Batman: Arkham Origins Blackgate im Test: Öde Kämpfe, motivierende Secrets + Wertung und Fazit
Ursprünglich nur für PS Vita und Nintendo 3DS entwickelt, ist Batmans Handheld-Ausflug doch noch für PC und Current-Gen-Konsolen erschienen: Neben aufgehübschter HD-Optik bietet die Deluxe Edition eine verbesserte Karte und kleinere Gameplay-Anpassungen. Im Groben und Ganzen bleibt das Spielerlebnis aber gleich: Mit verwirrendem Leveldesign und wenig Anspruch reicht Batmans 2,5D-Ableger nicht an die Güte seiner "großen" 3D-Vorgänger ran.
Secrets, Gadgets, neue Wege: Das ist Metroidvania ohne Schnörkel
Auch wenn das Erkunden der Levels manchmal mühsam gerät, lohnt sich der Aufwand: Wie es sich für ein Action-Adventure im Metroidvania-Stil gehört, ist das Blackgate-Gefängnis vollgestopft mit Secrets und Sammelbarem. Manche dieser Fundstücke verbessern Batmans Rüstung oder seine Angriffskraft, außerdem sind Teile verschiedener Batman-Kostüme versteckt, die dem maskierten Helden verschiedene, dauerhafte Vorteile verleihen. Zum Durchspielen sind diese Kostüme aber nicht nötig, sie dienen vielmehr als Bonusanreiz für Entdeckernaturen. Um neue Wege zu erschließen, Schalter zu betätigen, kleine Rätsel zu lösen und geheime Pfade aufzudecken, kommen außerdem mehrere Gadgets zum Einsatz, die Batman natürlich erst im Spielverlauf finden muss. Leider gibt es nur wenige dieser Werkzeuge, etwa eine Explosiv-Gel-Kanone, elektrisch geladene Batarangs oder einen Seilwerfer, den man schon aus Arkham Asylum kennt. Der Einsatz dieser Gerätschaften geht gut von der Hand und macht Spaß, etwas mehr von ihnen hätten es aber ruhig sein dürfen.
Schade: Die Tastenbelegung der PC-Version lässt sich nur in Details abändern, die wichtigsten Tasten dürfen wir aber nicht austauschen. Immerhin: Die Voreinstellung ist gut gewählt und (zumindest für Rechtshänder) absolut brauchbar - wir kamen mit Maus und Tastatur gut zurecht. Alternativ könnt ihr natürlich auch ein Xbox-360-Gamepad anschließen.
Besser spielbar am PC: Der verbesserte Detektivmodus
Versteckte Wege und andere wichtige Details stöbert Batman mit seiner gewohnten Detektivsicht auf - dadurch werden alle relevanten Objekte in der Umgebung farblich hervorgehoben und selbst Gegner werden durch Wände hindurch sichtbar gemacht. Im Gegensatz zur PS Vita-Version ist die Detektivsicht auch deutlich angenehmer zu bedienen: Wo man bei der Sony-Konsole noch umständlich den Touchscreen befummeln musste, genügt es in der Deluxe Edition, eine Taste gedrückt zu halten, um den großen Zielcursor einzublenden. Den kann man dann einfach schnell per Maus (PC) oder Analogstick (PS3, Xbox 360) über den Bildschirm bewegen. Aber auch wenn diese Eingabemethode viel besser gelöst ist und das Gesamterlebnis davon merklich profitiert, bremst das ständige Abscannen der Umgebung immer noch den Spielfluss - zumal teils winzig kleine Beweisstücke in den Levels verteilt sind, die man mit bloßem Auge und ohne Scanner kaum entdecken kann.
Quelle: PC Games
Der Detektivmodus lässt sich in der Deluxe Edition zwar angenehmer bedienen, trotzdem hemmt das ständige Scannen den Spielfluss.
Anspruchslose Prügeleien, solides Schleichen
Kämpfe laufen ähnlich wie in Arkham Origins ab: Batman verprügelt Gangstergruppen mit simplen Kombos und Konterattacken. Das ist schön animiert, gerät spielerisch aber viel simpler als im großen Vorbild. Es gibt nur wenige Attacken, die meisten Gefechte geraten dadurch etwas eintönig, zumal nur wenige Gegnertypen aus den früheren Arkham-Spielen in Blackgate rübergerettet wurden. Außerdem spielen Batmans Gadgets in Kämpfen kaum eine Rolle. Die hochspannenden Schleich-Passagen aus den früheren Batman-Spielen, in denen man sich clever an Gegner ranpirschen und sie lautlos ausschalten musste, wurden dafür solide in das 2D-Format übertragen: Batman kann Gegner beispielsweise ablenken, indem er Batarangs an Alarmglocken schleudert, oder aber er schleicht sich durch Gitter im Boden an seine Ziele heran.
