Stimmung auf der BlizzCon: WoW-Fans hyped, Diablo-Fans enttäuscht

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Special Philipp Sattler - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Stimmung auf der BlizzCon: WoW-Fans hyped, Diablo-Fans enttäuscht
Quelle: buffed

Nach vier Jahren Pause gab es erstmals wieder eine BlizzCon vor Ort im Anaheim Convention Center. Neben drei (!) neuen WoW-Erweiterungen wurde dort auch die Zukunft von Diablo 4 und Overwatch thematisiert. Wir waren selbst vor Ort und haben nicht nur Entwickler interviewt, sondern auch mit der Community gesprochen.

Nach gut vier Jahren war die BlizzCon 2023 zum ersten Mal wieder eine "physische" BlizzCon, die vor Ort im Anaheim Convention Center stattgefunden hat. Nach mehreren BlizzConline-Events freuten sich nicht nur unzählige Journalisten und Influencer darauf, endlich wieder direkt mit den Entwicklern sprechen zu können - es freuten sich natürlich auch viele Fans darauf, endlich wieder zusammenzukommen. Im Vorhinein kamen aber viele Fragen auf.

Lohnt sich ein Besuch der BlizzCon überhaupt noch? Die Entwickler kündigten vollmundig an, man werde das Konzept BlizzCon auf den Prüfstand stellen und grundlegend neu bewerten und überarbeiten. Das machte viele Fans stutzig und trug sicherlich mit dazu bei, dass die Tickets nicht wie gewohnt binnen weniger Minuten ausverkauft waren. Die Spieler agierten weitestgehend verhalten und so waren auch wir gespannt, wie das Stimmungsbild auf der BlizzCon 2023 aussehen würde.

Mittlerweile ist die Messe vorbei und wir hatten die Chance, mit vielen Gästen zu sprechen und uns ein Bild zu machen, was die Menschen von der BlizzCon 2023 erwartet haben und wie zufrieden sie am Ende der beiden Tage waren. Ein Spoiler vorneweg: Verglichen mit früher hat sich gar nicht so viel geändert.

Frust über Einlass und Organisation

Zu Beginn der BlizzCon 2023 überwog bei vielen Besuchern noch der Frust über die Organisation. Der Umstand, dass es zwei Eingänge gab und die Ausschilderung scheinbar nicht so glücklich gewählt war, resultierte in Kilometer langen Schlangen auf der einen Seite und einem nahezu leeren Eingang auf der anderen Seite. Da man in den USA mittlerweile (aus traurigen Gründen) von sehr breiten Wartebereichen, in denen tausende Fans eng stehend auf den Einlass warten, Abstand genommen hat, entstand eine "dünne" Warteschlange, die sich bis in die umliegenden Wohngebiete schlängelte.

Die Arena des Conventions Center war viel zu klein für alle Besucher der BlizzCon 2023. Quelle: buffed Die Arena des Conventions Center war viel zu klein für alle Besucher der BlizzCon 2023. Dazu kam noch das neue "Losverfahren" für die Eröffnungszeremonie. Denn bei Blizzard hatte man entschieden, die Opening Ceremony nicht mehr in einer der großen Hallen stattfinden zu lassen, sondern in der Arena. Die bot aber leider nur einer begrenzten Anzahl an Menschen Platz. Daher wurde vorher ausgelost, wer überhaupt reinkommen durfte. Und um Chaos zu vermeiden, wurden die Blöcke auch noch einzeln hineingelassen. Das sorgte nicht nur dafür, dass Gruppen auseinandergerissen wurden, sondern auch dafür, dass einige (wir Medienvertreter beispielsweise) mehr als zwei Stunden vor dem Start bereits auf unseren Plätzen sitzen mussten. Hier gibt es definitiv noch viel Raum für Verbesserungen.

