Bohemian Rhapsody: Filmrezension zum Biopic über Freddie Mercury

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Szenenbild aus "Bohemian Rhapsody"
Quelle: Fox

Is this the real life, is this just fantasy? Die ersten Textzeilen aus Queens legendärem und titelgebenden Klassiker Bohemian Rhapsody aus dem Jahr 1975 lassen sich wunderbar aufgreifen, um das herausragende Biopic rund um Queen-Frontmann Freddie Mercury einzuordnen. Reales Leben? Fantasie? Es ist ein wenig von beidem, was in Bohemian Rhapsody eingeflossen ist, allerdings legten die Filmemacher viel Wert darauf, dadurch kein falsches Bild zu zeichnen. Leben und Karriere eines Ausnahmekünstlers wie Mercury auf zwei Stunden zu beschränken, klingt ohnehin zunächst wie eine unmögliche Aufgabe. Mit dem Herausgreifen entscheidender Lebensstationen vom Ende der 1960er-Jahre bis 1985 und einer Handvoll unvergesslicher Queen-Titel gelang es allerdings, Freddie Mercury ein filmisches Denkmal zu setzen.

Gute Gedanken
Die im Film verwendeten Songs akzentuieren die Story, die wiederum gleichzeitig die Entstehungsgeschichte der Lieder erzählt. Plot und Musik greifen harmonisch ineinander, wobei Letztere im Grunde den Soundtrack zu Freddie Mercurys Leben und Schaffen bildet. Dabei mag dem eingefleischten Queen-Fan sicher sauer aufstoßen, dass der ein oder andere Titel chronologisch an der falschen Stelle eingeordnet wurde. Auch so manches in Bohemian Rhapsody (jetzt kaufen 7,99 € ) aufgegriffene Lebensereignis von Freddie fand teilweise in anderen Jahren statt. Doch dramaturgisch ergeben diese Anpassungen durchaus Sinn. Insbesondere verfälschen sie im Endeffekt nichts im Leben Mercurys, sondern verstärken noch viel mehr das, was den Queen-Frontmann ausmachte: auf der Bühne ein extrovertierter Gigant, ein musikalisches Phänomen, im Privaten dagegen ein scheuer, schüchterner Mensch, der sein Leben lang auf der Suche nach Liebe und echter Zuneigung war.

Gute Worte
Rami Malek meistert die schwierige Gratwanderung zwischen künstlerischem Genie und spleenigem Sonderling dabei bis zur Perfektion. Insbesondere im englischen Original sieht man auf der Leinwand keinen Schauspieler mehr, sondern hat das Gefühl, Freddie leibhaftig gegenüberzustehen. Das gilt übrigens auch für die anderen drei Bandmitglieder, die Queen so einzigartig machten, und diverse Weggefährten.
Amüsante Anekdoten werden ebensowenig ausgelassen wie dramatische Entwicklungen, ohne allerdings in Pathos, Verklärung oder reinen Fan-Service zu verfallen. Jeder Song, jede Entwicklung, jeder Dialog, jeder Moment hat seine Berechtigung und liefert einen Mosaikstein des schillernden und dennoch tragischen Lebens einer unsterblichen Rocklegende, deren letzten Lebensjahre bis 1991 bewusst ausgespart wurden. Hin und wieder kann man sich allerdings nicht des Eindrucks erwehren, dass einige Szenen des Films im finalen Schnitt der Schere zum Opfer gefallen sind. Das Hinzustoßen von Bassist John Deacon zu Queen geschieht beinahe unbemerkt, auch einige Plotsprünge wirken minimal überhastet. Vielleicht dürfen wir uns diesbezüglich auf einen Director's oder Extended Cut im Heimkino freuen.

Gute Taten
Als glanzvoller Anker- und Schlusspunkt von Bohemian Rhapsody dient der legendäre Auftritt bei Live Aid, jenem von Bob Geldof im Juli 1985 initiierten Benefizkonzert-Marathon in London und Philadelphia zugunsten der Hungerhilfe in Afrika. Queen spielten damals wie alle anderen Künstler nur 20 Minuten. Die gingen jedoch in die Musikgeschichte ein und wirkten für Queen wie eine erneute Initialzündung. Freddie und Kollegen stahlen allen die Show. Meister Mercury hatte das Publikum von der ersten Sekunde an in seiner Hand. Sein nie einfacher Weg an die Spitze des Rockolymps, seine langjährige sexuelle Orientierungslosigkeit, seine Krisen und Probleme Anfang und Mitte der 1980er-Jahre, die Queen beinahe an den Abgrund führten, die schockierende Aids-Diagnose und die (unausgesprochenen, aber stets präsenten) Folgen, all das verleiht diesem einen Auftritt in Bohemian Rhapsody eine noch viel denkwürdigere Bedeutung und extrem tiefe Emotionalität. Auch inszenatorisch ist es fast schon allein diese "Live"-Sequenz wert, sich Bohemian Rhapsody anzusehen. Überhaupt besitzt das regietechnisch von Brian Singer und Dexter Fletcher geprägte Biopic einen ganz eigenen, fantastischen Stil, der das Flair der 1970er- und 1980er-Jahre beinahe atmet und ungefiltert auf das Publikum überträgt. Long live King Mercury!

Wertung zu Bohemian Rhapsody

Wertung:

10 /10
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    • Kommentare (1)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von linktheminstrel Mitglied
        es ist ja auch eine interessante zeitreise-geschichte, wo der 80er freddie in die siebziger reist. hat was von terminator...
      • Von linktheminstrel Mitglied
        es ist ja auch eine interessante zeitreise-geschichte, wo der 80er freddie in die siebziger reist. hat was von terminator...
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