Call of Duty: Vanguard im Test: Düster, dreckig, brutal - Die authentischste Geschichte der CoD-Reihe macht Hoffnung

37
Test Michael Grünwald - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Call of Duty: Vanguard im Test: Düster, dreckig, brutal - Die authentischste Geschichte der CoD-Reihe macht Hoffnung
Quelle: Activision

Für Call of Duty geht es einmal mehr zurück zu den Wurzeln. Vanguard erzählt die Geschichte einer Spezialeinheit, die im Zweiten Weltkrieg einem Geheimprojekt der Nazis auf die Spur kommt. Die Kampagne glänzt dabei als eine der besten der CoD-Historie, doch wie steht es um das Gesamtpaket inklusive Multiplayer und Zombies? In unserem Test erfahrt ihr alles Wissenswerte zum Shooter.

Der November ist da: Das bedeutet, die ersten Spekulatius und Schoko-Nikolause sind in Supermärkten zu finden. Das Wetter wird schlechter und vorweihnachtliche Stimmung kommt so langsam auf.

Außerdem steht der November für Call of Duty. Bis auf wenige Ausnahmen lässt Activision die Shooter-Marke immer in diesem Zeitraum auf die breite Masse los. Auch im Jahr 2021 ändert sich daran nichts. Mit Call of Duty: Vanguard (jetzt kaufen 43,51 € ) verschlägt es die Reihe zum ersten Mal seit vier Jahren wieder in die Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Wie zuletzt bei CoD: World War 2 bringt das Entwicklerstudio Sledgehammer Games den First-Person-Shooter zurück in die größte Krise der Menschheitsgeschichte. Nachdem der letzte Titel der Reihe, Black Ops: Cold War, die Gemüter gespaltet hatte, haben es sich die Entwickler zur Aufgabe gemacht, das Franchise wiederaufleben zu lassen.
Neben einer sehr düsteren und persönlichen Kampagne wurden in Vanguard nämlich auch wieder der Multiplayer- und Zombies-Modus auf Vordermann gebracht.

Acht Fäuste für ein Halleluja

Die Story dreht sich um ein Vierergespann, darunter ihr Anführer Seargent Arthur Kingsley. Der Brite mit afrikanischen Wurzeln ist der Kopf der Spezialeinheit, deren Persönlichkeiten in der actiongeladenen, etwa sechsstündigen Kampagne im Mittelpunkt stehen.

Polina Petrova wird von den Deutschen ehrfürchtig nur Lady Nachtigall genannt. Quelle: PC Games Polina Petrova wird von den Deutschen ehrfürchtig nur Lady Nachtigall genannt. Während eines Einsatzes in Hamburg im April 1945 werden Kingsley und der Rest des Quartetts, bestehend aus der sowjetischen Scharfschützin Polina Petrova, dem Austrailer Lucas Riggs und dem Amerikaner Wade Jackson, vom Direktor der GESTAPO und Antagonisten Hinrich Friesinger gefangen genommen und in ein Berliner Gefängnis gebracht.

Während wir in Rückblicken einschneidende Erlebnisse unserer vier Helden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs spielen dürfen, entwickelt sich hinter Gittern ein Katz-und-Maus-Verhörspiel zwischen unserer Spezialeinheit und einem gewissen Jannick Richter. Der Gehilfe von Friesinger wird von niemand Geringerem als "Herr der Ringe"-Star Dominic Monaghan verkörpert.

Im Verlauf der Story kommen unsere Charaktere einem Geheimprojekt der Nazis namens Phönix auf die Schliche. Mehr wollen wir hier nicht verraten, schließlich kann die Kampagne von Vanguard von Anfang an überzeugen und wir wollen nichts vorwegnehmen.

Wahre Vorbilder

Überraschte Black Ops: Cold War noch mit Knobeleien und Handlungswendungen, stehen in diesem Jahr die interessant geschriebenen Figuren im Vordergrund. Zwar erzählt die Kampagne eine fiktive Geschichte, doch unsere vier spielbaren Charaktere sind von echten Soldaten historisch inspiriert.

Mit Sidney Cornell, Ljudmila Pawlitschenko, Charles Upham und Vernon "Mike" Micheel schnappt sich Sledgehammer Games vier Kriegshelden der Alliierten und wandelt sie in Videospiel-Figuren um.

Trotzdem schafft es das Spiel, authentisch zu bleiben und nie ins Lächerliche oder Absurde abzudriften. Die Geschichte ist allgemein sehr düster und persönlich gehalten. So erfahren wir in den Rückblicks-Missionen, wie unsere Charaktere zu den Menschen wurden, die sie nun in der Berliner Gefängniszelle sind.

