Baldur's Gate 3 im Test: Dieses Rollenspiel ist ein Kunst- und Meisterwerk
Wir haben Baldur's Gate 3 in mehr als 115 Stunden durchgespielt und erklären im Test, warum das Rollenspiel ein absolutes Meisterwerk geworden ist.
Cineastisch herausragend
Ein weiteres Merkmal, das Baldur's Gate 3 aus der Nische der CRPGs heraushebt, ist die erstklassige Inszenierung. Ja, es ist ein klassisches Iso-Rollenspiel mit rundenbasierten Kämpfen, es präsentiert seine Story aber in einer Art und Weise, wie man es bisher nur von modernen Third-Person-Rollenspielen wie The Witcher 3 oder Mass Effect kennt. Jeder Dialog, jede Interaktion mit Lebewesen, sei es Mensch, Elf oder Eichhörnchen, wird mit schicken Cutscenes dargestellt. Diese Szenen entstanden alle mit Motion-Capturing und sind voll vertont. Bei der schieren Masse an Dialogen, Gesprächspartnern und Story-Verzweigungen ist das eine unglaubliche Leistung. Hinzu kommt ein fantastischer Soundtrack, der jede Szene stimmungsvoll untermalt. Es gibt sogar Kämpfe, die mit einem individuellen Soundtrack unterlegt sind.
Der Aufwand hat sich gelohnt, weil man als Spieler so viel mehr in all die Geschehnisse hineingesogen wird. Vorbei sind die Zeiten elendig langer Textwüsten, die man lesen muss, um an der Geschichte teilzuhaben. So transportiert das Spiel natürlich auch deutlich besser Emotionen. Das gelingt auch, da jeder der (englischen) Synchronsprecher einen fantastischen Job macht. Gestört hat uns lediglich, dass der eigene Charakter in Dialogen stumm bleibt. Das beraubt ihn jeglicher Emotionen, die in bestimmten Gesprächen rübergebracht werden müssten. Dabei hat der Avatar ja sogar eine Stimme! Während der Erkundung der Spielwelt kommentiert er immer wieder interessante Entdeckungen und Story-relevante Stellen. Umso seltsamer, dass unser Held im Gespräch verstummt.
Unsere größte Kritik am Dialogsystem, ja am ganzen Spiel ist jedoch ein Problem, das Larian schon bei Divinity: Original Sin 2 plagte. In bestimmten Situationen, besonders nach Kämpfen, haben wir immer wieder keine Kontrolle darüber, welcher Charakter einen Dialog führt. Es kann dann passieren, dass automatisch ein Dialog getriggert wird, der von dem Charakter geführt wird, der am nächsten am auslösenden NPC stand. Das ist ärgerlich, weil es eigentlich immer der Avatar sein sollte, der Gespräche führt. Und besonders ärgerlich ist das, wenn das Gespräch Skillchecks erfordert, für die der betreffende Charakter aber gar nicht die Fähigkeiten hat. Das Problem ist längst nicht mehr so präsent wie in Original Sin 2, kommt für unseren Geschmack aber immer noch zu häufig vor.
Quelle: PC Games
Im Splitscreen spielen zwei Spieler gemeinsam.
Koop, Splitscreen, Controller - alles dabei
Ansonsten gibt es kaum etwas zu bemängeln, auch auf der technischen Seite. Völlig fehlerfrei ist es nicht: Bisweilen hängt die Kamera in Dialogen ungünstig hinter irgendwelchen Objekten oder ein herrenloser Krug schwebt durchs Bild. Einmal sprachen wir in der Kanalisation von Baldur's Gate einen NPC an, die Dialog-Cutscene spielte sich dann aber in unserem Lager ab. Während der gesamten Spielzeit stürzte das Spiel zweimal ab. In Anbetracht des gewaltigen Umfangs und 115 Spielstunden fällt das alles aber kaum ins Gewicht.
Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Koop. Baldur's Gate 3 kann von bis zu vier Spielern gemeinsam gespielt werden. Theoretisch können also alle vier Gruppenmitglieder in der Party von menschlichen Spielern gesteuert werden. Das funktioniert alles einwandfrei und sorgt für zusätzlichen Spaß, wenn man sich neben den Herausforderungen des eigentlichen Abenteuers auch noch mit den Spielereien seiner Freunde auseinandersetzen muss. Zwei Spieler können über das Internet, aber auch im Splitscreen an einem Gerät zusammen zocken. Von Anfang an in die PC-Version integriert ist eine gelungene Controller-Unterstützung.