Als wär die BlizzCon nie weg gewesen

Diverse Statuen ikonischer Charaktere sorgten für die passende Kulisse. Quelle: buffed Diverse Statuen ikonischer Charaktere sorgten für die passende Kulisse. Als die BlizzCon 2023 dann aber endlich lief, fühlte es sich schlagartig so an, als wäre sie nie weg gewesen. Das Convention Center wurde von Unmengen an glücklich anmutenden Fans geflutet, die sich durch die Hallen von Diablo, Overwatch und WoW drängelten und nicht die coole Aufmachung bestaunten, sondern munter über die verschiedenen Ankündigungen diskutierten. Aber waren die Fans auch wirklich alle glücklich? Wir haben uns bei diversen Gelegenheiten mit vielen von ihnen unterhalten und versucht, ein Stimmungsbild aufzufangen. Denn, und das macht die BlizzCon ebenfalls aus, man ist nie lange allein, sondern kommt sofort mit anderen ins Gespräch - immerhin sind wir alle eine Community.

Bei den diversen Gesprächen kam schnell heraus, dass wir mit unseren Gefühlen im Vorhinein nicht allein waren. Viele der Besucher waren unsicher, was sie von der "neuen" BlizzCon erwarten sollten. Da sich letztlich aber gar nicht so viel verändert hat, waren sie froh, dennoch gekommen zu sein. Der erhöhte Preis, immerhin kostete das Ticket mindestens 299 Dollar, war übrigens bei niemandem ein Thema. Für die Besucher aus den USA sind solche Preise bei Veranstaltungen dieser Art offenbar üblich (ein Ticket fürs nebenan liegende Disneyland kostete für den folgenden Sonntag schlappe 200 Dollar). Und für Besucher aus der restlichen Welt fiel der Preis angesichts von Hotel- und Flugkosten kaum ins Gewicht.

Das größte Gildentreffen der Welt

Auf der BlizzCon selbst hatte man stets das Gefühl, man sei Teil eines riesigen Gildentreffens. Nur, dass sich die Gilde wechselte, wenn man 50 Meter weiterging. Diverse kleinere Partys innerhalb einer einzigen großen Party - so lässt es sich wohl zusammenfassen. Falls mein Gildenleiter mich irgendwann rauswirft, habe ich jedenfalls mittlerweile diverse Angebote von Gilden auf der ganzen Welt.

Erst gegen Abend lichteten sich die Reihen und es wurde ruhiger auf dem Gelände der BlizzCon. Quelle: buffed Erst gegen Abend lichteten sich die Reihen und es wurde ruhiger auf dem Gelände der BlizzCon. Die Stimmung war dabei natürlich vor allem angesichts der umfassenden Ankündigungen rund um die Zukunft von WoW hervorragend. Vor allem Chris Metzen wurde von den Hardcore-Fans gefeiert, als sei der Messias aus dem Himmel hinabgestiegen, um eigenhändig die Zukunft von WoW in ein goldenes Zeitalter zu lenken. Auch wenn sich bei tieferen Gesprächen alle darüber im Klaren waren, dass Chris Metzen und dessen Lore nur ein Baustein von WoW sind. Bei all der Freude war sogar Warcraft Rumble kein Negativpunkt - wie man es bei einem Mobile Game hätte vermuten können. Ein Teil der Spieler hatte es bereits auf dem Handy und spielte zwischendrin aktiv. Anderen war es schlicht egal.

Bei Diablo 4 war der Hype etwas gedämpfter. Mit den meisten Inhalten der Ankündigung hatte die Spieler bereits gerechnet. Das bedeutet aber nicht, dass sie deswegen enttäuscht gewesen wären. Nur verstanden sie nicht, warum man eine neue Klasse anteasert, minutenlang um den heißen Brei herumredet, um sie dann doch nicht zu verraten. Das ging uns genauso, weshalb wir im Diablo-Interview danach gefragt haben. Die Antwort war wenig befriedigend.