Trostlos und tödlich. Auch in Nordafrika fanden verheerende Kämpfe während des Zweiten Weltkrieges statt.  Quelle: PC Games Trostlos und tödlich. Auch in Nordafrika fanden verheerende Kämpfe während des Zweiten Weltkrieges statt.  Dabei kämpfen wir an allen Fronten des Zweiten Weltkriegs und auch reale Schlachten aus der Vergangenheit, wie Midway oder El Alamein, spielen eine Rolle. Unsere vier Hauptfiguren haben Ecken und Kanten, bereits viel durchgemacht und kommen nicht rüber wie Supersoldaten à la Captain Price aus Modern Warfare. Das stärkt ihre Persönlichkeiten und die Glaubwürdigkeit.

Unsere Gegenspieler agieren dagegen sehr unterschiedlich. Während wir die Rolle des Jannick Richter äußerst interessant finden, kommt uns Friesinger wie ein Super-Nazi-Bösewicht vor, der die Welt einfach nur brennen sehen möchte und gegen jeden 0815-Charakter austauschbar wäre.

Das ist sehr schade, denn die Kampagne von Vanguard hätte einen besser geschriebenen, charismatischeren Bösewicht verdient gehabt.

Nichts für schwache Nerven

Wenn wir schon über den Antagonisten sprechen, kommen wir nicht an der allgemeinen Grundstimmung vorbei. Der Zweite Weltkrieg war dreckig und brutal. Genau das fängt Sledgehammer Games mit Vanguard gut ein. In den Kämpfen fliegen schon mal Körperteile durch die Luft, Menschen werden mit Flammenwerfern verbrannt und auch Folterszenen deutet das Spiel an.

Unser Widersacher Hinrich Friesinger möchte den Zweiten Weltkrieg mithilfe von Projekt Phönix doch noch zu Gunsten der Deutschen entscheiden. Quelle: PC Games Unser Widersacher Hinrich Friesinger möchte den Zweiten Weltkrieg mithilfe von Projekt Phönix doch noch zu Gunsten der Deutschen entscheiden. Provozierte Kontroversen wie in etlichen der Vorgänger gibt es aber nicht. Das ist auch richtig und wichtig, um nicht über das Ziel hinauszuschießen. Die allgegenwärtige Symbolik mit Nazi-Zeichen en masse reicht völlig aus, um die Immersion in Vanguard hochzuhalten und die dunklen Jahre des Zweiten Weltkriegs einzufangen.

Abgeschaut von den Besten

Um die damalige Zeit besser darzustellen, wurde auch das Gameplay des Shooters verlangsamt. Waffen fühlen sich unhandlicher an und auch das Nachladen braucht deutlich länger. Dennoch bleibt das Waffenhandling auch in Vanguard eine der großen Stärken von Call of Duty.

An einigen anderen Stellen hat sich Sledgahmmer dagegen von anderen Spielen inspirieren lassen. Manche Storyabschnitte erinnern stark an Titel wie Uncharted oder The Last of Us, nur eben aus der Ego-Perspektive.

Weiter geht's auf Seite 2!

37
  1. Seite 1 Call of Duty Vanguard im Test - Seite 1
  2. Seite 2 Call of Duty Vanguard im Test - Seite 2
  3. Seite 3 Call of Duty Vanguard im Test - Seite 3
    • Kommentare (37)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Toni Autorin
        Also abseits von Hautfarbe und Geschlecht der Rollen (finde ich persönlich sekundär) hat der Titel schon einige sehr interessante Settings, die so nur sehr wenig beleuchtet werden. Ich glaube nicht, dass es hier an Kreativität mangelt. Bougenville oder Nordafrika sind auch keine ausgelutschten Settings (zumindest für den Mainstream nicht). Und auch die Umsetzung mit teils arcaden Spielmechaniken wie dem Fliegen sind mir fast zu kreativ.

        Schade finde ich eher, dass man den letzten konsequenten Schritt nicht gegangen ist, und über Rassismus und Frauenfeindlichkeit in den eigenen Reihen nicht geredet hat. Ich bin mir nicht sicher welche "powerfrau" hier eigentlich ein Mann sein soll, aber die russische Scharfschützin basiert auf einer echten Person, die weiblich war (haben wir auch einen Artikel zu geschrieben) tatsächlich beruhen alle Charaktere auf realen Personen (die natürlich nicht unbedingt die exakt gleichen Wege hatten)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Im Spiel bekommt man nur mit, dass die Nazis schwarze nicht ernst nehmen und Frauen... auch nicht ernst nehmen. Nazis sind kacke: keine besonders neue Massage, auch wenn sie wahr ist.
        Dass im zweiten Weltkrieg durchaus schwarze mitgekämpft haben, wird viel zu selten gezeigt. Noch seltener, dass sie schlecht behandelt wurden. Sobald der Krieg vorbei war, wurden sehr viel farbige Einheiten umgehend wieder abgeschoben, besonders in Großbritannien. Einem Videospiel, dass sie mit schwarzen in der Kriegshistorie auseinandersetzt würde ich so eine Thematik durchaus zutrauen. Bei einem Call of Duty, wo sich sowieso schnell Leute über eine "woke" Agenda aufregen, weiß ich nicht, ob es nicht cleverer war, es geschichtlich langsam anzugehen
      • Von Toni Autorin
        Also abseits von Hautfarbe und Geschlecht der Rollen (finde ich persönlich sekundär) hat der Titel schon einige sehr interessante Settings, die so nur sehr wenig beleuchtet werden. Ich glaube nicht, dass es hier an Kreativität mangelt. Bougenville oder Nordafrika sind auch keine ausgelutschten Settings (zumindest für den Mainstream nicht). Und auch die Umsetzung mit teils arcaden Spielmechaniken wie dem Fliegen sind mir fast zu kreativ.

