Intel Core-X-CPUs: Leistungsanalyse Teil 1
Die ersten Core-X-Prozessoren von Intel für den neuen Sockel 2066 sind seit einem Monat auf dem Markt. Wir haben mehrere Tests der Core-X-CPUs unter die Lupe genommen und ziehen ein Fazit. Zudem bieten wir auch allgemeine Informationen rund um den Sockel 2066.
Leistungsanalyse: Einleitung
Wir haben uns ein gutes Dutzend Tests von Hardware- und Gaming-Websites genau angesehen und die Benchmark-Werte der Reviews unter die Lupe genommen. Sofern die Werte dafür geeignet waren, haben wir zudem gewichtete Durchschnittswerte gebildet, so dass Ausreißerergebnissen kein zu hoher Stellenwert eingeräumt wird.
In diesem Artikel
Anhand unserer Analyse können wir die Leistung der neuen Core-X-CPUs einschätzen, obgleich je nach Anwendung und vor allem bei Spielen zum Teil unterschiedliche Abstände zu Tage kommen. Am Schluss werden wir ein Fazit ziehen, welches das Preis-Leistungsverhältnis als Kernpunkt hat. Durch einige Besonderheiten bei den CPUs splitten wir die erste Analyse in zwei Teile auf - zunächst geht es um die beiden günstigeren Core-X-Prozessoren, die zur Kaby Lake-X-Familie gehören und vier Kerne bieten, danach widmen wir uns den teureren Skylake-X-Modellen mit sechs und mehr Kernen.
Leistungsanalyse: Spezialfall Kaby Lake-X
Viele der von uns betrachteten Tests konzentrierten sich nur auf die beiden Core-X-Modelle, welche durch ihren Preis von unter 400 Euro augenscheinlich die vernünftigste Wahl für den Einstieg darstellen: den Core i5-7640X sowie den Core i7-7440X. Beide sind der Kaby Lake-X-Familie zuzuordnen.
Quelle: Asus
Asus ROG Strix X299-E Gaming (330 Euro)
Besonders interessant scheint der Core i7-7440X zu sein: er besitzt vier Kerne und kann acht Threads verwalten, und das zu einem Preis von 330 Euro - das sind beinahe identische Eckdaten wie bei der Mainstream-Konkurrenz Core i7-7700K (Sockel 1151, vier Kerne und acht Threads, 320 Euro), selbst die Taktwerte ähneln sich sehr. Auch unsere Kollegen von Golem.de haben sich den Core i7-7440X näher angesehen. Das ernüchternde Fazit lautet: technisch gesehen ist der Kaby Lake-X-Prozessor nur eine aufgepeppte Sockel 1151 Kaby-Lake-S-CPU ohne eigene Grafikeinheit. Sie unterstützt somit viele der technischen Vorteile nicht, die der Sockel 2066 eigentlich bieten könnte. So hat der Core i7-7740X nur zwei statt vier Speicherkanäle, so dass bei Mainboards mit acht RAM-Slots (was beim Sockel 2066 üblich ist) lediglich vier Slots genutzt werden können. Der Core i7-7740X bietet zudem nur 16 PCIe-Lanes - an sich sind beim Sockel 2066 bis zu 44 Lanes nutzbar, und auch der kleinste Skylake-X-Prozessor arbeitet bereits mit 28 Lanes.
Zwar liegt der Core i7-7740X bei den PCIe-Lanes gleichauf mit dem, was beim Sockel 1151 möglich ist. Bei einigen Sockel 2066-Mainboards wird die Grafikkarte aber bei Nutzung einer Kaby Lake-X-CPU unter Umständen nur mit PCIe x8-Speed angesteuert. Dies ist zwar kein großer Nachteil, aber mit einem Core i7-7700K für den Sockel 1151 gibt es dieses Problem nicht, und schon steht man leistungsseitig ein wenig besser da. Der Kaby Lake-X-Prozessor bietet zwar eine leicht bessere Übertaktbarkeit als ein Core i7-7700K, was in manchen Szenarien ein Vorteil sein kann. Allerdings rechtfertigt der Vorteil nur in seltenen Fällen den Aufpreis, der durch die teureren Mainboards des Sockel 2066 anfällt. Für Spieler macht der Core i7-7740X daher keinerlei Sinn, außer man ist bereit, für einen winzigen Leistungsvorteil ein Mainboard für mindestens 200 Euro zu kaufen und somit 100 Euro mehr als für ein günstiges Übertakter-Mainboard für den Sockel 1151 auszugeben. Diese Erkenntnisse kann man auch auf die zweite Kaby Lake-X-CPU übertragen, die es im Handel zu kaufen gibt, den "Core i5-7640X"-Prozessor.