Ein Kunstwerk
Am Ende bleibt festzuhalten, dass die Entwickler von Larian Studios mit Baldur's Gate 3 etwas ganz Besonderes geschaffen haben. Und auch wenn sich Entwickler großer Studios mit Händen und Füßen dagegen wehren: Dieses Rollenspiel setzt neue Maßstäbe, an ihm werden sich künftige RPGs messen lassen müssen. Es ist ein Videospiel in seiner reinsten Form, dass der Industrie einen Spiegel vorhält. Es zeigt uns, wie Videospiele einmal waren und eigentlich sein sollten, was von der Industrie mittlerweile aber viel zu oft vergessen wird. Es ist ein Kunstwerk, entstanden aus der Leidenschaft und Liebe eines Studios, das nicht von der um sich greifenden Gier der Industrie korrumpiert wurde. Man merkt Baldur's Gate 3 in jeder Faser an, dass es nicht geschaffen wurde, um maximale Einnahmen zu generieren. Stattdessen ist es ein Produkt der Liebe für Videospiele, die Creative Director Swen Vincke und sein Team auszeichnet.
Meinung
Baldur's Gate 3 wird von Larian Studios aus dem belgischen Gent entwickelt. Das Rollenspiel ist am 03. August 2023 für den PC erschienen. Am 06. September 2023 folgt eine Version für die Playstation 5. Die Xbox-Version wurde schließlich am 08. Dezember 2023 im Zuge der Game Awards veröffentlicht, wo das Rollenspiel zum Spiel des Jahres gekürt wurde.

Nur lässt sich daraus keine Schlussfolgerung auf die Allgemeinheit ableiten.
Dass nicht nur Kritiker, sondern auch die Spieler das Spiel in höchsten Tönen loben, zeigen ja die 9,2 Userwertung bei Metacritic oder die 96% positiven Reviews auf Steam.
Es haben übrigens laut Steam-Statistiken 22,7% aller Besitzer das Spiel durchgespielt. Das ist ein vergleichsweise recht hoher Wert. Vor einigen Jahren gab es eine Studie, bei der ermittelt wurde, dass im Schnitt nur 10% der Leute, die ein Spiel kaufen, dieses auch durchspielen. Alles, was sich zwischen 10 und 20% bewegt, ist der Normalzustand.
Noch kurz was zu den Würfeln. In jedem (Rollen)Spiel, in dem Charakterwerte gegen Werte eines Gegners gestellt werden, kommt es zum Würfeln. Es passiert halt meist im Hintergrund, vom Spieler unbemerkt. Aber so funktionieren Zahlen nun einmal. Wenn mein Charakter eine Trefferchance von x% hat, dann bestimmt letztlich auch eine Würfelmechanik, ob ich nun treffe oder nicht.
Dem liegt die Wahrscheinlichkeitsrechnung zugrunde, genau wie dem Wurf eines Würfels. Und ja, auch dreimal die gleiche Zahl bei einem zwanzigseitigen Würfel ist nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit kein Ding der Unmöglichkeit.
Natürlich sollte man sich vorher informieren, was man kauft. Aber das gilt für jedes Spiel. Wer sich z. B. Assetto Corsa oder Gran Turismo kauft, sollte eben auch kein Forza Horizon oder Need for Speed erwarten und umgekehrt. Gibt eben verschiedene Subgenres für verschiedene Geschmäcker.
Nur lässt sich daraus keine Schlussfolgerung auf die Allgemeinheit ableiten.
Dass nicht nur Kritiker, sondern auch die Spieler das Spiel in höchsten Tönen loben, zeigen ja die 9,2 Userwertung bei Metacritic oder die 96% positiven Reviews auf Steam.
Es haben übrigens laut Steam-Statistiken 22,7% aller Besitzer das Spiel durchgespielt. Das ist ein vergleichsweise recht hoher Wert. Vor einigen Jahren gab es eine Studie, bei der ermittelt wurde, dass im Schnitt nur 10% der Leute, die ein Spiel kaufen, dieses auch durchspielen. Alles, was sich zwischen 10 und 20% bewegt, ist der Normalzustand.
Noch kurz was zu den Würfeln. In jedem (Rollen)Spiel, in dem Charakterwerte gegen Werte eines Gegners gestellt werden, kommt es zum Würfeln. Es passiert halt meist im Hintergrund, vom Spieler unbemerkt. Aber so funktionieren Zahlen nun einmal. Wenn mein Charakter eine Trefferchance von x% hat, dann bestimmt letztlich auch eine Würfelmechanik, ob ich nun treffe oder nicht.
Dem liegt die Wahrscheinlichkeitsrechnung zugrunde, genau wie dem Wurf eines Würfels. Und ja, auch dreimal die gleiche Zahl bei einem zwanzigseitigen Würfel ist nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit kein Ding der Unmöglichkeit.