Es gibt auch ein paar Levelabschnitte, in denen sich Batman wie in den großen Arkham-Teilen von einem Wasserspeier zum nächsten schwingt, um Gegner von oben herab auszuschalten - spielerisch simpel, aber nett gemacht. Schade allerdings: Ein Erfahrungspunktesystem mitsamt Talentbaum gibt es nicht: Gegner sind in Blackgate nur reine Hindernisse, sie zu besiegen wirft also keinerlei Belohnungen für den Helden ab.
Durchwachsene Bosskämpfe
Quelle: PC Games
Die meisten Bosskämpfe meistert man mit guten Reaktionen und Quicktime-Events.
Die wenigen Bosskämpfe haben Höhen und Tiefen. Ein wichtiges Gefecht läuft beispielsweise als rasantes Quicktime-Event mit wenigen Steuerungsmöglichkeiten ab - das ist spielerisch simpel, sieht aber gut aus. Ein anderer Bosskampf gegen den Pinguin hat uns hingegen unnötig Nerven gekostet, da man hier schleichend vorgehen muss, während sich der Raum mit übermäßig starken Gegnern füllt. Zwar gibt es hier einen einfachen Trick, um den eigentlich kinderleichten Kampf zu schaffen, doch dafür liefert das Spiel nicht genügend Hinweise. Richtig frustriert hat uns aber das finale Gefecht, das wir hier natürlich nicht spoilern. Nur soviel: Stellt euch auf ständig wiederkehrende Dialogzeilen und nervige Reaktionsstests ein.
Verbesserte HD-Grafik
Für die Deluxe Edition wurden viele Texturen geschärft, einige Effekte verbessert und die Beleuchtung optimiert. Außerdem wirken Batmans Bewegungen etwas flüssiger als in der PS Vita-Version, was auch der deutlich höheren Framerate zu verdanken ist. Am grundlegenden Look hat sich allerdings nur wenig getan, die Umgebungen sind immer noch eintönig, kantig und grau geraten. Batmans grafische Umsetzung hinterlässt da einen besseren Eindruck, vor allem seine Animationen überzeugen, auch wenn sein Charaktermodell längst nicht so detailreich ausfällt wie in den anderen Arkham-Spielen. Batmans Gegner hingegen sind ähnlich hässlich texturiert wie in der PS Vita-Version, was vor allem in den Zeitlupen-Kampfanimationen ins Auge fällt. Auch die schwach animierten Comic-Zwischensequenzen wurden nicht überarbeitet, doch immerhin: Die hochwertige englische Vertonung rettet viel Atmosphäre, denn es kommen die gleichen Sprecher wie im großen Bruders Arkham Origins zum Einsatz. Eine deutsche Vertonung gibt es nicht, zumindest wurden aber die Untertitel übersetzt.
Umfang und Preis
Quelle: PC Games
Im Kampf gegen Deadshot helfen keine Faustschläge, stattdessen muss Batman den Feind mit einem Scheinwerfer blenden.
Wir spielten Blackgate in unter neun Stunden durch und fanden dabei 93 Prozent aller Secrets. Wer keinen Wert darauf legt, jede Upgrade-Kiste und jedes Geheimnis zu entdecken, dürfte auch deutlich schneller durch sein, wir tippen auf etwa sechs Stunden für hurtige Spieler. Die Deluxe Edition bietet zwar ein paar neue sammelbare Anzüge, doch das steigert die Spielzeit nur unmerklich . Einen Mehrspielermodus gibt es nicht.
Kurios: Während Warner Interactive immer noch knapp 30 Euro für die alten PS Vita- und 3DS-Versionen verlangt, ist die verbesserte Deluxe Edition bereits für 20 Euro über Steam, PSN und Xbox Live zu bekommen.
Über die Macher: Batman: Arkham Origins Blackgate stammt weder von Rocksteady noch WB Games Montreal, sondern von Armature Studios. Dieses texanische Team wurde von ehemaligen führenden Mitgliedern der Retro Studios gegründet, die vor allem für ihre brillante Metroid Prime-Trilogie bekannt sind. So zeichnet der Metroid Prime-Director Marc Pacini auch für Batman: Arkham Origins Blackgate verantwortlich.
Tipp: Falls ihr mehr über Metroidvania-Spiele wissen möchtet, findet ihr hier unser Special zu dem Thema.
In diesem Artikel
- Seite 1 Batman: Arkham Origins Blackgate im Test: Fortsetzung mit 2D-Gameplay
- Seite 2 Batman: Arkham Origins Blackgate im Test: Öde Kämpfe, motivierende Secrets + Wertung und Fazit
- Seite 3 Grafikvergleich PS Vita gegen PC - Teil 1
- Seite 4 Grafikvergleich PS Vita gegen PC - Teil 2
- Seite 5 Bildergalerie