Quelle: ASRock
ASRock Fatal1ty X299 Gaming K6 (270 Euro)
Dieser hat bezüglich der Speicherkanäle sowie der PCIe-Lanes die gleichen Nachteile und liegt vom Preis her 20 Euro über dem Intel Core i5-7600K für den Sockel 1151, der ansonsten eine sehr ähnliche Leistung bietet. Das Fazit für die beiden Kaby-Lake-X-Prozessoren für den Sockel 2066 fällt daher negativ aus - nicht weil es den CPUs an Power mangelt, sondern bedingt durch die deutlich höheren Mainboard-Preise im Vergleich zum Sockel 1151, ohne dass dabei ein nennenswerter Leistungsvorteil entsteht. Zudem kann es bei einigen Mainboards sogar zu einem langsameren PCIe-Speed für die Grafikkarte kommen.
Leistungsanalyse: Skylake-X-CPUs mit sechs und acht Kernen
Mit dem Core i7-7800X und Core i7-7820X sind zwei Prozessoren mit sechs respektive acht Kernen in den Handel gekommen. Durch Hyperthreading beherrschen die CPUs zudem pro Kern jeweils zwei Threads.
Quelle: Asus
ASUS TUF X299 Mark 2 (240 Euro)
Auch die Taktwerte klingen mit Turbowerten von 4,0 und 4,3 Gigahertz vielversprechend, und beim Preis ist zumindest das teurere Modell im Vergleich zu ihren Vorgängern für den Sockel 2011-3 ein wahres Schnäppchen: über 30 Prozent weniger kostet der Achtkerner für den Sockel 2066 im Vergleich zu ebenso bestückten 2011-3-Modellen. Allerdings gibt es hier eine Kleinigkeit zu beachten, die mit R anfängt und auf zen endet: AMD Ryzen. AMD hat nämlich mit den neuen Ryzen-CPUs das Duell gegen Intel eröffnet und bietet zwar derzeit noch kein 10-Kern-Modell, aber dafür zwei CPUs mit sechs Kernen und 12 Threads für 210 und 250 Euro sowie drei Acht-Kern-Modelle zwischen 300 und 450 Euro mit 16 Threads. Zudem sind Übertakter-Mainboards für AMDs passenden Sockel AM4 ab 90 Euro zu haben. Bei der Leistungsanalyse der neuen Core-X-CPUs fällt der Blick daher nicht nur auf andere Intel-CPUs, sondern vor allem auf die Konkurrenz von AMD. Unter anderen unsere Kollegen von Golem haben sich ebenfalls den Core i7-7800X und Core i7-7820X vorgenommen und mit CPUs und AMD und Intel verglichen. Ähnlich wie schon bei den Kaby Lake-X-CPUs sind auch beim Sechs- Und Achtkerner für den Sockel 2066 nicht alle PCIe-Lanes freigeschaltet. Allerdings sind die Einschränkungen deutlich weniger relevant, zum Beispiel ist lediglich dann kein voller x16-Speed möglich, wenn man mehr als eine Grafikkarte gleichzeitig nutzen möchte. Bei Nutzung von nur einer einzigen Grafikkarte gibt es aber im Gegensatz zu den Kaby Lake-X-Modellen keine möglichen Nachteile.
Quelle: MSI
Das derzeit günstigste X299-Mainboard: MSI X299 Raider für 200 Euro.
Ebenso gibt es keine Beschränkungen beim RAM. Was die Leistung angeht, so liegen die neuen Skylake-X-CPUs über den früheren Enthusiasten-CPUs der Broadwell-Familie, genehmigen sich dafür allerdings auch etwas mehr Strom. Im Vergleich mit der Ryzen-Familie liegt der Intel Core i7-7800X ein wenig vor dem AMD Ryzen 7 17000X und ein wenig unterhalb des Ryzen 7 1800X. Der Intel Core i7-7820X liegt vor AMDs Top-Mainstream-Modell. Durch den geringen Preis des AMD Ryzen 7 1700X, der mit 24 PCIe-Lanes nur vier weniger bietet als der Core i7-7800X, kann man für den Core i7-7800X daher keine Empfehlung aussprechen. Inklusive eines soliden Mainboards kostet ein AMD Ryzen 7 1700X etwa 470 Euro, der Core i7-7800X aber schlägt mit dem günstigsten passenden Mainboard mit 570 Euro zu Buche. Beim Core i7-7820X wiederum könnten einige Nutzer zugreifen, die wirklich zwingend auf die Fähigkeiten der CPU angewiesen sind. Für reines Gaming lohnt sich der Prozessor aber nicht, und selbst für spezielle Anwendungen, die man vielleicht im Sinn hat, sollte man beachten, dass die mögliche Mehrleistung einen deutlichen Aufpreis kostet: zum Preis des Core i7-7820X könnte man einen AMD Ryzen 7 1800X inklusive eines 140-Euro-Mainboards erhalten. Beim Core i7-7820X kommen mindestens weitere 200 Euro für ein Mainboard noch oben drauf.
