Boiling Point
Achten Sie deshalb unbedingt auf die Tankanzeige. Bleiben Sie trotzdem mal liegen, kapern Sie am besten ein anderes Fahrzeug. Es sei denn, die Panne ist im Nirgendwo passiert. Dann wird's richtig gefährlich: In der Wildnis lauern Schlangen, Bienenschwärme und Geparden. Vorsicht ist auch beim Baden angesagt: Gefräßige Piranhas treiben im Wasser ihr Unwesen.
Im späteren Spielverlauf lernen Sie auch noch den Umgang mit Flugzeugen, Hubschraubern, Panzern und Schiffen. Während die Heli-Steuerung erstaunlich einfach von der Hand geht, legen Sie mit dem Jet eine unfreiwillige Bruchlandung nach der nächsten hin. Eine Joystick-Unterstützung wäre wünschenswert gewesen.
Schlaf heilt alle Wunden
Wie bei einem Rollenspiel sammelt Ihr Charakter Erfahrungspunkte. Diese verteilt Boiling Point automatisch auf diverse Fertigkeiten, zum Beispiel Schussgenauigkeit und Ausdauer. Werden Sie verwundet, suchen Sie entweder einen Arzt auf oder regenerieren sich während eines Nickerchens. Letzteres funktioniert übrigens nur, wenn Saul müde ist und sich an einem sicheren Ort, etwa im Hotel, Wagen oder einem befreundeten Stützpunkt, befindet.
Alternativ könnten Sie sich auch gesundspritzen, wodurch jedoch die Drogenabhängigkeit zunimmt und die Effizienz der Medikamente merklich nachlässt. Durch den Einsatz von Trefferzonen wirkt sich jede Kugel anders auf Sauls Gesundheitszustand aus. Besonders tragisch sind Beinschüsse. Dann verstärken sich die ohnehin recht heftigen Kopfbewegungen beim Laufen so stark, dass Ihnen vom Hinsehen fast schlecht wird.
Mängel beim Missionsdesign
Neben der riesigen Spielwelt und der daraus resultierenden Bewegungsfreiheit besticht Boiling Point in erster Linie durch die abwechslungsreichen Missionen und die spannende Story, die schwer an den Kinostreifen Proof of Life (Lebenszeichen) mit Meg Ryan und Russell Crowe erinnert.
Sie erpressen den Bürgermeister mit peinlichen Beweisfotos, befreien Banditen aus dem Gefängnis, besorgen einem Computerfreak eine neue Grafikkarte aus der Nachbarstadt, damit er sich für Sie in die Bank einhacken kann, und Sie verabreden sich mit einer hübschen Frau zu einem Drink und entlocken dabei der leicht alkoholisierten Lady wichtige Informationen.
Alles schön und gut, hätten sich nicht ein paar unschöne Designschnitzer eingeschlichen, die so manchen Einsatz sterbenslangweilig werden lassen. Bei einem Auftrag sollen Sie beispielsweise drei Minuten lang Banditen davon abhalten, Ihr Haus zu erstürmen. Was sich gefährlich anhört, entpuppt sich als schlechter Witz. Es reicht, wenn man sich tatenlos in die Ecke hockt, anstatt teure Munition zu verschwenden.
Denn kein einziger Gegner nähert sich jemals dem Gebäude auf weniger als fünf Meter. Gleich zu Spielbeginn erleben Sie auch den ersten der vielen Logikfehler: Lisas Verleger drückt Saul die Autoschlüssel der Tochter in die Hand.
Als Sie die Redaktion verlassen, steht auf einmal der Wagen vor der Tür, der beim Reingehen noch nicht da war. Wie er dahingekommen ist, wissen wohl nur die Entwickler. In einer anderen Szene erzählt Ihnen Mafiaboss Don Pedro, dass seine Freundin am Pool in der Sonne liegt. Dummerweise regnet es aber gerade und es ist Mitternacht.
Darüber könnte man ja noch mit einem lachenden Auge hinwegsehen, schließlich gibt es in Boiling Point fließende Tag-und-Nacht-Wechsel. Wesentlich ärgerlicher ist aber die mangelhafte künstliche Intelligenz. Gegner können durch Wände sehen und rennen lieber wie aufgescheuchte Hühner durch die Gegend, anstatt Sie einzukreisen.
Auch ist es unmöglich, jemanden unbemerkt auszuschalten. Obwohl Sie in einem geschlossenen Raum eine Wache in bester Sam-Fisher-Manier mit dem Messer lautlos erledigen, kriegt es sofort jeder Angehörige der betroffenen Fraktion mit - egal ob er sich im Nebenzimmer befindet oder 20 Kilometer entfernt ist.

Ich bin mir ganz sicher dass die Jungs sich die Zeit nehmen, das Spiel komplett durchzuchecken ... deshalb denk ich auch nicht dass es vor 2006 rauskommt, aber das Warten ists mir wert, wenn es dann das wird, was die Entwickler versprechen.