In der Diablo-Halle konnte man sich sogar tätowieren lassen. Das schmerzte viele Gäste weniger als die Ankündigungen rund um ihr Lieblingsspiel. Quelle: buffed In der Diablo-Halle konnte man sich sogar tätowieren lassen. Das schmerzte viele Gäste weniger als die Ankündigungen rund um ihr Lieblingsspiel.

Kein Wort zu wichtigen Themen

Der größte Unmut der Fans wurde aber von fehlenden Themen hervorgerufen. Ob nun Neuerungen durch die Übernahme von Microsoft oder Spiele wie StarCraft und Heroes of the Storm - außer netten Worten gab es nichts Neues. Den Auftritt von Phil Spencer fanden die meisten Fans sehr verwunderlich, da er wenig bis keinen Mehrwert bot. Außer, um abermals klarzustellen, wem Blizzard jetzt gehört. Ob es so etwas auf einer Fan-Veranstaltung wirklich braucht?

Für die meisten Besucher war die BlizzCon 2023 mehr als nur eine Messe, auf der man sich die neusten Patches und Neuerungen anschaute. Es war eine zweitägige Party mit Gleichgesinnten. Das ist es, was die BlizzCon auch im Jahr 2023 so besonders macht und was sich weit über die Grenzen des Convention Centers fortsetzte. Die Lobby des Hilton-Hotels (direkt neben der Messe) glich einer ausufernden Studenten-Party und auch in den restlichen Hotels rund um das Convention Center sah es nur wenig ruhiger aus. Sämtlichen Restaurants und Party-Tempel in Anaheim wurden von Gamern in Blizz-Merch gestürmt. Das Ganze übrigens sehr zur Verwunderung der mit Mäuseohren bekleideten Touristen des nebenan gelegenen Disneylands.

Natürlich waren auch jede Menge Cosplayer vor Ort. Die meisten hatten deutlich weniger an als unser Lieblingsworge. Quelle: buffed Natürlich waren auch jede Menge Cosplayer vor Ort. Die meisten hatten deutlich weniger an als unser Lieblingsworge.

Gute Stimmung durch und durch

Die Stimmung war dabei stets ausgelassen und positiv. Keine Spur von Aggression oder grenzwertigem Verhalten. Was dem noch am nächsten kam, war die Reaktion der nächtlichen Party im Innenhof unsere Hotels, bei der offenbar eine Allianz-Gilde ausgelassen feierte und auf den "For the Horde"-Ruf von einem der Balkone mit einem gewaltigen "Fu*k the Horde" aus unzähligen Kehlen antwortete.

Selbst das Anstehen in diversen Schlangen an den Spielestationen, Essensständen oder vor den Einlässen der Arena funktionierte makellos. Niemand drängelte sich vor (obwohl das sehr einfach gewesen wäre), niemand schob, niemand wurde patzig oder meckerte rum. Auf einer Gamescom wären solche Bilder absolut unvorstellbar.

Selbst in den entlegensten Ecken des Convention Centers war klar, wer hier gerade eine Messe veranstaltet. Quelle: buffed Selbst in den entlegensten Ecken des Convention Centers war klar, wer hier gerade eine Messe veranstaltet. Von wenige Ausnahmen abgesehen waren sich übrigens alle einig, dass 2023 nicht ihr letzter Besuch einer BlizzCon gewesen sein wird. Die meisten planen schon im kommenden Jahr wieder mitzufeiern. Auf ein paar Verbesserungen hoffen sie aber trotzdem. Also Blizzard, falls ihr hier mitlesen solltet: Bitte die Organisation der Einlässe und Eröffnungszeremonie nochmal überarbeiten. Außerdem wäre es dufte, wenn es mehr Essen und Trinken gäbe, bei dem man nicht in Schockstarre fällt, wenn man den Preis sieht. Und der Wunsch, den wir am häufigsten hörten: Stampft mindestens eine der Overwatch-Hallen ein und gebt Diablo und WoW mehr Platz!

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