieder die Handhabung der Schätze und Schatzflotten im Erkundungszeitalter. Aus irgendeinem Grund, zählen nur Schatzressourcen, die von Städten an der Küste erwirtschaftet werden. Ich habe keine Möglichkeit von Städten im Inland meine Schätze an die Küste zu befördern. Das ergibt für mich keinen Sinn. Und da mir das Spiel das vorher auch nicht wirklich erklärt hat, bin ich da beim ersten Mal natürlich ganz schön in die Fehlplanungsfalle getappt.
Als jemand, der gerne die Partien nach seinen Vorstellungen gestaltet, war ich auch vom Mangel an gewohnten Startparametern ziemlich enttäuscht. Einstellungsmöglichkeiten zu den Siegbedingungen suche ich vergeblich. Karten gibt es nur in den drei kleinsten Größen mit maximal acht Nationen in der Partie. Und auch die Art der Kartentypen lässt viel zu wünschen übrig.
Einer der größten Frevel ist für mich jedoch, dass es am Ende einer Partie nicht den typischen "Nur noch eine Runde"-Button gibt. Dabei ist genau das doch schon seit Jahrzehnten das Motto, das die Faszination dieser Reihe ausmacht. Es gehörte für mich immer dazu, dass ich nach dem Erreichen einer Siegbedingung trotzdem noch weiterspielen kann, wenn ich das Gefühl habe, mit meinem Volk noch nicht fertig zu sein.
Civilization 7 ist trotzdem ein gutes Spiel
Nun habe ich relativ viel herumgemeckert und man könnte den Eindruck gewinnen, dass alles ganz schlimm und Civilization 7 eines der schlechtesten Strategiespiele aller Zeiten ist. Dem ist aber natürlich nicht so. Das ist alles immer noch Meckern auf recht hohem Niveau. Und da liegt vermutlich auch ein wenig das Problem. Ich war es gewohnt, dass Civilization immer die Krone des Genres darstellt. Dass ich bei einem Spiel der Reihe auf so viele Reibungspunkte treffe, habe ich da schlicht nicht erwartet.
Aber wie ich Eingangs schon schrieb, hat Civ 7 trotz meiner vielen Kritikpunkt irgendwo seine eigene Faszination, die mich immer wieder zurücktreibt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich noch diesen Monat eine dreistellige Zahl an Spielstunden erreichen werde. Trotzdem hätte das Spiel so viel mehr für mich sein können, wenn die Entwickler ein wenig mehr Sorgfalt an den Tag gelegt hätten. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es mit dem Titel weitergeht.

Bezüglich der Zeitalter und des Völkerwechsels und möchte ich das Spiel etwas in Schutz nehmen. Zunächst einmal: Civilization ist keine geschichtswissenschaftliche Arbeit deshalb ist die Frage, wie realistisch eine Mechanik ist nebensächlich oder vielleicht ganz fehlplatziert.
Zu den Zeitaltern: diese werden nicht weniger willkürlich oder realistischer wenn es 5 statt 3 im Spiel gegeben hätte. Besonders weltgeschichtlich gesehen ergeben global einheitlich Zeitalter sowieso keinen Sinn. Rennaissance in Südamerika? Mittelalter in Afrika? Das passt nicht. Davon abgesehen ist man in den Geschichtswissenschaften von diesen vermeintlich sauberen Periodisierungen ohnehin abgerückt.
Zu den Völkerwechseln: hier würde ich sagen - die Völkerwechsel sind sogar realistischer als die bisherige Spielmechanik. Völker, die vermeintlich als monolithische, essenzialistische Einheiten wiedererkennbar durch die Menschheitsgeschichte schreiten, sind im Grunde eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Im Rahmen der nationalistischen Bewegungen in Europa hat man damals die Geschichte bewusst nach Ahnen abgesucht, um die neu entstandenen Nationalstaaten rückwirkend zu legitimisieren und mit einer möglichst alten Geschichte zu versehen. Dabei wurde absichtlich unter den Teppich gekehrt, dass Völker durch die jeweilige historische Konstellation und Verfasstheit bedingt waren. "Die Römer" sind ein gutes Beispiel. Anfangs waren damit nur die Bewohner der Stadt Roms gemeint. Später, nach Ende der spätrepublikanischen Bürgerkriege, haben Italer und Etrusker dazugehört. Caracalla hat schließlich das Bürgerrecht auf alle Bewohner der römischen Provinzen ausgeweitet. Gleichzeitig hat das römische Reich nie aufgehört, vielfältig zu sein. Etruskisch war bis weit in die Kaiserzeit weit verbreitet. Im Osten sprach man Griechisch und Arabisch, Berbisch in Afrika. Diese Liste ließe sich fast endlos fortsetzen.
Oder "die Franzosen": Einstmals keltisch, romanisierte man sich unter römischem Einfluss und verstand sich durchaus auch als Römer. Mit dem Ende des römischen Reiches wurden lokale Identitäten wieder wichtiger und auf einmal war man eher z.B. Burgunder als Römer. Nachdem sich das Schlachtenglück für die Burgunder gedreht hatte, war man Franke. Schließlich dann Franzose. Später sollte Algerien eingegliedert werden - aber nicht als Kolonie sodern als echte départements, genau wie in Frankreich selbst. Da gab es also ganz schön viele Völkerwechsel! Dabei haben die modernen Franzosen sicher mehr mit den modernen Mexikanern gemein, als mit den frühmittelalterlichen Burgundern ...
Trotzdem hatte ich dort bei den Basisspielen noch nie so viele Reibungspunkte wie diesmal.
Das soll jetzt wirklich nicht beleidigend gemeint gewesen sein. Warum aber sind die ersten Tests immer so hoch lobend? Man hatte von Anfang angesehen, dass die Gefühle gemischt sind. Civilisation 7 hat wirklich massive Probleme..
Man bekommt einfach den Eindruck, dass die Tester auf der Pay Roll der Spielehersteller stehen. Ich bin mal gespannt, ob diese Kommentar veröffentlicht wird.
Das hier ist meine persönliche Meinung und die muss nicht zwingend mit der von Vik übereinstimmen. Ich hab mich auch lange mit Vik über meine Reibungspunkte mit dem Spiel unterhalten und er stimmt mir da auch nicht bei allem so zu (was ihr ja im Test nachlesen könnt).
Außerdem sage ich ja, dass das Spiel trotzdem eigentlich gut ist. Sonst würde ich da ja nicht schon so viele Stunden drin haben.
Das soll jetzt wirklich nicht beleidigend gemeint gewesen sein. Warum aber sind die ersten Tests immer so hoch lobend? Man hatte von Anfang angesehen, dass die Gefühle gemischt sind. Civilisation 7 hat wirklich massive Probleme..
Man bekommt einfach den Eindruck, dass die Tester auf der Pay Roll der Spielehersteller stehen. Ich bin mal gespannt, ob diese Kommentar veröffentlicht wird.