        Schade finde ich eher, dass man den letzten konsequenten Schritt nicht gegangen ist, und über Rassismus und Frauenfeindlichkeit in den eigenen Reihen nicht geredet hat. Ich bin mir nicht sicher welche "powerfrau" hier eigentlich ein Mann sein soll, aber die russische Scharfschützin basiert auf einer echten Person, die weiblich war (haben wir auch einen Artikel zu geschrieben) tatsächlich beruhen alle Charaktere auf realen Personen (die natürlich nicht unbedingt die exakt gleichen Wege hatten)
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]

        Im Spiel bekommt man nur mit, dass die Nazis schwarze nicht ernst nehmen und Frauen... auch nicht ernst nehmen. Nazis sind kacke: keine besonders neue Massage, auch wenn sie wahr ist.
        Dass im zweiten Weltkrieg durchaus schwarze mitgekämpft haben, wird viel zu selten gezeigt. Noch seltener, dass sie schlecht behandelt wurden. Sobald der Krieg vorbei war, wurden sehr viel farbige Einheiten umgehend wieder abgeschoben, besonders in Großbritannien. Einem Videospiel, dass sie mit schwarzen in der Kriegshistorie auseinandersetzt würde ich so eine Thematik durchaus zutrauen. Bei einem Call of Duty, wo sich sowieso schnell Leute über eine "woke" Agenda aufregen, weiß ich nicht, ob es nicht cleverer war, es geschichtlich langsam anzugehen
      • Von Gast1712481002 Mitglied
        Freiheit in Videospielen und co..ja gerne aber wenn das Thema WW1 undWW2 so ausgelutscht ist dass man nun anfängt totalen Blödsinn reinzubasteln nur um es wiederzubeleben zeigt wie kreativlos dieser Teams sind.
      • Von Gast1649365804 Mitglied
        Dafür, dass es Szenarien aus dem 2. WK darstellen will, ist es komplett durchgefallen.
        Vielleicht handelt es aber in einem Paralleluniversum, in dem farbige Soldaten in der US Armee in den 40er Jahren kommandieren durften. Nur einer von vielen gravierenden Fehlern.
      • Von Gast1712481002 Mitglied
        Mehr als ne 5 / 10 bekommt es von mir nicht...Allein aus dem Grund das sie hier massiv versuchen "Power Frauen / Strong Female" Bullshit einzuführen und jegliche Geschichte über Bord wirft
        Auch wenn diese nicht benannt werden, sollte jedem klar sein welche Personen da dargestellt werden sollten die ursprünglich ein Mann war.

        Diese Spiel könnte von Netflix produziert worden sein...ABER man sieht anhand dessen was die Dame an Storys vorher schon geschrieben hat direkt, dass es nichts natürliches ist sondern ein Zwang stattfindet gewissen Rollen unbedingt als Frau zu besetzten.
        Wie auch in Hollywood geht mir das total auf den Keks und wirkt merklich fehl am Platz
      • Von Wamboland Mitglied
        Zitat von Toni
        Also eine 4 / 10 finde ich schon sehr seltsam. Ich persönlich hätte dem Spiel wohl ne 6 bis 7 gegeben (eher 7). Es macht durchaus Spaß, hat eine gute Inszenierung und die Grafik ist auch top.
        Aber am Ende ist immer die Frage, welchen Anspruch ich stelle und womit ich das Spiel vergleiche. Punkte-Wertungen sind einfach nicht so aussagekräftig und am Ende muss man halt auf das Fazit schauen und für sich selbst überlegen, wie viel Gewicht man in die Pro- und Kontrapunkte gibt
        Ja, von dem was ich nun so zum Spiel gesehen habe kommt das vermutlich hin - AngryJoe+PCG/2 = 6 ^^
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 08/2026 play5 08/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 08/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk